Review: Auge um Auge – Out of the Furnace (Film)

Und wir gehen ein weiteres Jahr zurück, diesmal nach 2013, denn auch da gab es einen Film, den ich schon lange einmal sehen wollte und der allein seiner Besetzung wegen quasi Pflichtprogramm war, wenngleich ich mich vergleichsweise lange gesträubt habe, aber dass ich nicht annähernd hinterher komme, mit dem was ich gerne sehen möchte, was hier noch an Blu-rays liegt und was gefühlt täglich neu veröffentlicht wird, dürfte ja bekannt sein.

Auge um Auge
Out of the Furnace

Out of the Furnace, UK/USA 2013, 116 Min.

Auge um Auge - Out of the Furnace | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Regisseur:
Scott Cooper
Autoren:
Brad Ingelsby
Scott Cooper

Main-Cast:

Christian Bale (Russell Baze)
Woody Harrelson (Harlan DeGroat)
Casey Affleck (Rodney Baze Jr.)
Forest Whitaker (Chief Wesley Barnes)
Willem Dafoe (John Petty)
Zoë Saldana (Lena Taylor)
Sam Shepard (Gerald ‚Red‘ Baze)

Genre:
Krimi | Drama | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Auge um Auge - Out of the Furnace | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Russell Blaze müht sich nach Kräften, mit seinen Schichten im Stahlwerk genug zu verdienen, um seiner Freundin Lena etwas bieten zu können und fungiert ebenso als Bezugsperson für seinen jüngeren Bruder Rodney, der gerne mal sein gesamtes Geld verzockt und bereits bei einem der hiesigen Buchmacher in der Kreide steht. Dann allerdings landet Russell wegen eines im Suff verursachten Autounfalls im Gefängnis und sowohl Lena als auch Rodney sind auf sich allein gestellt. Während Lena mit dem örtlichen Sheriff Barnes anbändelt, sucht Rodney den Nervenkitzel und überredet den Buchmacher John Petty, ein Treffen mit dem cholerischen Gangster Harlan DeGroat zu arrangieren. Als Russell schlussendlich aus dem Knast entlassen wird, ist Rodney verschwunden und der Umstand, dass Sheriff Barnes seines Erachtens nicht genügend Ehrgeiz an den Tag legt, seinen Bruder ausfindig zu machen, ist nicht der einzige Grund, weshalb er auf den Gesetzeshüter nicht gerade gut zu sprechen ist, so dass er die Sache lieber selbst in die Hand nimmt…

Rezension:

Im Vorfeld habe ich tatsächlich viel Negatives oder zumindest Neutrales, selten etwas Positives zu Auge um Auge – Out of the Furnace gelesen und daher Kauf und Sichtung ein ums andere Mal vor mir hergeschoben, doch auf lange Sicht kam ich natürlich um einen Film, der eine solch illustre Schar an Stars versammelt, nicht herum und in dem Wissen, dass ausgerechnet Filme, die von vielen als zu langatmig, zu stockend, zu enttäuschend abgetan werden, bei mir des Öfteren zu zünden wissen, war ich doch guter Dinge vor der Sichtung und sollte tatsächlich nicht enttäuscht werden, denn es stimmt zwar, dass Regisseur Scott Cooper nicht nur zu Beginn mehrfach spürbar auf die Bremse drückt und der Erzählung etwas Getragenes verleiht, was sicherlich überhaupt nicht notgetan hätte, doch wirkt das Geschehen in seiner geradlinigen und unaufgeregten Art auch oft beinahe unangenehm authentisch, was dem Film, der gleichermaßen Milieu-Studie der 2.500 Seelen-Gemeinde Braddock, Pennsylvania sein möchte, ein ganz eigenes Flair und eine unangepasste, gegen den Strom gerichtete Attitüde verleiht, die mir doch oft zu imponieren wusste.

Szenenbild aus Auge um Auge - Out of the Furnace | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Dieses ruhige, unspektakuläre Erzählen in weiten Teilen hat aber nicht zuletzt auch zur Folge, dass die actionreicheren, die brutaleren, die schockierenderen Szenen umso mehr in Mark und Bein gehen und auch wenn es leicht fällt zu behaupten, in diesem Film alles kommen zu sehen, hat er ich doch mehrfach mit seiner kompromisslosen Konsequenz gefesselt, was beispielsweise die Aufsplittung des Geschehens in zwei große Teile zu je einer guten Stunde anbelangt, wobei ich natürlich nicht spoilern möchte, durch welches Ereignis sich der erzählerische Bruch in der Mitte des Films vollzieht. Dessen ungeachtet aber gewinnt Auge um Auge durch den formidablen Cast und allein in der Eingangsszene darf Woody Harrelson den Psychopathen raushängen lassen, der an längst vergangene Natural Born Killers-Zeiten erinnert, wohingegen der Look seiner Figur weit eher seiner ähnlich kernigen Figur aus Zombieland entliehen scheint. Stellt Harrelson aber für sich genommen schon eines der darstellerischen Highlights des Films dar, steht ihm Tausendsassa Christian Bale (Knight of Cups) als Russell Blaze in kaum etwas nach, wenn seine Figur und sein Schauspiel auch weitaus stoischer und reservierter, kontrollierter und nicht zuletzt wortkarger daherkommt.

Und auch wenn Auge um Auge zu einer Zeit entstanden ist, als man Casey Affleck (The Saints) noch längst nicht die ihm gebührende Aufmerksamkeit gewidmet hat, liefert er auch hier wieder als Russells Bruder Rodney eine punktgenau und rundherum überzeugende Darstellung ab, derweil sich die Trainingseinheiten, um auch äußerlich dem Typus seiner Figur zu entsprechen, mehr als gelohnt haben. Ihm zur Seite steht derweil der Kleinstadtganove John Petty, den Willem Dafoe (John Wick) beinahe ungewohnt zurückhaltend in Szene setzt und längst nicht das große Licht in der kriminellen Zwischenwelt ist, dass er gern wäre. Komplettiert wird die Besetzung von Forest Whitaker (Zulu) in seiner Paraderolle als gutmütiger aber auch resoluter Kerl, diesmal folgerichtig als Polizist eingesetzt, wohingegen einzig Zoë Saldana im direkten Vergleich doch eher wenig zu tun bekommt, was sich schon bei dem partiell ähnlich gelagerten Blood Ties kaum anders verhalten hat, während Sam Shepard zuletzt in kurzen, aber immerhin prägnanten Szenen zu überzeugen versteht.

Szenenbild aus Auge um Auge - Out of the Furnace | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Fernab der Figuren ist aber Braddock ebenfalls eine Art Hauptfigur der Erzählung, ohne dass sie in deren Kern eine wirkliche Rolle spielen würde, sondern lediglich den Boden bereitet für eine unerwartet stringente Rache-Story, die so ganz anders wirkt und inszeniert ist als vergleichbare Produktionen, vor allem eine objektive Wertung oder Verurteilung verweigert, derweil es höchstens einzelnen Figuren obliegt, das jeweilige Verhalten und Handeln zu hinterfragen. Manchmal versucht sich Regisseur Cooper zwar ein wenig zu offensiv daran, das kleine Städtchen Braddock als Sinnbild und exemplarisches Beispiel für den in die Brüche gegangenen amerikanischen Traum zu inszenieren und damit im Grunde verurteilungswertes Handeln wenn auch unausgesprochen zu rechtfertigen, doch entscheidet hier mehr denn je der persönliche Geschmack, ob man die zuweilen stilisiert wirkende Art der Inszenierung als prätentiös oder poetisch empfinden mag. Ich für meinen Teil war von der Bildsprache und dem Erzählduktus des Films durchaus angetan, auch wenn sich einige kleine Längen hätten vermeiden lassen, doch in der emotional aufgeladenen Art und Weise, wie hier eine im Grunde altbekannte Geschichte dargebracht und vor allem konsequent zu Ende gedacht wird, dürfte mir Auge um Auge noch eine ganze Weil im Gedächtnis bleiben und ist auf alle Fälle meinem Empfinden nach weit besser als sein Ruf.

Fazit & Wertung:

Scott Cooper erzählt in seinem Zweitwerk Auge um Auge – Out of the Furnace eine im Grunde relativ schnörkellose und altbekannte Geschichte von Schuld und Sühne, die er in der Tristesse einer heruntergekommenen amerikanischen Kleinstadt ansiedelt, doch ausgerechnet die unaufgeregte und entschleunigte Erzählweise verleihen der Rache-Story zusammen mit ihrer stringenten Inszenierung zuweilen eine beinahe poetische Bildgewalt, während nicht zu bestreiten ist, dass Cooper zuweilen haarscharf daran vorbeirauscht, ins Prätentiöse abzudriften. Diesbezüglich kommt ihm allerdings die geballte Schar fähiger Darstellerinnen und Darsteller zu Gute, welche die Story zu jedem Zeitpunkt in der Spur zu halten wissen.

7,5 von 10 schicksalhaften Begegnungen

Auge um Auge – Out of the Furnace

  • Schicksalhafte Begegnungen - 7.5/10
    7.5/10

Fazit & Wertung:

Scott Cooper erzählt in seinem Zweitwerk Auge um Auge – Out of the Furnace eine im Grunde relativ schnörkellose und altbekannte Geschichte von Schuld und Sühne, die er in der Tristesse einer heruntergekommenen amerikanischen Kleinstadt ansiedelt, doch ausgerechnet die unaufgeregte und entschleunigte Erzählweise verleihen der Rache-Story zusammen mit ihrer stringenten Inszenierung zuweilen eine beinahe poetische Bildgewalt, während nicht zu bestreiten ist, dass Cooper zuweilen haarscharf daran vorbeirauscht, ins Prätentiöse abzudriften. Diesbezüglich kommt ihm allerdings die geballte Schar fähiger Darstellerinnen und Darsteller zu Gute, welche die Story zu jedem Zeitpunkt in der Spur zu halten wissen.

7.5/10
Leser-Wertung 10/10 (1 Stimme)
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Auge um Auge – Out of the Furnace ist am 11.09.14 auf DVD und Blu-ray bei Universal Pictures erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

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