Review: Wayne of Gotham – Ein Batman-Roman | Tracy Hickman (Buch)

Es wird wieder Zeit für eine Buch-Kritik und diesmal kredenze ich euch einen erneut eher ungewöhnlichen Band, der auf, beziehungsweise in meinem Nachttisch lange verschollen war, doch weg kommt ja zum Glück nichts und so komme ich heute dazu, euch von folgendem Roman zu erzählen.

Wayne of Gotham
Ein Batman-Roman

Wayne of Gotham, USA 2012, 320 Seiten

Wayne of Gotham - Ein Batman-Roman | © Panini
© Panini

Autor:
Tracy Hickman
Übersetzer:
Timothy Stahl

Verlag (D):
Panini Books
ISBN:
978-3-833-22874-2

Genre:
Krimi | Mystery | Thriller

 

Inhalt:

In den 1950er Jahren schickt sich Thomas Wayne – Vater von Bruce – an, seinem herrischen Vater die Stirn zu bieten und auf dem Gebiet der Medizin Erfolge zu feiern, doch gerät er in seinem jugendlichen Leichtsinn nicht nur in illustre, sondern auch gleichermaßen dubiose Gesellschaft, während er sich – aus dem Willen heraus, der Menschheit zu helfen – mit dem Altnazi Dr. Richter zusammentut und mittels "viral implantierter Moral" Verbrecher zum Besseren bekehren möchte. Die Forschungen allerdings, die sie im Arkham Asylum aufnehmen, sollen schreckliche Folgen nach sich ziehen, deren Nachwehen bis in die Gegenwart des mittlerweile über fünfzigjährigen Bruce Wayne erstrecken, der noch immer als Batman über Gotham und seine Einwohner wacht, denn ein geheimnisvoller Schurke lädt zum Tanz und Wayne begegnet einer Frau namens Amanda Richter, die einiges über seinen Vater zu wissen scheint…

Rezension:

Dem Dunklen Ritter in Comic-Form durch die Straßen Gothams zu folgen ist beinahe immer ein Hochgenuss und es gibt einige kultverdächtige Geschichten, die man dem geneigten Leser empfehlen und an die Hand geben könnte, wie beispielsweise das jüngst neu aufgelegte Killing Joke, um nur ein Beispiel zu nennen und auch nur deshalb, weil nicht nur auf diese spezielle Geschichte im vorliegenden Roman aktiv Bezug genommen wird. Apropos Roman, mag es ein merkwürdiges Ansinnen sein, den nächtlichen Beschützer der Stadt ins literarische Genre zu adaptieren, doch hat man im Fall von Wayne of Gotham dafür immerhin Fantasy-Altmeister Tracy Hickman gewinnen können, der auch eine zunächst vielversprechende Geschichte abliefert, die aber leider im zunehmenden Verlauf weiter zerfasert.

Schnell kristallisiert sich hier nämlich die durchgängig zweigleisige Erzählweise heraus, die einerseits Thomas Wayne, andererseits Bruce Wayne in den Fokus rückt und damit auch dem Titel Wayne of Gotham eine gewisse Doppeldeutigkeit verleiht. Speziell bei Thomas‘ Erzählstrang konnte sich Hickman natürlich auch richtiggehend austoben, denn nicht viel ist über den Vater des berühmtesten Mannes von Gotham bekannt und die Art und Weise, wie hier die 50er Jahre inszeniert und mit einer Gotham-Variation der Beat-Generation bevölkert werden, sprach mich doch durchaus an, doch fällt der Gegenwarts-Plot demgegenüber nach anfänglicher Faszination – Batman ist mittlerweile ein wenig in die Jahre gekommen und zuweilen des Kämpfens müde – merklich ab, zumal die Zeitwechsel nach und nach immer öfter auftreten und sich teils innerhalb der Kapitel vollziehen, beispielsweise wenn Bruce die Aufzeichnungen seines Vaters studiert, was als Kniff gut hätte funktionieren können, so die Geschichte allerdings reichlich zerfasert wirken lässt.

Zudem übertreibt es Hickman für meinen Geschmack doch ein wenig zu sehr damit, ikonische Schurken auf Batman zu hetzen, denn die Art und Weise, wie hier Scarface, Spellbinder, Harley Quinn, der Joker und einige weitere mehr unmotiviert – beziehungsweise aus fadenscheinigen Gründen – in Erscheinung treten, wirkt doch eher wie Fan-Service als wirklich von der Geschichte diktierte Begegnungen. So ist es zwar Teil des Rätsels, wer hinter alledem stecken mag, doch gerät gerade in diesem Kontext das überaus wendungsreiche, leider über die Maßen konstruiert wirkende Finale noch mehr in die Kritik, doch Details werde ich mir natürlich tunlichst verkneifen. Nichtsdestotrotz merkt man spätestens hier das Problem, dass Wayne of Gotham durchaus andere Werke referenziert, sich gleichzeitig aber auch vom Kanon zu emanzipieren versucht, was leider in letzter Konsequenz eine doch sehr unbefriedigende Mischung ergibt.

"Keine Bewegung!"
Er hat auf mich gewartet. Er ist hinter mir. Dienstpistole. Gordon war schon immer ein hervorragender Schütze. Irgendwie habe ich es in meinem Innersten stets gewusst, dass er dabei sein würde, wenn ich sterbe. Aber nicht heute … Batman setzte dazu an, sich langsam umzudrehen.
"Ich sagte, keine Bewegung!"
Batman verharrte. "Beruhigen Sie sich, Gordon! Sie werden von Spellbinder manipuliert und benutzt."
"Von wegen!", erwiderte Gordon. Ein Zittern lag in seiner Stimme. "Spellbinder sitzt in Arkham … Ich habe sie dort gestern selbst gesehen, bevor … bevor du …"
Er ist wütend. Er leidet. Was sieht er? Was hat Moffit ihm vorgegaukelt?
Gordons Worte waren scharf wie die Glassplitter, die ringsum am Boden lagen. "Wie konntest du … Du Dreckskerl hast sie umgebracht!"
"Wen? Wen habe ich umgebracht, Gordon?"
"Du weißt nicht einmal mehr ihren Namen?" Gordons Stimme wurde kalt. "Barbara. Meine kleine Barbara … Deinetwegen saß sie in diesem Rollstuhl, und jetzt hast du ihr den Rest gegeben!"
"Denken Sie nach, Gordon! Der Joker hat sie in den Rollstuhl gebracht … erinnern Sie sich! Sie lebt noch, Jim …"

Wie gesagt, sowohl der Ansatz eines gealterten Batman als auch der zweigleisigen Erzählweise haben durchaus ihren Reiz, aber der kaum über 300 Seiten lange Roman bietet in beiderlei Hinsicht nichts Halbes und nichts Ganzes, derweil speziell der Gegenwarts-Plot zuweilen doch reichlich krude zusammengeschustert wirkt und Bruce Wayne sich mehr als einmal dumm verhält, nicht etwa, weil er es müsste oder Gründe dafür sprechen würden, sondern weil es die Geschichte verlangt, um zu funktionieren. Das ist schade, denn ohne den visuellen Anreiz verliert der Roman im Vergleich zum Comic ohnehin schon an Faszination und speziell die actionreichen Passagen – immerhin nur wenige an der Zahl – wissen nur leidlich zu überzeugen und wie hilfreich wäre es da gewesen, in Wayne of Gotham einen durch und durch stimmigen Plot präsentieren zu können. Diese Chance aber verpasst Hickman in weiten Teilen und liefert stattdessen eine ausgedehnte, Haken schlagende, immer wieder von Rückblenden unterbrochene Schnitzeljagd durch halb Gotham, ohne den vielen, hinlänglich bekannten Figuren, die hier erwähnt werden oder mitmischen dürfen, nur annähernd gerecht zu werden.

Fazit & Wertung:

Mit Wayne of Gotham – Ein Batman-Roman versucht sich Tracy Hickman daran, den Dunklen Ritter von Gotham aus dem Comic-Metier in die literarische Sparte zu überführen. Was ihm allerdings erzählerisch durchaus gelingen mag, funktioniert dramaturgisch leider nicht annähernd so gut, da die Geschichte doch reichlich konstruiert wirkt und ihr die vielen Gastauftritte altbekannter Figuren eher schaden denn nützen. Ausgewiesene Batman-Fans mögen sich von dieser ungewöhnlichen Art des Storytellings durchaus unterhalten lassen, doch ansonsten greife man besser zu einem der zahllosen Comics.

6 von 10 rätselhaften Einladungskarten

Wayne of Gotham – Ein Batman-Roman

  • Rätselhafte Einladungskarten - 6/10
    6/10

Fazit & Wertung:

Mit Wayne of Gotham – Ein Batman-Roman versucht sich Tracy Hickman daran, den Dunklen Ritter von Gotham aus dem Comic-Metier in die literarische Sparte zu überführen. Was ihm allerdings erzählerisch durchaus gelingen mag, funktioniert dramaturgisch leider nicht annähernd so gut, da die Geschichte doch reichlich konstruiert wirkt und ihr die vielen Gastauftritte altbekannter Figuren eher schaden denn nützen. Ausgewiesene Batman-Fans mögen sich von dieser ungewöhnlichen Art des Storytellings durchaus unterhalten lassen, doch ansonsten greife man besser zu einem der zahllosen Comics.

6.0/10
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Wayne of Gotham – Ein Batman-Roman ist am 17.06.14 im Panini Verlag erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über den nachfolgenden Link und unterstützt damit das Medienjournal!

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