Review: Armada: Nur du kannst die Erde retten | Ernest Cline (Buch)

Und es geht weiter mit dem Thema Science-Fiction, denn nachdem ich mir so lange vorgenommen hatte, wieder mehr in die Richtung zu lesen, scheint doch irgendwie nun der Knoten geplatzt zu sein. Egal, heute reden wir also dann mal über folgendes Buch:

Armada
Nur du kannst die Erde retten

Armada, USA 2015, 416 Seiten

Armada: Nur du kannst die Erde retten von Ernest Cline | © FISCHER Tor
© FISCHER Tor

Autor:
Ernest Cline
Übersetzerin:
Sara Riffel

Verlag (D):
FISCHER Tor
ISBN:
978-3-596-29660-6

Genre:
Science-Fiction | Action | Abenteuer

 

Inhalt:

Der junge Zack Lightman ist ein begnadeter Computerspieler und verbringt seine Zeit am liebsten vor dem heimischen PC und absolviert mit seinen besten Freunden Missionen in "Armada" einer Weltraumkampf-Simulation, bei der es gilt, im Dienste der "Earth Defense Alliance" – EDA – die Erde vor außerirdischen Invasoren zu beschützen. Eines Tages allerdings beginnt Zack an seinem Verstand zu zweifeln, als er vom Klassenzimmer aus eine Gleve am Himmel erblickt, eines der außerirdischen Schiffe aus dem Spiel. Es dauert allerdings nicht lange, bis ihm klar wird, dass es nicht sein Verstand ist, den es auf den Prüfstand zu stellen gilt, sondern vielmehr das, was er über die Welt zu wissen glaubte, denn die EDA gibt es wirklich – ebenso wie die außerirdische Bedrohung – und plötzlich sind es versierte Spieler wie Zack, die womöglich die letzte Hoffnung für die Menschheit darstellen, denn längst schon haben die Grenzen zwischen Realität und Simulation zu verwischen begonnen…

Rezension:

Vergangenen Monat ist bei TOR Ernest Clines Armada: Nur du kannst die Erde retten in deutscher Erstveröffentlichung erschienen und das war für mich natürlich Grund genug, hier einen Blick zu riskieren, zumal er mit Ready Player One – der dieser Tage ebenfalls bei TOR erscheinen wird – die Vorlage zu Steven Spielbergs nächstem Filmprojekt geschaffen hat, mir davon abgesehen aber eigentlich schon seit Jahren ein Begriff ist, zeichnete er schließlich gemeinsam mit Adam F. Goldberg für das Drehbuch zu Fanboys verantwortlich. Aber natürlich erzähle ich das nicht nur aus Jux und Tollerei, denn besagtes Drehbuch gibt eigentlich schon sehr schön die Marschrichtung von Ernest Clines Büchern vor, denn mittlerweile habe ich auch die Lektüre seines Vorgängerromans Ready Player One begonnen und die Parallelen sind nicht von der Hand zu weisen. So hat man es hier mit einem waschechten Nerd zu tun, der Bücher über Nerds und auch für Nerds schreibt, wobei er hier natürlich speziell auf Gamer fokussiert und dabei seinem Faible für 80er-Jahre-Games frönt, was aber selbst bei völliger Kenntnis durchaus unterhaltsam geraten ist.

Nein, das unidentifizierte Flugobjekt, das ich da mit eigenen Augen sah, stammte nicht von dieser Erde.
›Abgefahren!‹, war mein erster Gedanke.
Gefolgt von: ›Ich fass es nicht, dass das jetzt endlich passiert.‹
Dazu muss man wissen, dass ich seit dem ersten Tag im Kindergarten auf irgendein völlig unglaubliches, weltveränderndes Ereignis gehofft und gewartet hatte, das die endlose Monotonie meiner Bildungslaufbahn unterbrach. Hunderte von Stunden hatte ich in die ruhige, gezähmte Vorstadtlandschaft im Umkreis meiner Schule hinausgeblickt und mir insgeheim den Ausbruch der Zombie-Apokalypse herbeigewünscht oder einen krassen Unfall, der mir Superkräfte bescherte, oder auch das plötzliche Auftauchen einer Gruppe zeitreisender kleptomanischer Zwerge.
Schätzungsweise ein Drittel dieser düsteren Tagträume drehte sich um die unerwartete Ankunft außerirdischer Wesen.

Im Zentrum der Geschichte von Armada steht dabei der junge Zack, der sozusagen als Alter Ego des Autors dessen Faszination und Faibles teilt und entsprechend mit nerdigem Insider-Wissen um sich schmeißt, alles eng verflochten mit dem fiktiven Computerspiel Armada, das dem Roman auch seinen Namen gibt. Bei der Story hat sich Cline zuvorderst sicherlich von Orson Scott Cards Ender’s Game inspirieren lassen, macht aus diesem Umstand aber immerhin keinen Hehl und referenziert dessen wohl bekannteste Geschichte neben zahllosen weiteren Werken auch innerhalb des Romans, wobei auf der anderen Seite Parallelelen zu der Science-Fiction-Komödie Pixels nicht von der Hand zu weisen sind. In punkto Innovationskraft hat Armada also nicht unbedingt die Nase vorn, ist grundsätzlich aber recht schmissig und kurzweilig inszeniert, wenn man einmal von einem etwas behäbigen, sich teils in die Länge ziehenden Einstieg absieht, den man auch straffer hätte fassen können, um der Geschichte im Mittelteil etwas mehr Raum zur Entfaltung zu geben.

So fällt beispielsweise auf, dass zwar Zack als Protagonist und Hauptfigur durchaus mit einigen Charakterzügen und biografischen Details versehen worden ist, sich andererseits aber doch spürbar über seine popkulturellen Referenzen definiert, derweil es einem Großteil der weiteren Figuren noch schlechter ergeht, kommen diese schließlich über rudimentär ausgearbeitete Stereotypen kaum hinaus. Weit ärgerlicher mag aber bei der Art und Ausrichtung von Armada sein, dass Ernest Cline sich hier im Grunde selbst kopiert, denn auch wenn sein vielgepriesener Ready Player One dramaturgisch in eine andere Richtung geht, sind die Verweise und Anspielungen doch ziemlich ähnlich geartet, fußen hauptsächlich auf Filmen, Büchern und Spielen der 80er Jahre und lassen teils uninspirierte Überlappungen zwischen den Werken erkennen, so dass man wohl am meisten Spaß mit Armada haben dürfte, wenn man einerseits mit Clines Vorgänger noch nicht vertraut ist, andererseits die zahllosen Referenzen zu verorten weiß.

Erneut sah ich im Geist die Gleve vor mir, und meine Nerven spannten sich noch mehr. Ich versuchte, mich zu beruhigen – dieses Mal, indem ich mir die Drake-Gleichung und das Fermi-Paradoxon vor Augen hielt. Vermutlich gab es im All auch noch anderes Leben. Doch bei der gewaltigen Ausdehnung und dem Alter des Universums war es äußerst unwahrscheinlich, dass wir jemals damit in Berührung kommen würden. Schon gar nicht während des kurzen Zeitfensters meiner Lebensspanne. Bis dahin saßen wir hier fest, auf dem dritten Felsbrocken unseres Sonnensystems, und sahen heldenhaft unserem Aussterben entgegen.

Entsprechend bin ich auf der einen Seite traurig, mich nun bereits an Ready Player One gewagt zu haben, auf der anderen Seite aber auch froh, diese Art der Kritik hier nun einfließen lassen zu können, denn auch wenn Ready Player One hierzulande erst Ende des Monats neu aufgelegt werden wird, handelt es sich doch eigentlich um das ältere Werk, dem man es schwerlich anlasten kann, Parallelen zu einem erst später entstandenen Roman aufzuweisen. Auch wenn es dem Autor aber nicht gelingt, eine sowohl inszenatorisch als auch dramaturgisch neuartige Geschichte zu erzählen und das knapp über 400 Seiten messende Werk insbesondere bei den Überraschungsmomenten geizt – ist schließlich die Prämisse des Werks bereits im Klappentext klar ausformuliert – , bietet Armada dennoch eine Menge Kurzweil, wobei sich insbesondere die im Science-Fiction-Sujet versierten Personen aufs Wohligste gebauchpinselt fühlen dürften. Einzig das Ende wie auch der Epilog wirken schlussendlich leider regelrecht hektisch und viel zu kurz abgehandelt und wirken beinahe so, als hätte den Autor hier urplötzlich die Lust verlassen, was natürlich gemeinsam mit den bekannten Versatzstücken und den teils oberflächlichen Figuren den ansonsten durchaus positiven Gesamteindruck leider schmälert.

Fazit & Wertung:

Mit Armada: Nur du kannst die Erde retten versucht Ernest Cline zuweilen leider allzu auffällig, den Überraschungserfolg seines vorangegangenen Romans zu widerholen, wobei er sich ansonsten von zahlreichen einschlägigen Science-Fiction-Stories hat inspirieren lassen, diesen im gleichen Umfang allerdings auch innerhalb des Romans huldigt, was in der Summe eine kurzweilig inszenierte und unterhaltsame Abenteuergeschichte ergibt, die ein wenig zu sehr mit ihren Popkultur-Referenzen kokettiert, statt mit einer tiefgängigen Story und vielschichtigen Figuren zu überzeugen.

7 von 10 waghalsigen Manövern

Armada: Nur du kannst die Erde retten

  • Waghalsige Manöver - 7/10
    7/10

Fazit & Wertung:

Mit Armada: Nur du kannst die Erde retten versucht Ernest Cline zuweilen leider allzu auffällig, den Überraschungserfolg seines vorangegangenen Romans zu widerholen, wobei er sich ansonsten von zahlreichen einschlägigen Science-Fiction-Stories hat inspirieren lassen, diesen im gleichen Umfang allerdings auch innerhalb des Romans huldigt, was in der Summe eine kurzweilig inszenierte und unterhaltsame Abenteuergeschichte ergibt, die ein wenig zu sehr mit ihren Popkultur-Referenzen kokettiert, statt mit einer tiefgängigen Story und vielschichtigen Figuren zu überzeugen.

7.0/10
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Weitere Details zum Buch und dem Autor findet ihr auf der Seite von FISCHER Tor.

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Armada: Nur du kannst die Erde retten ist am 23.03.17 bei FISCHER Tor erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über den folgenden Link und unterstützt damit das Medienjournal!

  • Das Buch wollte ich mir nach „Ready Player One“ eigentlich auch sofort holen, war dann aber aufgrund der durchwachsenen Besprechungen skeptisch. Gerade wenn die Popkulturreferenzen überhand nehmen. Vielleicht lese ich aber doch mal rein. Klingt zumindest nett… :)

    • „Ready Player One“ lese ich auch gerade und es erscheint mir doch schon deutlich runder als „Armada“, wobei die Popkulturreferenzen hier nicht unbedingt Überhand nehmen, sondern beide Romane so ähnlich sind in ihrem grundsätzlichen Aufbau. Prädikat „Nett“ sollte das Buch aber sicherlich auch bei dir verdienen, denn unterhaltsam und kurzweilig ist es. :)

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