Review: 30 Minuten oder weniger (Film)

Starten wir diesmal die filmische Woche mit einem recht mittelmäßigen Rohrkrepierer, wobei es am Donnerstag noch schlimmer werden wird, aber hey, immerhin für Freitag habe ich dann auch wieder eine echte Empfehlung in petto und irgendwie freue ich mich ja auch immer, wenn mich ein Film mal nicht so überzeugt, auch, um mich selbst davon zu überzeugen, dass ich nicht alles in den Himmel lobe. Lesen kann und sollte man meine Kritik aber natürlich trotzdem, so man das denn möchte.

30 Minuten oder weniger

30 Minutes or Less, DE/CA/USA 2011, 83 Min.

30 Minuten oder weniger | © Sony Pictures Home Entertainment Inc.
© Sony Pictures Home Entertainment Inc.

Regisseur:
Ruben Fleischer
Autor:
Michael Diliberti

Main-Cast:
Jesse Eisenberg (Nick)
Danny McBride (Dwayne)
Aziz Ansari (Chet)
Nick Swardson (Travis)
in weiteren Rollen:
Michael Peña (Chango)
Fred Ward (The Major)

Genre:
Krimi | Action | Komödie

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus 30 Minuten oder weniger | © Sony Pictures Home Entertainment Inc.
© Sony Pictures Home Entertainment Inc.

Nicht nur in den Augen seines besten Freundes Chet ist Nick ein regelrechter Versager, der sich noch immer als Pizza-Lieferant verdingt, dessen Arbeitgeber mit dem bekannten Slogan "30 Minuten oder weniger" wirbt, derweil ansonsten das Essen folglich aufs Haus geht. Entsprechend hat Nick zumindest ein fragwürdig-brenzliges Fahrverhalten entwickelt, dass ihm aber noch von Nutzen sein könnte, denn der durchtriebene Dwayne plant nichts weniger, als seinen vermögenden Vater ums Eck bringen zu lassen, doch da er sich einen Killer nicht leisten kann, erpresst er kurzerhand den arglosen Nick, für ihn eine Bank zu überfallen. Dank der an seinem Körper befestigten Sprengstoffweste bleibt Nick gar nichts anderes übrig, als sich den Forderungen des Erpressers zu beugen und so plant er kurzerhand – gemeinsam mit Chet – seinen ersten Banküberfall…

Rezension:

Nachdem mich Ruben Fleischer mit Zombieland und Ganster Squad ja schon mehrfach mehr als gut zu unterhalten wusste, stand auch schon lange Zeit 30 Minuten oder weniger auf meiner Agenda, den er – ebenfalls wieder unter Beteiligung von Jesse Eisenberg (American Ultra) – zwischen den beiden Projekten abgefilmt hat, doch muss ich gleich vorweg schicken, dass ich mir eine Sichtung wahrscheinlich auch hätte schenken können, denn die Action-Komödie wirkt so dermaßen schablonen- und stümperhaft am Reißbrett entworfen, dass es eine wahre Schande ist. So mutet der Streifen mit einer Laufzeit von gerade einmal 83 Minuten auf den ersten Blick natürlich ziemlich kurzweilig an, doch tatsächlich vergehen zunächst einmal gut zwanzig, sich ziemlich in die Länge ziehende Minuten des Streifens, ohne dass so etwas wie eine Handlung überhaupt in Fahrt kommt und wo andere Regisseure diese Zeit zumindest nutzen, die Exposition ihrer Figuren voranzutreiben, bekommt man hier nur reichlich flache Zoten und rudimentär ausgearbeitete Figuren vorgesetzt, die weder als Sympathieträger noch als ernstzunehmende Bedrohung wahrgenommen werden können.

Szenenbild aus 30 Minuten oder weniger | © Sony Pictures Home Entertainment Inc.
© Sony Pictures Home Entertainment Inc.

So ist es vor allem der äußerst gezwungen wirkende, die meiste Zeit unter die Gürtellinie zielende Humor, der mehr zum Fremdschämen als Lachen einlädt und auch wenn mir bewusst ist, dass es mit Danny McBride (Das ist das Ende) auch gerne einmal etwas derber werden kann, wirkt er hier wie kaum mehr als eine Karikatur seiner Selbst, derweil sich der nur langsam in Fahrt kommende Plot doch als reichlich dümmlich und platt offenbart, denn Wendungen werden hier beinahe ausnahmslos dadurch generiert, dass sich die Figuren ausgesprochen dämlich verhalten, was die Dramaturgie der reichlich durchwachsen wirkenden Chose nun nicht eben veredelt. So kommt auch der versierte Eisenberg nicht wirklich gegen das hanebüchene Drehbuch an und schafft es nur selten, die Kontrolle zumindest zeitweise an sich zu reißen, wobei ihm sein Quoten-Inder und bester Freund Chet – dargestellt von Aziz Ansari – auch nicht eben eine Hilfe ist und in seiner Ausgestaltung haarscharf daran vorbeischrammt, sich rassistische Tendenzen vorwerfen zu lassen, so sehr entspricht er dem Klischee des "typischen Inders".

Immerhin in der zweiten Hälfte erspielt sich 30 Minuten oder weniger schließlich doch noch ein wenig Freiraum und auch wenn die Ereignisse sich zu überschlagen scheinen und ihnen mit Logik kaum noch beizukommen ist, ist es eben genau dieser anarchische Charme, der zumindest ein wenig Boden gut macht und durchscheinen lässt, welch herrlich absurdes Vergnügen Fleischers Fingerübung hätte werden können, doch bis man an diesen Punkt gelangt ist, hat man dermaßen viele Längen in einem derart kurzen Film ertragen müssen, hat man derart viele schlechte Witze und krude zusammengestrickte Plot-Wendungen über sich ergehen lassen, dass es schließlich kaum mehr einen Unterschied macht, wie der Reigen nun zu Ende geht.

Szenenbild aus 30 Minuten oder weniger | © Sony Pictures Home Entertainment Inc.
© Sony Pictures Home Entertainment Inc.

So könnte ich 30 Minuten oder weniger nicht einmal ausgewiesenen Genre-Freunden guten Gewissens ans Herz legen, denn als Action-Komödie versagt der Film sowohl in Sachen Action als auch Humor, wenn auch in beiden Fällen immer mal wieder vielversprechende Einzelszenen vorhanden sind, die in dem wirren Durcheinander aber gnadenlos untergehen und nicht darüber hinwegtäuschen können, dass man es hier anscheinend mit einem filmischen Schnellschuss zu tun hat, der mal eben – und daher reichlich lieblos – zusammengeschustert worden ist und kaum die Halbwertzeit einer in unter einer halben Stunde gelieferten Pizza besitzt, die dem Film auch seinen im Grunde nichtssagenden Namen verleiht. Dergestalt handelt es sich in der Summe um ein reichlich generisches und dementsprechend innovationsarmes Machwerk ohne nennenswerte Stärken, das mit Einschränkungen zwar irgendwie zum einmaligen Genuss taugen mag, in Relation zu seiner Qualität aber beinahe zu viel Zeit in Anspruch nimmt, um dieses Vorhaben noch zu rechtfertigen.

Fazit & Wertung:

Nicht alles, wo Ruben Fleischer draufsteht, muss auch automatisch gut sein, wie 30 Minuten oder weniger beinahe eindrucksvoll unter Beweis stellt, denn auch wenn sich Hauptdarsteller Jesse Eisenberg redlich bemüht, dem Geschehen seinen Stempel aufzudrücken, täuscht doch auch er kaum über das reichlich krude und von wenig witzigen Zoten durchzogene Drehbuch hinweg, das allenthalben nur mit gehörigen Abstrichen für unterhaltsame 80 Minuten taugen kann, womit die Kürze des Films eine seiner größten Stärken darstellt.

4,5 von 10 brenzligen Situationen

30 Minuten oder weniger

  • Brenzlige Situationen - 4.5/10
    4.5/10

Fazit & Wertung:

Nicht alles, wo Ruben Fleischer draufsteht, muss auch automatisch gut sein, wie 30 Minuten oder weniger beinahe eindrucksvoll unter Beweis stellt, denn auch wenn sich Hauptdarsteller Jesse Eisenberg redlich bemüht, dem Geschehen seinen Stempel aufzudrücken, täuscht doch auch er kaum über das reichlich krude und von wenig witzigen Zoten durchzogene Drehbuch hinweg, das allenthalben nur mit gehörigen Abstrichen für unterhaltsame 80 Minuten taugen kann, womit die Kürze des Films eine seiner größten Stärken darstellt.

4.5/10
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