Review: Fleming – Der Mann, der Bond wurde (Serie)

Keine Sorge, auch heute gibt es natürlich wieder einen neuen Serien-Artikel und diesmal habe ich mich der vierteiligen BBC-Mini-Serie zu Bond-Schöpfer Fleming angenommen, die natürlich zuvorderst von Dominic Cooper dominiert wird.

Fleming
Der Mann, der Bond wurde

Fleming: The Man Who Would Be Bond, UK 2014, ca. 45 Min. je Folge

Fleming - Der Mann, der Bond wurde | © polyband
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Regisseur:
Mat Whitecross
Autoren:
John Brownlow
Don Macpherson

Main-Cast:
Dominic Cooper (Ian Fleming)
Lara Pulver (Ann O’Neill)
Samuel West (Rear Admiral John Godfrey)
Anna Chancellor (Second Officer Monday)
Annabelle Wallis (Muriel Wright)
Rupert Evans (Peter Fleming)
in weiteren Rollen:
Lesley Manville (Evelyn Fleming)
Pip Torrens (Esmond Rothermere)
Camilla Rutherford (Loelia, Duchess of Westminster)
Dean Lennox Kelly (Sergeant Dixon)
Stanley Townsend (Colonel William Donovan)
Michael Maloney (Rear Admiral Rushbrooke)
Aurélien Recoing (Admiral Francois Darlan)

Genre:
Biografie | Drama

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Fleming - Der Mann, der Bond wurde | © polyband
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London, 1938: Ian Fleming verdingt sich mehr schlecht als recht als Wertpapierhändler und steht doch immer im Schatten seines Bruders Peter, dem erfolgreichen Autor, der sich auch beim Militär verdient gemacht hat. Insbesondere auf Drängen seiner Mutter lässt Ian sich schließlich darauf ein, beim Nachrichtendienst der Royal Navy vorstellig zu werden, wo er prompt sowohl mit Second Offiver Monday als auch Rear Admiral John Godfrey aneinandergerät, doch seine Kreativität und sein Einfallsreichtum, seine Initiative ungeachtet jedweder Autorität bringen ihn bald beim Nachrichtendienst voran, während die Geschichte ihren Lauf nimmt und der Zweite Weltkrieg beginnt. Ungeachtet seiner Verpflichtungen aber stellt Ian auch weiterhin den Frauen nach und speziell eine Dame, Ann O’Neill, scheint es ihm besonders angetan zu haben, derweil er eigentlich mit Muriel Wright liiert ist…

Rezension:

Mit Fleming – Der Mann, der Bond wurde hat die BBC dem Schöpfer und Autor von Kultfigur James Bond ein schönes, vierteiliges Miniserien-Denkmal gesetzt und wandelt dabei auf dem schmalen Grat, nicht wirklich Doku, nicht wirklich Biopic, aber auch nicht wirklich Serie im klassischen Sinne sein zu wollen, das dem Gesamtwerk durchaus gelingt, denn so augenfällig die Parallelen zwischen Fleming und Bond auch sein mögen, so umtriebig und abenteuerlich Ians Leben gewesen sein mag, leben die Geschichten doch seit jeher von künstlicher Dramatisierung und dem Umstand geschuldet, dass viele der Eskapaden Flemings aus dessen eigener Sicht geschildert werden, lässt es oft fraglich erscheinen, ob es sich wirklich so zugetragen hat oder ob der windige Gentleman und Frauenheld wieder einmal zur Übertreibung geneigt hat. Größter Gewinn für die Serie ist aber sicherlich zunächst einmal der spätestens seit seiner Verkörperung als Howard Stark in Captain America: The First Avenger sowie durch seine Rolle in Preacher weithin bekannte Dominic Cooper, der einen gar formidablen Ian Fleming gibt und bewusst darauf verzichtet, sich als Sympathieträger oder Identifikationsfigur zu inszenieren und damit – ähnlich wie Daniel Craig in den neueren Bond-Filmen – weit näher am ruppigen Original ist als die oft charmant-glattgebügelte Filmversion des eigenwilligen Agenten.

Szenenbild aus Fleming - Der Mann, der Bond wurde | © polyband
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So finden sich aber nicht nur bei der Charakterzeichnung von Fleming, der zu viel trinkt und raucht, dem Glücksspiel zugetan ist und jedem Rock hinterherjagt, zum Jähzorn und zur Arroganz neigt, von sich selbst nicht nur überzeugt, sondern regelrecht eingenommen ist, unwiderlegbare Überschneidungen zwischen ihm und seinem späteren Alter Ego Bond (der allerdings schriftstellerischer Finesse geschuldet dann doch die sympathischere Figur macht, beziehungsweise mit weniger Charakterfehlern behaftet ist), sondern auch bei der Inszenierung und den Kostümen, was natürlich der "damaligen" Zeit geschuldet ist, wobei das Ganze für eine TV-Produktion ohnehin sehr hochwertig aussieht. Ansonsten ist auch für Ungeübte deutlich zu erkennen, dass die von Anna Chancellor (How I Live Now) verkörperte Monday für Miss Moneypenny Pate gestanden haben soll, derweil der von Samuel West charakterisierte Rear Admiral John Godfrey ganz ohne Frage an "M" erinnert, wohingegen Fleming selbst diesen Spitznamen für seine Freundin Muriel nutzt, die wiederum von Annabelle Wallis (Die Tudors) verkörpert wird.

Um Anspielungen und Reminiszenzen also nicht verlegen, bewahrt sich Fleming aber dennoch eine gewisse Eigenständigkeit, derweil man sich des Gefühls zuweilen nicht erwehren kann, eine Art Prototyp einer James Bond-Geschichte zu sehen, wofür die teils illustren Kulissen ebenso sprechen wie die von Fleming entworfenen Gadgets, die allerdings nur kurz eine Rolle spielen und ja auch in den Romanen nicht annähernd so prestigeträchtig vertreten waren wie in den Filmen. Last but not least soll aber auch die im Grunde zweite Hauptfigur Ann nicht unerwähnt bleiben, bei der es sich um Flemings spätere Frau handelt und deren Part hier von Lara Pulver übernommen wird, die man, wenn schon nicht aus Da Vinci’s Demons zumindest als Irene Adler aus Sherlock in Erinnerung haben dürfte und die hier erwartungsgemäß auf den Punkt agiert und eine gleichermaßen zerbrechlich wie unsicher, andererseits selbstbewusst und verführerisch auftretende Femme Fatale gibt, zumal die Chemie zwischen ihr und Cooper besser kaum sein könnte.

Szenenbild aus Fleming - Der Mann, der Bond wurde | © polyband
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Woran Fleming aber fernab der ganzen Lobeshymnen leider ziemlich krankt ist die Art der Inszenierung, denn auch wenn es begrüßenswert sein mag, statt eines Fernsehfilms eine Miniserie zu inszenieren und so auf immerhin drei Stunden Laufzeit zu kommen, umfasst die Geschichte immerhin sieben Jahre (zwölf, wenn man Intro und Outro hinzurechnet) und entsprechend sprunghaft wirkt die Geschichte zuweilen, zumal man abgesehen vom jeweiligen Beginn der Folge – zwischen denen schon immer wenigstens gute zwei Jahre liegen – darauf verzichtet, Jahreszahlen oder -zeiten einzublenden. Entsprechend kometenhaft wirkt Flemings Aufstieg bei der Royal Navy, entsprechend fragmentarisch bleiben viele seiner Projekte und in Anbetracht dieser Auslassungen mag man zuweilen das Gefühl haben, seine Liebschaften würden im Gegenzug ein wenig zu viel Raum einnehmen, auch wenn selbst dieser Part ohne Zweifel eines der Markenzeichen von Bond werden sollte. Entsprechend lohnt die Miniserie zwar sowohl für Bond-Fans als auch Unbedarfte, doch muss man damit leben können, dass eine differenzierte Charakterentwicklung, wie man sie heutzutage aus vielen Serien gewohnt sein mag, de facto nicht stattfindet, derweil viele Geschehnisse doch teils sehr abrupt zum Ende gebracht oder gleich ganz übersprungen werden. Dank der ungemein passenden Besetzung und der stimmigen Inszenierung fallen diese dramaturgischen Unpässlichkeiten niemals so störend ins Gewicht, wie sie es hätten tun können.

Fazit & Wertung:

Mit Fleming – Der Mann, der Bond wurde ist der BBC eine durchaus überzeugende Inszenierung der frühen Jahre von Bond-Schöpfer Ian Fleming gelungen, zumal insbesondere Dominic Cooper und Lara Pulver als Flemings spätere Frau Ann O’Neill hier mit gehörigem Charisma punkten können. Dem Umstand geschuldet, dass vier Folgen aber nicht gerade viel sind, wirkt die beinahe eine Dekade umfassende Geschichte dennoch teilweise sehr gehetzt und fragmentarisch, so dass sich die Frage stellt, ob in diesem Fall mehr nicht tatsächlich auch mehr gewesen wäre, um dem Geschehen ein bisschen mehr Substanz und Raum zur Entfaltung zu verleihen. Nichtsdestotrotz ein kurzweilig und elegant gefilmtes Werk, das sich einer abschließenden Beurteilung des Stellenwerts von Fleming im Zweiten Weltkrieg augenzwinkernd verweigert.

7,5 von 10 gleichermaßen gewitzten wie gewagten Ideen

Fleming – Der Mann, der Bond wurde

  • Gleichermaßen gewitzte wie gewagte Ideen - 7.5/10
    7.5/10

Fazit & Wertung:

Mit Fleming – Der Mann, der Bond wurde ist der BBC eine durchaus überzeugende Inszenierung der frühen Jahre von Bond-Schöpfer Ian Fleming gelungen, zumal insbesondere Dominic Cooper und Lara Pulver als Flemings spätere Frau Ann O'Neill hier mit gehörigem Charisma punkten können. Dem Umstand geschuldet, dass vier Folgen aber nicht gerade viel sind, wirkt die beinahe eine Dekade umfassende Geschichte dennoch teilweise sehr gehetzt und fragmentarisch, so dass sich die Frage stellt, ob in diesem Fall mehr nicht tatsächlich auch mehr gewesen wäre, um dem Geschehen ein bisschen mehr Substanz und Raum zur Entfaltung zu verleihen. Nichtsdestotrotz ein kurzweilig und elegant gefilmtes Werk, das sich einer abschließenden Beurteilung des Stellenwerts von Fleming im Zweiten Weltkrieg augenzwinkernd verweigert.

7.5/10
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Episodenübersicht:

01. Episode 1 (7,5/10)
02. Episode 2 (7,5/10)
03. Episode 3 (7,5/10)
04. Episode 4 (7,5/10)

 

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Fleming – Der Mann, der Bond wurde ist am 26.09.14 auf DVD und Blu-ray bei polyband im Vertrieb von WVG Medien erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

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