Review: ARQ (Film)

Widmen wir uns heute mal wieder einer Netflix-Eigenproduktion, die ich mir jüngst zu Gemüte geführt habe und von der ich euch heute berichten möchte, bevor es am Donnerstag um einen weiteren Netflix-Versuch gehen wird, die Filmwelt zu erobern.

ARQ

ARQ, USA/CA 2016, 88 Min.

ARQ | © Netflix
© Netflix

Regisseur:
Tony Elliott
Autor:
Tony Elliott

Main-Cast:
Robbie Amell (Renton)
Rachael Taylor (Hannah)
in weiteren Rollen:
Shaun Benson (Sonny)
Gray Powell (Father)
Jacob Neayem (Brother)
Adam Butcher (Cuz)
Tantoo Cardinal (The Pope)

Genre:
Science-Fiction | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus ARQ | © Netflix
© Netflix

Kaum erwacht, sieht sich Renton einem wahr gewordenen Alptraum gegenüber, als drei Maskierte in sein Schlafzimmer eindringen und ihn und seine Freundin Hannah fesseln und bedrohen. Als Renton einen Fluchtversuch unternimmt, wird er prompt exekutiert – nur um wieder im eigenen Bett zu erwachen, kurz bevor die Maskierten erneut eindringen, derweil er sich an alles Geschehene erinnert. Es läuft ab wie zuvor, nur, dass Renton nun auf anderem Wege versucht, Herr der Situation zu werden und abermals scheitert, stirbt und neu erwacht. Langsam kommt Renton dahinter, dass es an seiner Maschine, dem ARQ (Automatic Repeat Query) liegen könnte, dass er in einer Zeitschleife gefangen scheint, nur gibt ihm das noch längst keinen Hinweis darauf, wie er dem immer gleichen Alptraum entkommen könnte…

Rezension:

Theoretisch hätte ARQ das Zeug dazu, als Paradebeispiel dafür zu gelten, wie man mit geringsten Mitteln und eingeschränktem Figurenkonsortium ein eindringliches und intensives Kammerspiel inszeniert, wenn die Grundidee einer Zeitschleife nun auch nicht eben neu ist, doch zeigt die Vielzahl an Interpretationen, die einem spontan auf der Zunge liegen mögen, ob Triangle oder Edge of Tomorrow – um nur zwei Beispiele zu nennen – wie unterschiedlich man sich doch dem Thema doch nähern kann. Und dieser von Tony Elliott geschriebene und inszenierte Streifen findet da auch durchaus seine eigenen Anknüpfungspunkte und dreht von Beginn an gut auf, wobei man Verschnaufpausen relativ vergeblich sucht. Nun habe ich aber zu Beginn das Wörtchen "theoretisch" vorangestellt, denn leider wirkt die Prämisse nicht wirklich bis zu Ende gedacht und da helfen dann auch offensiv in die Geschichte gewobene Erklärungsversuche nicht, über die teils eklatanten Schwächen hinwegzutäuschen.

Szenenbild aus ARQ | © Netflix
© Netflix

Getragen wird die Geschichte zunächst einmal von Robbie Amell, dem ich bisher noch nie bewusst begegnet bin und der hier einen Mann namens Renton verkörpert, sich darstellerisch aber nun wirklich kein Bein ausreißt, derweil die mir immerhin aus Jessica Jones bekannte Rachel Taylor zumindest marginal überzeugender wirkt in ihrer Rolle als Rentons Freundin Hannah, wenn sie auch zu Beginn – anders als er – nichts von den Zeitschleifen mitbekommt, doch da liegt gleichsam die Chance für ihre Figur, denn anders als Renton macht Hannah eine Entwicklung durch und hat einen spürbaren Erfahrungszuwachs, derweil Renton zwar auf immer wieder neue Art und Weise Situationen zu lösen versucht, ansonsten aber weit weniger aus sich herauskommt, als man das erwarten würde, was natürlich für die Hauptperson eines dergestalt aufgezogenen Films nicht gerade zuträglich ist, denn als Identifikationsfigur bleibt er weitestgehend unzugänglich.

Weiterhin krankt ARQ zunehmend daran, dass man kaum etwas über die umgebende Welt erfährt und sich aus nur wenigen fragmentarischen Andeutungen ein eigenes Bild zusammenzuschustern hat, was zunehmend für Verwirrung sorgt, denn wie gesagt reicht es nicht aus, mit angeblichen wissenschaftlichen Erklärungen um sich zu werfen, um zu erklären, wie es sein kann, dass diese Maschine eine beständige und noch dazu räumlich begrenzte Zeitschleife produziert, zumal speziell diese Andeutung, das Phänomen erstrecke sich nur auf einen bestimmten Radius, bei mir persönlich die Fantasie gehörig befeuert hat und ich mir demnach anzumaßen meine, dass mir zig spannendere und interessantere Wendungen eingefallen wären, um der Geschichte noch einen gehörigen Twist zu verpassen, als die beinahe schon obligatorische Überraschung, die hier gegen Ende aus dem Hut gezaubert wird.

Szenenbild aus ARQ | © Netflix
© Netflix

Und so kommt es, dass ARQ in seinen Ansätzen ein extrem spannender und für Genre-Freunde interessanter Film hätte werden können, der sich in dieser Fassung aber lediglich damit begnügt, Verwirrung zu stiften, denn weder wird man abschließend aufgeklärt, zu welcher Zeit der Film spielt, noch, was genau mit der Welt geschehen ist oder auch nur, was es mit den in Erscheinung tretenden Fraktionen konkret auf sich hat, derweil die Figuren weitestgehend unnahbar scheinen und dank Zeitschleife-Thema kaum zu einer Weiterentwicklung imstande sind, während sich das Ende schließlich genauso kryptisch gibt wie der Rest des Films, aus dem man meiner Meinung nach richtig was hätte machen können, zumal speziell eine Szene, als die kammerspielartige Atmosphäre zugunsten eines Blicks auf die Außenwelt aufgegeben wird, mehr als nur andeutet, was hätte möglich sein können, wenn nicht ein Mann in Personalunion für Drehbuch und Regie verantwortlich gezeichnet hätte und – sicherlich nicht von der Hand zu weisen und prägend für die Ausgestaltung des Films – einiges mehr an Budget im Spiel gewesen wäre. Einen blick riskieren kann man natürlich bei einer Affinität für das Zeitschleifen-Thema, die Erwartungen sollte man allerdings im Vorfeld tunlichst nach unten korrigieren.

Fazit & Wertung:

Vieles an Tony Elliotts ARQ wirkt im Ansatz vielversprechend und spannend, doch gelingt es ihm dramaturgisch nicht ansatzweise, den Stoff in eine überzeugende Richtung zu lenken, zu unnahbar scheinen sowohl Figuren als auch Setting, ganz zu schweigen von dem teils irrationalen Verhalten und dem doch reichlich profanen, weil im Grunde vorhersehbaren Twist, der auch nicht eben geeignet ist, den Film qualitativ aufzuwerten. So ist Elliotts Werk zwar mitnichten ein Totalausfall und taugt sicherlich für anderthalb Stunden Unterhaltung, doch gibt es gerad ein diesem speziellen Metier ungleich spannendere und innovativere Ansätze, denen Zeit zu widmen sich mehr lohnen würde.

5,5 von 10 sich wiederholenden Zeitschleifen

ARQ

  • Sich wiederholende Zeitschleifen - 5.5/10
    5.5/10

Fazit & Wertung:

Vieles an Tony Elliotts ARQ wirkt im Ansatz vielversprechend und spannend, doch gelingt es ihm dramaturgisch nicht ansatzweise, den Stoff in eine überzeugende Richtung zu lenken, zu unnahbar scheinen sowohl Figuren als auch Setting, ganz zu schweigen von dem teils irrationalen Verhalten und dem doch reichlich profanen, weil im Grunde vorhersehbaren Twist, der auch nicht eben geeignet ist, den Film qualitativ aufzuwerten. So ist Elliotts Werk zwar mitnichten ein Totalausfall und taugt sicherlich für anderthalb Stunden Unterhaltung, doch gibt es gerad ein diesem speziellen Metier ungleich spannendere und innovativere Ansätze, denen Zeit zu widmen sich mehr lohnen würde.

5.5/10
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ARQ ist seit dem 16.09.16 exklusiv bei Netflix verfügbar.

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