Review: True Detective | Staffel 2 (Serie)

Diesmal freue ich mich ja mal wieder ganz besonders über den Serien-Samstag, nicht, weil die heute zu besprechende Staffel überraschend herausragend gewesen ist (obwohl ich sie schon beinahe überraschend toll fand!), sondern weil die Serienstaffel hier schon ziemlich lange dumm rumgelegen hat und wir endlich dazu gekommen sind, auch diese Lücke zu schließen.

True Detective
Staffel 2

True Detective, USA 2014- , ca. 55 Min. je Folge

True Detective | © Warner Home Video
© Warner Home Video

Serienschöpfer:
Nic Pizzolatto
Showrunner:
Nic Pizzolatto

Main-Cast:

Colin Farrell (Detective Ray Velcoro)
Rachel McAdams (Detective Ani Bezzerides)
Taylor Kitsch (Officer Paul Woodrugh)
Kelly Reilly (Jordan Semyon)
Vince Vaughn (Frank Semyon)

in weiteren Rollen:

Chris Kerson (Nails)
Ritchie Coster (Mayor Austin Chessani)
Christopher James Baker (Blake Churchman)
Afemo Omilami (Police Chief Holloway)
James Frain (Lieutenant Kevin Burris)
Michael Irby (Detective Elvis Ilinca)
Abigail Spencer (Gena Brune)
Timothy V. Murphy (Osip Agronov)
Yara Martinez (Felicia)
Adria Arjona (Emily)
Jon Lindstrom (Jacob McCandless)
W. Earl Brown (Detective Teague Dixon)
Michael Hyatt (Katherine Davis)
Leven Rambin (Athena Bezzerides)
C.S. Lee (Richard Geldof)
Lolita Davidovich (Cynthia Woodrugh)
Vinicius Machado (Tony Chessani)
David Morse (Eliot Bezzerides)
Rick Springfield (Dr. Irving Pitlor)
Gabriel Luna (Miguel Gilb)
Emily Rios (Betty Chessani)
Christian Campbell (Richard Brune)
Ronnie Gene Blevins (Stan)
Fred Ward (Eddie Velcoro)
Ashley Hinshaw (Lacey Lindel)
Riley Smith (Steve Mercer)

Genre:
Krimi | Drama | Mystery | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Bei einer nächtlichen Fahrt entdeckt CHP Officer Woodrugh den Tatort eines bizarren Mordes, der die ermittelnden Behörden zunächst vor ein Rätsel stellt, woraufhin prompt eine Sonderkommission zusammengestellt wird, die aus dem kurz zuvor in Ungnade gefallenen Officer, dem aus Vinci stammenden und mutmaßlich korrupten Detective Velcoro – der seines Zeichens schon vor Jahren unter die Fittiche des lokalen Gangster-Bosses Frank Semyon geraten ist – , der von Ventura hinzugezogenen Detective Ani Bezzerides, die wiederum Velcoro im Auge behalten soll. Während man den Ermittlern alle nötige Unterstützung zusichert, nehmen die ihre Ermittlungen auf und Velcoro wendet sich zunächst an Semyon, der ein paar erhellende Hinweise hat, um was es bei dem als rituelle Verstümmelung dargestellten Mord gegangen sein könnte, doch ahnen Woodrugh, Velcoro und Bezzerides noch längst nicht, in welche Schlangengrube sie sich vorgewagt haben und wie weit der Einfluss der beteiligten Parteien reicht, denn ganz Vinci scheint von Verrat, Korruption und Machtgier durchzogen…

Szenenbild aus True Detective | © Warner Home Video
© Warner Home Video

Rezension:

Nach der bahnbrechend intensiven ersten Staffel True Detective musste der zweite Wurf unweigerlich im Schatten des Erstlings gedeihen und da es sich um abgeschlossene Fälle handelt, musste man gar auf die Zugpferde McConaughey und Harrelson verzichten, die hier nur noch als ausführende Produzenten mit an Bord sind. Hinzu kommt schließlich, dass die doch eher durchwachsenen Kritiken mich lange um die Staffel herumschleichen zu lassen, doch hätte ich die Sichtung nicht so lange vor mir herschieben müssen, denn auch wenn ich die Enttäuschung mancherorts durchaus nachvollziehen kann, halte ich doch auch die zweite Staffel True Detective für ein packend und dicht inszeniertes Serien-Kleinod, das aber eben eine gänzlich andere Marschrichtung einschlägt als der erste "Fall" was ja auch gut und richtig ist, denn bei einer marginal abgewandelten Wiederholung von altbekanntem wäre der Aufschrei sicherlich noch größer gewesen. Nun ja, letztlich bleibt also diese "Neuausrichtung" wie so vieles Geschmackssache, aber auch wenn der Cast nebst Plot dem Vorgänger selbst objektiv nicht ganz das Wasser reichen kann, bleibt es ein wie eh und je lohnendes Projekt, dessen Ausrichtung mit seinen auch hier wieder acht Episoden teils frappant an die Lektüre eines guten Kriminalromans erinnert.

Szenenbild aus True Detective | © Warner Home Video
© Warner Home Video

Dabei ist der Plot zugegebenermaßen wirklich ziemlich verworren und unnötig kompliziert, auch wenn das durchaus Methode haben mag, um den Sumpf aus Korruption, Verrat, Intrigen, Bestechung zu verdeutlichen, durch den die Ermittler hier zu waten haben, aber ich kann nicht behaupten wirklich jeden Handlungsstrang vollumfänglich verstanden zu haben, so dass ich hier auch eine der größten Schwächen der zweiten Staffel True Detective ausmache, denn während einzelne Szenen durchaus als langatmig zu bezeichnen sind und straffer hätten inszeniert werden können, ist dennoch jede Folge und speziell das rund anderthalbstündige Finale so vollgestopft mit Handlungen und Wendungen, dass eine doch zumindest zehnteilige Staffel der Sache mehr als dienlich gewesen wäre. So beginnt die Geschichte vergleichsweise simpel und überschaubar, um in der jeweils anschließenden Folge noch mehr Fragen aufzuwerfen, noch mehr Verrat und dubiose Geschäfte zu enthüllen, was dann auch mich zuweilen hat zweifeln lassen, doch beginnt sich eben auch mehr und mehr herauszukristallisieren, dass es sich bei dem übergeordneten Kriminalfall im Grunde um ein bloßes Vehikel handelt für gleich mehrere handfeste Charakter-Dramen, denn wie es das Cover schon suggeriert, stehen hier die vier – eigentlich fünf – HauptdarstellerInnen und ihre jeweiligen Rollen im Vordergrund, derweil die fiktive, auf Vernon basierende Stadt Vinci im Grunde ebenfalls als Figur geführt werden darf, so eindrücklich und atmosphärisch wird dieser korrupte Pfuhl hier bis in die feinste Nuance zum Leben erweckt.

Szenenbild aus True Detective | © Warner Home Video
© Warner Home Video

Die wohl größte Überraschung aber bei dieser Staffel True Detective dürfte ohne Frage Vince Vaughn sein, den ich jetzt nicht unbedingt mit einem schauspielerischen Schwergewicht in Verbindung gebracht hätte (auch wenn er sich jüngst ja im ebenfalls großartigen Hacksaw Ridge ebenfalls weiter zu profilieren wusste) und der hier wortwörtlich ohne mit der Wimper zu zucken eine der Vorstellungen seines Lebens abliefert, denn die Figur des sich aus dem Sumpf der Kleinkriminalität mit Eifer und Willen herausgehievten Frank Semyon ist nicht nur ungemein ambivalent und vielschichtig angelegt, scheint einem eigenen Moralkodex zu folgen und weckt bei allen Gräueltaten auch immer Sympathien, wirkt trotz ihrer umtriebigen Vergangenheit wie eine der integersten Gestalten von Vinci und macht nicht zuletzt im Verlauf der acht Folgen eine spürbare wie nachvollziehbare Entwicklung durch, die allein im Grunde schon die Sichtung lohnt, weshalb es zuweilen schade ist, dass er in Anbetracht des im Fokus stehenden Ermittler-Trios teils ein wenig an den Rand gedrängt zu sein scheint, was die dramaturgische Ausrichtung angeht. Ähnlich ergeht es Kelly Reilly (Am Sonntag bist du tot) als dessen Ehefrau Jordan Seymon, bei der es sich um die eigentlich fünfte Hauptfigur handelt, die allerdings auf den Covern und Plakaten keine namentliche Erwähnung gefunden hat, denn als Franks bessere Hälfte ist sie weit mehr als nur schmückendes Beiwerk oder gesichtsloses Anhängsel und weiß sich ebenfalls sowohl in der Handlung der Serie als auch gegenüber ihrem Mann zu profilieren.

Szenenbild aus True Detective | © Warner Home Video
© Warner Home Video

Das Ermittler-Trio besteht wiederum bekanntermaßen aus dem korrupten wie desillusionierten Detective Ray Velcoro, seines Zeichens gemimt von einem reichlich auf desolat getrimmten Colin Farrell (7 Psychos), dem Officer Paul Woodrugh, der von Taylor Kitsch (Savages) mit einnehmendem Stoizismus verkörpert wird sowie last but least Detective Ani Bezzerides, die wiederum von Rachel McAdams (Spotlight) verkörpert wird, die hier endlich einmal wieder zeigen darf, was in ihr steckt, denn gemeinsam mit der Figur des Frank Semyon handelt es sich bei ihrer äußerlich so beinharten, innerlich so verletzlichen Figur mit traumatisierender Vergangenheit um eine der facettenreichsten Gestalten des Ensembles, denn auch wenn ihre Figur auf den ersten Blick gängigen Klischees zu entsprechen schient, entspinnt sich im Verlauf der Staffel eine ausgedehnte Seelen-Beschau, die zu einigen intensiven und teils regelrecht verstörenden Momenten führt, wobei sich selbiges auch von Farrells und Kitschs Figuren sagen ließe, nur eben nicht in dem markerschütternden Ausmaß. Ansonsten sind mir aus dem durchweg formidablen Cast noch James Frain (Die Tudors) als Lieutenant Kevin Burris sowie Abigail Spencer (Rectify) als Velcoros Exfrau Gena positiv in Erinnerung geblieben, die aus den doch jeweils sehr knapp gehaltenen Rollen mit Charisma und Präsenz doch einiges zu machen wussten.

So mag der eigentliche Fall immer abstrusere Haken schlagen, immer neue Beteiligte, neue Mordopfer, involvierte Parteien ins Spiel bringen und zeitweise richtiggehend verwirren, doch sind es eben die persönlichen Schicksale der einzelnen Figuren, die auch hier bei der Stange zu halten wissen und mich erneut für die von Nic Pizzolatto ersonnene Welt einzunehmen wussten, nachdem er mich auch schon literarisch mit Galveston überzeugt hat (und dessen Verfilmung sich übrigens auch längst in der Mache befindet). Ansonsten ist True Detective auch in seinem zweiten Jahr trotz all der offensiven Andersartigkeit in vielen Punkten durchaus mit der ersten Staffel zu vergleichen, beispielsweise was die getragene, oft elegische, stets fatalistisch wirkende Erzählweise betrifft, während Ausstattung, Optik, Kameraarbeit und nicht zuletzt das Intro wieder einmal als superb zu bezeichnen sind.

Szenenbild aus True Detective | © Warner Home Video
© Warner Home Video

Hinzu kommt, dass die elegant-entschleunigte, sich auf Charakterentwicklung und Ermittlungsarbeit konzentrierende Inszenierung die natürlich auch hier wieder vorhandenen Gewaltspitzen sowie die actionreicheren Passagen umso deutlich zu Tage treten lässt, wenn wir in diesem Zusammenhang nur den bahnbrechend inszenierten Straßenkampf zum "Halbstaffelfinale" Alles geht nieder (2.04) anführen wollen. Die wiederum zieht in der sich anschließenden Folge Andere Leben (2.05) einen nur im ersten Moment irritierenden erzählerischen Bruch nach sich und macht einen gewissen Zeitsprung, um von dort aus mit neuem Elan in die zweite Staffelhälfte aufzubrechen, die zugegebenermaßen in der Summe noch weitaus packender und überzeugender geraten ist als der zunächst überfrachtet und beinahe profan wirkende Auftakt Das Totenbuch des Westens (2.01), der noch dazu mit recht fadenscheinigen Plot-Kniffen die so ungleichen Ermittler zusammenpfercht. Das aber sind kleinere Mängel, die sich im Gesamtkontext der doch überraschend souverän produzierten zweiten Staffel True Detective locker verschmerzen lassen, die mich – wenn sie sich auch zu keinem Moment aus dem Schatten der omnipräsenten Auftakt-Staffel erheben kann – doch in beinahe überraschendem Ausmaß für sich einzunehmen wusste.

Fazit & Wertung:

Die zweite Staffel True Detective versucht sich gar nicht erst an die phänomenale Inszenierung der Vorgängerstaffel anzubiedern und zu einer bloßen Kopie zu verkommen, sondern geht selbstbewusst eigene Wege, was sicherlich mal mehr, mal weniger gut funktioniert, doch trotz gänzlich anderer Atmosphäre und Thematik entfaltet sich dennoch alsbald die gewohnte Sogwirkung, zumal auch hier der Cast wieder rundherum zu begeistern weiß, wenngleich Rachel McAdams und Vince Vaughn in diesem Fall merklich dominieren und jeder für sich eine fulminante Darstellung abliefert, die den zugegebenermaßen übertrieben verworren und kompliziert dargestellten Fall zunehmend in den Hintergrund treten lassen.

8,5 von 10 Fällen von Korruption, Intrige und Verrat

True Detective | Staffel 2

  • Fälle von Korruption, Intrige und Verrat - 8.5/10
    8.5/10

Fazit & Wertung:

Die zweite Staffel True Detective versucht sich gar nicht erst an die phänomenale Inszenierung der Vorgängerstaffel anzubiedern und zu einer bloßen Kopie zu verkommen, sondern geht selbstbewusst eigene Wege, was sicherlich mal mehr, mal weniger gut funktioniert, doch trotz gänzlich anderer Atmosphäre und Thematik entfaltet sich dennoch alsbald die gewohnte Sogwirkung, zumal auch hier der Cast wieder rundherum zu begeistern weiß, wenngleich Rachel McAdams und Vince Vaughn in diesem Fall merklich dominieren und jeder für sich eine fulminante Darstellung abliefert, die den zugegebenermaßen übertrieben verworren und kompliziert dargestellten Fall zunehmend in den Hintergrund treten lassen.

8.5/10
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Episodenübersicht: Staffel 2

01. Das Totenbuch des Westens (7,5/10)
02. Die Nacht findet dich (8/10)
03. Vielleicht morgen (8,5/10)
04. Alles geht nieder (9/10)
05. Andere Leben (8,5/10)
06. Kirche in Trümmern (9,5/10)
07. Schwarzes Land und Motelzimmer (8,5/10)
08. Omega Station (9/10)

 

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True Detective | Staffel 2 ist am 28.01.16 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von Warner Home Video erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

  • Wortman

    Die erste Staffel war ja hammergeil und so war ich auch sehr gespannt auf die 2. Staffel.
    Also mir hat sie sehr gut gefallen. Ich mochte den Stil und die Story hatte auch ihre heftigen Momente 😉
    Über eine 3. Staffel würde ich mich auch freuen…

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