Review: The Revenant – Der Rückkehrer (Film)

Kaum zu glauben, dass dieser Artikel schlussendlich online geht, zumal ich ihn vollmundig und voller Zuversicht zumindest bei Twitter bereits für den 13. April angekündigt hatte, doch da hatte ich natürlich jedwede Unwägbarkeit nicht miteinkalkuliert. In diesem speziellen Fall habe ich auch wirklich das Gefühl, die Sichtung würde schon ewig zurückliegen, was mir dann auch wieder vor Augen führt, dass es auch seine Schattenseiten hat, mit immensem Vorlauf zu bloggen. Egal, jetzt aber!

The Revenant
Der Rückkehrer

The Revenant, USA/HK/TW 2015, 156 Min.

The Revenant - Der Rückkehrer | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Regisseur:
Alejandro González Iñárritu
Autor:
Mark L. Smith (Drehbuch)
Alejandro González Iñárritu (Drehbuch)
Michael Punke (Buch-Vorlage)

Main-Cast:
Leonardo DiCaprio (Hugh Glass)
Tom Hardy (John Fitzgerald)
in weiteren Rollen:
Domhnall Gleeson (Captain Andrew Henry)
Will Poulter (Bridger)

Genre:
Abenteuer | Drama | Thriller | Western

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus The Revenant - Der Rückkehrer | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Gemeinsam mit dem Scout Hugh Glass und dessen halbindianischen Sohn Hawk durchstreift in den 1820ern eine Schar tollkühner Männer unter der Führung von Andrew Henry die kanadischen Wälder auf der Jagd nach kostbaren Tierfellen, doch ein unerwarteter Angriff der Indianer auf das Lager der Pelzhändler unterbricht die Expedition jäh und die wenigen Überlebenden wollen schnellstmöglich in ein sicheres Fort fliehen. Während er den Weg und die Umgebung auskundschaftet, fällt allerdings ein ausgewachsener Grizzlybär über Hugh Glass her und verletzt ihn schwer. Nachdem die Truppe eine Zeit lang versucht, Glass entgegen aller Widrigkeiten mit sich zu tragen, sieht schließlich selbst Henry ein, dass sie den Scout nicht werden retten können, woraufhin er die Männer Fitzgerald und Bridger beauftragt, bei Glass zu bleiben, während Hawk ihm selbstredend ebenfalls nicht von der Seite weicht. Dumm nur, dass Fitzgerald alsbald zu dem Schluss kommt, dass es einem Selbstmordkommando gleiche, inmitten des Indianerlandes zu verharren und auf Glass‘ Genesung oder Tod zu warten, weshalb er die Angelegenheit selbst in die Hand zu nehmen gedenkt…

Rezension:

Es hat ein wenig gedauert, bis The Revenant – Der Rückkehrer und ich zueinander gefunden haben und in Anbetracht dessen, dass ich mir Iñárritus Vorgängerfilm Birdman auch erst in etwa zu der Zeit angesehen habe, als The Revenant die hiesigen Kinos erreichte, wundert es mich fast ein wenig, dass der Ausnahmeregisseur, den ich bereits seit seinen Anfängen mit Amores Perros kenne und schätze, nicht bereits mit einem Nachfolgeprojekt in den Startlöchern steht. Nachdem nun aber selbst mein Vater den Film bereits gesehen und mir im Nachgang wärmstens empfohlen hatte, kam ich ja um eine schnellstmögliche Sichtung nicht mehr herum und widmete mich keinen Tag später diesem gut zweieinhalbstündigen Survival-Epos, das – so viel kann ich jetzt auch sagen – Leo verdientermaßen endlich den lange überfälligen Oscar eingebracht hat. Neben dem Herrn DiCaprio (The Wolf of Wall Street) aber ist es die Natur, die hier alsbald zum zweiten Hauptdarsteller avanciert und das Geschehen überhaupt erst so eindrücklich umrahmt, wie es hier der Fall ist, wobei in Anbetracht der naturbelassenen Schauplätze in dieser Hinsicht ein großes Lob auf den bereits bei Birdman beteiligten Kameramann Emmanuel Lubezki ausgesprochen werden darf und muss.

Szenenbild aus The Revenant - Der Rückkehrer | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Die Virtuosität der Inszenierung speziell seitens Lubezki wird dabei gleich zu Beginn mit einer epischen Plansequenz eines Indianer-Angriffs deutlich, die statt hektischer Schnitte und Ruckelkamera auf Realismus und Übersicht baut und damit weit schockierender und unmittelbarer gerät als jede Actionfilm-Klopperei, wobei auch hier zum ersten Mal deutlich wird, was einen noch erwarten mag, denn in Sachen Brutalität geht der Film wahrlich keine Kompromisse ein und dürfte Zartbesaiteten einige schlaflose Nächte bereiten, was wiederum in einer der Kernsequenzen des Films – dem Angriff eines ausgewachsenen Bären auf den Kundschafter Hugh Glass – seine konsequente Fortsetzung findet. Rohe Gewalt, klaffende Wunden und sich verteilende Innereien geraten hier aber nie zum Selbstzweck und sind schon gar nicht auf den Ekel-Effekt hin ausgelegt, sondern unterstreichen lediglich die rohe Urgewalt der unerbittlichen Natur und werden dadurch eines von unzähligen Stilmitteln, mit denen Iñárritu die Odyssee quer durch die eisigen Weiten und Tundren bebildert.

Überhaupt präsentiert sich The Revenant zu gleichen Teilen als Survival- und Rache-Thriller und nimmt sich zu diesem Zweck auch einige Freiheiten bei der Geschichte des real existierenden Hugh Glass, denn auch wenn selbiger 1823 wirklich von einem Grizzly attackiert und zum Sterben zurückgelassen worden ist, finden sich keine Aufzeichnungen darüber, dass Glass eine Frau, geschweige denn einen Sohn gehabt haben soll, was der Story im Film natürlich eine weitere Ebene hinzufügt, wobei wir damit auch bei einer der kleineren Schwächen des Werkes angelangt wären, denn die surrealen Traumsequenzen, die geflüsterten Botschaften seiner verstorbene Frau, die im Grunde den gesamten Film mal mehr, mal weniger offensiv durchziehen und in ihrer assoziativen, spirituell überhöhten Art nicht von ungefähr an vieler Stelle den Vergleich zu den Werken von Terrence Malick (Knight of Cups) haben aufkommen lassen, hätten durchaus sparsamer gesetzt werden können und bremsen das Geschehen zuweilen geringfügig aus, zumal man manche der Szenen je nach eigenem Habitus durchaus als tendenziell prätentiös bezeichnen könnte und sie nicht notgetan hätten, um dem Überlebenskampf von Glass Auftrieb zu leisten.

Szenenbild aus The Revenant - Der Rückkehrer | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Das nämlich gelingt Leonardo DiCaprio in seiner weitestgehend dialogbefreiten Rolle mit Leichtigkeit auch ohne solche Einsprengsel und man kann wirklich sagen, dass er sich wahrhaft die Seele aus dem Leib gespielt hat, so dass die weiteren Darsteller unweigerlich in dessen Schatten stehen und kaum mehr als Randfiguren in dem auf Glass fokussierten Survival-Epos sind. Dennoch gelingt es insbesondere Tom Hardy (Taboo), seiner Figur des Antagonisten Fitzgerald die notwendige Authentizität zuteilwerden zu lassen und darf beispielsweise in einem am Lagerfeuer gehaltenen Monolog mimische Ausdrucksstärke unter Beweis stellen, während Will Poulter als Fitzgeralds unfreiwilliger Weggefährte und ganz besonders der ungemein wandlungsfähige Domhnall Gleeson (Ex Machina) als rechtschaffener Captain Andrew Henry ebenfalls zu überzeugen wissen. Klar ist aber auch, dass The Revenant kein Film der großen Worte ist und genauso wenig ein Film der vielschichtigen Handlung, denn diese ließe sich locker in zwei bis drei Sätzen zusammenfassen, was für einen rund zweieinhalbstündigen Reigen schon reichlich mager wirkt, weshalb ich umso erstaunter war, dass es bis auf einmal zu häufig eingestreuten Traumsequenzen keinerlei Längen zu beklagen gibt, wobei das auch eine Frage des persönlichen Geschmacks sein dürfte, denn auch wenn Glass auf seiner Reise vieles widerfährt und das Geschehen immer mal wieder auch das Fortkommen der anderen Expeditionsteilnehmer bebildert, handelt es sich natürlich in keiner Weise um kurzweiliges Popcorn-Kino und entsprechend dürfte sich nicht jeder für die ausgiebig gefilmten eisigen Weiten erwärmen können. Weniger aber auf die Geschichte an sich, sondern vielmehr deren Intensität und Faszination abstellend, ist für mich aber The Revenant durchaus verdient der nächste große Wurf von Iñárritu und eine uneingeschränkte Empfehlung wert.

Fazit & Wertung:

Alejandro González Iñárritu liefert mit The Revenant – Der Rückkehrer nicht nur einen bestechend gefilmten und inszenatorisch absolut dicht inszenierten Survival- und Rache-Thriller ab, sondern bereitet Leonardo DiCaprio gleichermaßen die Bühne für den wohlverdienten Oscar, denn an Intensität ist dessen nuanciertes und hingebungsvolles Schauspiel sicherlich kaum zu übertreffen. Einzig einige spirituell angehauchte Traumsequenzen kratzen an einem ansonsten rundherum herausragenden Film, der sicherlich schon jetzt zu einem der künftigen Klassiker des Genres gezählt werden darf.

9 von 10 endlosen verschneiten Landschaften

The Revenant – Der Rückkehrer

  • Endlose verschneite Landschaften - 9/10
    9/10

Fazit & Wertung:

Alejandro González Iñárritu liefert mit The Revenant – Der Rückkehrer nicht nur einen bestechend gefilmten und inszenatorisch absolut dicht inszenierten Survival- und Rache-Thriller ab, sondern bereitet Leonardo DiCaprio gleichermaßen die Bühne für den wohlverdienten Oscar, denn an Intensität ist dessen nuanciertes und hingebungsvolles Schauspiel sicherlich kaum zu übertreffen. Einzig einige spirituell angehauchte Traumsequenzen kratzen an einem ansonsten rundherum herausragenden Film, der sicherlich schon jetzt zu einem der künftigen Klassiker des Genres gezählt werden darf.

9.0/10
Leser-Wertung 8/10 (1 Stimme)
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Meinungen aus der Blogosphäre:
Der Kinogänger: 8/10 Punkte
moviescape.blog: 9/10 Punkte

The Revenant – Der Rückkehrer ist am 19.05.16 auf DVD und Blu-ray bei Twentieth Century Fox erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

  • Freut mich, dass dir der Film ebenso gut gefallen hat. Mochte ihn auch sehr gerne und kann mir gut vorstellen ihn noch ein paarmal zu sehen. (Wie realistisch das ist, steht auf einem anderen Blatt…)

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