Review: Lights Out (Film)

So, dann gibt es heute mal eine regelrecht untypische Film-Kritik von meiner Seite, denn Horror-Filme sichte ich ja doch eher selten, wobei so richtig heftiger Horror hier auch nicht aufkommt, aber atmosphärisch ist der Streifen durchaus gelungen.

Lights Out

Lights Out, USA 2016, 81 Min.

Lights Out | © Warner Home Video
© Warner Home Video

Regisseur:
David F. Sandberg
Autor:
Eric Heisserer

Main-Cast:
Teresa Palmer (Rebecca)
Gabriel Bateman (Martin)
Billy Burke (Paul)
Maria Bello (Sophie)

Genre:
Horror

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Lights Out | © Warner Home Video
© Warner Home Video

Es ist längst Jahre her, dass Rebecca dem eigenen Elternhaus den Rücken gekehrt und ein kleines Appartement in der Stadt bezogen hat. Als diese allerdings einen Anruf von der Schule bekommt, dass ihr jüngerer Halbbruder Martin vermehrt im Unterricht schlafen würde und allgemein in einem desolaten Zustand sei, nimmt sie sich des Jungen an und sucht gar Kontakt zu ihrer depressiven Mutter Sophie, die im Zwielicht ihres Anwesens ein zurückgezogenes Dasein fristet, unter dem speziell Martin zu leiden hat, denn es scheint, als wären er und seine Mutter in dem Haus nicht allein, woran auch Rebecca sich noch immer erinnert. Immerhin scheint der Hausgast lediglich in völliger Dunkelheit existieren zu können, scheint allerdings mitnichten ortsgebunden, wie Rebecca zu ihrem Entsetzen feststellen muss…

Rezension:

Ich komme ja doch eher selten mit Horrorfilmen in Berührung und auch im Falle des von David F. Sandberg inszenierten, auf seinem eigenen, gleichnamigen Kurzfilm beruhenden Lights Out war es vorrangig die Hauptdarstellerin, in diesem Fall Teresa Palmer, die mich quasi genötigt hat, einen Blick zu riskieren. Entsprechend kann ich mir zwar kein Urteil darüber erlauben, inwieweit der Streifen bei "echten" Horrorfilm-Spezialisten zu zünden versteht, doch mir zumindest hat er durchaus gut gefallen und hielt auch einige Schockmomente parat, wobei der Fokus hier meinem Gefühl nach doch eher auf dem familiären Drama und nicht unbedingt möglichst vielen Suspense-Einlagen liegt, die in Anbetracht der knackigen Laufzeit von kaum über 80 Minuten doch vergleichsweise rar gesät sind. Immerhin vermag der Film aber vom ersten Moment an Spannung aufzubauen und eröffnet auf äußerst atmosphärische Weise den nicht ganz anderthalbstündigen Reigen, der allerdings auch mit jeder weiteren Offenbarung der Hintergründe mehr und mehr an Faszination verliert.

Szenenbild aus Lights Out | © Warner Home Video
© Warner Home Video

Dabei dekonstruieren Sandberg und der für das Film-Drehbuch verantwortlich zeichnende Eric Heisserer das in den Schatten lebende Monster mehr und mehr und verfallen leider insbesondere im letzten Drittel auf den unnötig scheinenden Erklärbär-Modus, denn hier wird wirklich mit dem Holzhammer noch das letzte Quäntchen entmystifiziert und erörtert, bis auch dem unaufmerksamsten Zuschauer wirklich alles klar sein dürfte, was man sich in diesem Umfang wahrlich hätte sparen können. Denn davon abgesehen ist Lights Out tatsächlich wahnsinnig effektiv und bedarf vor allem keiner ausufernden Splatter-Szenen oder eben seitenlanger Erklärungen, um in seinen Bann zu ziehen, zumal man sich natürlich auf eine der Urängste überhaupt – die Angst vor der Dunkelheit und dem, was darin lauern könnte – fokussiert, was für sich genommen quasi schon die halbe Miete ist. Hinzu kommt, dass man sich neben Teresa Palmer (Warm Bodies), die als Rebecca eine charismatische wie eindringliche Vorstellung abliefert, auf die noch weitaus versiertere Maria Bello (Prisoners) als deren Mutter Sophie verlässt, was für einen Horrorfilm schon ein überaus hochkarätiges Schauspieler-Duo ergibt, das den doch eher rudimentär ausformulierten Figuren eine gewisse, zusätzliche Tiefe verleiht.

Womit Lights Out aber tatsächlich bei mir zu punkten verstanden hat, ist das in den meisten Fällen durchaus nachvollziehbare Verhalten seiner Protagonisten, die eben nicht strunzdumm in die nächste Falle tappen und sich einer nach dem anderen dahinmetzeln lassen, sondern die im Rahmen der Genre-Regeln durchaus nachvollziehbar und clever agieren, was allein schon ein großes Plus darstellt. Ansonsten ist Lights Out natürlich vorrangig inszenatorisch formidabel geraten und das Spiel mit den einzelnen Lichtquellen sowie die Darstellung des nur in den Schatten leben könnenden Monsters wissen rundweg zu gefallen, wenn es auch zum Ende hin irritierend sein mag, ein vermeintlich unsichtbares oder zumindest quasi nur aus Schwärze bestehendes Ungeheuer schlussendlich doch in seiner ganzen Pracht präsentiert zu bekommen, doch selbst hierfür gibt es zumindest eine ansatzweise nachvollziehbare Erklärung.

Szenenbild aus Lights Out | © Warner Home Video
© Warner Home Video

So erfindet Sandbergs kleiner, aber feiner Schocker das Genre mitnichten neu und man merkt mehr als einmal, dass hier um einen rund dreiminütigen Kurzfilm verzweifelt eine Geschichte gestrickt worden ist, die sich noch dazu an allerlei Genre-Stereotypen bedient – Anstalt, Folter, wir kennen das – , gleichsam aber eben als das, was sie sein will, wunderbar funktioniert, zumal ich weit seltener die Hände haareraufend an den Kopf krallen musste, als das bei ansonsten weitaus dümmer agierenden Protagonisten oftmals der Fall ist. So man also dem Spiel mit der "klassischen" Angst vor der Dunkelheit etwas abgewinnen kann und sich mit eher wenigen, dafür aber ungemein stimmig inszenierten Schock-Momenten begnügen kann, lohnt sich ein Blick bei diesem routiniert auf die Leinwand gebrachten Horror-Film durchaus, zumal Teresa Palmer-Fans hier ohnehin nichts falsch machen dürften, denn so viel Leinwandzeit hat sie trotz der Kürze des Films bislang selten zugestanden bekommen.

Fazit & Wertung:

David F. Sandbergs Lights Out gelingt das seltene Kunststück, aus einem Kurzfilm einen überzeugenden Spielfilm zu kreieren, wenn dieser mit kaum über achtzig Minuten Länge auch am unteren Ende der Skala rangiert, doch dafür gönnt sich der Film erfreulich wenig Leerlauf. Zwar büßt die Geschichte zunehmend an Faszination ein, je ausufernder und umfangreicher die Erklärungen werden, doch agieren immerhin die Figuren erfrischend intelligent, derweil die Angst vor der Dunkelheit als Aufhänger für die Geschichte überraschend effektiv ist. Trotz Schwächen sicherlich einer der lohnenderen Filme des Genres.

7 von 10 Bewegungen im Dunkeln

Lights Out

  • Bewegungen im Dunkeln - 7/10
    7/10

Fazit & Wertung:

David F. Sandbergs Lights Out gelingt das seltene Kunststück, aus einem Kurzfilm einen überzeugenden Spielfilm zu kreieren, wenn dieser mit kaum über achtzig Minuten Länge auch am unteren Ende der Skala rangiert, doch dafür gönnt sich der Film erfreulich wenig Leerlauf. Zwar büßt die Geschichte zunehmend an Faszination ein, je ausufernder und umfangreicher die Erklärungen werden, doch agieren immerhin die Figuren erfrischend intelligent, derweil die Angst vor der Dunkelheit als Aufhänger für die Geschichte überraschend effektiv ist. Trotz Schwächen sicherlich einer der lohnenderen Filme des Genres.

7.0/10
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Lights Out ist am 15.12.16 auf DVD und Blu-ray bei Warner Home Video erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

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