Review: Doctor Strange (Film)

Das Marvel Cinematic Universe

Marvel Cinematic Universe

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Kaum zu glauben, dass ich es dann tatsächlich doch auch noch geschafft habe, mir diesen Film anzusehen und dann auch noch pünktlich zum Wochenende zu besprechen, was für mich persönlich ja ohnehin schon ganz im Zeichen von Marvel stehen wird, starten schließlich heute The Defenders bei Netflix und während ihr diese Zeilen lest, kleben meine Holde und ich wahrscheinlich schon vorm TV.

Doctor Strange

Doctor Strange, USA 2016, 115 Min.

Doctor Strange | © Walt Disney
© Walt Disney

Regisseur:
Scott Derrickson
Autoren:
Jon Spaihts
Scott Derrickson
C. Robert Cargill

Main-Cast:
Benedict Cumberbatch (Dr. Stephen Strange)
Chiwetel Ejiofor (Mordo)
Rachel McAdams (Christine Palmer)
Benedict Wong (Wong)
Mads Mikkelsen (Kaecilius)
Tilda Swinton (The Ancient One)
in weiteren Rollen:
Michael Stuhlbarg (Dr. Nicodemus West)
Benjamin Bratt (Jonathan Pangborn)
Scott Adkins (Lucian / Strong Zealot)

Genre:
Action | Abenteuer | Fantasy

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Doctor Strange | © Walt Disney
© Walt Disney

Dr. Stephen Strange ist ein gleichermaßen arroganter wie fähiger Neurochirurg und gilt ungeachtet seiner charakterlichen Defizite als Koryphäe auf seinem Gebiet, was er ein ums andere Mal unter Beweis stellt. Kein Wunder also, dass seine Welt in Scherben bricht, als bei einem selbstverschuldeten Autounfall nicht nur seine so wertvollen Chirurgenhände schier zerschmettert werden. Strange setzt alles daran, mittels experimenteller Methoden seine Hände wiederherzustellen und greift nach jedem Strohhalm, bis sich ausnahmslos jeder seiner Kollegen weigert, noch weitere der immer absurder werdenden Operationen in Angriff zu nehmen. Dr. Strange allerdings gibt nicht auf und als er von der wundersamen Heilung eines Querschnittsgelähmten hört, nimmt er Kontakt mit dem Mann auf, der ihn wiederum nach Tibet und die dort residierende "Ancient One" verweist. Kaum angekommen, glaubt Strange sich vorgeführt und wähnt sich von esoterischem Hokuspokus geblendet, muss ungeachtet seines immensen Egos aber bald lernen, das weit mehr existiert, als er zu wissen glaubt, inklusive "echter" Magie…

Rezension:

Nachdem Doctor Strange nun auch schon seit einem guten halben Jahr das Heimkino unsicher macht, wurde es doch für mich allerhöchste Zeit, mich diesem Wurf des MCU zu widmen, der seines Zeichens sowohl Magie als auch das Konzept der Multidimensionalität im Marvel-Universum zu etablieren hatte und dabei natürlich gleichsam noch die beinahe obligatorische Origin des namensgebenden Helden zu erörtern, der sich dann wiederum an die Rettung der Welt zu begeben hat. In dieser Hinsicht ist der Film also durchaus samt und sonders nach Schema F produziert und wer bei den Marvel-Filmen schon immer zu bemängeln hatte, dass sie, was die narrativen Strukturen betrifft, zur Redundanz neigen, wird auch hier nicht glücklich werden, doch als fulminantes und unterhaltsames Popcorn-Kino betrachtet macht auch dieser Vertreter des MCU einiges her und hat mir – welch Wunder – erneut ausnehmend gut gefallen. Zugegeben, Doctor Strange als Held ist mir nicht gerade vertraut und lediglich aufgrund des Bandes Doctor Strange: Anfang und Ende wusste ich um dessen Hintergrundgeschichte, doch finden sich hier zu Beginn des Films gleich erste Längen, denn auch wenn man sich bemüht hat, den Unfall, das verzweifelte Bemühen um die Wiederherstellung seiner Hände bis hin zur Pilgerreise nach Tibet möglichst knapp zu halten, ist dieser Part schon in der Vorlage so dermaßen generisch und stereotyp, dass es sich zweifelsohne um den schwächsten Part des Films handelt.

Szenenbild aus Doctor Strange | © Walt Disney
© Walt Disney

Davon aber einmal abgesehen, genügen Cumberbatch bereits die ersten paar Minuten, um sich als überaus fähiger und nicht minder arroganter Chirurg zu präsentieren, der nicht von ungefähr an Dr. House erinnern mag, doch geht dem versierten Sherlock-Darsteller diese Intonation so dermaßen spielend von der Hand, dass es eine Freude ist. Rachel McAdams (Spotlight) als dessen Kollegin und (Ex-)Freundin hat dergestalt natürlich überhaupt keine Chance, sich von ihrer blassen und klischeehaften Rolle freizuspielen und bleibt bis zuletzt kaum mehr als schmückendes Beiwerk, während sie und die Wirkstätte von Strange sowieso zunächst in den Hintergrund treten, wenn er sich gen Tibet und dort unter die Fittiche von "The Ancient One" begibt. Und ja, Tilda Swinton (A Bigger Splash) für diese Rolle zu besetzen ist fernab jedweder Whitewashing-Debatte ein echter Clou, nicht nur was die vermittelte Erhabenheit und ihre Präsenz betrifft, sondern speziell auch ihr androgynes Wesen, was schon in Constantine ihrer Verkörperung von Erzengel Gabriel ein außerweltliches Flair verlieh.

Szenenbild aus Doctor Strange | © Walt Disney
© Walt Disney

Ansonsten ist Doctor Strange auch mit Chiwetel Ejiofor (Serenity) und Mads Mikkelsen hochkarätig besetzt, doch während man bei Ejiofors Figur des Baron Mordo noch gespannt sein kann, was Marvel künftig mit dem Charakter zu tun gedenkt (siehe hierzu natürlich die obligatorische Post-Credit-Scene), bleibt Mikkelsens Kaecilius als Antagonist relativ blass, wobei ich hier immer noch wohlwollend zugutehalten kann, dass man manche Chance nutzt, seine Beweggründe zu umreißen, die zumindest von den üblichen Welteroberungsplänen abweichen und von einer ungewöhnlichen Warte aus betrachtet ihrer ganz eigenen Moral und Intention folgen, was die Figur interessanter und vielschichtiger wirken lässt, als sie sich letztlich gibt. Dennoch wird Mikkelsen so der undankbare Part zuteil, an den beiden großen Disney-Franchises – Marvel und Star Wars (in dem Fall Rogue One) beteiligt gewesen zu sein, ohne dass aus seinen Rollen großartiges gemacht worden wäre, was in Anbetracht der Fähigkeiten des Akteurs ja durchaus möglich und wünschenswert gewesen wäre.

Szenenbild aus Doctor Strange | © Walt Disney
© Walt Disney

Dafür aber wie gesagt begeistert ein bestens aufgelegter Benedict Cumberbatch als Doctor Strange in allen Belangen und weiß auch mit zahlreichen Popkultur-Anspielungen zu punkten, die das Geschehen nicht nur merklich auflockern und (noch) kurzweiliger gestalten, sondern gerade im Zusammenspiel mit Benedict Wong als bierernster Bibliothekar ihre volle Wirkung entfalten. Fernab der Figuren ist Doctor Strange aber natürlich vorrangig ein Film der Schauwerte und gibt sich diesbezüglich keine Blöße, so dass man sich hinsichtlich der Beugung von Realität zwar unverblümt an Nolans Inception orientiert hat, dessen visionäre Bilderwelten aber dank konsequent weitergedachter Ansätze noch zu toppen versteht, während es mir persönlich noch weit mehr imponiert hat, wie hier Magie visualisiert worden ist, denn was das Wirken von Zaubersprüchen angeht, hat man ja in Film und Fernsehen schon einige Rohrkrepierer bestaunen können, wohingegen sich hier Waffen wie Portale und dergleichen als echte Augenöffner zu geben wissen. Und selbst für das Finale hat man sich – ähnlich wie zuvor bei Ant-Man etwas ganz eigenes und ungewöhnliches, auf die titelgebende Figur zugeschnittenes ausgedacht, das den Materialschlachten von The Avengers zwar in nichts nachsteht, trotzdem in dieser Form frisch und unverbraucht wirkt, vor allem aber die Brillanz von Doctor Strange hervorhebt, statt lediglich auf dessen immer größere Macht abzustellen.

Fazit & Wertung:

Scott Derrickson inszeniert mit Doctor Strange einen weiteren, mehr als würdigen Vertreter des stetig wachsenden MCU, dem die Mammutaufgabe zuteil war, die Magie im Marvel-Universum Einzug halten zu lassen, was ihm mit Bravour gelingt, derweil auch Benedict Cumberbatch sichtlich Spaß an der eigenwilligen Figur zu haben schien und von einem namhaften, durchweg charismatischen Cast unterstützt wurde, wenn auch einige der Figuren merklich blass geblieben sind. Dies und der Umstand, dass "nebenbei" noch die Origin des Helden erzählt werden "musste" trübt den Unterhaltungswert aber zum Glück nur unmerklich, während es sich trotz einiger leichter Längen zu Beginn um eine ansonsten durchweg überzeugende Einführung des Charakters handelt.

8,5 von 10 "angezapften" Parallel-Universen

Doctor Strange

  • "Angezapfte" Parallel-Universen - 8.5/10
    8.5/10

Fazit & Wertung:

Scott Derrickson inszeniert mit Doctor Strange einen weiteren, mehr als würdigen Vertreter des stetig wachsenden MCU, dem die Mammutaufgabe zuteil war, die Magie im Marvel-Universum Einzug halten zu lassen, was ihm mit Bravour gelingt, derweil auch Benedict Cumberbatch sichtlich Spaß an der eigenwilligen Figur zu haben schien und von einem namhaften, durchweg charismatischen Cast unterstützt wurde, wenn auch einige der Figuren merklich blass geblieben sind. Dies und der Umstand, dass "nebenbei" noch die Origin des Helden erzählt werden "musste" trübt den Unterhaltungswert aber zum Glück nur unmerklich, während es sich trotz einiger leichter Längen zu Beginn um eine ansonsten durchweg überzeugende Einführung des Charakters handelt.

8.5/10
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