Review: The Runaround – Die Nachtschwärmer (Film)

So, ist ja fast schon wieder Alltag, jetzt wo die Osterfeiertage hinter uns liegen und weil Dienstag ist, geht es dann auch gleich mit einer Film-Kritik weiter, wie sich das eben so gehört. Ich merk schon, seinen Turnus gefunden zu haben nimmt ein ganzes Stück weit den Überraschungsmoment aus der Sache, aber wenigstens weiß dann jeder, woran er ist.

The Runaround
Die Nachtschwärmer

All Nighter, USA 2017, 86 Min.

The Runaround - Die Nachtschwärmer | © Ascot Elite/Universum Film
© Ascot Elite/Universum Film

Regisseur:
Gavin Wiesen
Autor:
Seth W. Owen

Main-Cast:
J.K. Simmons (Mr. Gallo)
Emile Hirsch (Martin)
in weiteren Rollen:
Taran Killam (Gary)
Kristen Schaal (Roberta)
Analeigh Tipton (Ginnie)

Genre:
Komödie

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus The Runaround - Die Nachtschwärmer | © Ascot Elite/Universum Film
© Ascot Elite/Universum Film

Das erste Mal dem Vater der eigenen Freundin zu begegnen ist eine Prüfung für sich und entsprechend nervös ist auch Martin, als seine Freundin Ginnie ihn ihrem Vater Mr. Gallo vorstellen möchte. Hinzu kommt, dass Martin nun nicht unbedingt der Vorzeigeschwiegersohn ist und im Leben noch nicht allzu viel erreicht hat, während Mr. Gallo ein distinguierter und eloquenter Herr ist und entsprechend geht der Abend gehörig in die Hose. Sechs Monate vergehen und Martin ist längst nicht mehr mit Ginnie liiert, als plötzlich Mr. Gallo vor dessen Tür steht und in großer Sorge um seine Tochter ist, die er seit Tagen nicht hat erreichen können. Widerwillig klappert Martin mit ihm Freunde, Bekannte und Arbeitsplätze von Ginnie ab, um etwas über ihren Verbleib in Erfahrung zu bringen, während er sich allerorts anhören muss, endlich über sie hinwegkommen zu müssen. So abstrus die Situation aber auch sein mag, gelingt es Martin nicht, sich von dem zielstrebigen wie überzeugenden Mr. Gallo loszureißen, der kaum Skrupel dabei kennt, seine Tochter ausfindig zu machen, was wohl unweigerlich in einem Desaster enden wird…

Rezension:

Okay, klar, J.K. Simmons (La La Land) ist ne coole Socke, gar keine Frage, derweil ich Emile Hirsch allerspätestens seit Killer Joe ebenfalls sehr schätze und dementsprechend hätte The Runaround – Die Nachtschwärmer ein kurzweiliger und unterhaltsamer Streifen werden können, eine zutiefst ungewöhnliche Buddy-Komödie wie sie im Buche steht, denn das Schema geht ja eigentlich bei entsprechenden Grundzutaten beinahe immer mehr oder minder gut auf und Simmons und Hirsch sind ja nun auch nicht gerade das übliche Gespann, doch liegt die Betonung eben leider auf dem "hätte", denn so richtig funktionieren möchte der Film nicht und so ist ausnahmsweise auch der unnötig verkomplizierte "deutsche" Titel diesmal näher an der Wahrheit als das simple All Nighter im Original, denn nicht nur die Gags laufen immer nach demselben Schema ab und gehen meist auf Kosten des verlotterten Martin (Hirsch), nein, auch der Plot der Chose wartet bei einer Laufzeit von gerade einmal 86 Minuten mit erschreckend viel Aufwärmphase und Leerlauf auf und gönnt sich zudem noch ein ausgiebiges Outro, so dass in der Summe leider herzlich wenig Komödie übrigbleibt, doch andere Genres weiß der Streifen leider ebenso wenig zu bedienen, was ihn schon ziemlich enttäuschend macht.

Szenenbild aus The Runaround - Die Nachtschwärmer | © Ascot Elite/Universum Film
© Ascot Elite/Universum Film

Um oben genannte Kritik noch kurz zu konkretisieren, kann man grob sagen, dass The Runaround nach etwa einer halben Stunde überhaupt erst an Fahrt aufnimmt, gleichwohl ab kaum etwas mehr als einer Stunde auch wieder gehörig abflacht, was schlichtweg zu wenig ist für eine überzeugende Komödie, auch wenn dieser Streifen durchaus seine Momente besitzt, wie es eigentlich bei fast allen Filmen der Fall ist und so funktioniert die Combo aus Simmons und Hirsch in besagten Momenten auch ausnehmend gut und man hätte aus der Prämisse womöglich richtig was machen können, auch wenn die Suche nach der Tochter beziehungsweise Ex-Freundin, die die beiden ungleichen Gestalten wenn auch widerwillig eint nun auch nicht gerade innovativ geraten ist. Ansonsten müht man sich redlich, aus bewusst überzeichneten Figuren und Begebenheiten komödiantisches Potential zu generieren, doch Drehbuchautor Seth W. Owen ist hier schlichtweg kein wirklich überzeugendes Skript gelungen, weshalb er entweder am Ziel vorbei oder darüber hinausschießt.

Humor ist aber natürlich immer auch Geschmackssache und womöglich mag die Mischung dem Einen oder Anderen mehr munden als mir, wobei ich The Runaround auch einen zumindest rudimentären Unterhaltungswert gar nicht absprechen kann und möchte. So ist es am Ende aber einzig Simmons, der es mit Präsenz und Charisma zumindest teilweise rauszureißen weiß und auch für die wenigen emotionalen Momente innerhalb des Films verantwortlich zeichnet, wobei die meist viel zu schnell und mit wenig Taktgefühl abgebrochen werden, was wiederum ebenfalls für das nicht wirklich ausgereifte Skript spricht, derweil es Emile Hirsch im Grunde noch schlechter trifft, denn seine Figur ist so in ihren Stereotypen verhaftet, dass es ihm ohne Frage schwer gefallen sein muss, seine Figur des Martin nur annähernd mit Leben zu füllen, dass über Plattitüden und klassische Loser-Attribute hinausgeht.

Szenenbild aus The Runaround - Die Nachtschwärmer | © Ascot Elite/Universum Film
© Ascot Elite/Universum Film

Ansonsten gibt es dann auch schon nicht mehr viel Erwähnenswertes in Sachen The Runaround, außer vielleicht, dass man Analeigh Tipton (Dirty Trip) als Mr. Gallos Tochter und folglich Martins Ex-Freundin besetzt hat, doch da der Kern des Films die Suche nach ihr darstellt, darf sie sich auf und über nur wenige Minuten Screentime freuen, ist also genauso verschenkt wie vieles andere an dem Film, während Taran Killam als Martins Kumpel Gary kurzzeitig Teil der nächtlichen Schnitzeljagd wird, vieles aber eher verschlimmert, als dem nun zum Trio angewachsenen Duo eine neue Dynamik zu verleihen. So kann man sich den unter der Regie von Gavin Wiesen entstandenen Film, der ja immerhin sechs Jahre zuvor schon den ungleich überzeugenderen, intelligenteren und charmanteren Von der Kunst, sich durchzumogeln inszeniert hat, durchaus ansehen, es aber ebenso gut auch bleiben lassen, denn verpassen tut man hier – abgesehen von ein paar einzelnen netten Szenen und einem schmissigen Soundtrack – nicht wirklich viel.

Fazit & Wertung:

Gavin Wiesen offeriert mit The Runaround – Die Nachtschwärmer eine lupenreine Komödie, die in ihren besten Momenten auch mehr nicht sein will, doch das reichlich unausgegorene Skript macht es selbst den eigentlich fähigen Darstellern J.K. Simmons und Emile Hirsch schwer, den Film mit Leben zu füllen, der schlichtweg zu Beginn wie auch zum Ende hin viel zu viel Leerlauf hat, als dass es der Mittelteil noch spürbar rausreißen könnte. Leide eine zwar sympathische Komödie, die man sich aufgrund mangelnder Gag-Dichte aber getrost sparen kann.

5,5 von 10 nächtlichen Zufallsbegegnungen

The Runaround – Die Nachtschwärmer

  • Nächtliche Zufallsbegegnungen - 5.5/10
    5.5/10

Fazit & Wertung:

Gavin Wiesen offeriert mit The Runaround – Die Nachtschwärmer eine lupenreine Komödie, die in ihren besten Momenten auch mehr nicht sein will, doch das reichlich unausgegorene Skript macht es selbst den eigentlich fähigen Darstellern J.K. Simmons und Emile Hirsch schwer, den Film mit Leben zu füllen, der schlichtweg zu Beginn wie auch zum Ende hin viel zu viel Leerlauf hat, als dass es der Mittelteil noch spürbar rausreißen könnte. Leide eine zwar sympathische Komödie, die man sich aufgrund mangelnder Gag-Dichte aber getrost sparen kann.

5.5/10
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The Runaround – Die Nachtschwärmer erscheint am 21.04.17 auf DVD und Blu-ray bei Ascot Elite im Vertrieb von Universum Film. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

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