Review: Cut Bank: Kleine Morde unter Nachbarn (Film)

Passend zum Wochenende hier die Kritik zu einem kleinen, feinen, nicht übermäßig großartigen, aber durchaus sehenswerten Thriller. Kommt mir gut in und durch die freien Tage!

Cut Bank
Kleine Morde unter Nachbarn

Cut Bank, USA 2014, 93 Min.

Cut Bank: Kleine Morde unter Nachbarn | © Koch Media
© Koch Media

Regisseur:
Matt Shakman
Autor:
Roberto Patino

Main-Cast:

Liam Hemsworth (Dwayne McLaren)
Teresa Palmer (Cassandra Steeley)
Billy Bob Thornton (Big Stan Steeley)
Bruce Dern (Georgie Wits)
Michael Stuhlbarg (Derby Milton)
Oliver Platt (Joe Barrett)
John Malkovich (Sheriff Vogel)

Genre:
Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Cut Bank: Kleine Morde unter Nachbarn | © Koch Media
© Koch Media

Gemeinsam mit seiner hübschen Freundin Cassandra lebt Dwayne McLaren in dem verschlafenen Örtchen Cut Bank, Montana ein wenig aufregendes, kaum Perspektiven bietendes Leben, doch für die Flucht aus der Heimat fehlt schlichtweg das Geld, was sich allerdings ändern könnte, als er und Cassandra beim Videodreh auf dem Feld zufällig den Mord am hiesigen Postboten auf Film bannen, denn wie es scheint ist die Postbehörde bereit, eine stattliche Summe für diese stichhaltigen Beweise zu zahlen. Der Tod des Postboten bringt es allerdings auch mit sich, dass so einige Sendungen nicht zugestellt werden können, was den einsiedlerischen und verschrobenen Derby Milton aus seinem Bau lockt und plötzlich sieht sich Sheriff Vogel mit einer Reihe zunehmend verstörender werdender Ereignisse konfrontiert, die allesamt ihren Ursprung in dem die Gemeinde erschütternden Mord zu haben scheinen. Doch selbst das ist freilich nur die halbe Geschichte…

Rezension:

Vollmundig wird beim Marketing zu Cut Bank – Kleine Morde unter Nachbarn der Vergleich zu Meisterwerken wie Fargo von den Coen-Brüdern gezogen und auch wenn dieser Vergleich hinkt und der Film sicherlich nicht an die Güte herankommt, ist der Vergleich an sich grundsätzlich nicht von der Hand zu weisen, zeichnet Regisseur Matt Shakman immerhin für zwei Episoden der gleichnamigen, auf dem Film basierenden TV-Serie verantwortlich. Ansonsten aber hat man oft und gerne das Gefühl, der Film würde gerne böser und fieser sein, als er dann letztlich geworden ist, denn während die eigentliche, sich zugegebenermaßen vermehrt zuspitzende Geschichte erst langsam in Fahrt kommt, meint man doch, das Geschehen würde sich ein Stück weit mit angezogener Handbremse abspielen, was leider ein wenig den Verve entkräftet, mit dem man hier zu Werke hätte gehen können, denn die zugrundeliegende Prämisse des Streifens ist, wenn auch nicht grenzenlos neu, doch durchaus geeignet, für die überschaubare Spielzeit von knapp anderthalb Stunden zu fesseln.

Szenenbild aus Cut Bank: Kleine Morde unter Nachbarn | © Koch Media
© Koch Media

Leider aber krankt Cut Bank eben nicht nur daran, dass man aus den großen Vorbildern keinen allzu großen Hehl macht, so dass einem vieles merkwürdig bekannt vorkommt und sich manche der ach so überraschenden Twists schon lange vorher absehen lassen, sondern vor allem an Hauptfigur Dwayne, der schon auf dem Papier nicht unbedingt eine vielschichtige und differenziert ausgestaltete Figur gewesen sein mag, dank der Darstellung seitens Liam Hemsworth aber auch nicht unbedingt an Profil und Charisma gewinnt, was ausgerechnet die Hauptfigur ein wenig blass erscheinen lässt. Nicht besser ergeht es indes Teresa Palmer (Triple 9), die als Dwaynes Freundin Cassandra zunächst einmal nicht nur merklich in dessen Schatten agiert, sondern in ihren wenigen Szenen leider wie das typische Kleinstadtmädchen inszeniert wird, das von Flucht und dem Aufbruch in die große weite Welt träumt. So gesehen sind zwar die Hauptcharaktere nicht gerade spannend geraten und ließen sich beinahe beliebig austauschen, doch wird das zum Glück von dem durchaus abwechslungsreichen und nicht eben spannungsarmen Plot aufgefangen, weit mehr noch aber von den älteren Mimen im Cast, denen man die größere Erfahrung und Routine spürbar anmerkt, so dass sie hier zwar keine darstellerischen Meisterleistungen abliefern, aber routiniert ihr jeweiliges Sujet zu bedienen wissen.

So macht allein John Malkovich (Warm Bodies) in Gestalt des Sheriffs der kleinen Stadt den Film schon zu einem Genuss, derweil sich Billy Bob Thornton (The Informers) in einer zwielichtigen, unterschwellig beinahe bösartig anmutenden Rolle gefällt, derweil beiden von Michael Stuhlbarg (Boardwalk Empire) als eigenbrötlerischer wie psychisch angeschlagener Derby Milton spielend der Rang abgelaufen wird, was Cut Bank unter Berücksichtigung dieses Ensembles wieder zu einer durchaus lohnenswerten Sache macht. Sicherlich sieht man dem Film an, dass es sich nicht eben um eine Big Budget-Produktion handelt, während eben auch an der dramaturgischen Finesse noch gefeilt werden könnte, doch als kleiner fieser Kleinstadt-Krimi mit zunehmend aberwitziger werdendem Plot macht die von Roberto Patino eine durchaus gute Figur, auch wenn es andere, ähnlich geartete Filme geben mag – auch fernab des Coen-Klassikers – die ihr Geschäft besser verstehen mögen.

Szenenbild aus Cut Bank: Kleine Morde unter Nachbarn | © Koch Media
© Koch Media

Immerhin verstehen es Patino und Shakman oftmals durchaus, mit der gewollten Skurrilität ihres Werkes zu kokettieren und Langeweile droht ebenso wenig aufzukommen wie Verdruss, was sich nicht zuletzt an der doch eher spleenig angelegten Rolle von Oliver Platt verdeutlichen lässt, der einige herrliche Manierismen und Marotten an den Tag legt, die seine ansonsten recht schablonenhaft angelegte Figur aufzuwerten verstehen. Entsprechend ist es durchaus nachvollziehbar, dass Cut Bank niemals gesteigerte Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen gewusst hat, doch als feinen, kleinen Thriller kann man dem Werk durchaus eine Chance geben, auch wenn sich der Film wie gesagt ambitionierter gibt, als er letztlich inszeniert ist. Atmosphärisch immerhin braucht er sich vor einschlägigen Genre-Größen kaum zu verstecken und der körnige Look unterstreicht hier den ländlichen Charme ganz wunderbar, während die Tragödie immer breitere Schneisen schlägt.

Fazit & Wertung:

Matt Shakman liefert mit Cut Bank – Kleine Morde unter Nachbarn ohne Frage einen Film ab, der keinen Hehl daraus macht, sich die Coen-Brüder zum Vorbild genommen zu haben, doch fehlt es ihm dadurch mancherorts an einer gewissen Eigenständigkeit, während nicht wenige Parts des Plots merkwürdig bekannt zu sein scheinen, derweil der zunehmend düsterer und blutiger werdende Kleinstadtreigen durchaus stimmig inszeniert daherkommt, während ausgerechnet die von Liam Hemsworth und Teresa Palmer verkörperten Hauptfiguren vergleichsweise blass bleiben. Immerhin das wissen aber die ungleich erfahreneren Mimen in trefflich besetzten Nebenrollen ein Stück weit aufzuwiegen.

6,5 von 10 unerwarteten Mordfällen

Cut Bank – Kleine Morde unter Nachbarn

  • Unerwartete Mordfälle - 6.5/10
    6.5/10

Fazit & Wertung:

Matt Shakman liefert mit Cut Bank – Kleine Morde unter Nachbarn ohne Frage einen Film ab, der keinen Hehl daraus macht, sich die Coen-Brüder zum Vorbild genommen zu haben, doch fehlt es ihm dadurch mancherorts an einer gewissen Eigenständigkeit, während nicht wenige Parts des Plots merkwürdig bekannt zu sein scheinen, derweil der zunehmend düsterer und blutiger werdende Kleinstadtreigen durchaus stimmig inszeniert daherkommt, während ausgerechnet die von Liam Hemsworth und Teresa Palmer verkörperten Hauptfiguren vergleichsweise blass bleiben. Immerhin das wissen aber die ungleich erfahreneren Mimen in trefflich besetzten Nebenrollen ein Stück weit aufzuwiegen.

6.5/10
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