Review: Michael Kohlhaas (Film)

Nun habe ich also auch die für mich recht unerwarteten Jubiläums-Festivitäten zu meinem 2000. Artikel längst hinter mich gebracht und wie wir ja alle wissen, ist nach dem Spiel prompt vor dem Spiel, weshalb es unermüdlich mit der nächsten Film-Kritik weitergeht.

Michael Kohlhaas

Age of Uprising: The Legend of Michael Kohlhaas, FR/DE 2013, 122 Min.

Michael Kohlhaas | © polyband
© polyband

Regisseur:
Arnaud des Pallières
Autoren:
Christelle Berthevas (Drehbuch)
Arnaud des Pallières (Drehbuch)
Heinrich von Kleist (Buch-Vorlage)

Main-Cast:
Mads Mikkelsen (Michael Kohlhaas)

in weiteren Rollen:

Bruno Ganz (The Governor)
Denis Lavant (The Theologist)
Mélusine Mayance (Lisbeth)
David Kross (The Preacher)
Delphine Chuillot (Judith)
Sergi López (The Armless)
Amira Casar (The Abbess)
David Bennent (César)
Paul Bartel (Jérémie)
Roxane Duran (The Princess)
Swann Arlaud (The Baron)
Jacques Nolot (The Lawyer)

Genre:
Drama | Historie

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Michael Kohlhaas | © polyband
© polyband

Michael Kohlhaas führt als Pferdehändler mit seiner Frau Judith und seiner Tochter Lisbeth ein einfaches wie beschauliches Leben, bis zu dem Tag zumindest, als er unvermittelt auf dem Weg zum Markt an einer Zollschranke aufgehalten wird und einen bis dahin nicht benötigten Passierschein vorzeigen soll. In Ermangelung dieser Papiere lässt sich Kohlhaas widerwillig darauf ein, zwei gesunde Pferde als Pfand in die Obhut der Grenzhüter zu geben. Tage später, Michael Kohlhaas kehrt vom Markt zurück, befinden sich die Tiere in fürchterlichem, kränklichen Zustand und sein Knecht, der auf die Tiere achtgeben sollte, ist schwer verletzt. Kohlhaas verlangt es nach Wiedergutmachung, doch das Gericht sieht keine Erfordernis zu handeln. Als dann auch noch Kohlhaas‘ Frau bei einem Gerechtigkeitsgesuch bei der Prinzessin tödlich verletzt wird, schwört Kohlhaas blutige Rache und begibt sich auf einen erbarmungslosen Feldzug gegen seine Peiniger…

Rezension:

Lange habe ich mich auf eine Sichtung von Michael Kohlhaas gefreut und mindestens ebenso lange habe ich sie vor mir hergeschoben, auch wenn ich wie gesagt enorm neugierig auf die Verfilmung der klassischen Novelle von Heinrich von Kleist war, zumal niemand Geringeres als Mads Mikkelsen für den namensgebenden Kohlhaas eintritt und fernab seiner Serien-Kultrolle als Hannibal bereits in Dramen wie Die Jagd sein darstellerisches Können und dessen Intensität unter Beweis gestellt hat. Nun wird die Novelle, auch wenn sie dem altertümlichen Thema treu bleibt, spürbar modern inszeniert, doch wusste für mich lange Zeit der Funke leider nicht wie erhofft überzuspringen.

Szenenbild aus Michael Kohlhaas | © polyband
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Natürlich ist eine derartige Geschichte ihrem Ton nach mit einem gewissen Pathos beladen, doch was sich anfänglich spannend gibt, hat doch schon nach kurzer Zeit auch immer wieder mit einigen Längen zu kämpfen, die mich nicht unbedingt dazu verleitet haben, wie gebannt am Bildschirm zu kleben, was enorm schade ist, denn thematisch gibt Michael Kohlhaas natürlich einiges her und die Art und Weise, wie der Protagonist zu immer rabiateren Mitteln greift, um für sich Recht und Gerechtigkeit einzufordern, vor sich selbst durch den Zweck die Mittel heiligt und sich dabei moralisch doch immer weiter denen annähert, die er zu verurteilen und bestrafen trachtet, ist durchaus Stoff für einen packenden Streifen, doch übertreibt man es hier für meinen Geschmack mit den stummen Blicken, den Landschaftsaufnahmen, den bedeutungsschwangeren Einstellungen.

So erinnert Michael Kohlhaas – nicht zuletzt natürlich dank Mikkelsen – oftmals mehr an The Salvation und damit eine Variation des Western-Themas, als dem Duktus der Erzählung treu zu bleiben, was für mich über die Laufzeit von gut zwei Stunden eben nur bedingt funktioniert hat, möglicherweise aber natürlich auch daran liegen kann, dass mich der Film auf dem falschen Fuß erwischt hat, denn inszenatorisch hat er sich im Grunde nichts vorzuwerfen und auch der Hauptdarsteller überzeugt auf ganzer Linie, derweil man auch die musikalische Untermalung uneingeschränkt loben kann, was sich insbesondere auf den letzten Metern deutlich bemerkbar macht.

Szenenbild aus Michael Kohlhaas | © polyband
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Am Ende sind es nämlich die Auflösung des Geschehens, die sich für Kohlhaas ergebenden Konsequenzen, die im Nachhinein viele der Schwächen zumindest geringfügig negieren, denn diese letzte Viertelstunde, über deren Inhalt ich mich natürlich selbstredend ausschweige, ist so ungemein packend und stimmig geraten und gewinnt tatsächlich noch von der getragenen Erzählweise, dass ich mich doch wundern musste, warum der Mittelteil im direkten Vergleich an vielen Ecken nicht annähernd so überzeugend hat geraten können. Ich möchte Michael Kohlhaas nicht missen und fühlte mich durchaus von der Atmosphäre gefangen, doch entweder war er thematisch vielleicht doch nicht ganz mein Fall oder etwas anderes hat nicht gestimmt, aber in seiner Gänze war er mir in vielen Aspekten zu substanzlos, fokussiert zuweilen zu sehr auf seine Hauptfigur, als dass man in Gänze erfassen könnte, was da eigentlich passiert und während Mikkelsens Spiel zwar jederzeit überzeugt, kommt man der Figur selbst doch niemals richtig nahe, kann sie schließlich selbst schon kaum ihr Handeln in Worte fassen.

Fazit & Wertung:

Optisch und atmosphärisch macht Michael Kohlhaas als Verfilmung der Novelle Heinrich von Kleists eine durchaus gute Figur und speziell Hauptdarsteller Mads Mikkelsen weiß zu brillieren, doch stören die getragene Erzählweise und der sture Fokus auf das Handeln der Hauptfigur den Gesamteindruck teils erheblich, denn weder werden alle Zusammenhänge überzeugend deutlich, noch lassen sich einige Längen im Mittelteil vermeiden, wenn sich außer bedeutungsschwangeren, im Grunde aber nichtssagenden Blicken auf der Leinwand nichts abspielt. Immerhin die konsequente und inszenatorisch brillante Auflösung des Geschehens macht hierbei letztlich ein wenig Boden gut.

5,5 von 10 kargen Landschaften

Michael Kohlhaas

  • Karge Landschaften - 5.5/10
    5.5/10

Fazit & Wertung:

Optisch und atmosphärisch macht Michael Kohlhaas als Verfilmung der Novelle Heinrich von Kleists eine durchaus gute Figur und speziell Hauptdarsteller Mads Mikkelsen weiß zu brillieren, doch stören die getragene Erzählweise und der sture Fokus auf das Handeln der Hauptfigur den Gesamteindruck teils erheblich, denn weder werden alle Zusammenhänge überzeugend deutlich, noch lassen sich einige Längen im Mittelteil vermeiden, wenn sich außer bedeutungsschwangeren, im Grunde aber nichtssagenden Blicken auf der Leinwand nichts abspielt. Immerhin die konsequente und inszenatorisch brillante Auflösung des Geschehens macht hierbei letztlich ein wenig Boden gut.

5.5/10
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Michael Kohlhaas ist am 28.03.14 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von polyband erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

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