Review: The Interview (Film)

Da habe ich doch tatsächlich für heute gar keinen Comic vorbereitet und wenig Lust, noch schnell was hinzurotzen, würde schließlich weder mir noch euch gefallen. Tue ich also das naheliegende, greife auf eine meiner zahlreichen Film-Kritiken zurück und präsentiere die nun eben schon heute.

The Interview

The Interview, USA 2014, 112 Min.

The Interview | © Sony Pictures Home Entertainment Inc.
© Sony Pictures Home Entertainment Inc.

Regisseure:
Evan Goldberg
Seth Rogen
Autor:
Dan Sterling

Main-Cast:
James Franco (Dave Skylark)
Seth Rogen (Aaron Rapaport)
in weiteren Rollen:
Lizzy Caplan (Agent Lacey)
Randall Park (President Kim)

Genre:
Komödie

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus The Interview | © Sony Pictures Home Entertainment Inc.
© Sony Pictures Home Entertainment Inc.

TV-Moderator Dave Skylark ist Kult im amerikanischen Fernsehen und mit seiner einfühlsamen Art entlockt er noch den bekanntesten Promis ihre intimsten Geheimnisse, doch sein bester Freund Aaron Rapaport, gleichzeitig Produzent der Show "Skylark Tonight", ist zunehmend unglücklich, sieht sich von den anderen Journalisten nicht ernstgenommen und mehr belächelt als geachtet, weshalb in ihm der Wunsch wächst, wieder "echte" Nachrichten bringen zu wollen. Als Dave dann aufschnappt, dass der Kim Jong-un als oberster Führer Nordkoreas ein großer Fan seiner Show ist, schlägt er Aaron ein Exklusiv-Interview vor. Der glaubt zwar nicht, dass seine Anfrage Erfolg haben könnte, wagt aber dennoch den Versuch und überraschend willigt Kim Jong-un ein, was wiederum die CIA auf den Plan ruft, die Dave und Aaron darum bittet, bei ihrem Besuch in Nordkorea doch auch gleich deren Staatsoberhaupt zu töten…

Rezension:

Ich erinnere mich noch gut daran, wie viel Aufhebens seinerzeit um Evan Goldbergs und Seth Rogens The Interview gemacht worden ist, was natürlich hauptsächlich auf den Umstand zurückzuführen war, dass man ausgerechnet Nordkoreas Diktator Kim Jong-un aufs Korn zu nehmen plante, der sich entsprechend ungehalten zeigte, derweil der Film ja noch von einigen Krisen und Attacken mehr umweht worden ist, was ihn schon im Vorfeld der Veröffentlichung größer und wichtiger wirken ließ als er es verdient hätte, denn in direkter Nachfolge zu Das ist das Ende entstanden, schlägt der Film in Sachen Humor und Anspruch in eine sehr ähnliche Kerbe und ist weit davon entfernt, die markige und bitterböse Satire zu sein, als die er gehandelt wird, geschweige denn, einen ernstzunehmenden Kommentar zur weltpolitischen Lage machen zu können oder auch nur zu wollen, denn einmal mehr regiert doch weitaus offensiver der Fäkalhumor, den James Franco und Seth Rogen hier erneut als klassisches Buddy-Duo gewohnt schmerzbefreit auf die Leinwand bringen.

Szenenbild aus The Interview | © Sony Pictures Home Entertainment Inc.
© Sony Pictures Home Entertainment Inc.

So dürfte das größte und auffälligste Alleinstellungsmerkmal des Films am ehesten sein, dass besagtes Buddy-Duo kurzzeitig aufgebrochen wird und der von James Franco (Die fantastische Welt von Oz) herrlich überzogen gespielte Archetyp des mitfühlend-charmanten TV-Moderators im Mittelteil des Films eine innige Freundschaft zum ach so missverstandenen Diktator aufbaut, der nicht minder großartig von dem umtriebigen Randall Park in Szene gesetzt wird. Komplettiert wird der Reigen von Seth Rogen (50/50) in seiner Paraderolle als liebenswerter, leicht hysterisch werdender und wirkender Best Friend von Francos Figur, diesmal in Gestalt des Produzenten von "Skylark Tonight" sowie Lizzy Caplan (Die Unfassbaren 2) als Agent Lacey, die mit der Bitte an die beiden TV-Vertreter herantritt, den Diktator zu eliminieren.

Im Endeffekt gliedert sich The Interview im Grunde in zwei Teile, die mal mehr, mal weniger gut miteinander harmonieren, sich aber auf alle Fälle klar voneinander abgrenzen lassen, denn in nicht ganz der ersten Hälfte begnügt sich der Film damit, das Setting und die Figuren zu etablieren und wartet mit ein paar überwiegend gut funktionierenden Seitenhieben auf das TV-Business und die Unterhaltungsindustrie auf, wobei auf diesen Teil des Films auch ein paar schöne, teilweise viel zu kurze Gastauftritte entfallen, namentlich von Eminem, Rob Lowe und Joseph Gordon-Levitt, doch abgesehen von der Anfangsszene, in der ein kleines Mädchen ein Lied zum Besten gibt, in dem es sich wünscht, Amerika möge noch zu Lebzeiten des Diktators auseinanderbrechen und dahinsiechen, ist das alles recht harmloser Klamauk und man mag sich zu fragen beginnen, ob es Goldberg und Rogen noch gelingt, den Schwenk hin zu bissiger Satire vollziehen zu können, wird dann aber schnell eines Besseren belehrt, denn je weiter die Story voranschreitet, je klarer wird, dass eine handfeste Satire wahrscheinlich nicht im Sinne der Macher gelegen haben mag.

Szenenbild aus The Interview | © Sony Pictures Home Entertainment Inc.
© Sony Pictures Home Entertainment Inc.

So begnügt sich der zweite Part des Films zunächst damit, einen reichlich unsicheren und gerne weinerlichen Diktator zu präsentieren und das Ganze mit ein paar weiteren Fäkal- und Anal-Witzen zu garnieren, was schon weit eher dem Habitus der Macher entspricht, derweil der Humor oft durchaus zündet, einfach weil das Geschehen wieder einmal so herrlich abgedreht, die Figuren so überzeichnet sind, dass man eigentlich kaum anders kann, als mit den beiden liebenswerten Vollidioten mitzufiebern, zumal Franco und Rogen – ob man sie nun mag oder nicht – noch immer die besten Bromances auf die Leinwand zu bringen wissen und da reiht sich dann auch das Gezänk mit ein, wenn TV-Moderator Skylark sich immer mehr vom Diktator gebauchpinselt fühlt und Rogens Figur Aaron Rapaport mit einer Mischung aus Eifersucht und Argwohn dagegen zu agitieren beginnt. Zum Ende hin – und auch hier ähnelt The Interview in vielerlei Hinsicht Das ist das Endeh – stehen aber ganz klar Action und Eskalation im Vordergrund, was in ein paar überraschend blutige und brutale Szenen mündet, die allerdings ebenso überzeichnet sind und ihrer Ausgestaltung nach eine krude Form von Humor zu bedienen suchen. In dem Kontext also, dass ich mir bereits im Vorfeld klargemacht habe, dass The Interview nicht annähernd das Gewicht haben dürfte, wie man es der medialen Aufmerksamkeit wegen hätte annehmen können, fühlte ich mich doch ausnehmend gut unterhalten, auch wenn der kindische Humor nie so ganz meins sein wird, doch ab und an darf es eben auch gerne mal etwas stumpfer sein, dafür mit viel Hingabe inszeniert und mit diesem Anspruch ist auch dieser Film eine gute Wahl.

Fazit & Wertung:

Mit The Interview liefern Seth Rogen und Evan Goldberg eine weitere Komödie ab, die zwar weit weniger bissig und satirisch geraten ist, als man das anfänglich hätte vermuten können, bei entsprechend gelagertem Humor aber sicherlich gut unterhält und mit der üblichen Mischung aus zotigem Humor, überzeichneten Figuren und Buddy-Movie Sympathiepunkte sammelt.

6 von 10 intimen Geständnissen eines missverstandenen Diktators

The Interview

  • Intime Geständnisse eines missverstandenen Diktators - 6/10
    6/10

Fazit & Wertung:

Mit The Interview liefern Seth Rogen und Evan Goldberg eine weitere Komödie ab, die zwar weit weniger bissig und satirisch geraten ist, als man das anfänglich hätte vermuten können, bei entsprechend gelagertem Humor aber sicherlich gut unterhält und mit der üblichen Mischung aus zotigem Humor, überzeichneten Figuren und Buddy-Movie Sympathiepunkte sammelt.

6.0/10
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The Interview ist am 05.06.15 auf DVD und Blu-ray bei Sony Pictures Home Entertainment Inc. erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

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