Review: Shameless | Staffel 3 (Serie)

Unglaublich, wie lange es her ist, dass ich den Gallaghers einen Besuch abgestattet habe und beinahe noch unglaublicher, wie vertraut mir dennoch alles immer noch erschien, aber darauf komme ich selbstredend in der nun folgenden Serien-Kritik noch einmal zu sprechen, weshalb mir nichts weiter bleibt, als euch noch einen schönen Samstag zu wünschen!

Shameless
Staffel 3

Shameless, USA 2011-, ca. 50 Min. je Folge

Shameless | © Warner Bros.
© Warner Bros.

Serienschöpfer:
Paul Abbott
Showrunner:
John Wells

Main-Cast:
William H. Macy (Frank Gallagher)
Emmy Rossum (Fiona Gallagher)
Justin Chatwin (Jimmy)
Ethan Cutkosky (Carl Gallagher)
Shanola Hampton (Veronica Fisher)
Steve Howey (Kevin Ball)
Emma Kenney (Debbie Gallagher)
Cameron Monaghan (Ian Gallagher)
Jeremy Allen White (Lip Gallagher)
in weiteren Rollen:
Noel Fisher (Mickey Milkovich)
Emma Greenwell (Mandy Milkovich)
Zach McGowan (Jody Silverman)
Joan Cusack (Sheila Jackson)
Jake McDorman (Mike Pratt)
Vanessa Bell Calloway (Carol Fisher)
Harry Hamlin (Lloyd ‚Ned‘ Lishman)
Stephanie Fantauzzi (Estefania)
Ed Lauter (Dick Healey)
Laura Wiggins (Karen Jackson)
Isidora Goreshter (Svetlana)

Genre:
Drama | Komödie

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Shameless | © Warner Bros.
© Warner Bros.

Der Frühling hält Einzug, doch bedeutet das mitnichten, dass es für die Gallaghers besser wird, denn während Frank mit Mühe und Not überhaupt erst in die Staaten zurückkehrt, versucht sich Fiona zunächst als Club-Betreiberin, um sich und die Familie über Wasser zu halten, derweil Lip sich vehement sträubt, sich seiner Zukunft zu widmen und sich zu allem Überfluss von seiner Freundin zunehmend eingeengt fühlt, doch ist das nichts gegen die Probleme von Ian, denn sein Freund Mickey soll verheiratet werden, derweil Debbie sicherlich das schwerste Los zu tragen hat, denn bei ihr setzt langsam aber sicher die Pubertät ein. Als wäre dem nicht genug, versuchen Veronica und Kev auf ungewöhnlichste Art und Weise, ein Kind zu bekommen, derweil Fionas Freund Jimmy noch immer ein Doppelleben zu führen gezwungen ist…

Rezension:

Die Gallaghers sind zurück und das endlich auch bei mir, denn nach mehrjähriger Abstinenz habe ich es endlich geschafft, mir die dritte Staffel Shameless zu Gemüte zu führen und es spricht doch sehr für die langlebige Showtime-Serie, dass ich mich quasi vom ersten Moment an heimisch gefühlt habe. Tatsächlich ist dies auch eine von wenigen Serien, die ein so einzigartiges Flair verbreitet, dass sie sich mit nichts vergleichen lässt und ganz den Erwartungen gerecht werdend in ihrem dritten Jahr noch abgedrehter wird. Dennoch muss ich auch sagen, dass ich doch sehr gespannt, beinahe schon skeptisch bin, wie es mit den Gallaghers in den folgenden Jahren/Staffeln weitergehen wird, denn speziell diese Staffel ist so dermaßen gespickt mit vollkommen überzogenen, aberwitzigen Plots, dass man schon haarscharf daran vorbeischrammt, es zu übertreiben.

Szenenbild aus Shameless | © Warner Bros.
© Warner Bros.

Vor allem aber beginnt die dritte Staffel nicht unbedingt sehr zielgerichtet und die ersten paar Episoden werden überwiegend dominiert von weitestgehend in sich geschlossenen Storylines, so dass sich beispielsweise in der Episode Der Amerikanische Traum (3.02) Fiona als Club-Betreiberin versucht, diese Ambitionen aber dem Gefühl nach exakt mit dem Ende der Folge fallen lässt, während Lip in der darauffolgenden Episode Kahlschlag (3.03) einen in der Nachbarschaft lebenden Pädophilen aufmischen möchte, der sich allerdings als attraktive Lehrerin entpuppt, derweil Fiona mittlerweile in einem Supermarkt unterkommt, dessen Leiter sich die (weibliche) Belegschaft sexuell gefügig macht, was sie dazu veranlasst, selbige in Mit vollem Einsatz (3.04) gegen den Supermarkt-Chef aufzuwiegeln. Immerhin werden diese Episoden auch genutzt, um die die Staffel überspannenden Geschichten zumindest vorzubereiten und von dort an geht es qualitativ merklich aufwärts, wenn plötzlich der Fortbestand der Gallaghers in bekannter Konstellation in Frage gestellt wird, da Frank nichts Besseres einfällt, als die desolaten Zustände daheim beim Jugendamt anzuprangern.

Und plötzlich läuft Shameless schnurstracks zu alter Höchstform auf und bietet neben den beinahe schon surrealen und oft derben Geschichten eben auch wieder gehörig Drama und Gefühl, denn das war eben auch schon immer eine der Stärken der Serie, dass sie eben mehr ist als nur ein Abgesang auf eine über die Maßen kaputte White-Trash-Familie, sondern eben auch handfestes und ernstzunehmendes Drama, dass sich an der absurden Komik und den noch absurderen Geschichten gekonnt bricht und damit besagtes einzigartiges Serien-Vergnügen generiert, was die Showtime-Adaption mittlerweile ihre britische Vorlage zwar noch nicht an Staffeln, ohne Frage aber an Erfolg hat überholen lassen. Erfreulich auch, wie hier erneut alles ineinandergreift und man nicht das Gefühl bekommt, die vorangegangenen Staffeln würden nicht länger ins Gewicht fallen, denn so gewinnt beispielsweise der Part um Sheila und Jody in der zweiten Staffelhälfte noch einmal enorm an Substanz, als Sheilas Tochter Karen unerwartet zurückkehrt, während dieser Subplot ansonsten die meiste Zeit wie parallel zu den sonstigen Geschehnissen angelegt wirkt und sich langsam aber sicher totzulaufen droht.

Szenenbild aus Shameless | © Warner Bros.
© Warner Bros.

Dafür allerdings lässt man sich Frank wiederum einiges einfallen und wandelt auch hier auf dem schmalen Grat zwischen absurdem Humor und der offensichtlichen Tragik seiner Figur, für die es kurzzeitig aufwärts zu gehen scheint, als Frank in Die Hintertür (3.09) zur Leitfigur der Schwulen-Bewegung avanciert, doch klingt die Staffel in Überlebenstraining (3.12) auf einem gänzlich anderen Akkord aus und stellt die Weichen für eine hoffentlich nicht minder großartige vierte Staffel, wenn ich in Gänze doch mit leisem Bedauern festhalten muss, dass Shameless im dritten Jahr nicht ganz an die Qualität der Vorgängerstaffeln heranreicht, aber auch das ist in diesem speziellen Fall wieder einmal Jammern auf extrem hohem Niveau, weshalb ich mich entsprechend auf ein baldiges Wiedersehen mit den Gallaghers freue und hoffe, dass bis dahin nicht wieder ganze Jahre ins Land ziehen.

Fazit & Wertung:

Die dritte Staffel Shameless wirkt anfänglich zwar ein wenig orientierungslos, nimmt aber bald an Fahrt auf und punktet mit einer ganzen Handvoll überzeugender und teils bewusst überzeichneter Geschichten, die allerdings allesamt vom Zusammenhalt der Familie Gallagher als emotionalem Kern der Chose profitieren und so wieder ein herrlich anarchisches Vergnügen ergeben, bei dem doch immer auch die Tragik dieser über die Maßen dysfunktionalen Familie mitschwingt.

8,5 von 10 durchzechten Nächten mit einem bösen Erwachen auf der Parkbank – oder im Straßengraben

Shameless | Staffel 3

  • Durchzechte Nächte mit einem bösen Erwachen auf der Parkbank – oder im Straßengraben - 8.5/10
    8.5/10

Fazit & Wertung:

Die dritte Staffel Shameless wirkt anfänglich zwar ein wenig orientierungslos, nimmt aber bald an Fahrt auf und punktet mit einer ganzen Handvoll überzeugender und teils bewusst überzeichneter Geschichten, die allerdings allesamt vom Zusammenhalt der Familie Gallagher als emotionalem Kern der Chose profitieren und so wieder ein herrlich anarchisches Vergnügen ergeben, bei dem doch immer auch die Tragik dieser über die Maßen dysfunktionalen Familie mitschwingt.

8.5/10
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Episodenübersicht: Staffel 3

01. Endlose Weiten (8/10)
02. Der Amerikanische Traum (8/10)
03. Kahlschlag (8,5/10)
04. Mit vollem Einsatz (8,5/10)
05. Der Sündenfall (8/10)
06. Freier Fall (8,5/10)
07. Unter einem Dach (8,5/10)
08. Willenlos (8,5/10)
09. Die Hintertür (9/10)
10. Die Wunderheilung (9/10)
11. Zimmerservice (8,5/10)
12. Überlebenstraining (9,5/10)

 
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Shameless | Staffel 3 ist am 24.01.14 im Vertrieb von Warner Bros. erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

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