Review: Victoria | Staffel 1 (Serie)

Und da wäre ich auch schon wieder und beehre euch heute mit einer ziemlich lohnenswerten Historien-Serie, auf die ich zum Glück gestoßen worden bin, denn beinahe wäre mir Jenna Coleman als junge Königin Victoria entgangen, was – wie ich jetzt weiß – sehr schade gewesen wäre, aber lest selbst!

Victoria
Staffel 1

Victoria, UK 2016-, , ca. 54 Min. je Folge

Victoria | © Edel Germany GmbH
© Edel Germany GmbH

Serienschöpfer:
Daisy Goodwin
Ausführende Produzenten:
Daisy Goodwin
Dan McCulloch
Damien Timmer

Main-Cast:
Jenna Coleman (Victoria)
Tom Hughes (Prince Albert)
Daniela Holtz (Baroness Lehzen)
Peter Firth (Duke of Cumberland)
Peter Bowles (Duke of Wellington)
Nigel Lindsay (Sir Robert Peel)
Rufus Sewell (Lord Melbourne)
Paul Rhys (Sir John Conroy)
in weiteren Rollen:
Catherine Flemming (Duchess of Kent)
David Oakes (Prince Ernest)
Alex Jennings (King Leopold)
Nell Hudson (Skerrett)
Adrian Schiller (Penge)
Tommy Knight (Brodie)
Ferdinand Kingsley (Francatelli)
Eve Myles (Mrs. Jenkins)

Genre:
Biografie | Historie | Drama

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Victoria | © Edel Germany GmbH
© Edel Germany GmbH

England, 1837: Nachdem ihr Onkel Wilhelm IV. überraschend verstorben ist, wird die junge Victoria im zarten Alter von 18 Jahren die neue Monarchin des Vereinigten Königreiches. Von ihrer neuen Rolle als Königin zunächst überfordert, gelingt es der jungen Frau doch immerhin, ihrer Mutter und vor allem dem als Nachlassverwalter eingesetzten John Conroy, der ihr das Zugeständnis abringen will, ihn zum Privatsekretär zu ernennen, die Stirn zu bieten und alsbald findet sie in dem Premierminister Lord Melbourne einen ersten und engen Vertrauten, der sie bei den ihr neuen Staatsgeschäften im Buckingham Palace unterstützt, was allerdings bald zu Getuschel führt, wie viel Einfluss der Premier wirklich auf die junge Königin haben würde, die bereits kurz nach ihrem Amtsantritt sowohl mit der Flora-Hastings-Affäre als auch der Hofdamenaffäre nicht im besten Sinne von sich reden macht. Als die Rufe laut werden, die Königin möge sich vermählen, war es ihr Onkel Leopold, der arrangierte, dass Prinz Albert von Sachsen-Coburg und Gotha gemeinsam mit seinem Bruder Ernst der Königin – zunächst sehr zu ihrem Verdruss – alsbald seine Aufwartung machen sollte…

Rezension:

Ich bin ja sonst nicht unbedingt ausgewiesener Freund von Historien-Serien oder zumindest Kostüm-Dramen, doch bei Victoria musste ich ja im Grunde allein schon wegen Jenna Coleman einen Blick riskieren, die hier die Rolle der jungen Monarchin übernimmt, wobei oft verschwiegen wird, dass auch – zumindest in einem Großteil der Folgen – der nicht minder sehenswerte Rufus Sewell als Lord Melbourne mit von der Partie ist, was gleich zwei quasi zwingende Gründe darstellt, sich der Serie um die junge Königin zu widmen. Die erste Staffel umfasst dabei mit ihren gerade einmal acht Episoden grob die ersten drei ‚Regierungsjahre von Victoria und entsprechend beginnt die knapp 70 Minuten währende Pilotepisode Puppe Nummer 123 (1.01) mit der Nachricht, dass Victorias Onkel Wilhelm IV. in der Nacht verstorben und somit die Königswürde an sie gefallen sei. Gemessen daran, dass Victoria es als Königin des Vereinigten Königreichs von Großbritannien und Irland auf eine Regierungszeit von 63 Jahren (1837-1901) gebracht hat, könnte man meinen, ihr Leben liefere Stoff für eine schier endlos scheinende Serie, doch in Kombination mit der obligatorischen Verlängerung für eine zweite Season teilte ITV bereits mit, man könne sich eine Gesamtlänge von sechs Staffeln vorstellen, was natürlich darauf deutet, dass die unweigerlichen Zeitsprünge, die auch hier schon zuweilen irritieren, noch zunehmen werden, derweil unklar ist, ob und inwieweit Coleman weiterhin – beziehungsweise wie lange noch – die Rolle der Königin übernehmen wird.

Szenenbild aus Victoria | © Edel Germany GmbH
© Edel Germany GmbH

Nun soll es ja aber zunächst einmal um die erste Staffel Victoria gehen und die funktioniert für sich genommen schon ausnehmend gut und schlägt schnell in ihren Bann, auch wenn ausgerechnet der Theme-Song – eine Choral-Variante des Halleluja – zwischenzeitlich zu nerven beginnt, aber das mag daran liegen, dass auch die Menüs der Blu-ray davon unterlegt sind. Nun geht es ja aber um die zu ihrer Amtseinführung gerade einmal volljährig gewordene Königin und ihren Hofstaat und diesbezüglich hat man sich – gerade für britische Historienserien ja durchaus zu erwarten – in Sachen Ausstattung und Opulenz nicht lumpen lassen und die Kostüme, der Look des Buckingham Palace und selbst die klar als Computeranimationen erkennbaren Außenaufnahmen von London und Umland sprechen für sich und entführen prompt in die damalige Zeit. Mit gehörig Flair und einer außergewöhnlichen Leistung seitens Jenna Coleman, die gerade in späteren Folgen darstellerisch zu punkten versteht und der jungen Königin vermehrt diffizilere Facetten abringt, während sie anfänglich doch lediglich bockig und unbedarft wirken mag, gelingt es der Serienschöpferin Daisy Goodwin damit durchgehend, eine überzeugende Interpretation abzuliefern, wobei man sich natürlich über die historische Akkuratesse streiten darf, die ich mir auch gar nicht zu beurteilen anmaßen möchte.

Nichtsdestotrotz hangelt sich die Serie zumindest an historischen Eckdaten entlang und gibt damit teilweise doch ziemlich exakt das je Folge vorherrschende Thema vor, weshalb man sich – ein Schelm, wer sowas möchte – ganz wunderbar mit dem Wikipedia-Eintrag zu ihrer Person spoilern könnte, so dass in der Pilotepisode neben der Krönung gleich noch die Flora-Hastings-Affäre abgehandelt wird, während in Hofdamen (1.02) der Verlust der Whig-Mehrheit im Unterhaus dazu führt, dass Robert Peel von der unerfahrenen Königin fordert, sie möge ihren Hofstaat neutral besetzen und ihre Hofdamen aus Whig-Kreisen durch Tories ersetzen möge, was Victoria ihm verweigert und in der Geschichtsschreibung daher als Hofdamenaffäre bekannt geworden ist. Ähnlich ließe sich die Reihe fortführen, beispielsweise was die Apanage des späteren Prinzgemahls Albert von Sachsen-Coburg und Gotha angeht, der – von Tom Hughes nicht minder hervorragend verkörpert – in der vierten Episode Der Uhrwerk Prinz (1.04) in Erscheinung tritt und alsbald einen festen Platz an Victorias Seite einnimmt, wobei sich die beiden nicht von Beginn an richtig zugetan scheinen und auch später noch gehörig Konfliktpotential vorherrscht, was insbesondere auf Alberts unklarer Stellung am Hofe und der mangelnden Akzeptanz seiner Person am britischen Hof zurückzuführen ist.

Szenenbild aus Victoria | © Edel Germany GmbH
© Edel Germany GmbH

So gelingt dann auch der dramaturgische Wechsel von Rufus Sewells Figur des Lord Melbourne hin zum von Hughes verkörperten Albert, der ein Stück weit natürlich dessen Platz einnimmt als erste Bezugsperson Victorias, was auch leicht in die Hose hätte gehen können, gerade in Anbetracht des Charismas und der Präsenz von Sewell als Person. Irritierend allerdings – wenn nicht gar teilweise störend – sind die meisten Handlungsstränge um die Bediensteten des Buckingham Palace geraten, denn nicht nur könnte man meinen, Daisy Goodwin – die auch die Drehbücher für sieben der achte Episoden beigesteuert hat – hätte zu viel Downton Abbey gesehen (die ohnehin schon gefühlt Dutzende Nachahmer gefunden hat), tragen die Geschichten weder Essentielles zur Lebensgeschichte von Victoria bei, um die es ja vorrangig gehen sollte, wenn man dem Titel der Serie Glauben schenken darf, noch werden einzelne Handlungsstränge weiter verfolgt, was das Ganze in letzter Konsequenz ziemlich halbgar wirken lässt, zumal ich mich vermehrt gefragt habe, ob man die zur Verfügung stehende Zeit nicht sinnvoller hätte nutzen können, werden hier immerhin gute drei Jahre in acht Folgen zu je vierzig – beziehungsweise einmal siebzig – Minuten zu pressen versucht, was ohnehin schon einen stetig im Fluss befindlichen Zeitablauf erfordert, derweil einzelne Themen nur kurz angerissen werden. Immerhin kann man Victoria aber anrechnen, das Wesen der damaligen Zeit und auch die politischen Zusammenhänge recht treffend erfahrbar zu machen, ohne in den Erklärbär-Modus zu verfallen und hier machen dann auch die Parts der Bediensteten ein Stück weit Sinn, erlauben sie doch einen gänzlich anderen Blick auf die "einfache" Bevölkerung, als es bei einem strikten Fokus auf Victoria möglich gewesen wäre.

Trotz kleiner Schelte macht Goodwins Serie also verdammt viel richtig und dürfte auch Leuten gefallen, die dem Thema an sich vielleicht grundsätzlich nicht so zugetan sind, um mal nur mich als Beispiel zu nennen, zumal die zunehmend forscher werdende Königin oftmals um manch schnippischen Spruch nicht verlegen ist und so der Reigen zuweilen gar von einem leisen Humor durchzogen ist, den ich mir so nicht erwartet hätte. Ansonsten vermengt Victoria natürlich die üblichen Zutaten Herzschmerz und Drama, tut dies aber auf sehr elegante Art und Weise, so dass ich nun sehr gespannt bin auf die sich anschließende(n) Staffel(n), vor allem aber darauf, ob und inwieweit Jenna Coleman dort wieder mit von der Partie sein wird, denn zumindest zum jetzigen Zeitpunkt schon die Darstellerin zu wechseln stelle ich mir doch grenzwertig irritierend vor.

Fazit & Wertung:

Mit Victoria legt ITV eine nicht nur opulent ausgestattete, sondern auch hervorragend wie prominent besetzte Historien-Serie um die junge Königin Mitte des 18. Jahrhunderts vor, die auf gleichbleibend hohem Niveau zu überzeugen versteht und die ersten drei Jahre der Regentschaft abdeckt. In Anbetracht dessen, dass die eigentlich als Mini-Serie konzipierte Produktion nun eine Fortsetzung spendiert bekommt, bleibt zwar noch offen, inwieweit man die Qualität wird beibehalten können, doch für sich genommen lohnt dieser Ausflug ins viktorianische Zeitalter (richtig, daher der Name) allemal.

8,5 von 10 Konflikten am englischen Hof

Victoria | Staffel 1

  • Konflikte am englischen Hof - 8.5/10
    8.5/10

Fazit & Wertung:

Mit Victoria legt ITV eine nicht nur opulent ausgestattete, sondern auch hervorragend wie prominent besetzte Historien-Serie um die junge Königin Mitte des 18. Jahrhunderts vor, die auf gleichbleibend hohem Niveau zu überzeugen versteht und die ersten drei Jahre der Regentschaft abdeckt. In Anbetracht dessen, dass die eigentlich als Mini-Serie konzipierte Produktion nun eine Fortsetzung spendiert bekommt, bleibt zwar noch offen, inwieweit man die Qualität wird beibehalten können, doch für sich genommen lohnt dieser Ausflug ins viktorianische Zeitalter (richtig, daher der Name) allemal.

8.5/10
Leser-Wertung 7.5/10 (2 Stimmen)
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Episodenübersicht: Staffel 1

01. Puppe Nummer 123 (8/10)
02. Hofdamen (8/10)
03. Brocket Hall (8,5/10)
04. Der Uhrwerk Prinz (8/10)
05. Eine normale Frau (8,5/10)
06. Der Gemahl der Königin (8/10)
07. Die Maschine des Wandels (8,5/10)
08. Young England (8,5/10)

 

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Victoria | Staffel 1 ist am 31.03.17 auf DVD sowie als Deluxe Edition auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von Edel Germany erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

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