Review: Community | Staffel 3 (Serie)

Heute freue ich mich ganz besonders über den Serien-Samstag, denn nachdem eine höchst vergnügliche Wiederholungssichtung hinter mir liegt – die allein die Sache schon wert war – geht es nach langer Zeit nun hier auch endlich mit dieser Ausnahmeserie weiter, bei der es mich schon immer gefuchst hat, dass sie hier im Blog nicht längst vollständig vertreten ist.

Community
Staffel 3

Community, USA 2009-2015, ca. 22 Min. je Folge

Community | © Sony Pictures Home Entertainment Inc.
© Sony Pictures Home Entertainment Inc.

Serienschöpfer:
Dan Harmon
Showrunner:
Dan Harmon
Moses Port
David Guarascio

Main-Cast:
Joel McHale (Jeff Winger)
Gillian Jacobs (Britta Perry)
Danny Pudi (Abed Nadir)
Yvette Nicole Brown (Shirley Bennett)
Alison Brie (Annie Edison)
Donald Glover (Troy Barnes)
Chevy Chase (Pierce Hawthorne)
in weiteren Rollen:
Ken Jeong (Señor Chang)
Jim Rash (Dean Pelton)
Richard Erdman (Leonard)
Erik Charles Nielsen (Garrett Lambert)
Dino Stamatopoulos (Star-Burns)
Danielle Kaplowitz (Vicki)
John Goodman (Vice Dean Laybourne)
Michael Kenneth Williams (Professor Marshall Kane)

Genre:
Komödie

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Community | © Sony Pictures Home Entertainment Inc.
© Sony Pictures Home Entertainment Inc.

Ein neues Jahr am Greendale Community College steht bevor und während Jeff kurzzeitig noch davon träumt, wie eine Lerngruppe ohne Pierce sein könnte, ist der natürlich schneller wieder da als ihm lieb sein kann, ganz so wie der Rest der Gruppe, der ein spannendes, aber auch düsteres Jahr bevorsteht, denn durch einen Zufall erschaffen sie – laut Abed – den dunkelsten aller Zeitstränge, derweil Annie zu Troy und Abed in die WG zieht, während die geheime Bruderschaft der Klimaanlagen-Reparateure einen Blick auf Troy geworfen zu haben scheint. Doch als sei dies nicht genug, scheint dem schon immer etwas eigenartigen Chang sein neuer Job beim College-Sicherheitsdienst nicht gerade gut zu tun, steigert er sich schließlich immer mehr in zunehmend wahnhafter werdende Fantasien, während der Studienleiter viel zu sehr damit beschäftigt ist, einen Werbefilm zu drehen, eine Subway-Filiale nach Greendale zu holen oder schlicht Jeff anzuschmachten…

Rezension:

Wie ihr vielleicht wisst oder euch dunkel erinnert, bin ich ein inbrünstiger Fan der großartigen Serie Community und auch wenn ich es in Sachen Reviews bisher nicht über die zweite Staffel hinausgeschafft habe, heißt das natürlich noch lange nicht, dass ich im "Real Life" nicht deutlich weiter wäre mit der Serie und so habe ich jüngst im Schnelldurchlauf eine weitere Wiederholungssichtung der dritten Staffel in Angriff genommen, um endlich auch hierüber einmal berichten zu können, bevor die Erinnerung wieder verblasst oder die einzelnen Staffeln sich vermischen, was einer sorgfältigen Rezension doch immer sehr abträglich ist. Nachdem ich nun aber die dritte Staffel bestimmt zum nunmehr vierten Mal gesehen habe, muss ich doch zunächst einmal festhalten, dass es erstaunlich ist, wie großartig die Witze dennoch funktionieren, wie sehr man sich bei einem Großteil der Folgen schon im Vorfeld freut, wohlwissend, dass einem zwanzig Minuten kultigster und großartigster Fernsehunterhaltung erwarten, derweil ich mehrmals wirklich laut lachen musste, obwohl ich die Gags schon kannte und sogar noch einige Details erhaschen konnte, die mir bislang entgangen waren.

Szenenbild aus Community | © Sony Pictures Home Entertainment Inc.
© Sony Pictures Home Entertainment Inc.

So beginnt die dritte Season Community zwar nicht gerade mit einem Paukenschlag – abgesehen von dem Eröffnungs-Song des Ensembles, der einerseits einen schönen Foreshadowing-Moment für die Glee-Episode Weihnachten mit dem Glee-Club (3.10) darstellt, sich andererseits vor allem aber über Tage als Ohrwurm ins Hirn brennt – und dümpelt in den ersten Folgen beinahe ein wenig vor sich hin, doch spätestens mit Chaostheorie (3.04) läuft die Serie nicht nur zu alter Größe auf, sondern bereitet zeitgleich den Boden für die Einführung des "dunkelsten aller Zeitstränge", der natürlich auch einen bösen Abed mit sich bringt, dessen Figur in dieser Staffel ohnehin mehr denn je zu brillieren versteht, was nicht unmaßgeblich auch am Traumatorium liegen dürfte, dem Imaginations-Ort, den sich Troy und Abed in ihrer Bude eingerichtet haben, um dort beispielsweise die Abenteuer von Inspector SpaceTime zu erleben, der natürlich eine ungemein liebevolle Verballhornung von Doctor Who darstellt, inklusive Blorgons und dergleichen mehr.

Es versteht sich aber auch von selbst, dass auch die obligatorische Halloween-Folge Das Lerngruppenmassaker (3.05) von ausgesuchter Güte ist, doch dauert es ansonsten bis Der Weiberfilm (3.08), bis sich die Serie vollumfänglich zu alter Größe aufschwingt, handelt es sich hierbei um nichts weniger als die Community-Version der Dokumentation Hearts of Darkness zur Entstehung von Coppolas Apocalypse Now: Redux, nur dass es hier eben um die Entstehung eines Werbefilms für das Community College geht, was in gewohnter Manier bis auf die Spitze getrieben wird, derweil eine irritierende Ernsthaftigkeit herrscht, die sich superb mit den absurden Ereignissen bricht, womit es sich um eine der bislang großartigsten Folgen der Serie überhaupt handelt. Schließen sich hiernach einige mehr, einige wenige überzeugende Episoden an, nimmt die Staffel dennoch ab diesem Moment spürbar an Fahrt auf und offenbart mehr und mehr die ungewohnt vielen fortlaufenden Handlungsstränge, die zwar oftmals nur am Rande behandelt und gerne für einige Folgen beiseitegelegt werden, in letzter Konsequenz aber allesamt ihre Bedeutung untermauern werden.

Szenenbild aus Community | © Sony Pictures Home Entertainment Inc.
© Sony Pictures Home Entertainment Inc.

So drehen sich in dieser Staffel Community nicht wenige Folgen um die Frage nach der eigenen Identität, spielen mit der Annahme von Realität und Fiktion oder widmen sich dem Ansatz von Parallel-Universen, was sich bereits in Verfurzte Nationen (3.02) ankündigt. In Kombination mit den Streitigkeiten zwischen Pierce und seinem Vater und dem noch immer zerrütteten Verhältnis von Jeff zu seinem eigenen Erzeuger gibt sich diese Staffel aber auch zuweilen beinahe ernst, wirkt ein wenig düsterer (was auch von Abed selbst des Öfteren unterstrichen wird), womit dem Stoff vielleicht zeitweise die Leichtigkeit der ersten beiden Jahre abhandenkommt, was die Autoren aber zugunsten eines manchmal schwärzeren Humors zu nutzen verstehen. Diesem Credo folgend gibt es in dieser Staffel dann auch erstmalig keine Paintball-Schlacht, die dafür abgelöst wird von der nicht minder fulminant inszenierten Schlacht um Greendale (3.14), bei der die verfeindeten Lager von Blanketsburg und Pillowtown den Campus des College in ein Schlachtfeld verwandeln. Auch hier sprengt Community wieder einmal die Grenzen des Genres und präsentiert sich als Geschichts-Doku besonderer Güte. Dabei handelt es sich zudem um eine von vielen Episoden, die den langsamen Aufstieg von Chang zum übergeschnappten Diktator skizzieren; eine Entwicklung, die ebenfalls die gesamte Staffel umfasst und schließlich in Changs Diktatur (3.21) mündet, sozusagen ein vorgezogenes Staffelfinale, denn da seinerzeit die Einstellung der Serie bereits beschlossene Sache zu sein schien, nutzte man die Final-Folge Duell in der Sonnenkammer (3.22) dann doch lieber für eine Handvoll seichterer Plots, um genügend Zeit zu haben, mit ein paar versöhnlichen Bildern und Einstellungen zu enden, sollte es doch kein Wiedersehen mit der Greendale-Clique geben, was zum Glück nicht der Fall war, auch wenn mit dem Ende dieser Staffel Serienschöpfer Dan Harmon zeitweilig vom Projekt abgezogen – sprich gefeuert – werden würde.

Szenenbild aus Community | © Sony Pictures Home Entertainment Inc.
© Sony Pictures Home Entertainment Inc.

Vor allem aber nutzte man die letzte Episode noch einmal, um auf einer etwas helleren Note zu enden, denn ausgehend von der Auseinandersetzung zwischen Blanketsburg und Pillowtown wird der Plot von Community im dritten Jahr doch noch einmal spürbar düsterer und eben beinahe ernsthaft, denn so erheiternd (und großartig) Episoden wie Das Traumatorium (3.16) auch sein mögen, bergen sie doch auch einen ernsten Kern in sich. Als könne man aber von den kultverdächtigen Episoden nicht genug bekommen, gibt es mit Law & Order: Greendale (3.17) auch noch eine Hommage an die berühmte Krimi-Serie, die nicht minder gut funktioniert als die vielen anderen referenziell geprägten Episoden. Einen Sonderfall in diesem Sujet nimmt derweil Mit Abed auf der Couch (3.19) ein, handelt es sich hierbei schließlich im Grunde um eine Hommage an die vorangegangenen beinahe drei Jahre, womit die Episode ebenfalls in dem Glauben entstanden sein könnte, das Ende könnte nahen. Hier tun sich zwar in Kombination mit der anschließenden Episode Das andere Universum (3.20) leichte erzählerische Dissonanzen auf, doch trotz nicht ganz stimmiger Kontinuität kann man den Serienmachern diesbezüglich kaum böse sein, hauen sie hier schließlich eine beinahe gänzlich als 8 Bit-Computerspiel gestaltete Episode raus, welche die ohnehin vor Highlights strotzende Staffel noch einmal weiter veredelt.

Der allein von dieser Episode ausgehende Kult-Faktor sollte aber ohnehin außerfrage stehen, wenn man berücksichtigt, dass findige Fans das in der Folge gezeigte Spiel Journey to the Centre of Hawkthorne nachgebaut haben ( das man sich auf Project Hawkthorne downloaden kann), derweil der Plot wiederum maßgeblich von Ernest Clines unlängst verfilmten Buch Ready Player One inspiriert worden sein mag, wie sich der IMDb entnehmen lässt. In der Summe lässt sich damit festhalten, dass das dritte Jahr Community im direkten Vergleich vielleicht etwas schleppender in die Gänge kommt und nicht mit jeder Folge den höchsten Standards der oftmals subversivsten, vor allem aber popkulturell breit gefächerten Comedy entspricht, diesen Umstand aber mit einer Fülle an wirklich kultverdächtigen Episoden negiert, die man in der Güte aber auch Menge selten – um nicht zu sagen nie – in einer einzelnen Serienstaffel vereint sieht, womit es sich noch immer um eine der mir liebsten Serien handelt, deren Gesamtbox ich ohne lange zu überlegen auf eine einsame Insel mitnehmen würde (Abspielgeräte vorausgesetzt), denn dank des immensen Abwechslungsreichtums und der grenzenlos sympathischen Charaktere kann man sich jede einzelne Folge immer und immer wieder ansehen und darf gewiss sein, trotzdem aus dem Lachen kaum herauszukommen.

Fazit & Wertung:

In der Summe mag die dritte Staffel Community nicht ganz so schmissig und beschwingt daherkommen wie die zwei vorangegangenen Vertreter der Serie, doch gleichen das die immens vielen kultverdächtigen Episoden im Grunde spielend aus und so reiht sich aus dieses Jahr am Greendale Community College nahtlos in die bislang einzigartig popkulturell versierte Vita dieses Serien-Kleinods.

9 von 10 Human Being Maskottchen

Community | Staffel 3

  • Human Being Maskottchen - 9/10
    9/10

Fazit & Wertung:

In der Summe mag die dritte Staffel Community nicht ganz so schmissig und beschwingt daherkommen wie die zwei vorangegangenen Vertreter der Serie, doch gleichen das die immens vielen kultverdächtigen Episoden im Grunde spielend aus und so reiht sich aus dieses Jahr am Greendale Community College nahtlos in die bislang einzigartig popkulturell versierte Vita dieses Serien-Kleinods.

9.0/10
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Meinungen aus der Blogosphäre:
moviescape.blog: 9/10 Punkte

Episodenübersicht: Staffel 3

01. Die Magie des Tisches (8/10)
02. Verfurzte Nationen (8/10)
03. Todd ist schuld! (8/10)
04. Chaostheorie (9,5/10)
05. Das Lerngruppenmassaker (9/10)
06. Schwulsein für Fortgeschrittene (7,5/10)
07. Die Kunst, umzuziehen (7,5/10)
08. Der Weiberfilm (10/10)
09. Kickerkönige (7,5/10)
10. Weihnachten mit dem Glee-Club (9,5/10)
11. Die Geschäftsidee (7,5/10)
12. Die Doppelgänger (8/10)
13. Kissen oder Decken? (8,5/10)
14. Die Schlacht um Greendale (10/10)
15. Vampire und andere Dämonen (8/10)
16. Das Traumatorium (9,5/10)
17. Law & Order: Greendale (10/10)
18. The Greendale Seven (8,5/10)
19. Mit Abed auf der Coach (10/10)
20. Das andere Universum (10/10)
21. Changs Diktatur (9/10)
22. Duell in der Sonnenkammer (9/10)

 

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Community | Staffel 3 ist am 08.10.15 auf DVD im Vertrieb von Sony Pictures erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

  • Gerade wegen der dunkleren Note vermutlich sogar meine Lieblingsstaffel (hauchdünn vor der zweiten). Und ich bin immer wieder verblüfft, wie oft bis heute von den verschiedensten Menschen (online und im „echten Leben“) auf „Chaostheorie“ und die „dunkelste aller Welten“ angespielt wird …

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