Review: iBoy (Film)

Da bin ich schon wieder, auch wenn das gute Wetter hinsichtlich Besucherzahlen deutliche Spuren hinterlässt, aber das ist ja kein Grund zu schwächeln. Übrigens ist das heute dann mal wieder ein Artikel, den ich zeitnah und selbst veröffentliche, denn die letzten vierzehn Tage war ich im Urlaub und hatte im Vorfeld sämtliche Artikel auf Termin gelegt (weshalb es auch noch zahllose unbeantwortete Kommentare gibt). Sei es wie es will, bin ich jetzt wieder zurück und versuche baldmöglichst alles aufzuarbeiten und dann mit neuem Schwung frische Artikel zu verfassen.

iBoy

iBoy, UK 2017, 90 Min.

iBoy | © Netflix
© Netflix

Regisseur:
Adam Randall
Autoren:
Joe Barton (Drehbuch)
Kevin Brooks (Buch-Vorlage)

Main-Cast:
Bill Milner (Tom)
Maisie Williams (Lucy)
in weiteren Rollen:
Miranda Richardson (Nan)
Rory Kinnear (Ellman)
Jordan Bolger (Danny)
Charley Palmer Rothwell (Eugene)

Genre:
Science-Fiction | Action | Krimi

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus iBoy | © Netflix
© Netflix

Als der sechzehnjährige Tom seine Schulkameradin Lucy – in die er heimlich verschossen ist – besuchen möchte, findet er die Türe aufgebrochen und Lucy von einer ganzen Handvoll maskierter Männer bedroht und missbraucht, woraufhin er die Flucht ergreift und angeschossen wird. Als Tom aus dem Koma erwacht, muss er erfahren, dass Splitter seines Smartphones – das er auf der Flucht in der Hand hielt – in sein Gehirn gelangt sind und nicht entfernt werden können. Alsbald bemerkt Tom, dass er anscheinend über neue, merkwürdige Kräfte verfügt, denn er erkennt Datenströme jeglicher Art und lernt nach und nach, diese manipulieren zu können, Anrufe abzuhören, per Gedankenkraft Nachrichten zu verschicken und mehr. Schnell fasst Tom den Entschluss, Lucy zu rächen, denn mit seinen neuen Kräften dürfte es ein leichtes sein, die Täter zu bestrafen. Umso größere Kreise Tom allerdings mit seinem Feldzug zieht, umso mehr rückt er ins Blickfeld des Gangsterbosses Ellman…

Rezension:

Nachdem mich Netflix‘ The Discovery ja ziemlich begeistert hatte, wurde es Zeit, mich auch einmal anderen Produktionen des Streaming-Dienstleisters zu widmen und zunächst fiel meine Wahl auf iBoy, wohlwissend, dass der – gemessen an seiner Bewertung – dem Film von Charlie McDowell kaum das Wasser reichen können dürfte. Und tatsächlich muss man hier mit einem gerüttelt Maß an "Willing Suspension of Disbelief" zu Werke gehen, denn innerhalb der ersten Minuten wird Hauptfigur Tom von einer Kugel getroffen, wodurch Teile seines Smartphones in seinem Gehirn landen und es ihm fortan ermöglichen, Datenströme jedweder Art zu sehen und zu beeinflussen, wobei mit diesen Kräften das Ende der Fahnenstange noch längst nicht erreicht ist. So weit, so gut, hat man das also erst einmal zu verdauen und zu akzeptieren, um irgendwie Freude an dem Streifen haben zu können.

Szenenbild aus iBoy | © Netflix
© Netflix

Tatsächlich funktioniert das aber, wenn man denn schon auf den ersten Metern bereit ist, das eigene Gehirn zumindest auf Sparflamme zu drehen und dann ist iBoy durchaus auch kurzweilig, zumal die Visualisierung der Datenströme extrem gelungen ist und einen anderen, wertigeren Film zu einem echten Erlebnis gemacht hätten. Hier allerdings ist allein schon die zugrundeliegende Prämisse so dämlich, dass sich der Film bereits auf den ersten Metern gehörig Potential verbaut. Überhaupt ist das Setting, das beispielsweise an Attack the Block erinnert, nicht unbedingt meine Traumkulisse für eine derartige Science-Fiction-Story, denn hier wird mit Klischees nur so um sich geworfen: böse Gangster, Drogenhandel, Diebstahl, Einschüchterung, Erpressung, ja, das mag es alles geben, das mag es meinetwegen auch alles in diesem Block geben, aber mir war es zu viel des Guten, während ich ja ohnehin schon an der Grundidee zu knabbern hatte. Und während Maisie Williams (Game of Thrones) die meiste Zeit kaum etwas zu tun bekommt und nur ihrer Bekanntheit wegen gecastet worden sein mag, wusste mich Bill Milner in der Hauptrolle die meiste Zeit nur mäßig zu überzeugen.

So schickt sich also der jüngst zum Superhelden mutierte Tom an, in seinem Block gehörig aufzuräumen und all die bösen Buben dingfest zu machen, doch was in weiten Teilen dann wiederum an beispielsweise Chronicle erinnert – auch Tom erliegt mehr und mehr den Versuchungen, die seine neugewonnene und stetig stärker werdende Kraft mit sich bringt – zerfasert im letzten Drittel leider immer mehr, denn während sich Tom so durch die Massen an Schurken arbeitet, immer auf der Suche nach dem letzten großen Oberbösewicht, verliert iBoy zunehmend den Fokus und mündet in ein unnötig aufgeblasenes Finale, das immerhin von Rory Kinnear (Penny Dreadful) als Fiesling Ellman ein wenig aufgefangen wird, doch hätte man dem lieber im Mittelteil ein paar Szenen mehr zukommen lassen können, statt hier auf Teufel komm raus Twist an Twist zu reihen, denn die sich stetig wandelnden Machtverhältnisse zwischen den Guten und den Bösen werden allein dadurch erreicht, dass sich beinahe ausnahmslos jede der handelnden Figuren zunehmend dämlich verhält und das hat dann auch nichts mehr mit gutem Storytelling zu tun.

Szenenbild aus iBoy | © Netflix
© Netflix

So hat iBoy viele spannende Ansätze, einige großartige Szenen und tolle Montagen zu bieten, punktet mit einem einfallsreichen Design hinsichtlich der sichtbar werdenden Datenströme, weiß erzählerisch aber nicht allzu viel aus dieser Prämisse herauszuholen und wirkt in den unnötigsten Momenten wie eine schlecht konzipierte Ghetto-Geschichte, was leider nur mäßig gut aufgeht, auch in Anbetracht der hierarchisch ungemein verschachtelten Struktur dieses riesigen Gangster-Ringes, bei der es anscheinend fünf Anläufe braucht, um einen Befehl von oberster Stelle bis zum kleinsten Mittelsmann zu tragen, denn anders ist diese Film gewordene Schnitzeljagd kaum zu erklären, wobei das dann eben auch schon wieder Dinge sind, die sich auch nicht durch die Aussetzung der Ungläubigkeit geraderücken lassen. So bleibt schlussendlich ein Film voller spannender Ansätze, der aber zu sehr darin aufgeht, wenig überzeugende Milieu-Studie sein zu wollen und darüber seinen ohnehin schon eher rudimentären Plot gerne vernachlässigt. Nichts Halbes und nichts Ganzes also, das man mit seinen rund 90 Minuten mal gesehen haben kann, aber sicher nicht muss, denn dafür ist hier zu wenig zu Ende gedacht worden, werden zu viele Möglichkeiten verschenkt, wirken zu viele Dinge unnötig und manchmal gar enttäuschend, denn die Versatzstücke, die hier in einen Topf geschmissen worden sind, hat man allesamt schon mehrfach stimmiger umgesetzt gesehen als hier.

Fazit & Wertung:

Adam Randalls iBoy beginnt schon reichlich unausgegoren und kommt auch nie in den rechten Tritt, was neben der absurden Prämisse auch an dem wenig akzentuierten Setting liegen mag, denn die Kombi aus Science-Fiction und Getto-Gangster-Geschichte geht nicht wirklich auf, strotzt dafür nur so vor Plattitüden und Klischees. So hat der Film zwar durchaus seine Momente und speziell die Effekte können sich wahrlich sehen lassen, doch für einen wirklich guten, überzeugenden Film fehlt hier an einigen Ecken der Feinschliff.

5,5 von 10 visualisierten Datenströmen

iBoy

  • Visualisierte Datenströme - 5.5/10
    5.5/10

Fazit & Wertung:

Adam Randalls iBoy beginnt schon reichlich unausgegoren und kommt auch nie in den rechten Tritt, was neben der absurden Prämisse auch an dem wenig akzentuierten Setting liegen mag, denn die Kombi aus Science-Fiction und Getto-Gangster-Geschichte geht nicht wirklich auf, strotzt dafür nur so vor Plattitüden und Klischees. So hat der Film zwar durchaus seine Momente und speziell die Effekte können sich wahrlich sehen lassen, doch für einen wirklich guten, überzeugenden Film fehlt hier an einigen Ecken der Feinschliff.

5.5/10
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iBoy ist seit dem 27.01.17 exklusiv bei Netflix verfügbar.

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