Review: MPH – Schnelle Pillen (Graphic Novel)

Keine Sorge, ich habe euch nicht vergessen, es ist heute nur wieder etwas später geworden, doch nun wollen wir wieder einmal über eine Graphic Novel sprechen, genauer gesagt eine fünfteilige Miniserie, die mich erneut schwer zu begeistern gewusst hat. Kommt mir gut ins Wochenende, wir lesen uns morgen wieder!

MPH
Schnelle Pillen

MPH #1-5, USA 2014/2015

MPH - Schnelle Pillen | © Panini
© Panini

Autor:
Mark Millar
Zeichner:
Duncan Fegredo

Verlag (D):
Panini Verlag
ISBN:
978-3-957-98720-4

Genre:
Action | Krimi | Abenteuer

 

Inhalt:

Ausschnitt aus MPH - Schnelle Pillen | © Panini
© Panini

Roscoe verdingt sich als Drogenkurier und Kleinganove im heruntergewirtschafteten Detroit des Jahres 2014, doch soll dies nur das Sprungbrett für eine erfolgreiche Karriere im Immobiliengeschäft sein, denn Roscoe hat Pläne und Träume, einzig an Kapital mangelt es ihm. Umso ärgerlicher, dass er an einen Ermittler gerät und prompt für mehrere Jahre in den Bau wandert. Dort allerdings kommt Roscoe durch Zufall mit einer Droge namens MPH in Berührung, doch der erwartete Rausch bleit aus, stattdessen verlangsamt sich die Realität. So scheint es ihm zumindest, bis Roscoe gewahr wird, dass die Zeit nicht etwa langsamer abläuft, sondern er sich vielmehr schneller bewegt als der Schall. Mit diesen neugewonnenen Kräften gelingt ihm freilich die Flucht aus dem Gefängnis mit Leichtigkeit und auch sonst stehen ihm alle Tore offen, ist er in den Augen seiner Mitmenschen schließlich kaum länger als einen Wimpernschlag lang zu sehen. Dumm nur, dass die Regierung bereits ein ähnlich veranlagtes Superwesen vor Jahrzehnten inhaftiert hat und Roscoe und seinen Freunden – die er mittlerweile ebenfalls mit MPH versorgt hat – alsbald auf die Schliche kommen…

Rezension:

Wieder einmal habe ich mich mit MPH – Schnelle Pillen einer weiteren Miniserie von Mastermind Mark Millar gewidmet und wieder einmal hat er sich wiederum dem Superhelden-Metier gewidmet und hier sozusagen seine höchst eigene Version von "Flash" abgeliefert, wobei man wohl kaum gesondert erwähnen muss, dass Millar natürlich einen gänzlich anderen, frischen und ungleich geerdeteren Ansatz wählt, wenngleich seine Geschichte vor Skurrilität nur so strotzt, doch bei näherer Betrachtung offenbaren sich auch hier wieder feinsinnige Gedankengänge, die offenbaren, dass Millar sich durchaus Zeit genommen hat, seine Geschichte zu durchdenken und so ist auch das Handeln der Figuren durchaus nachvollziehbar, die ihre neu gewonnenen Kräfte zunächst für nur allzu opportunistische Zwecke missbrauchen, doch wer würde in dieser Situation wirklich anders handeln und sich nicht kindischen Vergnügungen und dergleichen mehr hingeben?

Ausschnitt aus MPH - Schnelle Pillen | © Panini
© Panini

Bis es aber soweit ist, beginnt MPH – Schnelle Pillen nach einem kurzen Prolog zunächst wie ein klassisches Gangster-Drama, wobei diese Vorbereitung natürlich später noch einen tieferen Sinn offenbart und insbesondere der Prolog gegen Ende noch gehörig Gewicht verliehen bekommt und aufs Vortrefflichste mit der eigentlichen Geschichte verknüpft wird, auch wenn man es hier – befinden wir uns schließlich immer noch im Superhelden-Genre – mit der Logik nicht allzu genau nehmen sollte. Nichtsdestotrotz folgt die Story aber auch jederzeit ihrer ihr eigenen Logik, selbst wenn die Gesetze der Physik dafür zuweilen außer Kraft gesetzt werden müssen, zumal dies eben immer im Dienst der Geschichte geschieht und es Millar hierdurch gelingt, einen dem Titel nach extrem temporeichen Reigen abzuspulen, der allerdings auch nach insgesamt fünf Heften zu einem gleichermaßen befriedigenden wie in sich geschlossenen Ende findet, weshalb es verwundert, dass seitens Panini der Band mit der Nummer 1 versehen worden ist, denn eine Fortsetzung ist bislang meines Wissens nicht geplant und da die Veröffentlichung der hier enthaltenen Hefte im Original bereits im Jahr 2015 beendet worden ist, scheint mir da auch nicht unbedingt noch etwas nachzufolgen, zumal eine mögliche Fortsetzung die in sich äußerst stimmige Geschichte nur unnötig verwässern würde.

Für die optische Umsetzung wiederum hat sich Millar hier mit Duncan Fegredo zusammengetan und auch wenn mir sein Stil nicht in jedem Panel zusagen wollte, macht er doch einen durchaus überzeugenden Job und offeriert speziell in den temporeicheren Passagen interessante Ansätze und Stilmittel, die MPH auch eine gewisse Eigenständigkeit verleihen. Das ist insofern auch bitter nötig, da man als Kenner des Millar’schen Schaffens schon einige Parallelen ausmachen kann, weshalb ich mich des Öfteren einerseits an Chrononauts, andererseits an Secret Service erinnert gefühlt habe, die zwar beide in eine gänzlich andere Kerbe schlagen, aber doch auch auffallend viele Gemeinsamkeiten zu MPH besitzen.

Ausschnitt aus MPH - Schnelle Pillen | © Panini
© Panini

Das schmälert aber in keiner Weise den Einfallsreichtum und die Kreativität von Mark Millar und so verwundert es kaum, dass auch für diese Geschichte die Filmrechte längst an den Mann gebracht worden sind. Derweil muss man auch sagen, dass die Geschichten von Millar, je häufiger sie verfilmt worden sind und auch im Kino Erfolge feiern, für sich genommen schon immer cineastischer werden, was sich auch bei MPH bemerkbar macht, wenn man sich einmal das Tempo, die Dialoge, aber auch den Aufbau der Panels betrachtet, die allesamt schier nach einer Verfilmung zu schreien scheinen. Sei es wie es will, wurde ich auch von diesem Band nicht enttäuscht und konnte somit eine weitere Lücke in Millars Bibliografie schließen, wobei der Comic-Tausendsassa bekanntermaßen noch für zahllose andere Serien verantwortlich zeichnet und gezeichnet hat, weshalb nicht davon auszugehen ist, dass ich demnächst Gefahr laufen würde, dass mir der Nachschub ausgeht.

Fazit & Wertung:

Der Natur seiner Geschichte nach punktet MPH – Schnelle Pillen mit gehörigem Tempo und spürbarem Einfallsreichtum, der Kultautor Mark Millar niemals auszugehen scheint, weshalb auch diese in sich abgeschlossene Miniserie eine unbedingte Empfehlung für Freunde seines Schaffens darstellt und auf geistreichste Art und Weise ein weiteres Versatzstück des Superhelden-Metiers aufs Korn nimmt und gleichermaßen eine liebevolle Hommage darzustellen versteht.

8 von 10 eingeworfenen Pillen

MPH – Schnelle Pillen

  • Eingeworfene Pillen - 8/10
    8/10

Fazit & Wertung:

Der Natur seiner Geschichte nach punktet MPH – Schnelle Pillen mit gehörigem Tempo und spürbarem Einfallsreichtum, der Kultautor Mark Millar niemals auszugehen scheint, weshalb auch diese in sich abgeschlossene Miniserie eine unbedingte Empfehlung für Freunde seines Schaffens darstellt und auf geistreichste Art und Weise ein weiteres Versatzstück des Superhelden-Metiers aufs Korn nimmt und gleichermaßen eine liebevolle Hommage darzustellen versteht.

8.0/10
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MPH – Schnelle Pillen ist am 26.04.16 im Panini Verlag erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über den nachfolgenden Link und unterstützt damit das Medienjournal!

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