Review: The Grey – Unter Wölfen (Film)

Und wieder ist es mir gelungen, einen Film von der stetig länger werdenden Agenda zu streichen, der dort schon viel zu lange stand. Und so viel vorweg: Enttäuscht worden bin ich nicht!

The Grey
Unter Wölfen

The Grey, USA 2011, 117 Min.

The Grey - Unter Wölfen | © Universum Film
© Universum Film

Regisseur:
Joe Carnahan
Autoren:
Joe Carnahan (Drehbuch)
Ian Mackenzie Jeffers (Buch-Vorlage & Drehbuch)

Main-Cast:
Liam Neeson (Ottway)
in weiteren Rollen:
Frank Grillo (Diaz)
Dermot Mulroney (Talget)
Dallas Roberts (Henrick)
Joe Anderson (Flannery)
Nonso Anozie (Burke)
James Badge Dale (Lewenden)

Genre:
Action | Abenteuer | Drama

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus The Grey - Unter Wölfen | © Universum Film
© Universum Film

John Ottway hat sich von einer Ölfirma anwerben lassen, um im fernen Alaska für die Sicherheit der Mitarbeiter zu sorgen, indem er umherstreifende Wölfe auf Distanz hält. Ottway, im wortwörtlichen Sinne lebensmüde, liebäugelt bereits mit Selbstmord, doch ehe er sich dazu durchringen kann, besteigt er mit den Mitarbeitern der Raffinerie ein Flugzeug, das ihn zurück nach Kanada bringen soll. Dann jedoch gerät die Maschine in einen Schneesturm und stürzt schlussendlich ab, was einen Großteil der Insassen das Leben kostet. Ottway überlebt und mit ihm eine kleine Schar an Raffinerie-Arbeitern. Man beschließt, sich Richtung Süden aufzumachen, um Rettung zu finden, doch die wilden Wölfe der eisigen Tundra haben bereits Witterung aufgenommen…

Rezension:

Noch beinahe zu Beginn seiner bis etwa 2015 reichenden Actionfilm-Offensive erschien 2011 der mit Liam Neeson in der Hauptrolle besetzte The Grey, der in seiner archaischen, kargen Ausgestaltung doch weit mehr aus dem Raster einschlägiger Filme fällt, als man meinen würde, gleichsam bisher von mir sträflich vernachlässigt worden ist, was sich nun aber zum Glück geändert hat, denn ungeachtet der Qualitäten und Mängel der anderen Filme mit ihm ist dieser Survival-Thriller womöglich eines der überzeugendsten Werke in Neesons Sujet der jüngeren Vergangenheit, derweil auch Regisseur und Drehbuchautor Joe Carnahan, der sich seinerzeit spätestens mit Smokin Aces einen Namen gemacht hat, im Nachgang zu The Grey aber beispielsweise auch den auf seine ganz eigene Art lohnenswerten Stretch realisiert hat, sich hier zu profilieren weiß.

Szenenbild aus The Grey - Unter Wölfen | © Universum Film
© Universum Film

Dabei sind die Zutaten des Films im Grunde so simpel wie vorhersehbar, vom obligatorischen Flugzeugabsturz inmitten der eisigen Wildnis, über die Bedrohung, die einerseits von Kälte und Nahrungsmittelknappheit, andererseits von den gnadenlos überzeichneten Wölfen ausgehen, doch weiß Carnahan mit der hieraus generierten Atmosphäre, dem allgegenwärtigen Gefühl der Bedrohung und des Fatalismus einiges anzustellen, auch wenn die Einstellungen inmitten nächtlicher Schwärze teilweise schon übertrieben düster geraten sind, aber davon abgesehen vermag The Grey vom ersten bis zum letzten Moment zu fesseln und überzeugen. Neben der Landschaft und der dichten Inszenierung liegt das aber natürlich vorrangig an Liam Neeson (Run All Night), der eine weitere eindrückliche Darstellung abliefert und gänzlich in der Rolle des Überlebenskünstlers Ottway aufgeht, so rudimentär und skizzenhaft dessen Vita auch wieder einmal sein mag. Einzig die sparsam gesetzten und jederzeit jäh unterbrochenen Traumsequenzen dürften Geschmackssache sein, helfen aber dabei, die ansonsten schnell eintönig zu werden drohende Szenerie aufzubrechen, die bei all der Schönheit der Natur nichtsdestotrotz doch immer nur aus Wildnis, Eis und Schnee besteht.

Ähnlich ergeht es den weiteren Figuren, die nur zaghaft mit ein wenig Hintergrund versehen werden und denen teilweise recht stereotype Charakteristika mit auf den Weg gegeben werden, doch ist The Grey eben nur zweitrangig Charakter-Drama und widmet sich weit mehr dem Survival-Aspekt des Settings, so dass es – gerade in Anbetracht der als Antagonisten aufgebauten Wölfe – dem Setting sogar zuträglich ist, die Überlebenden mit gewissen Archetypen besetzt zu haben, denn so lassen sich die Parallelen des Wolfsrudels und der Gruppe Überlebender noch gezielter herausarbeiten. Trotzdem hilft es natürlich, dass Ottways Gefährten von so bekannten Charakterköpfen wie Frank Grillo (Homefront), Dermot Mulroney (Stoker) oder auch James Badge Dale (Shame) verkörpert werden.

Szenenbild aus The Grey - Unter Wölfen | © Universum Film
© Universum Film

Ansonsten folgt The Grey den üblichen Gesetzmäßigkeiten und spart sich übermäßig viele Schnörkel, woran sich teilweise auch die Herkunft der Story als Kurzgeschichte erkennen lässt, die von Ian Mackenzie Jeffers stammt, der auch am Drehbuch mitgearbeitet hat. Vor allem aber bleibt sich die Dramaturgie bis zuletzt treu, geht keine Kompromisse ein und mündet schlussendlich in eine finale Einstellung, die Freunden in sich geschlossener Geschichten womöglich sauer aufstoßen könnte, doch schafft diesbezüglich immerhin eine letzte Szene am Ende des Abspanns ein wenig mehr Klarheit oder liefert zumindest die Ansätze, um sich den Ausgang selbst zusammenzureimen. So präsentiert sich Carnahans Film weniger dramaturgisch als großer Wurf, dafür inszenatorisch umso mehr, denn das nihilistische Konstrukt geht hier Hand in Hand mit der Szenerie, dem Innenleben der Figuren und der schlichten Ausgestaltung der Geschichte.

Fazit & Wertung:

Mit The Grey – Unter Wölfen inszeniert Joe Carnahan einen gleichermaßen grimmigen wie schnörkellosen Survival-Thriller, in dessen Mittelpunkt wieder einmal Liam Neeson mit schierer Präsenz zu überzeugen versteht, während Plot und Figuren grundsätzlich eher stereotyp geraten sind, doch tut das in diesem Fall dem Flair und der Atmosphäre kaum einen Abbruch, während das Ende in seiner Konsequenz vielleicht nicht nur Freunde finden dürfte.

7,5 von 10 im Dickicht lauernden Wölfen

The Grey - Unter Wölfen

  • Im Dickicht lauernde Wölfe - 7.5/10
    7.5/10

Fazit & Wertung:

Mit The Grey - Unter Wölfen inszeniert Joe Carnahan einen gleichermaßen grimmigen wie schnörkellosen Survival-Thriller, in dessen Mittelpunkt wieder einmal Liam Neeson mit schierer Präsenz zu überzeugen versteht, während Plot und Figuren grundsätzlich eher stereotyp geraten sind, doch tut das in diesem Fall dem Flair und der Atmosphäre kaum einen Abbruch, während das Ende in seiner Konsequenz vielleicht nicht nur Freunde finden dürfte.

7.5/10
Leser-Wertung 6/10 (1 Stimme)
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Meinungen aus der Blogosphäre:
Filmherum: 3,5/5
Der Kinogänger: 8/10
moviescape.blog: 8/10

The Grey – Unter Wölfen ist am 21.09.12 auf DVD und Blu-ray bei Universum Film erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

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  • Den Film sehe ich, welch Wunder, ähnlich stark. Ich mag Filme, die in extremen Situationen spielen. Das Ende fand ich auch interessant, wenngleich ich optimistische Filmenden insgesamt auch lieber mag… 😉

    • Hach, meine bessere Hälfte beschwert sich auch immer bei fehlenden Happy-Ends, das hat ihr schon so manchen Film verhagelt. Hier fand ich es aber extrem passend, vor allem von der Inszenierung her sehr schön gemacht, auch mit der Szene nach dem Abspann.

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