Review: The Nice Guys (Film)

Schon hält der Donnerstag wieder Einzug und mit ihm die zweite Film-Kritik für diese Woche, diesmal zu einem Werk, das mir nicht minder gut gefallen hat als der am Dienstag vorgestellte Ridley Scott-Streifen. So, und damit wird es auch schon Zeit fürs vorgezogene Wochenende, aber ihr ahnt sicherlich, dass es auch über die Osterfeiertage hinweg neue Artikel geben wird. Bis dahin also und einen schönen Abend allerseits!

The Nice Guys

The Nice Guys, USA 2016, 116 Min.

The Nice Guys | © Concorde
© Concorde

Regisseur:
Shane Black
Autoren:
Shane Black
Anthony Bagarozzi

Main-Cast:
Russell Crowe (Jackson Healy)
Ryan Gosling (Holland March)
in weiteren Rollen:
Angourie Rice (Holly March)
Matt Bomer (John Boy)
Margaret Qualley (Amelia Kuttner)
Keith David (Older Guy)
Kim Basinger (Judith Kuttner)

Genre:
Action | Komödie | Krimi

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus The Nice Guys | © Concorde
© Concorde

Im Los Angeles 1977 kreuzen sich die Pfade der beiden ungleichen Privatermittler Holland March und Jackson Healy, denn während March beauftragt worden ist, die vermisste Ausreißerin Amelia aufzuspüren, hat Healy sich darauf verlegt, allzu lästige und aufdringliche Verehrer in ihre Schranken zu weisen und einem Missverständnis geschuldet auch March den Arm bricht. Schnell klärt sich aber das Missverständnis und widerwillig beginnen die beiden gemeinsame Sache zu machen und so führt sie ihre Spur zunächst in die Porno-Branche, lässt die ambitionierte Staatsanwältin hellhörig werden und ruft den skrupellosen Auftragskiller John Boy auf den Plan, doch zum Glück kann sich insbesondere March auf seine blitzgescheite Tochter verlassen, die ihn nicht das erste Mal aus der einen oder anderen brisanten Lage rettet, was allerdings nicht darüber hinwegtäuscht, dass der Fall zunehmend verworrener und undurchsichtiger wird…

Rezension:

Als ich das erste Mal von The Nice Guys gehört habe, begann ich ja schon unwillkürlich mit den Füßen zu scharren, denn ungeachtet dessen, dass Regisseur und Drehbuchautor Shane Black sich seine Meriten (zumindest als Schreiber) bereits in den Achtzigern mit Lethal Weapon verdient hat, ist es doch sein Regie-Debüt Kiss Kiss Bang Bang gewesen, das mich vollends für ihn einzunehmen wusste und mich mit jeder weiteren Sichtung aufs Neue begeistert, derweil ich auch Iron Man 3 für einen der stärksten Vertreter des MCU halte, auch wenn das viele anders sehen mögen. Nun kehrt Black also nach Jahren zu seinen Wurzeln zurück und liefert eine weitere Buddy-Krimi-Komödie par excellence, wobei natürlich klar ist, dass Humor immer Geschmackssache ist und auch die Slapstick-Einlagen nicht jedermanns Sache sein dürften, doch mich hat der Film vom ersten Moment an abzuholen gewusst und erneut bahnbrechend unterhalten, was nicht zuletzt aber auch an dem Besetzungs-Clou gelegen haben mag, denn die Chemie der beiden Hauptfiguren ist großartig, wobei sich allerdings die gerade mal fünfzehnjährige Angourie Rice als regelrechter Szenendieb entpuppt.

Szenenbild aus The Nice Guys | © Concorde
© Concorde

Während nämlich das Geschehen in weiten Teilen erwartungsgemäß auf Russell Crowe (Noah) – der hier mit gewohnt raubeinigem Charme zu begeistern versteht – und Ryan Gosling (The Big Short) – der wiederum den leicht trotteligen, an der Grenze zur Unfähigkeit changierenden Privatdetektiv gibt – fokussiert, kommt Rice als Tochter des von Gosling verkörperten Holland March daher und wird nicht zu unterschätzender Bestandteil der Ermittlungen der ungleichen Geschäftspartner, die überhaupt nur durch eine Verkettung aberwitziger Umstände zueinander finden, was eines der Markenzeichen von Shane Black sein dürfte, der diesmal das Drehbuch gemeinsam mit Anthony Bagarozzi – ein in der Film-Szene noch nahezu unbeschriebenes Blatt – verfasst hat. Interessant auch, dass The Nice Guys ursprünglich als Fernsehserie konzipiert worden war, denn diesen Umstand merkt man dem herrlich überfrachteten Geschehen zuweilen durchaus an, wobei sich das zum Glück nicht so negativ bemerkbar macht, wie das sonst manchmal der Fall ist (wenn wir uns beispielsweise an Lynchs Mulholland Drive mit seinen unzähligen losen Enden erinnern).

Zunächst einmal startet das Geschehen aber durchaus überschaubar mit einem Autounfall, bei dem das bekannte Porno-Starlet Misty Mountains zu Tode kommt und von diesem Punkt ausgehend lernen wir zunächst sowohl Crowes als auch Goslings Figur kennen, wobei beide Charaktere es sich nicht nehmen lassen, aus dem Off Kommentare abzugeben, was mir auch hier wieder dank der wechselnden Perspektiven gut gefallen hat und erste erheiternde Momente mit sich bringt. Innerhalb kürzester Zeit aber wird das Geschehen zunehmend chaotischer und verworrener und treibt die beiden Ermittler kreuz und quer durch das L.A. der 70er-Jahre, die hier aufs Trefflichste zum Leben erweckt worden sind und das nostalgische Noir-Flair noch begünstigen, das sich durch den gesamten Film zieht und dabei gleichermaßen eine Huldigung an die damalige Zeit und Ermittler wie Detektiv Rockford. Was aber auch schon Kiss Kiss Bang Bang so großartig gemacht hat, funktioniert auch hier wieder großartig, nämlich die Verquickung des abgeklärten, versierten und souveränen Typen (Crowe) mit dem trottelig-charmanten, sich selbst ein ums andere Mal in die Bredouille bringenden Kerls (Gosling), veredelt wie gesagt noch durch dessen im Film dreizehnjährige Tochter (Rice), die um einiges tougher und cleverer ist als ihr alter Herr, den sie auch schon mal dank gebrochenem Arm oder durchzechter Nacht im Auto durch die Gegend kutschieren muss.

Szenenbild aus The Nice Guys | © Concorde
© Concorde

Und natürlich ist die Geschichte über die Maßen konstruiert und wird mit jeder Wendung abwegiger und aberwitziger, doch macht das gerade den Reiz der Chose aus und selbst die kleineren Rollen wie etwa Matt Bomer (In Time) als Auftragskiller "John-Boy" oder Kim Basinger (Dritte Person) haben sichtlich Freude an dem Streifen. Was man allerdings nach Möglichkeit hier tunlichst vermeiden sollte, ist es, sich im Vorfeld den Trailer anzusehen, denn der greift nicht nur einige der witzigsten, sondern vor allem überraschendsten Szenen bereits auf und macht so manchen Moment im Film auf ärgerlichste Art und Weise zunichte. Ansonsten aber trübt kaum ein Aspekt den Genuss von The Nice Guys und Black bewegt sich erneut mit schlafwandlerischer Sicherheit auf dem schmalen Grat zwischen Ernst und Komik, Brutalität und Slapstick und schafft damit eine der charmantesten wie einfallsreichsten Buddy-Komödien der letzten Jahre, gespickt mit reichlich Lokalkolorit und Zeitgeist der 70er, zahllosen Anspielungen und Reminiszenzen und mit reichlich One-Linern, die tatsächlich die meiste Zeit ins Schwarze treffen und wenn mal nicht, dann staunt man wieder über Goslings Talent, sich selbst zum Deppen zu machen. Ein großartiges Vergnügen, das sicher noch öfter in meinem Player landen wird.

Fazit & Wertung:

Shane Black meldet sich mit The Nice Guys zurück und tut, was er am besten kann: eine über die Maßen abgedrehte, zuweilen blutige, manchmal melancholische, aber stets rasante und mit jeder Minute chaotischer werdende Buddy-Komödie inszenieren, die sich diesmal im Gewand einer Siebziger-Jahre-Kriminalgeschichte präsentiert und mit Russell Crowe und Ryan Gosling ein neues, regelrechtes Dream-Team etabliert, deren Chemie untereinander, ebenso wie ihr darstellerisches und hier auch komödiantisches Talent über jeden Zweifel erhaben ist. Ein herrlich übersteuertes Filmvergnügen ohne Verschnaufpause, dafür mit viel Witz, Herz und Charme erzählt.

8,5 von 10 aberwitzigen Ermittlungsmethoden

The Nice Guys

  • Aberwitzige Ermittlungsmethoden - 8.5/10
    8.5/10

Fazit & Wertung:

Shane Black meldet sich mit The Nice Guys zurück und tut, was er am besten kann: eine über die Maßen abgedrehte, zuweilen blutige, manchmal melancholische, aber stets rasante und mit jeder Minute chaotischer werdende Buddy-Komödie inszenieren, die sich diesmal im Gewand einer Siebziger-Jahre-Kriminalgeschichte präsentiert und mit Russell Crowe und Ryan Gosling ein neues, regelrechtes Dream-Team etabliert, deren Chemie untereinander, ebenso wie ihr darstellerisches und hier auch komödiantisches Talent über jeden Zweifel erhaben ist. Ein herrlich übersteuertes Filmvergnügen ohne Verschnaufpause, dafür mit viel Witz, Herz und Charme erzählt.

8.5/10
Leser-Wertung 8/10 (2 Stimmen)
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Meinungen aus der Blogosphäre:
CineKie: 7/10
Filmaffe: 4,5/5
Filmherum: 3,5/5
Der Kinogänger: 8/10

The Nice Guys ist am 13.10.16 auf DVD und Blu-ray bei Concorde erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

  • Hmm … das ist jetzt natürlich spoilertechnisch schwierig in den Kommentaren zu klären, aber welche Szene aus dem Trailer meinst du denn? Mir ist jetzt nicht wirklich etwas aufgefallen, das zu viel verraten hätte (soweit sich das rückblickend sagen läßt, denn ich kenne die Handlung inzwischen natürlich). Zwar sind einige Szenen dabei, die erst ziemlich am Ende des Films kommen, aber angesichts des rasanten Trailer-Schnitts sind die nach meinem Eindruck nicht wirklich verräterisch.

    P.S.: Ach, jetzt, wo ich genauer darüber nachdenke, weiß ich doch, was du meinst, glaube ich. Ich halte es aber wirklich für unwahrscheinlich, daß sich viele Filmzuschauer noch an diesen kurzen, zusammenhanglosen Moment aus dem Trailer erinnern (sofern sie ihn vorher gesehen haben). War bei mir damals jedenfalls nicht der Fall …

    • Tatsächlich ist der Text jetzt schon so viele Wochen alt – ich „arbeite“ ja mit gewissem Vorlauf – , dass ich mich auch nicht mehr so ganz daran erinnere, außer dass es da eine Szene mit einer Leiche gab… Aber du wirst schon Recht haben, dass der Trailer wohl grundsätzlich nicht sooo problematisch ist, aber hier war es so, dass ich ihn quasi direkt vor dem Film gesehen habe (um ihn meiner Freundin schmackhaft zu machen) und da war dann die Erinnerung noch entsprechend frisch und das hat mir mehr als eine Szene versaut…

      • Okay, das ist natürlich doof. In Zukunft besser planen und der Freundin den Trailer für den nächsten Filmabend schon Monate im Voraus präsentieren … 😉

  • Das war tatsächlich ein cooler Streifen und danke für den Artikel. Da hab ich gleich nochmal gelacht.

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