Review: Carnage 2: Das Buch der Verdammten (Graphic Novel)

Wie ihr vielleicht wisst, habe ich mit Ostern nicht so richtig viel am Hut, außer dass ich mich freue frei zu haben und deshalb kommt hier nun auch ganz unbeirrt meine nächste Comic-Review, womit ich mich für den heutigen Abend auch schon wieder verabschieden darf.

Carnage 2
Das Buch der Verdammten

Carnage #6-10, USA 2016, 132 Seiten

Carnage 2: Das Buch der Verdammten | © Panini
© Panini

Autor:
Gerry Conway
Zeichner:
Mike Perkins

Verlag (D):
Panini Verlag
ISBN:
978-3-741-60047-0

Genre:
Horror | Action | Science-Fiction

 

Inhalt:

Nachdem Carnage in den Tiefen der Mine eine überraschende Entdeckung gemacht und das ominöse Buch Darkhold in seinen Besitz gebracht hat, schickt er sich an, weitere Informationen zu dem Werk zusammenzutragen und unterschiedlichste Personen auf seine ihm eigene Art zum Reden zu bringen. Das Team, das ihn bereits in der Mine festzusetzen versucht hat, heftet sich alsbald an seine Fersen und erhält unerwartete Unterstützung von einer mysteriösen Vereinigung, die sich die "Children of Midnight" nennen und über immense Mittel und umfassendes Wissen zu verfügen scheinen…

Rezension:

Ich war ja schon von Carnage 1: Blutrausch in seiner Gänze nur leidlich angetan und ein Stück weit wusste die Serie eine mir bis dahin in bester Erinnerung gebliebene Figur zu dekonstruieren, doch leider behält man nun bei Carnage 2: Das Buch der Verdammten den eingeschlagenen Kurs mehr als bei und so ist der einstmals so unberechenbar psychopathische Symbiont und Killer hier die meiste Zeit damit beschäftigt, Informationen über ein magisches Buch – das Darkhold – hinterherzurennen und sich anzuschicken, seine eigene Armee aus degenerierten Ablegern seines Symbionten zu erschaffen, während ihm einzig die aus dem Vorgängerband bekannte Truppe natürlich dicht auf den Fersen ist. Nicht nur, dass dieser ganze "Magisches-Buch"-Part nicht wirklich zum Habitus des Schurken passt, wirkt hier alles ein wenig so, als wenn Kinder Fantasy spielen würden, denen zufällig eine Geschichte von Lovecraft in die Hände gefallen ist, soll heißen, das alles wirkt mehr als kindisch und nur oberflächlich durchdacht, so dass ich mich durch manche Passagen des Bandes regelrecht quälen musste.

Da hat es dann die geheime chthonische Bruderschaft – hier wären wir dann dem Namen nach bei der griechischen Mythologie gelandet – mit Kutten und Dolchen und allem was dazu gehört, während Carnage gen Jakarta reist, um der Story noch einen globalen Anstrich zu verleihen, derweil man ansonsten darum bemüht scheint, das Geschehen möglichst cineastisch zu halten, was sich in schnellen Szenenwechseln und überwiegend rudimentären Dialogen niederschlägt, doch spätestens mit dem Erscheinen des Darkhold Dwarf wird es regelrecht lächerlich. Außerdem gibt es dann ja noch die ominöse Partei der "Children of Midnight" um deren Anführerin Montesi, die ein gleichermaßen vorhersehbares, ach so mysteriöses Element in einer reichlich verworrenen Story darstellen, wobei das wiederum nur an formalistischen Kniffen liegt und nicht etwa daran, dass die Geschichte wahrhaftig undurchsichtig oder clever konzipiert wäre.

So versucht sich nämlich Carnage 2 im Grunde dadurch einen intelligenten Anstrich zu geben, dass die Geschichte auf unterschiedlichen Zeitebenen abläuft und nach dem ersten Kapitel ein Sprung 13 Tage zurück die nächsten zwei Kapitel umspannt, bevor man kurz in die Gegenwart zurückkehrt um – gepaart mit einer "schockierenden" Erkenntnis – nun wiederum 5 Tage in die Vergangenheit zu springen, die gesamte Story also quasi von hinten aufzurollen, ohne dass sich für diese Herangehensweise ein tieferer Zweck erkennen ließe, als künstlich so etwas wie Spannung zu erzeugen. Entsprechend wusste mich Gerry Conway in seiner Funktion als Autor der Chose leider überhaupt nicht zu überzeugen und mit dem Carnage, den ich so kenne, hat das hier alles herzlich wenig gemein, gerade wenn einerseits postuliert wird, er könne nun dank Mutation von Schall nicht mehr behelligt werden, woraufhin nun magische Artefakte den Symbionten in Zaum halten sollen, während der Bösewicht selbst hier erneut als reines Plot-Device fungiert, um eine Schar fragwürdig rechtschaffener Leute um den halben Erdball zu jagen.

Zeichnerisch sieht es da leider nicht viel besser aus, denn Mike Perkins wusste mich auch bei Carnage 2 kaum in seinen Bann zu schlagen, was allerdings nicht immer seine Schuld ist, wie die hinten angefügten Tuschezeichnungen beweisen, denn wo es einmal interessanter werden könnte und Doppelseiten füllende Panels als Augenöffner fungieren könnten ist die Kolorierung so dunkel geraten, dass man kaum etwas zu erkennen imstande ist, während auch einige gut gemeinte Kniffe wie innerhalb von zusätzlichen Panels herangezoomte Details nur mäßig gut funktionieren und man trotzt Nahansicht dort entweder nichts erkennen kann oder das Gezeigte nicht wirklich vonnöten ist, das Geschehen zu erklären, während sowohl was die chthonische Bruderschaft und die Children of Midnight, als auch den unsäglichen Darkhold Dwarf betrifft, mehr als nur einige wenige Fragen offen bleiben, die sicherlich das Interesse für den nächsten Band schüren sollen, ebenso wie das erwartungsgemäß actionreiche Finale mit einigen unübersichtlichen Kampfhandlungen, doch bei mir persönlich führt das lediglich dazu, den Band entnervt in die Ecke zu legen und zu beschließen, nicht noch mehr Zeit mit dieser Variation von Carnage zu verbringen, die mir so überhaupt nicht zusagen mag und hier noch letzte Sympathiepunkte verspielt.

Fazit & Wertung:

Mit Carnage 2: Das Buch der Verdammten driftet die Geschichte zunehmend in immer absurdere Fahrwasser und bedient sich auf mehr als hanebüchene Weise einzelner Versatzstücke aus Mythologie und Fantasy-Literatur, was sich offenkundig schlecht mit dem psychopathischen Killer vereinbaren lässt, der hier dem Namen nach im Vordergrund stehen sollte. Weder dramaturgisch noch optisch weiß die absichtlich verworren aufgezogene Story aber wirklich zu punkten, weshalb man sich den Band getrost schenken könnte.

3,5 von 10 vom außerirdischen Symbionten gemeuchelte Menschen

Carnage 2: Das Buch der Verdammten

  • Vom außerirdischen Symbionten gemeuchelte Menschen - 3.5/10
    3.5/10

Fazit & Wertung:

Mit Carnage 2: Das Buch der Verdammten driftet die Geschichte zunehmend in immer absurdere Fahrwasser und bedient sich auf mehr als hanebüchene Weise einzelner Versatzstücke aus Mythologie und Fantasy-Literatur, was sich offenkundig schlecht mit dem psychopathischen Killer vereinbaren lässt, der hier dem Namen nach im Vordergrund stehen sollte. Weder dramaturgisch noch optisch weiß die absichtlich verworren aufgezogene Story aber wirklich zu punkten, weshalb man sich den Band getrost schenken könnte.

3.5/10
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Carnage 2: Das Buch der Verdammten ist am 31.01.17 im Panini Verlag erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über den nachfolgenden Link und unterstützt damit das Medienjournal!

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