Review: Love & Mercy (Film)

Auch dieser Film hat weitaus länger auf seine Sichtung warten müssen, als ich es eigentlich noch verantworten kann, aber es ist wie es ist und nun kann ich ihn ja schließlich (endlich) meinem Portfolio hinzufügen.

Love & Mercy

Love & Mercy, USA 2014, 121 Min.

Love & Mercy | © STUDIOCANAL
© STUDIOCANAL

Regisseur:
Bill Pohlad
Autoren:
Oren Moverman
Michael Alan Lerner

Main-Cast:
John Cusack (Brian – Future)
Paul Dano (Brian – Past)
Elizabeth Banks (Melinda Ledbetter)
Paul Giamatti (Dr. Eugene Landy)

Genre:
Biografie | Drama | Musik

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Love & Mercy | © STUDIOCANAL
© STUDIOCANAL

In den 1960er Jahren befinden sich die Beach Boys auf der Höhe ihres Schaffens und landen einen Hit nach dem nächsten, während Brian Wilson nach Höherem strebt und den Sound der Band auf ein neues Level hieven möchte, ein Konzeptalbum realisieren, doch im Verlauf der Arbeit an "Pet Sounds" kommt es vermehrt zu Streitigkeiten innerhalb der Band und bald scheint man sich auf dem absteigenden Ast zu befinden, während Wilson mit seinem Drogenkonsum zu kämpfen hat. Anfang der 90er Jahre ist Brian Wilson ein ziemliches Wrack und untersteht der Obhut von Dr. Eugene Landy, der allerdings mit eher zweifelhaften Methoden für Brians Wohl zu sorgen scheint und mittels großzügig dosierter Medikamentengaben in einer gewissen Lethargie hält. Es versteht sich von selbst, dass Landy ebenfalls die Beziehung zwischen Wilson und der Autoverkäuferin Melinda zu verhindern versucht, die er kürzlich kennengelernt hat, deutet sich schließlich an, dass Melinda Brian aus seiner Komfortzone zu locken imstande ist…

Rezension:

Ein Film über das Leben des Brian Wilson hat ja für sich genommen schon einmal den enormen Vorteil, dass man mit einem unvergleichlich großartigen Soundtrack hantieren kann und fernab der eigentlichen Geschichte soll das auch schon der erste Punkt sein, den ich an Love & Mercy loben möchte, denn ungeachtet der eigentlichen Dramaturgie und all dem, was den Film als solchen ausmacht, ist er zum Bersten gefüllt mit all den bekannten Hits der Beach Boys und entsprechend mitreißend ist das Werk oftmals auch geraten, um schlussendlich beim Abspann in eine Live-Version des vom "echten" Brian Wilson vorgetragenen und titelgebenden Songs zu münden. Bis dahin allerdings liegen natürlich noch gute zwei Stunden Film vor einem und Regisseur Bill Pohlad – der sonst eher als Produzent von Filmen wie 12 Years a Slave in Erscheinung tritt – geht den ungewöhnlichen Weg zweier ineinander verschachtelter Zeitebenen, so dass auch Brian Wilson selbst von gleich zwei Schauspielern verkörpert werden darf und die Geschichte sich sprunghaft zwischen den 60ern und 90ern hin und her bewegt.

Szenenbild aus Love & Mercy | © STUDIOCANAL
© STUDIOCANAL

Inszenatorisch wie optisch unterscheiden sich die beiden Zeitlinien auch auf angenehme, nicht zu übertriebene Art voneinander und wissen beiderseits zu gefallen, wobei die Vergangenheit mit dem jungen Brian Wilson, der ungemein trefflich von Paul Dano (Prisoners) dargestellt wird, leicht die Nase vorn hat, was daran liegt, dass man sich hier auch ausgiebig diversen Studio-Sessions widmen kann und mit dem teils grobkörnig gefilmten Material einen enormen Nostalgie-Faktor beschwört, während die in den 90ern angesiedelte Geschichte nach gängigen Schemata aufgezogen wird und möglicherweise gar nicht funktioniert hätte, wenn nicht John Cusack (Maps to the Stars) eine gewohnt überzeugende, stellenweise manische, andernorts exaltierte Darstellung abliefern würde und damit auch darüber hinwegtröstet, dass er mit dem realen Brian Wilson optisch so ziemlich gar nichts gemein hat. Ansonsten wird hier unter Zuhilfenahme von Elizabeth Banks (72 Stunden) eine im Grunde klassische "Junge-trifft-Mädchen"-Chose aufgezogen und als Antagonist wird dann recht offensiv Paul Giamatti (12 Years a Slave) als Wilsons Quacksalber Dr. Eugene Landy in Stellung gebracht, der doch auffallend einseitig als "böse" charakterisiert wird und sich damit in den Reigen von eher stereotypen Darstellungen reiht, die das Geschehen um den älteren Brian Wilson dominieren.

Ganz anders sieht es da bei der Zeitlinie des jüngeren Brian aus, denn hier wird weitaus freier assoziiert und die Geschichte folgt keinem so klaren Ablauf, auch wenn natürlich die einzelnen Aspekte des sich nach und nach vollziehenden Niedergangs Stück für Stück in die Erzählung fließen und man durch die Verquickung der beiden Zeitachsen in Brian Wilsons Vater eine Spiegelung der späteren Dominanz durch Dr. Landy erkennt. Überhaupt wird Paul Dano in diesem Teil der Geschichte doch deutlich mehr abverlangt als der abgehalterten älteren Variante in Gestalt von Cusack, denn die sich zuspitzenden Bandprobleme, der zunehmende Drogenkonsum, die kreativen Differenzen und die schwierige Vater-Sohn-Beziehung bieten schlichtweg viel mehr Konfliktpotential als es auf der nachgelagerten Erzählebene der Fall ist. Entsprechend ist es auch ein enormer Gewinn für Love & Mercy, dass man nicht den einfachen Weg gegangen ist und die Geschichte chronologisch erzählt – inklusive damit einhergehendem Bruch in etwa der Mitte des Films – sondern eben stattdessen beide Ebenen ineinander flicht, denn dergestalt stützen und ergänzen sich beide Plots auf überzeugende Weise und lassen die Gratwanderung gelingen, den Film von einem Moment zum anderen zwischen Tragödie und optimistisch stimmender Dramödie wechseln zu lassen.

Szenenbild aus Love & Mercy | © STUDIOCANAL
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Wie frei allerdings die Geschichte von Brian Wilson hier wirklich behandelt worden ist und was tatsächlich zu dessen Vita gehört, was aus Gründen dramatischer Überspitzung hinzugefügt worden ist, das müssen andere entscheiden, denn dafür bin ich zu wenig vertraut mit dem Leben und Wirken des berühmtesten Beach Boy, doch kann ich zumindest unterstellen, dass Love & Mercy gleichermaßen als Musikfilm und Biopic überzeugt, aber auch als romantische Komödie durchaus seine Momente hat, vielleicht manchmal etwas seicht wirkt und eventuell aus dem Stoff noch mehr hätte machen können, doch kaum brechen sich solche Gedanken Bahn, hat man auch schon wieder eine der Melodien der Beach Boys im Ohr und da erübrigen sich solche Überlegungen recht bald, womit ich keinen Hehl daraus mache, dass der Film sicherlich zu großen Teilen auch von seinen "Good Vibrations" getragen wird, aber wo wenn nicht hier könnte man mit all den Songs so verschwenderisch um sich schmeißen!?

Fazit & Wertung:

Bill Pohlad inszeniert mit Love & Mercy ein ungewöhnliches Musiker-Biopic um Brian Wilson und schafft mit seinen zwei Zeitebenen einen überzeugenden Nährboden für zwei sich gegenseitig ergänzende Erzählstränge, wobei der von Paul Dano verkörperte junge Brian gegenüber dem von John Cusack dargestellten älteren Brian spürbar die Nase vorn hat, was aber auch daran liegt, dass der in den 90ern angesiedelte zweite Part oftmals auffallend stereotyp geraten ist. Der erwartungsgemäß stimmige Soundtrack und die virtuose Inszenierung und Verschachtelung der Geschichte(n) lassen aber locker über einige Unpässlichkeiten hinwegsehen.

7,5 von 10 Beach Boys-Hits

Love & Mercy

  • Beach Boys-Hits - 7.5/10
    7.5/10

Fazit & Wertung:

Bill Pohlad inszeniert mit Love & Mercy ein ungewöhnliches Musiker-Biopic um Brian Wilson und schafft mit seinen zwei Zeitebenen einen überzeugenden Nährboden für zwei sich gegenseitig ergänzende Erzählstränge, wobei der von Paul Dano verkörperte junge Brian gegenüber dem von John Cusack dargestellten älteren Brian spürbar die Nase vorn hat, was aber auch daran liegt, dass der in den 90ern angesiedelte zweite Part oftmals auffallend stereotyp geraten ist. Der erwartungsgemäß stimmige Soundtrack und die virtuose Inszenierung und Verschachtelung der Geschichte(n) lassen aber locker über einige Unpässlichkeiten hinwegsehen.

7.5/10
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Love & Mercy ist am 15.10.15 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von STUDIOCANAL erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

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