Review: Alles eine Frage der Zeit (Film)

Kommen wir nun also heute zu der Film-Kritik, die ja eigentlich schon für Dienstag angedacht gewesen ist und der ich mittlerweile den letzten Schliff verliehen habe, damit ich sie auch ohne schlechtes Gewissen veröffentlichen kann.

Alles eine Frage der Zeit

About Time, UK 2013, 123 Min.

Alles eine Frage der Zeit | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Regisseur:
Richard Curtis
Autor:
Richard Curtis

Main-Cast:
Domhnall Gleeson (Tim)
Rachel McAdams (Mary)
Bill Nighy (Dad)
in weiteren Rollen:
Tom Hollander (Harry)
Margot Robbie (Charlotte)

Genre:
Komödie | Drama | Fantasy | Romantik

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Alles eine Frage der Zeit | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Tim führt ein idyllisches wie behütetes Leben auf dem Lande, das keine sonderlichen Überraschungen bereithält, dafür allerdings von familiärem Zusammenhalt und gegenseitiger Fürsorge geprägt ist. An seinem 21. Geburtstag allerdings eröffnet Tims Dad ihm unvermittelt, dass die Männer der Familie die Fähigkeit besitzen, innerhalb der eigenen Lebensspanne in der Zeit zurückzureisen und so Orte und Momente, an denen sie sich befunden haben, erneut aufzusuchen und gegebenenfalls zu verändern. Tim fühlt sich natürlich schlichtweg auf den Arm genommen, doch ein kurzer Praxis-Test zeigt, dass Dad anscheinend die Wahrheit gesagt hat, wenn Tim auch bald lernen muss, dass selbst Zeitreisen nicht alle Probleme lösen, denn die Gunst der hübschen Charlotte kann er dennoch nicht gewinnen, egal zu welcher Zeit er sich wie auch immer ihr gegenüber verhält. Ganz anders sieht es da schon aus, als Tim sich auf das Abenteuer Großstadt einlässt und nach London zieht, denn alsbald lernt er die charmante wie attraktive Mary kennen und verliebt sich Hals über Kopf, muss das erste romantische Aufeinandertreffen allerdings ungeschehen machen, um seinem Mitbewohner aus der Bredouille zu helfen. Doch Tim setzt alles daran, erneut Bekanntschaft mit Mary zu machen, die ihn nun folgerichtig nicht mehr kennt…

Rezension:

Romantische Komödien gibt es bekanntermaßen wie Sand am Meer, wohingegen Zeitreise-Filme schon deutlich seltener anzutreffen sind, derweil es in selten Fällen tatsächlich zu einer Verquickung beider Genres kommen kann, wenn man einmal an die Literatur-Verfilmung Die Frau des Zeitreisenden denkt. Das, verbunden mit dem Umstand, dass hier wie da Rachel McAdams eine der Hauptrollen innehat, hat mich womöglich so lange davon abgehalten, bei Alles eine Frage der Zeit einen Blick zu riskieren, denn auf den ersten Blick sind die Überschneidungen ähnlich frappant wie seinerzeit bei Freundschaft Plus und Freunde mit gewissen Vorzügen. Zu meinem großen Glück aber habe ich ja unlängst meine Sympathie für Domhnall Gleeson (Brooklyn) entdeckt und nachdem nun einige Zeit vergangen war, fühlte ich mich auch bereit, diesem vermeintlichen Nachahmer-Werk eine Chance zu geben, das immerhin von Richard Curtis inszeniert worden ist.

Szenenbild aus Alles eine Frage der Zeit | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Zum Glück, denn wo auf dem Papier die Überschneidungen dominieren, geht Curtis‘ Film vom ersten Moment an in eine gänzlich andere Richtung und liefert eine ungemein warmherzige und liebevoll-detailliert konzipierte britische Komödie ab, in der gar nicht einmal so sehr der RomCom-Aspekt im Vordergrund steht – wenn man auch auf eine erwartungsgemäß schmalzig angehauchte Liebesgeschichte nicht zu verzichten braucht – , sondern die sich recht schnell zur Familien- und Lebensgeschichte unseres Protagonisten Tim mausert, der an seinem 21. Geburtstag von seinem Vater eröffnet bekommt, durch die Zeit reisen zu können, wenn auch nur rückwärts und lediglich an Orte, an denen er selbst auch gewesen ist. Dieser Aspekt der Erzählung öffnet natürlich inszenatorischen Finessen Tür und Tor, denn Tim kommt nicht selten in Versuchung, Momente und Augenblicke im Nachhinein zu veredeln, quasi einen zweiten Versuch zu wagen, was natürlich einige erfrischende und teils urkomische Szenen nach sich zieht.

Dabei spricht es in dem Fall für Alles eine Frage der Zeit, dass der Film auch ohne diesen Clou trefflich funktioniert hätte, doch wäre einem damit natürlich dieser gewisse, spezielle Kniff, der allem innewohnende Zauber entgangen, der Curtis‘ Werk so für sich zu vereinnahmen weiß. Das wird besonders deutlich in den Szenen mit Tims Vater, der von niemand Geringerem als dem großartigen Bill Nighy (Jack and the Giants) verkörpert wird, der bisher noch jeden Film spürbar aufzuwerten wüsste, was auch hier der Fall ist, da seiner affektierten Art eine dermaßen stimmige Natürlichkeit innewohnt, dass niemand sonst einen zeitreisenden Familienvater besser hätte spielen können. Wie sich das aber ebenso für einen Film des Genres gehört, wird der Witz im weiteren Verlauf zugunsten von einer Spur mehr Drama merklich zurückgefahren, denn so ein Leben hält selbst für einen Zeitreisenden seine Hürden und Stolpersteine parat, doch gibt sich dieser Umstand hier weitaus natürlicher und wirkt weniger aufgesetzt, als das oftmals bei Genre-Kollegen wie etwa dem (leider nur) in der ersten Hälfte ungemein überzeugenden The Choice der Fall ist.

Szenenbild aus Alles eine Frage der Zeit | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Last but not least ist aber auch Rachel McAdams als Mary hier gesondert hervorzuheben, die ich früher aus mir unerfindlichen Gründen nie so recht mochte, die sich aber dank True Detective und nun eben hier vermehrt in mein Herz spielt und selten bezaubernder war als hier, wobei auch Margot Robbie (Suicide Squad) als Tims erste große Liebe nicht unerwähnt bleiben sollte, auch wenn sie hier einen eher kleineren Part bekleidet, ebenso wie Tom Hollander (The Night Manager), der immerhin für ein paar garstig-zynische Seitenhiebe verantwortlich zeichnet und das Ensemble nicht minder formidabel abrundet. Fernab der DarstellerInnen aber punktet Alles eine Frage der Zeit auch in inszenatorischer Hinsicht, begeistert mit wunderbar britischem Flair, einem großartigen Soundtrack, der von Pop-Songs um die Jahrtausendwende bis hin zu handgemachtem Singer/Songwriter-Folk reicht, derweil der Clou des Zeitreisens bis zuletzt begeistert, zumal sich der gleichzeitig als Drehbuchautor auftretende Richard Curtis einen schönen Kniff überlegt hat, wie er das Zeitreisen an sich ein wenig zu reglementieren weiß, ohne dass dadurch die Kohärenz des Gezeigten über Gebühr strapaziert würde, derweil man natürlich grundsätzlich ein Auge zudrücken muss, denn die aus Zeitreisen an sich resultierenden Paradoxa werden hier – ebenfalls dem Genre geschuldet – nur am Rande thematisiert, was in Anbetracht der wunderschön-gefühlvollen Geschichte aber auch kaum tangiert, denn dafür ist das Werk viel zu schön, als sich an solchen Kleinigkeiten aufzuhängen.

Fazit & Wertung:

Mit Alles eine Frage der Zeit liefert Richard Curtis eine der ungewöhnlichsten und gleichsam eine der wohl schönsten Liebeskomödien der letzten Jahre ab, die durch den Aspekt des Zeitreisens tatsächlich enorm gewinnt, ohne dass das sich auf die Familien- und Lebensgeschichte von Tim fokussierende Geschehen dadurch über Gebühr dominiert würde. Ein wunderbar einfallsreicher, warmherzig ausgestalteter Filmgenuss ausgesuchter Güte, dem es in den meisten Fällen selbst gelingt, die gängigsten Klischees zu umschiffen, vor allem aber dank seiner liebevoll ausgestalteten Figuren besticht.

8,5 von 10 kleinen, unscheinbaren Zeitsprüngen

Alles eine Frage der Zeit

  • Kleine, unscheinbare Zeitsprünge - 8.5/10
    8.5/10

Fazit & Wertung:

Mit Alles eine Frage der Zeit liefert Richard Curtis eine der ungewöhnlichsten und gleichsam eine der wohl schönsten Liebeskomödien der letzten Jahre ab, die durch den Aspekt des Zeitreisens tatsächlich enorm gewinnt, ohne dass das sich auf die Familien- und Lebensgeschichte von Tim fokussierende Geschehen dadurch über Gebühr dominiert würde. Ein wunderbar einfallsreicher, warmherzig ausgestalteter Filmgenuss ausgesuchter Güte, dem es in den meisten Fällen selbst gelingt, die gängigsten Klischees zu umschiffen, vor allem aber dank seiner liebevoll ausgestalteten Figuren besticht.

8.5/10
Leser-Wertung 10/10 (1 Stimme)
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Alles eine Frage der Zeit ist am 06.02.14 auf DVD und Blu-ray bei Universal Pictures erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

  • Ein toller Film! Auf den habe ich auch schon länger wieder Lust. Ich glaube da muss ich bald einmal wieder reinschauen. Gerade die Kombination Zeitreisen und Romantik fand ich spannend.

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