Review: True Story – Spiel um Macht (Film)

Der Monatsrückblick ist pünktlich online gegangen, aber natürlich lasse ich euch deshalb noch lange nicht rezensionstechnisch auf dem Trockenen sitzen und deshalb kommt jetzt hier die zweite Film-Kritik für diese Woche.

True Story
Spiel um Macht

True Story, USA 2015, 99 Min.

True Story - Spiel um Macht | © STUDIOCANAL
© STUDIOCANAL

Regisseur:
Rupert Goold
Autoren:
Rupert Goold (Drehbuch)
David Kajganich (Drehbuch)
Michael Finkel (Buch-Vorlage)

Main-Cast:
Jonah Hill (Michael Finkel)
James Franco (Christian Longo)
Felicity Jones (Jill Barker)

Genre:
Krimi | Drama | Mystery | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus True Story - Spiel um Macht | © STUDIOCANAL
© STUDIOCANAL

Michael Finkel hat es als Enthüllungsjournalist schon des Öfteren auf das Cover der New York Times gebracht und scheint kurz davor zu stehen, für seine Arbeit den Pulitzer-Preis zu erhalten, doch ausgerechnet mit seiner neuesten Geschichte torpediert er seinen eigenen Erfolg, als herauskommt, dass er die Fakten seiner Geschichte teils großzügig ausgelegt hat, um eine packendere Geschichte aufzuziehen. Finkel zieht sich –frisch gefeuert – zunächst zurück und scheint auch bei keinem anderen Blatt unterkommen zu können, als ihn eines Tages die Nachricht erreicht, der mutmaßliche Familienmörder Christian Longo habe sich bei seiner Verhaftung als Michael Finkel zu erkennen gegeben. Der echte Finkel wittert natürlich prompt eine Story und macht sich auf den Weg, Longo im Gefängnis zu besuchen. Der stellt ihm auch bereitwillig die Exklusivrechte an seiner Geschichte in Aussicht und outet sich als großer Bewunderer von Finkels Arbeit. Dergestalt gebauchpinselt ist es für Finkel natürlich keine Frage, Longo fortan Zeit und Aufmerksamkeit zu widmen…

Rezension:

Wie oft hat man schon in der einen oder anderen Form "Diese Geschichte beruht auf wahren Ereignissen" vor einem Film hat lesen können, um dann über den tatsächlichen Wahrheitsgehalt spekulieren zu können und dieses Spiel treibt True Story nun auf die Spitze und erhebt diesen Ausspruch gar zum Titel, zum Leitmotiv des Films an sich und spielt diesbezüglich recht gekonnt mit den Ansichten und Meinungen des Publikums, denn eine im Grunde unumstößliche Wahrheit wird hier ein ums andere Mal in Frage gestellt, wobei man in der Hinsicht nah an der Figur des Michael Finkel bleibt, von dem auch das gleichnamige Buch stammt, das wiederum natürlich ebenso auf einer wahren Begebenheit beruht, doch dieses Vexierspiel aus ineinander verschachtelten Vorlagen geht auf, wenn es auch den echten Michael Finkel schlussendlich nicht gerade im besten Licht erscheinen lässt. Überhaupt mag die Besetzung auf den ersten Blick irritierend sein, denn obwohl sowohl Hill als auch Franco ja durchaus ernst können, kennt man sie gemeinsam doch am ehesten aus Das ist das Ende und der ist ja nun ganz am anderen Ende des filmischen Spektrums angesiedelt.

Szenenbild aus True Story - Spiel um Macht | © STUDIOCANAL
© STUDIOCANAL

Aber wie gesagt, True Story funktioniert und die wechselseitige Beeinflussung der beiden Hauptfiguren während ihrer gemeinsamen Treffen im Gefängnis ist teils erfreulich intensiv und packend geraten, auch wenn ich mir hier teilweise noch ein wenig mehr Tiefe gewünscht hätte, zumal die Blende oft erfolgt, bevor die wirklich spannenden Dialogzeilen ihren Weg auf die Leinwand finden, so dass man zwar eigentlich auf die Seite des Journalisten gezogen wird und merklich auch gezogen werden soll, er andererseits aber dem Gefühl nach immer über einen gewissen Wissensvorsprung verfügt. Dessen ungeachtet entspinnt sich zwischen der von James Franco (Planet der Affen: Prevolution) verkörperten Figur des unter Mordanklage stehenden Christian Longo und dem von Jonah Hill (The Wolf of Wall Street) gespielten Journalisten Finkel ein interessantes, auf Lügen, Faszination und Geltungsbedürfnis fußendes Abhängigkeitsverhältnis, das man eindrücklicher oftmals kaum hätte inszenieren können, während speziell die Wandlung von Finkel schön herausgearbeitet worden ist, dessen Charakter sich dadurch auszeichnet, immer unnachgiebiger danach zu streben, mit der Geschichte des vermeintlichen Familienmörders groß rauszukommen und dabei nach und nach seine hehren Ideale kleinredet und ignoriert, derweil sich Longo gerade durch seine Beständigkeit auszeichnet, stets undurchsichtig bleibt und nicht zuletzt dank Franco auch irritierend sympathisch, wenn man bedenkt, wen man da vor sich hat, doch gehört das schließlich auch zum – Wortspiel mit dem deutschen Untertitel – Spiel um Macht.

Allerdings ist auch nicht alles Gold was glänzt in True Story und so sehr sich die Geschichte auf die beiden Protagonisten konzentriert und fokussiert, so beliebig, austauschbar und enttäuschend ist beispielsweise die Rolle von Felicity Jones (Die Entdeckung der Unendlichkeit) als Finkels Freundin Jill Barker geraten, bei der man nie genau weiß, ob und was sie zu der erzählenden Geschichte beizutragen hat oder haben wird. Überhaupt scheint man sich oftmals nicht so ganz im Klaren darüber gewesen zu sein, wohin die Reise gehen soll, wie sich anhand gleich mehrerer alternativer Enden belegen lässt, die einem beim Bonusmaterial offeriert werden und unter anderem eine unglaublich hanebüchene Autoverfolgungsjagd enthalten, die man zwar auch in manchem Trailer kurz zu sehen bekommt, die es dankenswerterweise aber nicht in den fertigen Film geschafft hat.

Szenenbild aus True Story - Spiel um Macht | © STUDIOCANAL
© STUDIOCANAL

Im Grunde ist dieser Umstand dann auch ein weiterer Beleg dafür, dass man nicht so recht wusste, wie man die Geschichte zu einem Ende bringen soll und das merkt man zuweilen, denn so stark der Beginn und auch der Mittelteil von True Story sind, so großartig es sein mag, wenn die Gerichtsverhandlung ihren Anfang nimmt und Longo hier bei den Befragungen ganz neue Facetten offenbart, so sehr versandet im letzten Drittel die Geschichte zusehends und weiß sich kaum noch an ihre zuvor so stringente und überzeugende Inszenierung zu erinnern, derweil zumindest das eigentliche, letzthin gewählte Ende einen durchaus gelungenen Schlussakkord erklingen lässt und den Film weit stimmiger beschließt, als dies zu befürchten gestanden hätte. Ja, hier wurde durchaus Potential verschenkt, aber trotzdem hatte ich im großen Ganzen eine Menge Freude an dieser Variation eines Kammerspiels, nicht zuletzt weil die ambivalente Chemie zwischen Franco und Hill für mich ganz wunderbar funktioniert hat.

Fazit & Wertung:

Rupert Goold inszeniert mit True Story – Spiel um Macht einen spannenden wie gleichermaßen intimen Thriller, der eine ungewöhnliche, wechselseitige Abhängigkeitsbeziehung zum Thema hat und mit einigen regelrecht kammerspielartigen Momenten zu bestechen weiß, derweil die eigentliche Dramaturgie leider im letzten Akt zunehmend zerfasert, was die Faszination des Themas ein wenig schmälert, doch insgesamt macht der Film deutlich mehr richtig, als dass er Potential verschenkt, zumal er speziell auf der Meta-Ebene einige spannende Fragen zum Thema Wahrheit aufwirft.

7,5 von 10 perfiden Lügenkonstrukten

True Story – Spiel um Macht

  • Perfide Lügenkonstrukte - 7.5/10
    7.5/10

Fazit & Wertung:

Rupert Goold inszeniert mit True Story – Spiel um Macht einen spannenden wie gleichermaßen intimen Thriller, der eine ungewöhnliche, wechselseitige Abhängigkeitsbeziehung zum Thema hat und mit einigen regelrecht kammerspielartigen Momenten zu bestechen weiß, derweil die eigentliche Dramaturgie leider im letzten Akt zunehmend zerfasert, was die Faszination des Themas ein wenig schmälert, doch insgesamt macht der Film deutlich mehr richtig, als dass er Potential verschenkt, zumal er speziell auf der Meta-Ebene einige spannende Fragen zum Thema Wahrheit aufwirft.

7.5/10
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