Review: Victor Frankenstein – Genie und Wahnsinn (Film)

Leute, bald ist schon wieder Wochenende! Was freu ich mich, denn die Arbeitswoche ist wieder einmal erbärmlich stressig, was unter anderem auch an den Vorbereitungen für ein anstehendes QM-Audit liegt, denn ratet mal, wer sich darum kümmern darf. Aber ihr wisst ja auch, dass ich für den Blog immer fleißig vorarbeite und deshalb kommt hier – Stress hin oder her – natürlich auch die nächste obligatorische Filmkritik.

Victor Frankenstein
Genie und Wahnsinn

Victor Frankenstein, USA/UK/CA 2015, 110 Min.

Victor Frankenstein - Genie und Wahnsinn | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Regisseur:
Paul McGuigan
Autoren:
Max Landis (Drehbuch)
Mary Shelley (Buch-Vorlage)

Main-Cast:
Daniel Radcliffe (Igor)
James McAvoy (Victor Frankenstein)
in weiteren Rollen:
Jessica Brown Findlay (Lorelei)
Andrew Scott (Inspector Turpin)
Charles Dance (Frankenstein)

Genre:
Drama | Horror | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Victor Frankenstein - Genie und Wahnsinn | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

In einem Londoner Zirkus fristet ein Buckliger ein trauriges Dasein, wird vom Publikum verlacht und von den anderen Zirkusbewohnern getriezt. Als bei einer Vorstellung ein Unfall geschieht, kann sich der Mann allerdings dadurch hervortun, dass er der verunglückten Trapezkünstlerin Lorelei mit seinen medizinischen Kenntnissen das Leben rettet, woraufhin ein Mann namens Victor Frankenstein auf ihn aufmerksam wird und prompt beschließt, ihn unter seine Fittiche zu nehmen. Zwar gestaltet sich die Flucht aus dem Zirkus schwieriger als erwartet, doch letztlich entkommen die beiden und Victor beschließt, seinen neuen Freund und Kompagnon fortan Igor zu nennen. Gemeinsam widmen sich die beiden fortan Victors ambitionierten Forschungen und machen dank Igors anatomischer Kenntnisse bald weitreichende Fortschritte…

Rezension:

Sicherlich hätte ich auch im Vorfeld wissen können, dass Victor Frankenstein – Genie und Wahnsinn nicht gerade überzeugend gerät und dem Willen zu möglichst moderner, CGI-lastiger, auf cool getrimmter Inszenierung zum Opfer fällt, doch mit Daniel Radcliffe und James McAvoy konnte ich nun auch nicht ewig einen Bogen um den Film machen, denn beide versprechen ja durchaus überzeugende darstellerische Leistungen und wissen mit Präsenz und Charisma zu punkten, weshalb zu hoffen blieb, dass dieses Darsteller-Duo dem Film zumindest noch ein wenig an Substanz hinzufügen dürfte. Leider aber verzetteln sich sowohl Drehbuchautor Max Landis, den ich kürzlich noch für Dirk Gentlys holistische Detektei gepriesen habe, sowie auch Regisseur Paul McGuigan – der immerhin jeweils zwei Folgen der ersten und zweiten Staffel Sherlock inszeniert hat – in vielerlei Hinsicht und scheinen nicht so recht zu wissen, was sie mit ihrer Interpretation des klassischen Themas eigentlich zu erreichen hofften.

Szenenbild aus Victor Frankenstein - Genie und Wahnsinn | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

So soll der große Clou von Victor Frankenstein ja sein, dass diesmal die Geschehnisse aus der Sicht Igors geschildert werden, doch dass dieser in der ursprünglichen Geschichte überhaupt nicht auftaucht ist nur die Spitze der Ungereimtheiten und Irrungen, denn auch wenn das der Aufhänger sein mag, verwässert dieser Ansatz nach einem durchaus vielversprechenden Anfang zusehends und spätestens, wenn beim ersten Auftritt von Victor Frankenstein das Bild einfriert, um bei süffisantem Grinsen den Namen der Figur anzuzeigen, wird deutlich, dass sich McGuigan optisch mehr als nur ein wenig an Guy Ritchies Interpretation von Sherlock Holmes orientiert hat und so mutet der Streifen in weiten Teilen dann auch eher wie ein Steampunk-Abenteuer an als eine klassische Horrorgeschichte. Dieser Wille zu möglichst moderner Optik im klassischen Setting macht dann aber leider mehr kaputt, als dass er ein überzeugendes Flair verbreiten würde und spätestens wenn – Mini-Spoiler – Igor seinen Buckel verliert, geht auch der Figur eines der wenigen Alleinstellungsmerkmale verloren.

So bleibt Daniel Radcliffe – obwohl er mich in A Young Doctor’s Notebook prompt von sich zu überzeugen wusste – als Igor auch eine einzige große Enttäuschung, denn dem Gefühl nach wird kaum etwas unternommen, um die Figur mit Leben zu füllen oder mit Ecken und Kanten zu versehen, so dass auch die sich langsam entfaltende Romanze zwischen ihm und der von Jessica Brown Findlay gespielten Lorelei erschreckend blutleer und handzahm bleibt, was aber auch schlicht auf mangelnde Chemie der Darsteller untereinander zurückzuführen sein mag. Regelrecht begeisterungswürdig im direkten Vergleich ist hier dafür James McAvoy (Die Lincoln Verschwörung), der nicht nur mit irren Augen eine innere Getriebenheit und Rastlosigkeit verkörpert, sondern auch ansonsten haarscharf an der Grenze zum Over-Acting entlangschrappt, dabei aber immer seiner Rolle und ihrem exaltierten Wesen treu bleibt. Das allein vermag aber Victor Frankenstein nicht zu tragen, auch wenn der Titel des Films anderes suggeriert, denn McAvoys Victor spielt hier spürbar die zweite Geige und muss sich der Inszenierung des Films dergestalt unterordnen, dass es einer Verschwendung von Können und Charisma gleichkommt.

Szenenbild aus Victor Frankenstein - Genie und Wahnsinn | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Sicherlich hat Victor Frankenstein aber auch so seine Momente und ist in seiner spleenig-hektischen, überdrehten Art manchmal herrlich unterhaltsam, aber dramaturgisch versandet alles leider zunehmend in Belanglosigkeit und zerfasert im Mittelteil und zum Ende hin regelrecht, insbesondere wenn der eigentlich so großartige Andrew Scott als Inspector Turpin hinzukommt, denn irgendwie wirkt seine Figur so gar nicht konsequent in ihrem Handeln und wirkt daher oft wie ein plumpes Plot-Device, um die Geschichte in diese oder jene Richtung zu lenken. Ganz ähnlich ergeht es derweil Charles Dance, bei dem man meinen könne, seine eine Szene sei extra für ihn ins Skript geschrieben worden, doch weitaus gravierender und störender sind natürlich die im weiteren Verlauf zunehmenden CGI-Eskapaden, die – sehe ich nicht wirklich als Spoiler – selbstredend in die Erschaffung von Frankensteins Monster münden, doch selbst hier gibt es nur Altbekanntes neu verpackt und abgesehen davon, dass man sich redlich müht, das alles möglichst episch und heftig wirken zu lassen, hat einen der Film spätestens hier vollends verprellt und bleibt im Kern ein zwar irgendwie ambitioniertes Abenteuer-Filmchen mit dem Namen nach guter Besetzung, das aber, statt sich wirklich an einem eigenen Ansatz zu versuchen, wie ein aus allerhand Versatzstücken zusammengewürfeltes Werk wirkt, das man nur allzu schnell vergessen haben wird.

Fazit & Wertung:

Mit Victor Frankenstein – Genie und Wahnsinn versuchen sich Regisseur Paul Mcguigan und Drehbuchautor Max Landis an einer neuen und frischen Interpretation der klassischen Horrorgeschichte, liefern stattdessen aber ein an Guy Ritchies Sherlock Holmes gemahnendes Steampunk-Action-Abenteuer mit eigenwilligem Look, das mit halbgaren Witzen und einigen namhaften Darstellern darüber hinwegzutäuschen versucht, wie überschaubar im Grunde die Dramaturgie des Ganzen geraten ist, während alles unweigerlich auf das obligatorische Bombast-Blockbuster-Finale zurast, das dem Film noch sein letztes Quäntchen Eigenständigkeit raubt.

5 von 10 vom Wahn beherrschten Experimenten

Victor Frankenstein – Genie und Wahnsinn

  • Vom Wahn beherrschte Experimente - 5/10
    5/10

Fazit & Wertung:

Mit Victor Frankenstein – Genie und Wahnsinn versuchen sich Regisseur Paul Mcguigan und Drehbuchautor Max Landis an einer neuen und frischen Interpretation der klassischen Horrorgeschichte, liefern stattdessen aber ein an Guy Ritchies Sherlock Holmes gemahnendes Steampunk-Action-Abenteuer mit eigenwilligem Look, das mit halbgaren Witzen und einigen namhaften Darstellern darüber hinwegzutäuschen versucht, wie überschaubar im Grunde die Dramaturgie des Ganzen geraten ist, während alles unweigerlich auf das obligatorische Bombast-Blockbuster-Finale zurast, das dem Film noch sein letztes Quäntchen Eigenständigkeit raubt.

5.0/10
Leser-Wertung 5/10 (1 Stimme)
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Victor Frankenstein – Genie und Wahnsinn ist am 22.09.16 auf DVD und Blu-ray bei Twentieth Century Fox erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

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