Review: Star Wars – Nachspiel: Lebensschuld | Chuck Wendig (Buch)

Das Star Wars Universum

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Und schon wird es wieder Zeit, einerseits zwar de Science-Fiction treu zu bleiben, andererseits aber das von mir geschätzte Franchise zu bedienen und diesmal mit etwas mehr Begeisterung von dem jüngsten Band des neuen Kanons zu berichten, der schon weit eher meinen Vorstellungen entspricht als viele andere Bücher dieser noch jungen Sparte, die sich ja selbstredend auch erst einmal entwickeln muss.

Star Wars – Nachspiel
Lebensschuld

Star Wars – Aftermath: Life Debt, USA 2016, 576 Seiten

Star Wars - Nachspiel: Lebensschuld von Chuck Wendig | © Blanvalet
© Blanvalet

Autor:
Chuck Wendig
Übersetzer:
Andreas Kasprzak

Verlag (D):
Blanvalet
ISBN:
978-3-734-16105-6

Genre:
Abenteuer | Science-Fiction | Action

 

Inhalt:

»Ich habe ihn noch immer nicht gefunden«, brummt Han. Chewbacca war verschwunden. Vor zwei Monaten hat Han ihr berichtet, sie hätten eine Chance zu tun, wozu die Neue Republik nicht in der Lage war: Chewies Heimatwelt Kashyyyk von den Ketten des Imperiums zu befreien. Sie sagte ihm, er sollte warten, genauer darüber nachdenken, aber er meinte nur, die Zeit wäre reif. Er hatte Informationen von einer alten Schmugglerin zugespielt bekommen – einer Frau namens Imra, vor der Leia ihn gewarnt hatte.
Und sie behielt recht.

Noch immer befindet sich die Galaxis im Umbruch, nachdem das Imperium durch die Vernichtung des zweiten Todessterns und den Tod von sowohl Imperator Palpatine als auch Darth Vader entscheidend geschwächt worden ist. Doch während man in endlosen Debatten die nächsten Schritte abzuwägen beginnt, formieren sich gleichermaßen die letzten Reste der imperialen Flotte und scheinen sich alsbald unter dem Banner von Admiral Rae Sloane zu vereinen, derweil eine nicht minder mächtige Figur im Hintergrund die Fäden zieht. Die Schar ungleicher Weggefährten rund um die Rebellenpilotin Norra Wexley verdingt sich derweil als eine Art Kopfgeldjäger und macht Jagd auf imperiale Führungskräfte, die es im Auftrag der Neuen Republik einzufangen gilt. Hierdurch wiederum wird schlussendlich selbst Prinzessin Leia auf den ungewöhnlichen Haufen aufmerksam und tritt mit einer ungewöhnlichen Bitte an Norra heran, denn ihr Ehemann Han Solo hat sich im Alleingang aufgemacht, Chewbacca zu retten, nachdem dieser beim Versuch, seine Heimat Kashyyyk zu befreien, gefangen genommen worden ist…

Rezension:

Nachdem mich ja der erste Teil von Chuck Wendigs Star Wars – Nachspiel-Trilogie doch eher nur leidlich überzeugen wusste und der Auftaktband Der Krieg ist nicht vorbei sich im Nachgang den Vorwurf gefallen lassen muss, ob ich hier nicht ein bis anderthalb wohlwollende, dem Franchise geschuldete Extrapunkte vergeben habe, ging ich entsprechend skeptisch an den jüngst veröffentlichten Nachfolger Star Wars – Nachspiel: Lebensschuld heran. Tatsächlich hat der mich aber endlich wieder zu überzeugen gewusst und auch wenn ich sicherlich nicht denke, dass hier ein neues Kult-Buch in spe vorliegt, macht der Band doch einiges richtig und weiß die meiste Zeit famos zu unterhalten, was man nach dem holprigen Vorgänger nun wirklich nicht erwarten konnte, doch scheint man in vielen Punkten aus den Fehlern gelernt zu haben, derweil sicherlich auch spürbar ist, dass Wendig hier nun weitaus weniger Restriktionen unterworfen zu sein schien, denn selbst die den Band ergänzenden Intermezzi sind hier doch bedeutend stimmiger geraten, ergänzen teils aktiv die erzählte Geschichte oder wissen mit Rückbezügen auf sowohl die neue wie auch alte Film-Saga zu unterhalten, wenn beispielsweise eine dieser Episoden in dem aus Das Erwachen der Macht bekannten Schloss von Maz Kanata zu verorten ist. Essentiell sind selbstredend auch hier die wenigsten der Geschichten, doch fügen sie sich spürbar besser ins Gesamtbild und sind auch deutlich spannender als erwartet.

Norra Wexley unterbricht ihn. »Alles ist in Ordnung. Alles läuft nach Plan.« Grundsätzlich war der Plan der gleiche wie immer: reinschleichen, ihre imperiale Zielperson schnappen und sie auf Chandrila ihrer gerechten Strafe zuführen. Der Hauptunterschied war, dass sie sich sonst nicht in die Bergfestung eines galaktischen Sklavenhändlers wagen mussten …

Im Kern der Erzählung steht aber auch diesmal wieder die illustre Schar rund um Norra Wexley und ihren Sohn Temmin, die man bereits im ersten Band hat kennenlernen können, doch während dort noch ein oft übertrieben konstruiert wirkendes Zusammentreffen der Figuren herbeigeführt werden musste, sind die Charaktere nun längst etabliert und waren mir tatsächlich mit ihren Eigenarten und Manierismen noch gut im Gedächtnis, was für sich genommen ja schon einmal ein gutes Zeichen ist. Dabei gewinnt Lebensschuld aber noch einmal vornehmlich dadurch, dass auch bekannte Figuren wie Leia, Han, Chewie oder Wedge hier mit von der Partie sind und eine spürbar größere Rolle einnehmen als in Band 1, wo jeder von ihnen ja zumindest kurz Erwähnung gefunden hat und teils den Boden für die sich in diesem Roman entfaltende Storyline bereiten durfte, beispielsweise in Bezug auf die Befreiung von Chewies Heimatwelt Kashyyyk. Vor allem aber begnügt sich Wendig hier nicht mit bloßem Name-Dropping und liefert den Figuren eine echte Daseinsberechtigung innerhalb der Geschichte, ohne sie indes in den Vordergrund zu drängen, während auch die jeweilige Tonart der Figur meist ausnehmend gut getroffen ist, wofür man sicherlich auch den Übersetzer Andreas Kasprzak loben darf, der in diesem Band das Zepter von Michaela Link übernommen hat.

Ebenfalls ein großes Plus an Lebensschuld – wobei hier die genannten Intermezzi auffallend mit hineinspielen – ist, dass man hier wirklich das Gefühl bekommt, den Geschicken der Galaxis nach dem Fall des Imperiums beizuwohnen, da sich die Geschichte nicht mehr vornehmlich auf Akiva abspielt, sondern an unterschiedlichste, sowohl bekannte als auch unbekannte Orte entführt und dadurch – mir fällt kein passenderes Wort ein – weit epischer wirkt, was man von einer als Trilogie angelegten Geschichte um die Geschehnisse nach der Zerstörung des zweiten Todessterns ja eigentlich schon im Vorgängerband hätte erwarten dürfen. Neben den Geschicken der bunt zusammengewürfelten Truppe hat aber auch Admiral Rae Sloane auf Seiten des Imperiums hier wieder eine große Rolle inne und auch der geheimnisvolle Hintermann bekommt hier weitaus mehr Kontur und Charakter verliehen, ohne seine mystische Aura indes gänzlich einbüßen zu müssen.

Er klickt mit der Zunge, und als er spricht, ist seine Stimme schleimig, als müssten sich die Worte erst an einem Klumpen in seiner Kehle vorbeikämpfen. »Ihr dachtet wohl, ihr könntet den Frieden stören, den Seine tödliche Hoheit, Slussen Canker, hier geschaffen hat. Slussen will euch hier nicht. Slussen findet euer unerwünschtes Eindringen sogar äußerst unhöflich.«
Einen Moment überlegt Norra, ob es vielleicht doch nicht Slussen ist, doch dann erinnert sie sich an etwas, das Jas gesagt hat: Die Vorlaggn sprechen von sich in der dritten Person. Eine seltsame Sitte.

In der Summe haben mir also nicht nur die Abenteuer um Norra, Temmin, dessen Droiden Mr. Bones – den ich ja ziemlich großartig und herrlich unterhaltsam finde – , Kopfgeldjägerin Jas und den ehemaligen Imperialen Sinjir diesmal nicht nur weitaus besser gefallen, sondern hatte auch verstärkt das Gefühl, dass etwas passiert, dass die Galaxis sich bewegt, was Wendig an vielen kleinen Momenteindrücken und Dialogen deutlich zu machen weiß. Dass die aus den Filmen bekannten Helden ein großes Plus darstellen, muss dabei sicher nicht noch einmal gesondert erwähnt werden und in Kombination mit einem gleichermaßen einfallsreichen wie überraschenden Finale bei einem auch ansonsten ziemlich temporeichen und kurzweilig verfassten Band bin ich nun schon sehr gespannt auf den dritten und abschließenden Teil Das Ende des Imperiums, der entgegen ursprünglicher Ankündigungen nicht erst im nächsten Jahr, sondern bereits am 21. August auf Deutsch erscheinen wird. Und nachdem Chuck Wendig mich zunächst verprellt hatte, hat er nun mit Lebensschuld doch wieder gehörig Boden gut gemacht und wusste gar die abhandengekommene Vorfreude wieder neu zu entfachen.

Fazit & Wertung:

Mit Star Wars – Nachspiel: Lebensschuld liefert Chuck Wendig einen ungleich überzeugenderen Nachfolger seiner eher mäßig gestarteten Trilogie und vermag hier nun nicht nur die schiere Größe der Galaxis und die Tragweite der politischen wie gesellschaftlichen Umwälzungen zumindest anzudeuten, sondern vor allem eine schnittige wie actionreiche Geschichte zu erzählen, die weitaus mehr Substanz hat, als man das nach dem nur durchschnittlichen Auftakt hat erwarten dürfen und so entfaltet sich hier nun endlich wieder echtes Star Wars-Flair, das mit neuer Hoffnung auf den baldig erscheinenden Abschlussband blicken lässt.

8 von 10 unwahrscheinlichen Begegnungen und Zufällen

Star Wars - Nachspiel: Lebensschuld

  • Unwahrscheinliche Begegnungen und Zufälle - 8/10
    8/10

Fazit & Wertung:

Mit Star Wars – Nachspiel: Lebensschuld liefert Chuck Wendig einen ungleich überzeugenderen Nachfolger seiner eher mäßig gestarteten Trilogie und vermag hier nun nicht nur die schiere Größe der Galaxis und die Tragweite der politischen wie gesellschaftlichen Umwälzungen zumindest anzudeuten, sondern vor allem eine schnittige wie actionreiche Geschichte zu erzählen, die weitaus mehr Substanz hat, als man das nach dem nur durchschnittlichen Auftakt hat erwarten dürfen und so entfaltet sich hier nun endlich wieder echtes Star Wars-Flair, das mit neuer Hoffnung auf den baldig erscheinenden Abschlussband blicken lässt.

8.0/10
Leser-Wertung 10/10 (2 Stimmen)
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Weitere Details zum Buch und dem Autor findet ihr auf der Seite von Blanvalet. Dort findet sich übrigens auch eine Leseprobe.

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Star Wars – Nachspiel: Lebensschuld ist am 20.03.17 im Blanvalet Verlag erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über den nachfolgenden Link und unterstützt damit das Medienjournal!

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