Review: Sommer im Februar (Film)

Jetzt wie versprochen wieder chronologisch, dafür mit umso kürzerem Vorwort, weil ich noch immer kränklich bin.

Sommer im Februar

Summer in February, UK 2013, 100 Min.

Sommer im Februar | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Regisseur:
Christopher Menaul
Autor:
Jonathan Smith

Main-Cast:
Dominic Cooper (AJ Munnings)
Dan Stevens (Gilbert Evans)
Emily Browning (Florence Carter Wood)
in weiteren Rollen:
Hattie Morahan (Laura Knight)
Shaun Dingwall (Harold Knight)
Max Deacon (Joey Carter Wood)
Mia Austen (Dolly)
Nicholas Farrell (Mr. Carter Wood)
Michael Maloney (Colonel Paynter)

Genre:
Biografie | Drama | Romantik | Historie

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Sommer im Februar | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Im Cornwall des Jahres 1913 trifft die junge Florence Carter-Wood in der hiesigen Künstlerkolonie ein und schickt sich an, selbst eine erfolgreiche Künstlerin zu werden, doch gerät sie stattdessen einerseits an den englischen Maler Alfred Munnings und dessen besten Freund Gilbert Evans, die beide prompt ein Auge auf die Schönheit werfen, derweil es Frauenheld und Exzentriker Munnings ist, der ihr schlussendlich einen Antrag macht. Obschon Florence durchaus Augen für Gilbert hat, nimmt sie den Antrag an, doch erste Eheprobleme lassen nicht lange auf sich warten, denn nicht nur Munnings ist ein ziemlicher Herumtreiber, sondern auch Florence beginnt schließlich mit Gilbert eine heimliche Affäre. Spätestens als die frisch getraute Braut bereits in ihrer Hochzeitsnacht versucht, sich das Leben zu nehmen, wird klar, dass diese drei Personen dem scheinbar unweigerlichen Verderben entgegentrudeln…

Rezension:

Ich muss ja zugeben, dass ich historischen Filmen mit romantischem und/oder tragischen Einschlag oftmals im Vorfeld eher skeptisch gegenüberstehe, doch nachdem mich schon Werke wie In Secret oder auch die Brontë-Verfilmung Jane Eyre eines Besseren belehrt haben, habe ich mich nun endlich auch an Sommer im Februar herangewagt, der mich zugegebenermaßen vorrangig aufgrund der Beteiligung von Emily Browning (God Help the Girl) und Dominic Cooper (Abraham Lincoln Vampirjäger) gereizt hat. Hier nun handelt es sich um die Verfilmung von tendenziell wahren Begebenheiten, die auf den Tagebüchern von Gilbert Evans fußen, der wiederum im Film von Dan Stevens verkörpert wird und Teil des Liebesdreiecks um Brownings Figur der angehenden Künstlerin Florence Carter Wood und – auf der anderen Seite – dem Enfant terrible AJ Munnings wird. Leider aber weiß das Skript aus diesem generischen Ansatz doch verhältnismäßig wenig zu machen und so versandet die Geschichte vermehrt in pittoresker Bedeutungslosigkeit.

Szenenbild aus Sommer im Februar | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Dabei beginnt Sommer im Februar durchaus vielversprechend und die ländliche Künstlerkommune, zu der nun eben frisch besagte Miss Wood stößt, wird interessant in Szene gesetzt, derweil sich Coopers Figur mit der ihr innewohnenden Exzentrik prompt von den weiteren Vertretern abhebt. Nach anfänglicher Exposition der Figuren und der herrschenden Umstände aber zerfasert der Film leider mehr und mehr und reiht alsbald nur noch belanglose Einzelszenen aneinander, was nun nicht eben dazu beiträgt, eine Art Spannung zu generieren oder zum Mitfiebern zu verleiten. Speziell das Verhalten von Florence Carter Wood – obwohl doch trefflich verkörpert von Emily Browning – gibt immer öfter Rätsel auf, was aber dem Skript geschuldet sein mag, denn während man wohl einerseits vom Zuschauer erwartet, tief in die Seele der Frau blicken zu können, gelingt es doch kaum, ihr wirklich näher zu kommen, wodurch ihr Verhalten zunehmend irrationaler wirkt. Ähnlich ergeht es übrigens aber auch den anderen beiden Hauptfiguren, wobei dies Coopers Interpretation seiner Figur des opportunistischen Künstlers durchaus zugutekommt, ist schließlich sein gesamter Charakter im Grunde auf irrationalem und oft nicht nachvollziehbaren Verhalten begründet, doch hilft das auch nicht, dem Film in seiner zweiten Hälfte eine Art Spannung zu bescheinigen.

In diesem Zusammenhang merkt man deutlich, wie emotional und packend Sommer im Februar gerne gewesen wäre, doch lässt einen das Geschehen merkwürdig kalt, je weiter die Geschichte voranschreitet. So trifft insbesondere Florence einige fragwürdige Entscheidungen, die dem Zuschauer aber in keiner Weise erklärt werden, weil das Drama, die Tragik, die Ausweglosigkeit im Grunde pure Behauptung bleiben, derweil Dan Stevens‘ Figur des Gilbert Evans weitestgehend passiv bleibt und folglich ebenso wenig als Sympathieträger und Identifikationsfigur taugt wie der zunehmend unsympathischer werdende Munnings. Im letzten Drittel zwar bemüht sich Drehbuchautor Jonathan Smith spürbar um einen größeren Kontext, doch hilft das auch nicht mehr, den von Christopher Menaul inszenierten Film aus der Belanglosigkeit zu hieven.

Szenenbild aus Sommer im Februar | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Nichtsdestotrotz, es ist nicht alles schlecht an Sommer im Februar und während speziell Browning und Cooper im Rahmen ihrer Möglichkeiten das Beste aus den Rollen herauszuholen, wissen auch die Landschaftsaufnahmen und die zeitgenössische Illustration des Cornwall zu Zeiten des frühen 20. Jahrhunderts zu gefallen, doch machen schöne Bilder eben leider noch keinen guten Film und so sehr die Momenteindrücke des künstlerischen Schaffens und die an die Bohème gemahnende Parallelgesellschaft zu gefallen wissen, verliert der Reigen mehr und mehr den roten Faden aus den Augen und dümpelt mehr als einmal zu häufig vor sich hin und droht, sich im schwelgerischen Blick auf die sturmumtosten Küsten zu verlieren, was dann letztendlich einen Film ergibt, der mit seinen DarstellerInnen und schönen Bildern zu übertünchen versucht, dass nicht nur die Geschichte in ihrem Kern reichlich trivial ist, sondern vor allem im weiteren Verlauf zunehmend zerfasert, bis man den Charakteren so fern ist, dass ihr Schicksal kaum noch zu tangieren imstande ist.

Fazit & Wertung:

Christopher Menauls Sommer im Februar versucht mit pittoresken Landschaftsaufnahmen und einer Andeutung des künstlerischen Schaffens im Cornwall des frühen 20. Jahrhunderts für sich einzunehmen, täuscht damit aber nicht darüber hinweg, dass der Plot kaum imstande ist, echte Spannung oder Interesse zu erzeugen und gerade in der zweiten Hälfte regelrecht vor sich hindümpelt. Leider ein nur mäßig überzeugender Vertreter des Subgenres tragisch-romantischer Historienfilme.

4,5 von 10 porträtierten Frauen

Sommer im Februar

  • Porträtierte Frauen - 4.5/10
    4.5/10

Fazit & Wertung:

Christopher Menauls Sommer im Februar versucht mit pittoresken Landschaftsaufnahmen und einer Andeutung des künstlerischen Schaffens im Cornwall des frühen 20. Jahrhunderts für sich einzunehmen, täuscht damit aber nicht darüber hinweg, dass der Plot kaum imstande ist, echte Spannung oder Interesse zu erzeugen und gerade in der zweiten Hälfte regelrecht vor sich hindümpelt. Leider ein nur mäßig überzeugender Vertreter des Subgenres tragisch-romantischer Historienfilme.

4.5/10
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