Review: 51st State: Das Master-Set (Spiel)

Zu einer Serien-Review bin ich heute leider nicht gekommen, doch dafür habe ich mal wieder ein ungemein großartiges Spiel für euch im Gepäck, beziehungsweise natürlich die ausführliche Kritik zu selbigem. Und wer weiß, vielleicht komme ich dafür ja dann morgen mit einem Serien-Artikel ums Eck. Bis dahin euch aber erst einmal einen schönen Abend!

51st State
Das Master-Set

51st State

51st State: Das Master-Set | © Portal Games
© Portal Games

Autor:
Ignacy Trzewiczek
Verlag (D):
Portal Games

Kategorie:
Kartenspiel
Genre:
Endzeit

Spielerzahl:
1-4 Spieler
Spieldauer:
60-90 Minuten

Inhalt:

Seiner Natur als Kartenspiel gemäß wartet das 51st State: Das Master-Set zunächst einmal mit insgesamt 200 Spielkarten auf, doch sind beinahe genauso viele Holzplättchen für die einzelnen Ressourcen sowie Arbeiter enthalten, ebenso wie eine Vielzahl an Papp-Plättchen, um beispielsweise Kontakt-Möglichkeiten darzustellen. Entsprechend üppig präsentiert sich das Spiel und macht dem Label "Master-Set" alle Ehre.

  • 88 Karten "51st State"
  • 50 Karten "The New Era"
  • 50 Karten "Winter"
  • 12 Kontaktkarten
  • 30 Holzteile Baumaterial
  • 30 Holzteile Knarren
  • 30 Holzteile Metall
  • 30 Holzteile Treibstoff
  • 38 Holzteile Arbeiter
  • 20 rote Kontaktplättchen
  • 20 blaue Kontaktplättchen
  • 20 graue Kontaktplättchen
  • 7 Plättchen "Multi-Kontakt"
  • 13 Plättchen "Munition"
  • 9 Umbauplättchen
  • 10 Schildplättchen
  • 4 Vervielfältigungsplättchen
  • 4 Siegpunkteplättchen
  • 1 Startspielerplättchen
  • 4 Fraktionstafeln
  • 1 Siegpunktetafel
  • 1 Anleitung
  • 1 Beiblatt (Spielaufbau/Zusammenfassung)

 

Rezension:

Schon als sich seinerzeit Imperial Settlers für mich als absoluter Überraschungs-Hit erwies und ich bis heute gerne eine Partie davon spiele, hatte ich nach Ignacy Trzewiczeks konzeptionell sehr ähnlich gelagertem Vorgängerspiel 51st State geschielt, doch irgendwie kam es nie dazu, dass ich mir das Spiel zugelegt habe und auch auf der Spielemesse im vergangenen Herbst wurde ich nicht fündig. Zum Glück, muss man im Nachhinein sagen, denn kaum war die Messe vorbei, bekam ich das erste Mal Wind davon, dass der polnische Publisher Portal Games sich nun anschickt, auch den deutschen Markt zu erobern und ausgerechnet eine überarbeitete Neuauflage von 51st State, in diesem Zusammenhang als Master-Set betitelt und um zwei Erweiterungen (The New Era und Winter) ergänzt, sollte den Anfang des Eroberungsfeldzuges machen, woraufhin ich prompt alle Hebel in Bewegung gesetzt habe, um schnellstmöglich in den Besitz dieser Neuauflage zu gelangen.

51st State: Das Master-Set | © Portal Games
4 Fraktionen im Kampf um die Vorherrschaft

Und tatsächlich gibt es viele Mechanismen, die bereits aus Imperial Settlers bekannt sein könnten, wobei das von der Grundaussage her ja eigentlich falsch ist, denn schließlich gab es 51st State viel früher und Trzewiczek sagte einst selbst, dass Imperial Settlers aus dem Gedanken heraus entstanden ist, eine familienfreundlichere Alternative zu seinem postapokalyptischen Kartenspiel zu schaffen. Hier nun ist tatsächlich nicht nur der Umgangston rauer, sondern auch die Anleitung weit flapsiger gestaltet, was dem Spiel sehr gut zu Gesicht steht, zumal die Regeln im Grunde ziemlich einfach sind und man sich bereits nach kurzer Lektüre der nicht einmal vierzehnseitigen und reich bebilderten Anleitung ins Vergnügen stürzen kann. Vor allem aber macht sich das postapokalyptische Setting in zwei weiteren Aspekten bemerkbar. Einmal – und das ist ziemlich offensichtlich – im Artwork der Karten, die so richtig schön dreckig und düster daherkommen und, ebenso wie die vier Fraktionstafeln, ausnehmend liebevoll gestaltet sind. Zudem macht sich das Setting aber tatsächlich auch beim Spiel selbst bemerkbar, denn hier ist nichts und niemand sicher und man kann sich nach Belieben an den Orten der Mitspieler schadlos halten und diese plündern und anschließend niederbrennen, vorausgesetzt natürlich, man hat genügend Schlägertypen oder Söldner zur Hand, die wiederum durch rote Kontaktplättchen symbolisiert werden.

Und wozu das Ganze?

Kontaktplättchen sind hierbei so etwas wie das Herzstück des Spiels, denn jede Karte im Stapel, auf der Hand oder in der Auslage stellt einen Ort dar und mit Orten zu interagieren ist Kernkonzept von 51st State und – hier schließt sich der Kreis – zum Interagieren braucht man Kontaktplättchen: rote Kontaktplättchen zum Plündern, blaue Kontaktplättchen, um Deals auszuhandeln (das sind also die Händler) sowie graue Kontaktplättchen zum Bauen von Orten (die Baumeister und Ingenieure also). Am Ende gewinnt – oh Wunder, wer die meisten Siegpunkte hat, 25 mindestens, um das Spielende einzuläuten, so dass nur noch die aktuelle Runde zu Ende gespielt wird, wobei ganz zum Schluss dann noch einmal jeder Ort in der Auslage einen Siegpunkt zählt, weshalb Bauen oft deutlich attraktiver ist als Plündern oder Deals aushandeln, doch ist das natürlich auch immer eine Frage der Umstände und der persönlichen Strategie, wobei Plündern im Feindesland natürlich in diesem Kontext immer Sinn macht.

Wie der Hase läuft

Um das Ziel – also die Siegpunkte – zu erreichen, muss man aber natürlich zuerst einmal spielen und damit das alles schön geordnet abläuft, gliedert sich auch hier jede Runde in mehrere Phasen. Alles beginnt mit der Kartenphase, in der es, wie der Name schon sagt, um Karten geht (wie überhaupt die ganze Zeit in diesem KARTENspiel), namentlich Kontaktkarten, die einem Plättchen bescheren können, sowie neue Karten für die eigene Hand. Hierzu werden vom Nachziehstapel eine Anzahl Karten (Spieleranzahl plus eins) aufgedeckt und beginnend mit dem Startspieler schnappt sich nun jeder eine davon. Die übrig bleibende Karte wird abgeworfen und dann gibt es noch einen Stoß Karten, der diesmal in umgekehrter Reihenfolge, also beginnend beim letzten Spieler, an den Mann gebracht wird. Ein Handkartenlimit gibt es dabei erfreulicherweise nicht, man kann also nach Belieben bunkern und horten, wie es einem gefällt.

51st State: Das Master-Set | © Portal Games
Die Ressourcen des Spiels

Es schließt sich die Produktionsphase an und hier wird produziert, namentlich zunächst einmal das, was auf dem Fraktionsbogen als "Grundeinkommen" aufgedruckt ist. Dabei kann es sich um Kontaktplättchen handeln und ebenso um Ressourcen, derer es hier einige gibt, nämlich Baumaterial, Knarren, Metall, Treibstoff und zudem noch Arbeiter, wobei es sich hier natürlich nicht im klassischen Sinne um eine Ressource handelt. All diese Dinge werden durch liebevoll gestaltete Holzsteine repräsentiert, wie man sie in weitaus knuffigerer Ausführung eben auch schon aus Imperial Settlers kennt. Eine Sonderrolle nimmt Munition ein, denn Munition ist so etwas wie der Joker unter den Rohstoffen und kann gegen alles eingetauscht werden, denn klar, in der postapokalyptischen Ödnis braucht nicht jeder Baumaterial oder Treibstoff, aber Munition kann ja nie verkehrt sein, um sich und seine Lieben zu schützen. So ein bisschen Zeug von der Fraktionstafel zu bekommen ist dabei natürlich nett, reicht aber längst nicht, um den Kontrahenten gefährlich zu werden und eine Weltmacht zu errichten und da kommen dann wieder die Gebäude ins Spiel, einerseits die Orte nämlich, mit denen man einen Deal gemacht hat – denn von denen gibt es fortan jede Runde den entsprechend aufgedruckten Rohstoff – andererseits die gebauten Produktionsorte, die in der obersten Reihe neben der Fraktionstafel aufgereiht werden, denn die produzieren ebenfalls und heißen gerade deshalb so.

Wenn man richtig clever ist, handeln alle Spieler die Produktionsphase gleichzeitig ab und dann kann es auch schon weitergehen mit der Aktionsphase und die kann sich hinziehen, je länger das Spiel schon läuft, denn je mehr Ressourcen zur Verfügung stehen, umso mehr kann man damit machen und hat folglich die Qual der Wahl. Mit Blick auf die eigenen Handkarten und die zur Verfügung stehenden Kontaktplättchen kann man nämlich nun Orte bauen oder plündern sowie alternativ einen Deal aushandeln, doch gibt es daneben noch weitere Alternativen, denn es gibt auch Aktionsorte, deren Aktion man in der Aktionsphase (ihr merkt langsam, wie es läuft, oder!?) aktivieren kann. Um aber Aktionen nutzen zu können, braucht man meistens Ressourcen und da gibt es allerhand Möglichkeiten, das eigene Polster noch ein bisschen größer zu machen, denn jeder abgeschlossene Deal gibt sofort die aufgedruckte Ware, jeder geplünderte Ort gibt sofort Beute und wenn man einen Produktionsort baut, produziert der auch direkt und nicht erst in der nächsten Runde und das ist auch der Grund, warum sich so eine Runde teilweise enorm in die Länge ziehen kann, denn wer gewieft ist, findet immer noch einen Weg, noch mehr tun zu können als anfänglich gedacht.

51st State: Das Master-Set | © Portal Games
Das Reich von New York

Egal aber, wie clever man ist, wie gut man spielt und wie viel Glück man hat, kommt irgendwann der Punkt, an dem man passen muss – ist ja auch gut so, sonst würde die Runde ja niemals enden – , doch selbst zu passen hat seine Vorteile, denn nun können die Orte im eigenen Reich nicht mehr Ziel einer gegnerischen Plünderung sein, man ist also im wahrsten Sinne des Wortes "Safe" und kann sich den Rest der Aktionsphase die Zeit damit vertreiben, die Mitspieler aufzuziehen und zu ärgern, damit einem nicht langweilig wird, denn wer einmal gepasst hat, für den ist dieser Teil der Runde vorbei.

Und weil Ordnung wie gesagt selbst in der postapokalyptischen Ödnis wichtig ist, folgt auf die Aktionsphase die unweigerliche Aufräumphase und alles, was man so über das Spielfeld verteilt hat, also Ressourcen und Arbeiter, wird abgeräumt und ebenso alles, was man vielleicht nicht hat verbraten können, es sei denn, man hat einen Fähigkeitenort, der es einem erlaubt, Sachen einzulagern, denn ansonsten ist alles weg. Die Orte in der Auslage, ebenso wie die Handkarten bleiben einem aber immerhin erhalten, wäre ja sonst auch blöd für vorausschauende Planung und dergleichen. Tja, und wenn alles ordentlich ist, dann ist die Runde auch schon rum und der Spaß geht von vorne los, bis wie gesagt einer schreit und 25 Siegpunkte hat, denn dann wäre dies nun das Ende und alle Spieler würden nur noch Siegpunkte für ihre Orte addieren.

Und wie ist das jetzt so?

Jetzt habe ich euch wieder in gewohnt ausführlicher Weise den Spielablauf geschildert, ohne mich groß dazu zu äußern, wie sich das denn so spielt, doch gehört das zu einer Rezension oder Review freilich dazu und ich für meinen Teil muss sagen, dass mir 51st State noch einmal einen Hauch besser gefällt als das artverwandte Imperial Settlers, denn nicht nur ist das Setting absolut meins und großartig gelungen, wirkt zumindest in der vorliegenden, überarbeiteten Auflage alles noch einmal einen Touch stimmiger als zuvor schon. Schön auch, dass die einzelnen Fraktionen zwar unterschiedliche Stärken, Schwächen und Schwerpunkte haben, ansonsten aber der Fundus an Orten für alle gleich ist und auch kein Ort sicher vor gegnerischen Plünderungen (einer der gravierendsten Unterschiede zu dem später konzipierten Spiel), so dass man nie sicher sein kann, am Ende der Runde noch alles zu besitzen, was man da so vor sich liegen sieht. Ansonsten gibt es aber auch noch einige Tricks und Kniffe, die das Spielgeschehen interessanter machen wie etwa die offenen Produktionsorte, wo man seine Arbeiter hinschicken kann, um im Feindesland Waren zu produzieren, die Möglichkeit, bestehende Orte umzubauen, also quasi zu überbauen, wenn man nicht genügend graue Kontaktplättchen besitzt und einiges mehr.

So gefallen insbesondere die Karten, die wie gesagt das Herzstück von 51st State ausmachen, ganz besonders gut und sind ungemein intuitiv gestaltet, so dass die Entfernung, die angibt, wie viele graue Kontaktplättchen man zum Bau benötigt, grau unterlegt ist, während das Deal-Feld entsprechend der benötigten blauen Plättchen blau unterlegt ist, wohingegen die Beute, die man beim Plündern (rote Plättchen) bekommt, logischerweise rot unterlegt ist. So findet man sich ungemein schnell ins Spiel und kann zwischen den unterschiedlichen Möglichkeiten abwägen, während man nach nur wenigen Partien, die meist in unter zwei Stunden abgehandelt sind, anfängt, richtige Strategien zu entwickeln und mehr und mehr zu durchschauen, wie einzelne Karten miteinander kombiniert werden können und gleichzeitig immer besser abwägen kann, was einem in welcher Situation am meisten hilft.

51st State: Das Master-Set | © Portal Games
Die Karten der Winter-Erweiterung

Wäre der Langzeitspielspaß nicht ohnehin schon hoch genug, sorgen die beiden, bereits in das Master-Set integrierten Erweiterungen zusätzlich für Abwechslungsreichtum, so dass man, wenn man sich von den Karten des Grundspiels angeödet fühlt, eines der jeweils fünfzig Karten umfassenden Decks mit hineinmischen kann und damit das Spielgeschehen noch einmal signifikant verändert, wobei es mir die New Era-Erweiterung besonders angetan hat, weil sie den Endzeitgedanken noch einmal weiterspinnt und beispielsweise das Plündern noch lukrativer macht, andererseits in die Lage versetzt, Schilde zu produzieren, die die eigenen Orte effektiver zu schützen imstande sind, während es auch einige neue Möglichkeiten gibt, rote und blaue Kontaktplättchen oder neue Handkarten zu generieren, was ebenfalls ganz neue Möglichkeiten eröffnet. Die Winter-Erweiterung wiederum bietet ebenfalls einige neue spannende Produktionsorte und die Möglichkeit, Arbeiter einzulagern, wartet vor allem aber mit einer ganzen Handvoll an neuen Aktionsorten auf, die es ermöglichen, noch effektiver Siegpunkte zu generieren, so dass jedes der Kartensets durchaus seinen Reiz hat, jedoch ausdrücklich davon abgeraten wird, beide Erweiterungen zusammen mit dem Grundspiel zu nutzen, was ich nach einer kurzen Testrunde nur bestätigen kann.

Fazit & Wertung:

In der überarbeiteten Neuauflage präsentiert sich 51st State: Das Master-Set in seiner bestmöglichen Variante und wirkt nicht nur ungemein stimmig und ausbalanciert, sondern wartet mit gleich zwei Erweiterungen auf, während man sich beim Design des Spielmaterials und speziell der Karten merklich Gedanken gemacht hat. Davon abgesehen handelt es sich aber schlicht und ergreifend um eines der intelligentesten und abwechslungsreichsten Kartenspiele überhaupt, derweil das postapokalyptische Setting sicherlich Geschmackssache sein dürfte, doch mir persönlich hat sich Ignacy Trzewiczeks Kultspiel prompt ins Herz gespielt und hat gegenüber dem hieraus entstandenen Imperial Settlers die Nase deutlich vorn.

4,8 von 5 Punkten

51st State: Das Master-Set

  • Spielkonzept/-mechanismen
  • Ausstattung/Qualität
  • (Langzeit-)Spielspaß

Fazit & Wertung:

In der überarbeiteten Neuauflage präsentiert sich 51st State: Das Master-Set in seiner bestmöglichen Variante und wirkt nicht nur ungemein stimmig und ausbalanciert, sondern wartet mit gleich zwei Erweiterungen auf, während man sich beim Design des Spielmaterials und speziell der Karten merklich Gedanken gemacht hat. Davon abgesehen handelt es sich aber schlicht und ergreifend um eines der intelligentesten und abwechslungsreichsten Kartenspiele überhaupt, derweil das postapokalyptische Setting sicherlich Geschmackssache sein dürfte, doch mir persönlich hat sich Ignacy Trzewiczeks Kultspiel prompt ins Herz gespielt und hat gegenüber dem hieraus entstandenen Imperial Settlers die Nase deutlich vorn.

4.8
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Weitere Details zum Spiel findet ihr auf der Seite von Portal Games. Dort gibt es übrigens auch die vollständige deutsche Spielanleitung und weitere Materialien als PDF zum Download.

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51st State: Das Master-Set ist im Januar 2017 bei Portal Games erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über den nachfolgenden Link und unterstützt damit das Medienjournal!

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