Review: The Big Short (Film)

Kaum sind die Jubiläums-Festivitäten zum 300. Media Monday verklungen (und ich bin immer noch dabei, überall zu liken, zu kommentieren und die TeilnehmerInnen-Liste zu überarbeiten), hält auch der Alltag schon wieder Einzug und wie es sich für einen Dienstag gehört, komme ich mit einer neuen Film-Kritik daher.

The Big Short

The Big Short, USA 2015, 130 Min.

The Big Short | © Paramount/Universal Pictures
© Paramount/Universal Pictures

Regisseur:
Adam McKay
Autoren:
Charles Randolph (Drehbuch)
Adam McKay (Drehbuch)
Michael Lewis (Buch-Vorlage)

Main-Cast:
Christian Bale (Michael Burry)
Steve Carell (Mark Baum)
Ryan Gosling (Jared Vennett)
Brad Pitt (Ben Rickert)
Special Guests:
Anthony Bourdain (Anthony Bourdain)
Selena Gomez (Selena Gomez)
Margot Robbie (Margot Robbie)
Richard Thaler (Richard Thaler)

in weiteren Rollen:

Melissa Leo (Georgia Hale)
Hamish Linklater (Porter Collins)
John Magaro (Charlie Geller)
Rafe Spall (Danny Moses)
Jeremy Strong (Vinny Daniel)
Finn Wittrock (Jamie Shipley)
Marisa Tomei (Cynthia Baum)
Tracy Letts (Lawrence Fields)
Byron Mann (Mr. Chau)
Adepero Oduye (Kathy Tao)
Karen Gillan (Evie)
Max Greenfield (Mortgage Broker)
Billy Magnussen (Mortgage Broker)

Genre:
Biografie | Komödie | Drama

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus The Big Short | © Paramount/Universal Pictures
© Paramount/Universal Pictures

Bereits 2005, lange Zeit vor Beginn der eigentlichen Finanzkrise, hat der Hedgefonds-Manager Michael Burry die nicht gerade unbegründete Ahnung, dass der Immobilienmarkt auf einen folgenschweren Kollaps zusteuert, doch niemand schenkt seinen Berechnungen und Prognosen Glauben, woraufhin Burry gegen das System zu wetten beginnt, indem er immense Leerkäufe von Aktien tätigt. Von diesen auf den ersten Blick irrationalen und wenig durchdachten Geschäften bekommt derweil der Deutsche Bank-Makler Jared Vennett Wind und erwartet ebenfalls einen Kollaps, woraufhin er versucht, den Trader Mark Baum zu sich ins Boot zu holen, der sich allerdings zunächst sträubt, nicht zuletzt, da er die ethischen Fallstricke hinter dem Manöver erkennt, insbesondere die kleinen Anleger um ihr sauer verdientes Erspartes und die vermeintlich sichere Kapitalanlage zu bringen. Andernorts – und unabhängig von Burry, Baum oder Vennett – machen die Jungbanker Charles Geller und Jamie Shipley eine ähnliche Entdeckung das fragile Wesen des Marktes betreffend und wittern den dicken Reibach, doch um sich in der Finanzbranche gegenüber den alten Hasen zu behaupten und ihren Coup durchziehen zu können, bitten sie den Ex-Banker Ben Rickert um Hilfe, der prompt einige Ideen hat, das System bis auf den letzten Cent zu schröpfen…

Rezension:

Was könnte langweiliger und trockener sein als ein Film über die Anfänge der Finanzkrise 2007/2008 und eine Handvoll Hedgefond-Manager und Trader, die den Braten vor allen anderen gerochen und sich entsprechend zu positionieren versucht haben, im Endeffekt aber auf Kosten der breiten Bevölkerung und eines sprichwörtlich blind und korrupt gewordenen Systems die große Kohle machen? Eine ähnliche Frage dürfte sich auch Regisseur und Mit-Drehbuchautor Adam McKay bei seiner Verfilmung des gleichnamigen Sachbuches von Michael Lewis gestellt haben und so präsentiert er dem geneigten Zuschauer – in Vertretung durch Erzählerfigur Jared Vennett (Ryan Gosling) – nach guten zwanzig Minuten Margot Robbie (The Wolf of Wall Street) im Schaumbad, um in direkter Ansprache an den Zuschauer einige Aspekte des amerikanischen Finanzwesens verständlich zu machen. Ein Kniff, der aufgeht, denn allein diese Einsprengsel lassen den satirischen Unterton erkennen, von dem The Big Short in seiner Gänze durchzogen zu sein scheint, während das Thema an sich ja eigentlich eine ernste Sache ist.

Szenenbild aus The Big Short | © Paramount/Universal Pictures
© Paramount/Universal Pictures

Neben Robbie lässt McKay zu späteren Zeitpunkten auch noch Starkoch Anthony Bourdain und – mein persönliches Highlight – den Wirtschaftswissenschaftler und Professor Richard Thaler nebst Selena Gomez zu Wort kommen, um kurzzeitig aus dem Film zu reißen und einerseits in der Küche, andererseits am Casino-Tisch unterhaltsame Analogien zu Finanzprodukten zu finden. Hiervon abgesehen macht aber The Big Short grundsätzlich eine gute Figur, denn während der Film immer weiter auf die eigentlich ausbrechende und schon lang vorher beschworene Finanzkrise zusteuert, finden sich allerhand Filmschnipsel und Dokumentationsaufnahmen, Musikvideo-Ausschnitte und dergleichen mehr, um fabelhafte Schnittmontagen zu generieren, die prompt die jeweilige Zeit und den vorherrschenden Ton heraufbeschwören. Dessen ungeachtet stehen im Kern der Erzählung aber eine Handvoll Finanzexperten unterschiedlicher Couleur und Abstammung, die auch den männlichen All-Star-Cast erklären, mit dem der Film so offensiv wirbt.

So übernimmt Christian Bale (American Hustle) die Rolle des etwas eigentümlichen und sozial gehemmten Hedgefond-Managers Michael Burry, der bereits zu Beginn des Films orakelt, dass die immer wahnwitziger werdenden Immobilienfinanzprodukte quasi zwangsläufig zu einem großen Knall führen müssen, während sich Ryan Gosling (La La Land) als Jared Vennett zunächst als Erzähler präsentiert und durch weite Teile des Films leitet, alsbald als Vertreter der Deutschen Bank aber auch selbst in Erscheinung tritt und an Mark Baum heran, der wiederum von Steve Carell (Ganz weit hinten) verkörpert wird und so etwas wie den ethischen und moralischen Kompass der Chose darstellt. Komplettiert wird der Reigen nun einerseits durch Baums Team, andererseits durch die ambitionierten Jungbanker Charlie Geller und Jamie Shipley, die eher zufällig ebenfalls auf eine heiße Spur stoßen – in Richtung Kamera gewandt auch nonchalant einräumen, dass es sich mitnichten so zugetragen hat, wie hier dargestellt – und prompt den altgedienten Profi-Banker Ben Rickert hinzuziehen, der sich – in Gestalt von Brad Pitt (The Counselor) daherkommend – eigentlich längst aus dem Geschäft zurückgezogen hat, sich aber schließlich bereit erklärt, Geller und Shipley bei ihrem Coup unter die Arme zu greifen.

Szenenbild aus The Big Short | © Paramount/Universal Pictures
© Paramount/Universal Pictures

Neben dem hochkarätigen Cast – von den ganzen namhaften DarstellerInnen in teilweise kleinsten Nebenrollen ganz zu schweigen – und der Virtuosität in der Inszenierung ganz zu schweigen, ist eine der größten Stärken von The Big Short aber wohl, sich von der ersten bis zur letzten Minute einen ungemein sarkastischen, teilweise zynischen Unterton bewahren zu können, ohne zu kaum je einem Zeitpunkt offensiv witzig sein zu wollen, was der ernsthaften Thematik in ihrer leichtfüßigen Inszenierung genau die richtige Note verleiht und dazu führt – so man denn dem Thema nicht gänzlich abgeneigt und den Ausführungen der Figuren zu folgen bereit ist – , dass McKays filmischer Reigen ohne jegliche Längen seine 130 Minuten Spielzeit hinter sich bringt, so dass ich für meinen Teil wirklich erstaunt war, wie doch die Zeit zu verfliegen scheint, derweil wie gesagt das Thema sicherlich nicht jedermanns Sache sein dürfte. Dessen ungeachtet behält der Film stetig das große Ganze im Auge und widmet sich gleichermaßen Einzelschicksalen, weiß also auf beinahe schon globaler Ebene, in ähnlichem Maße aber eben auch auf persönlicher Ebene zu faszinieren und liefert teilweise so etwas wie das Big-Budget-Pendant zu Margin Call, der ja leider ein wenig hinter meinen Erwartungen zurückgeblieben ist. Für mich eine der Überraschungen der letzten Zeit, denn auch wenn die Besetzung bereits Großes verspricht, hätte das Projekt auch leicht in die Hose gehen können, doch dank augenzwinkernder und beschwingter Inszenierung gibt es von meiner Seite eine uneingeschränkte Sichtungsempfehlung.

Fazit & Wertung:

Die Komplexität des Themas nicht außeracht lassend, präsentiert sich Adam McKays The Big Short dennoch als leichtfüßig und augenzwinkernd inszenierter Reigen um die Vorwehen der Finanzkrise und punktet nicht nur mit einer ausnahmslos trefflich gewählten Besetzung, sondern auch einer virtuosen Inszenierung, bei der die vereinzelten Ansprachen an das Publikum mittels Durchbrechen der Vierten Wand kaum mehr als das Sahnehäubchen darstellt. Unterhaltsamer und sarkastischer wurde der Finanzsektor lange nicht mehr in Szene gesetzt.

9 von 10 riskanten Finanzgeschäften

The Big Short

  • Riskante Finanzgeschäfte - 9/10
    9/10

Fazit & Wertung:

Die Komplexität des Themas nicht außeracht lassend, präsentiert sich Adam McKays The Big Short dennoch als leichtfüßig und augenzwinkernd inszenierter Reigen um die Vorwehen der Finanzkrise und punktet nicht nur mit einer ausnahmslos trefflich gewählten Besetzung, sondern auch einer virtuosen Inszenierung, bei der die vereinzelten Ansprachen an das Publikum mittels Durchbrechen der Vierten Wand kaum mehr als das Sahnehäubchen darstellt. Unterhaltsamer und sarkastischer wurde der Finanzsektor lange nicht mehr in Szene gesetzt.

9.0/10
Leser-Wertung 8/10 (1 Stimme)
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Meinungen aus der Blogosphäre:
moviescape.blog: 8/10 Punkte

The Big Short ist am 02.06.16 auf DVD und Blu-ray bei Paramount im Vertrieb von Universal Pictures erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

  • Hey, du hast es doch geschafft den Film früher zu sehen als ich. Nun habe ich noch mehr Lust darauf… :)

    • Und nicht nur ein bisschen früher zu sehen, denn bei meinem derzeitigen Vorlauf an Film-Reviews ist das bestimmt schon wieder einen Monat her, dass ich „The Big Short“ gesehen habe. Kannst dich auch sehr auf den Film freuen, mir fallen nämlich keine Gründe ein, warum er dir nicht ähnlich gut gefallen sollte. 😉

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