Review: Hannibal | Staffel 3 (Serie)

Und endlich bringe ich mal wieder eine Serie zum Abschluss, auch wenn es traurig ist, dass selbige eingestellt wurde, obschon ich diesmal doch deutlich mehr zu meckern habe als bei den vorangegangenen Lobhudeleien. Aber hey, lest doch einfach selbst!

Hannibal
Staffel 3

Hannibal, USA 2013-2015, ca. 43 Min. je Folge

Hannibal | © STUDIOCANAL
© STUDIOCANAL

Serienschöpfer:
Bryan Fuller
Showrunner:
Bryan Fuller

Main-Cast:
Mads Mikkelsen (Dr. Hannibal Lecter)
Hugh Dancy (Will Graham)
Caroline Dhavernas (Dr. Alana Bloom)
Gillian Anderson (Dr. Bedelia Du Maurier)
Laurence Fishburne (Jack Crawford)
in weiteren Rollen:
Aaron Abrams (Brian Zeller)
Scott Thompson (Jimmy Price)
Richard Armitage (Francis Dolarhyde)
Joe Anderson (Mason Verger)
Rutina Wesley (Reba McClane)
Raúl Esparza (Dr. Frederick Chilton)
Fortunato Cerlino (Insp. Rinaldo Pazzi)
Nina Arianda (Molly Graham)
Katharine Isabelle (Margot Verger)
Lara Jean Chorostecki (Freddie Lounds)
Kacey Rohl (Abigail Hobbs)
Zachary Quinto (Neal Frank)
Eddie Izzard (Dr. Abel Gideon)
Gina Torres (Bella Crawford)

Genre:
Krimi | Horror | Mystery | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Hannibal | © STUDIOCANAL
© STUDIOCANAL

Nach den gleichermaßen schockierenden wie blutigen Ereignissen im Hause Hannibals‘, die ihn nun auch gegenüber der restlichen Welt enttarnt haben, flüchtet sich der distinguierte Kannibale gemeinsam mit Bedelia ins malerische Florenz, doch ob in Amerika oder Italien, die Leidenschaften, die Hannibal umtreiben sind stets die gleichen und so ist es nur eine Frage der Zeit, bis sich auch Will, Jack und Alana wieder an seine Fersen geheftet haben, derweil sich der von Hannibal entstellte Dr. Fredrick Chilton auf eine unheilige Allianz mit Mason Verger einlässt, dem selbiges widerfahren ist und der selbstredend grausamste Rache zu nehmen sinnt. Doch bekanntermaßen hat Dr. Lecter nicht nur einen ausgeprägten Überlebensinstinkt, sondern ist seinen Kontrahenten meist mehrere Schritte voraus, was sich wieder einmal zeigt, als ihm in Italien jemand auf die Schliche zu kommen droht…

Rezension:

Mit reichlich Verspätung ist nun auch die dritte Staffel Hannibal bei mir im Player gelandet und lässt mich schlussendlich mit irritierend ambivalenten Gefühlen zurück, denn einerseits reicht die Staffel gerade zu Beginn nicht annähernd an die in meinen Augen famosen ersten beiden Staffeln heran, fängt sich zum Glück aber nach einigen Folgen, andererseits bietet sie ein überraschend befriedigendes Ende, dafür dass die Serie abgesetzt und eben nicht beendet worden ist, doch wenn ich einmal von der finalen, nachgelagerten Szene in Mondnacht (3.13) absehe, überzeugt das, womit es endet, doch auf ganzer Linie und bleibt in seiner fatalistischen Grundausrichtung dem Tenor der Serie doch ziemlich treu, wenn man einmal darüber hinwegsieht, dass sich hier ja nun logischerweise wenigstens noch die gesamte, aus Das Schweigen der Lämmer bekannte Handlung hätte anschließen müssen. Darüber lässt sich aber spielend hinwegsehen, da doch insbesondere in dieser Staffel, die im Grunde sowohl die Filme (respektive Bücher) Hannibal als auch Roter Drache zum Thema hat, mehr als deutlich wird, dass es sich um eine Neuinterpretation handelt, in der nicht alles ist, wie man es zu kennen meint, auch, was die Chronologie der Geschehnisse anbelangt.

Szenenbild aus Hannibal | © STUDIOCANAL
© STUDIOCANAL

Wahrscheinlich ist das aber auch einer der Störfaktoren der Staffel überhaupt, dass man sich nun weithin bekannten Geschichten widmen "muss", wo noch die ersten beiden Staffeln frank und frei ihre eigenen Geschichten spinnen konnten, zumindest weitaus freier in der Interpretation, als dass nun eben bei bereits geschriebenen beziehungsweise adaptierten Geschichten der Fall ist. Vor allem aber macht sich gerade zu Beginn, grob gesprochen in den ersten drei Folgen eine merkwürdig diffuse Art breit, die dem furios-brachialen Staffelfinale der Vorgängerstaffel absolut keine Rechnung trägt, sich zwar sicherlich hierauf bezieht, dramaturgisch aber doch oft arg vor sich hindümpelt und mit allerhand Traumsequenzen und Wahnvorstellungen unterfüttert wird, die es zwar in der Serie auch früher schon zuhauf gegeben hat, nur eben bis dato nicht so sinnentleert und hohl, wie es hier leider oft der Fall ist. Man schient ein wenig ratlos gewesen zu sein, was die inszenatorische Ausrichtung angeht, weil einem nun – bedingt durch den weiteren Verlauf der Geschichte – doch so einige der Qualitäten abhandengekommen sind, seien es die eloquenten Dialoge zwischen Will und Hannibal, das opulent-künstlerische in Szene setzen der schwelgerischen Art der Essenszubereitung oder eben auch das von mir heiß und innig geliebte Pendel, dass Wills Rückbesinnung an frühere Gräueltaten stets eingeläutet hat.

Szenenbild aus Hannibal | © STUDIOCANAL
© STUDIOCANAL

Apropos Will, hatte ich schon in der zweiten Staffel bemängelt, dass diese so spannende Figur mir für meinen Geschmack zu oft und nachhaltig ihrer Handlungsmöglichkeiten beraubt worden ist und das zieht sich leider auch teilweise durch die dritte Staffel Hannibal, so dass Will Graham beispielsweise in der Auftaktepisode Florenz (3.01) überhaupt nicht in Erscheinung tritt. Das mag natürlich jeder anders sehen und vielleicht ist die Interpretation der Figur durch Hugh Dancy (The Path) nur für mich eines der heimlichen Highlights der Serie, doch merkt man eben deutlich, dass Hannibal als Figur nur halb so interessant ist, wenn ihm nicht ein intellektuell ebenbürtiger Konterpart gegenübergestellt wird. Da hilft dann auch eine mittlerweile zur Hauptfigur beförderte Gillian Anderson als Dr. Du Maurier nicht viel, um die Sache spannender zu gestalten, so dass ich merklich froh war, als trotz der Florenz-Fokussierung zunächst Will und alsbald auch der von Laurence Fishburne dargestellte Crawford wieder "zum Team" gestoßen sind.

Erstmalig so richtig interessant wird es dann aber doch erst in Narben (3.04), wenn der mittlerweile von Joe Anderson (vorher Michael Pitt) verkörperte Mason Verger wieder in Erscheinung tritt, denn plötzlich ziehen sowohl Tempo als auch Spannung an, während der von Mads Mikkelsen (Doctor Strange) noch immer anbetungswürdig interpretierte Kannibale nicht länger zur Untätigkeit verdammt zu sein scheint und endlich wieder durchblicken lassen kann, welch absonderliches wie erbarmungsloses Genie in ihm steckt, was diesen Teil der Handlung schlussendlich in der Episode Eisen und Feuer (3.07) in einem ungemein packenden Halbstaffelfinale kulminieren lässt, dass endlich wieder qualitativ an die besten Teile der vorangegangenen Staffeln gemahnt. Kaum aber, dass man meint, Hannibal würde zu alter Größe zurückfinden, vollzieht sich ein weiterer Bruch in der Handlung und wir springen drei Jahre nach vorn, was den Wiedereinstieg in Spiegelscherben (3.08) doch zuweilen erschwert, wobei Richard Armitage (Der Hobbit) einen durchaus tollen Job als Francis Dolarhyde macht, wenn ihm auch ein bisschen weniger Pathos durchaus gut zu Gesicht gestanden hätte.

Szenenbild aus Hannibal | © STUDIOCANAL
© STUDIOCANAL

Dessen ungeachtet macht aber die zweite Staffelhälfte im direkten Vergleich die weitaus bessere Figur und auch wenn sich vieles geändert haben mag, muss es ja nicht grundsätzlich verkehrt sein, wenn eine Serie sich im steten Wandel befindet, auch, um Ermüdungserscheinungen vorzubeugen, so dass hier das Fehlen der eingangs genannten, stilistischen Mittel nicht annähernd so negativ bemerkbar macht wie zu Beginn des dritten Jahres, was auch daran liegen mag, dass der Rote Drache selbst seine eigene Bildsprache gleich mit im Gepäck hat. Nichtsdestotrotz vermag auch diese Figur nicht so sehr in ihren Bann zu ziehen wie die großen Antagonisten in den ersten Staffeln, weil man eben wie gesagt mit der Geschichte weit vertrauter ist und es irgendwann auch nicht mehr sehen kann, wenn er (mal wieder) mit seinen animierten, halluzinierten Drachenflügeln zu sehen ist. Immerhin – auch das habe ich eingangs erwähnt, wird die Geschichte allerspätestens mit der Finalfolge Mondnacht (3.13) zu einem brachialen, schockierenden, würdigen Ende gebracht, dass mich ein Stück weit versöhnlich stimmt und die Serie in bester Erinnerung halten lässt, auch wenn sie hier doch mehrfach merklich zu schwächeln begonnen hat. Einer möglichen Fortsetzung, über die man aktuell wieder nachzudenken begonnen hat, möglicherweise auch als Das Schweigen der Lämmer-Miniserie (mit gleichem Cast selbstredend) stehe ich aber dennoch offen gegenüber und würde mich allein dahingehend freuen, Mikkelsen und Dancy noch einmal Seite an Seite in ihren kultigen Rollen erleben zu dürfen, denn wenn ich ehrlich sein soll, war es stets die intensive Chemie zwischen den beiden, dich mich an Hannibal fernab optischer Spielereien und blutigster Verstümmelungseinlagen stets am meisten gereizt hat.

Fazit & Wertung:

Die dritte (und bis dato finale) Staffel Hannibal braucht spürbar Zeit, um wieder in den Tritt zu finden, weshalb sie qualitativ hinter ihren Vorgänger-Staffeln merklich hintenansteht, was durch die Aufbereitung bereits bekannter Geschichten hier noch begünstigt wird, doch kaum sind die beiden Hauptakteure wieder auf der Leinwand vereint, zieht die Spannungskurve spürbar an und speziell das Staffel- beziehungsweise Serienfinale hat es mir hierbei angetan, bietet es doch einen befriedigenden Schlussakkord für die wechselseitige Hass-Liebe zwischen Hannibal Lecter und Will Graham.

8 von 10 aufwendig durchkomponierten Menüabfolgen

Hannibal | Staffel 3

  • Aufwendig durchkomponierte Menüabfolgen - 8/10
    8/10

Fazit & Wertung:

Die dritte (und bis dato finale) Staffel Hannibal braucht spürbar Zeit, um wieder in den Tritt zu finden, weshalb sie qualitativ hinter ihren Vorgänger-Staffeln merklich hintenansteht, was durch die Aufbereitung bereits bekannter Geschichten hier noch begünstigt wird, doch kaum sind die beiden Hauptakteure wieder auf der Leinwand vereint, zieht die Spannungskurve spürbar an und speziell das Staffel- beziehungsweise Serienfinale hat es mir hierbei angetan, bietet es doch einen befriedigenden Schlussakkord für die wechselseitige Hass-Liebe zwischen Hannibal Lecter und Will Graham.

8.0/10
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Episodenübersicht: Staffel 3

01. Florenz (7/10)
02. Primavera (7/10)
03. Nakama (7,5/10)
04. Narben (8/10)
05. Im Magen der Bestie (8,5/10)
06. Leichtes Gepäck (8,5/10)
07. Eisen und Feuer (9,5/10)
08. Spiegelscherben (8/10)
09. Roter Drache (8/10)
10. Hinter dem Schleier (8,5/10)
11. Das verlorene Licht (8,5/10)
12. Kind eines Alptraums (9/10)
13. Mondnacht (9,5/10)

 
 
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Hannibal | Staffel 3 ist am 21.01.16 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von STUDIOCANAL erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:


Blu-ray:


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