Review: Iron Fist | Staffel 1 (Serie)

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Und wie sich das so gehört, warte ich natürlich heute standesgemäß mit der nächsten Serien-Kritik zur neuesten Marvel-Netflix-Serie auf, schließlich ist die Wochenfrist mit Ablauf des gestrigen Tages bereits verstrichen. Viel Spaß und ein sonniges Wochenende!

Iron Fist
Staffel 1

Iron Fist, USA 2017-, ca. 53 Min. je Folge

Iron Fist | © Netflix
© Netflix

Serienschöpfer:
Scott Buck
Showrunner:
Scott Buck

Main-Cast:
Finn Jones (Danny Rand)
Jessica Henwick (Colleen Wing)
Tom Pelphrey (Ward Meachum)
Jessica Stroup (Joy Meachum)
Ramon Rodriguez (Bakuto)
Sacha Dhawan (Davos)
Rosario Dawson (Claire Temple)
David Wenham (Harold Meachum)
in weiteren Rollen:
Carrie-Anne Moss (Jeri Hogarth)
Wai Ching Ho (Madame Gao)
Clifton Davis (Lawrence Wilkins)
Ramon Fernandez (Kevin Singleton)
Barrett Doss (Megan)
Marquis Rodriguez (Darryl)
Alex Wyse (Kyle)
David Furr (Wendell Rand)

Genre:
Krimi | Drama | Action

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Iron Fist | © Netflix
© Netflix

Fünfzehn Jahre sind vergangen, seit Danny Rand vermeintlich bei einem tragischen Flugzeugabsturz über dem Himalaja gemeinsam mit seinen Eltern umgekommen ist, doch Danny ist nicht gestorben, wurde stattdessen von Mönchen aufgenommen und zur sagenumwobenen "Iron Fist" ausgebildet. Verständlich aber auch, dass die Geschwister Meachum, die vor Jahren – nach dem Tod ihres eigenen Vaters – die Leitung über den Multimilliarden-Dollar-Konzern "Rand Enterprises" übernommen haben – ihren Ohren und Augen nicht recht trauen, als ein verlotterter und barfüßiger Kerl in ihr Büro tappst und behauptet, der Sohn von Wendell Rand zu sein. Danny derweil versucht sich irgendwie in der für ihn ungewohnten Umgebung zurechtzufinden und die Bande mit den Meachums zu erneuern, derweil er die Dojo-Besitzerin Colleen Wing kennenlernt, doch als "Iron Fist" ist Danny nicht nur eingeschworener Feind der "Hand", die sich längst in Gestalt von Madame Gao in New York niedergelassen hat, sondern auch für Harold Meachum – den totgeglaubten Vater der Geschwister Joy und Ward – interessant. Um sein rechtmäßiges Erbe antreten zu können, wendet sich Danny Rand unterdessen an die renommierte Anwältin Jeri Hogarth…

Rezension:

Nachdem vor etwas mehr als einer Woche mit Iron Fist die nunmehr vierte und somit vorerst finale Serie des Netflix-Ablegers der Marvel-Schmiede erschienen ist und scheinbar noch in diesem Jahr in die achtteilige Miniserie The Defenders münden wird – September laut IMDb – , liegt nun auch diese Staffel hinter mir und lässt mich doch – obwohl grundsätzlich durchaus überzeugend und oft regelrecht ausgezeichnet – mit gemischten Gefühlen zurück, so dass ich zwar bereits jetzt für mich festhalten kann, dass Danny Rands Einstand wieder gelungener geraten ist als der von Luke Cage, jedoch im Vergleich zu den meines Erachtens durchweg großartigen Daredevil– und Jessica Jones-Geschichten merklich das Nachsehen hat. So beginnt die Serie nämlich auch zunächst recht generisch und gerade die in der ersten Folge Deine Bestimmung ist, deine Bestimmung zu finden (1.01) dargebrachte Geschichte von dem nach fünfzehn Jahren heimgekehrten Mann, dem niemand seine Identität abkaufen möchte, der sich in der zivilisierten Welt nur leidlich zurechtfindet und immer wieder von Flashbacks seiner Vergangenheit geplagt wird ist nun nicht eben neu und wird auch nicht gerade innovativ in Szene gesetzt, wobei es zumindest ausreicht, um einerseits zu unterhalten, andererseits neugierig zu machen, wenn da auch noch reichlich Luft nach oben ist.

Szenenbild aus Iron Fist | © Netflix
© Netflix

Nun kenne ich die originäre Iron Fist aus den Comics quasi überhaupt nicht und habe mir unter anderem zu diesem Zweck im Vorfeld den Band Iron Fist 1 – Endspiel vorgenommen, um zumindest ein grobes Gespür für die Figur zu bekommen und tatsächlich empfand ich die Besetzung von Finn Jones (Loras Tyrell in Game of Thrones) als Danny Rand zuweilen als schwierig und nicht ganz glücklich, nicht der meines Erachtens kaum gerechtfertigten Whitewashing-Debatte wegen – war Rand schließlich auch in den Comics weiß und eben nicht asiatischer Abstammung, selbst wenn das zu damaliger Zeit auf rassistisch gefärbte Marketing-Entscheidungen zurückzuführen gewesen sein mag – sondern weil er eben leider nicht immer zu überzeugen versteht und selten die Präsenz und Selbstbeherrschung aufbringt, die man sich von einer lebenden Waffe erwarten würde, wobei hier natürlich das Drehbuch nicht ganz unschuldig ist, denn dafür, dass Danny insgesamt fünfzehn Jahre unter den strengen Fittichen von Mönchen Selbstbeherrschung, Disziplin und Kontrolle gelernt haben soll, ist er schlichtweg zu aufbrausend, zu unbedarft, zu überstürzt und wirkt oft mehr wie ein verzogenes Kind als wie ein meisterhafter und besonnener Kämpfer. Das hat dann auch zur Folge, dass dem Zuschauer dessen Erkenntnis, sich vielleicht doch mal fokussieren zu müssen, wie eine ungeahnte Offenbarung präsentiert wird und da ist Augenrollen oft vorprogrammiert, ähnlich wie bei manch sinnfreien Dialogen der Kategorie "Hörst du etwas? – Es ist still".

Zum Glück aber sind und bleiben das Ausrutscher in einer ansonsten zumindest unterhaltsamen und wendungsreichen Geschichte, deren größter Schwachpunkt dann tatsächlich ihr Hauptdarsteller bleibt, denn insbesondere Jessica Stroup als Joy Meachum und Tom Pelphrey als deren anfänglich so steif und konservativ wirkender Bruder Ward machen innerhalb der dreizehn Folgen umfassenden Staffel eine erstaunliche Entwicklung durch, während David Wenham als deren von den Toten auferstandener Vater über jeden Zweifel erhaben sein darf und eine ähnlich eindringliche Performance abliefert wie die bisherigen Superschurken der Netflix-Marvel-Serien mit dem kleinen Unterschied allerdings, dass man lange im Unklaren gelassen wird, auf welcher Seite er nun wirklich steht. Über die weiteren Hauptrollen derweil möchte ich mich ob der Spoilergefahr lieber ausschweigen, habe ansonsten an den darstellerischen Leistungen aber auch nichts zu bemängeln, während der Plot der von Jessica Henwick verkörperten Colleen Wing aus anderen Gründen nicht immer ganz stimmig gerät, denn natürlich steckt auch Iron Fist voller Geheimnisse, Lügen und Intrigen, was zu manchem Kontinuitätsproblem führt, wenn man zu genau über einzelne Zusammenhänge nachdenkt.

Andererseits ist Iron Fist hinsichtlich Kontinuität zumindest in einer Disziplin ein positives Paradebeispiel, denn die Rückbezüge auf die anderen Serien fließen hier immer wieder organisch in die Erzählung ein und lassen die Geschichten durchaus eng miteinander verzahnt wirken, wenn Claire beispielsweise Bezug nimmt auf den Angriff der Hand auf das Krankenhaus in der zweiten Staffel von Daredevil oder eine im Grunde fähige Privatdetektivin erwähnt wird, die, sofern sie denn man nüchtern bliebe, durchaus profunde Ergebnisse liefere. Solche Kleinigkeiten – gepaart mit dem Gastauftritt von Carrie-Anne Moss als Jeri Hogarth in der Episode Die dritte Tugend (1.03) und weiteren Folgen sowie der zunehmend bedeutenderen Rolle, die Madame Gao in dieser Staffel spielt – machen diese Serienstaffel zumindest in Sachen Reminiszenzen zu einem echten Hochgenuss. Enttäuschend ist dabei leider für mich die Rolle der Hand gewesen, die ja ebenfalls bereits prestigeträchtig in Daredevil eingeführt worden ist, denn dem Hauch von Magie und Mysterium, der das Wesen der Iron Fist allein umweht, hätte ich mir hier einiges mehr von dieser dubiosen Organisation versprochen, doch auch wenn selbige hier deutlicher und häufiger zu Tage tritt, wirkt sie nicht annähernd so bedrohlich wie man sich das wünschen und erwarten würde.

Szenenbild aus Iron Fist | © Netflix
© Netflix

So ist und bleibt Iron Fist durchweg eine Serie der Hochs und Tiefs, eine Aneinanderreihung teils großartiger, teils leidlich überzeugender Einfälle, punktet mit einigen erneut stimmig choreografierten Kämpfen und begeht nicht den Fehler, Daredevil und dessen kultige Flurszene imitieren zu wollen, setzt stattdessen in Episoden wie Der eingeschworene Feind der Hand (1.04) eigene Akzente und überrascht beispielsweise in Steh auf und kämpfe (1.07) mit ungeahnt hohem Grad an Brutalität, liefert aber im krassen Gegensatz dazu auch immer wieder reichlich überflüssige Folgen, wie insbesondere an einem recht unmotivierten und kaum nachvollziehbaren Ausflug nach China in Segenvoller Schmerz (1.08), derweil die finalen zwei Folgen am besten im Verbund geschaut werden sollten – Netflix sei Dank ja durchaus gewollt und problemlos möglich – denn für sich genommen überzeugt insbesondere die Finalfolge Ein Kind, vom Feuer geküsst (1.13) nur bedingt, auch wenn die Iron Fist hier endlich einmal "richtig" in Aktion zu sehen ist. Und jetzt bin ich gespannt, wie sich dieser Danny Rand im Superheldenverbund der Defenders schlagen wird und hoffe, dass diese Serie mich dann endlich mal wieder richtig vom Hocker haut!

Fazit & Wertung:

Mit der ersten Staffel Iron Fist findet der erste Schwung an Netflix-Marvel-Serien zunächst seinen Abschluss und wirkt zuweilen auch so wie das große Luftholen vor dem Aufeinandertreffen der Defenders mit der Hand, was leider in einen nicht ganz ausgegorenen, auch qualitativ oft sprunghaft wirkenden Plot mündet, der einen oft unkonzentriert und fahrig wirkenden Danny Rand kopflos gegen finstere Schergen ins Feld schickt, ohne anscheinend selbst so recht zu wissen, wohin die Reise geht. Nichtsdestotrotz vermögen die ungewöhnlichen Familienbande, der mystische Ursprung der Iron Fist und eine gute Handvoll bestens choreografierter Kämpfe bei der Stange zu halten, auch wenn weniger dramaturgischer Leerlauf sicherlich wünschenswert gewesen wäre.

7,5 von 10 tödlichen Faustschlägen

Iron Fist | Staffel 1

  • Tödliche Faustschläge - 7.5/10
    7.5/10

Fazit & Wertung:

Mit der ersten Staffel Iron Fist findet der erste Schwung an Netflix-Marvel-Serien zunächst seinen Abschluss und wirkt zuweilen auch so wie das große Luftholen vor dem Aufeinandertreffen der Defenders mit der Hand, was leider in einen nicht ganz ausgegorenen, auch qualitativ oft sprunghaft wirkenden Plot mündet, der einen oft unkonzentriert und fahrig wirkenden Danny Rand kopflos gegen finstere Schergen ins Feld schickt, ohne anscheinend selbst so recht zu wissen, wohin die Reise geht. Nichtsdestotrotz vermögen die ungewöhnlichen Familienbande, der mystische Ursprung der Iron Fist und eine gute Handvoll bestens choreografierter Kämpfe bei der Stange zu halten, auch wenn weniger dramaturgischer Leerlauf sicherlich wünschenswert gewesen wäre.

7.5/10
Leser-Wertung 5.5/10 (2 Stimmen)
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Episodenübersicht: Staffel 1

01. Deine Bestimmung ist, deine Bestimmung zu finden (7/10)
02. Der schwarze Adler spreizt seine Schwingen (8/10)
03. Die dritte Tugend (8/10)
04. Der eingeschworene Feind der Hand (9/10)
05. Niemand kennt seine eigenen Beweggründe (8/10)
06. Zweifel führen zum Tod (8/10)
07. Steh auf und kämpfe (9/10)
08. Segenvoller Schmerz (6,5/10)
09. Der Frosch im Brunnen wird nie das Meer verstehen (6/10)
10. Das Bündeln der fünf elementaren Energien (6,5/10)
11. Die Prüfung von Shou-Lao (7,5/10)
12. Ich bin Danny Rand (8/10)
13. Ein Kind, vom Feuer geküsst (7/10)

 
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Iron Fist | Staffel 1 ist seit dem 17.03.17 exklusiv bei Netflix verfügbar.

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