Review: Nightcrawler – Jede Nacht hat ihren Preis (Film)

Ich freue mich sehr, mit der heutigen Rezension die Woche der guten Filme einzuläuten, denn wieder einmal habe ich ein mehr als glückliches Händchen bei der Film-Wahl bewiesen, was diese Woche zur Folge hat, dass es mit jedem Film noch einmal eine ganze Ecke besser wird und wir fangen direkt mit einem Schmankerl an.

Nightcrawler
Jede Nacht hat ihren Preis

Nightcrawler, USA 2014, 117 Min.

Nightcrawler - Jede Nacht hat ihren Preis | © Concorde Video
© Concorde Video

Regisseur:
Dan Gilroy
Autor:
Dan Gilroy

Main-Cast:
Jake Gyllenhaal (Louis Bloom)
in weiteren Rollen:
Rene Russo (Nina Romina)
Riz Ahmed (Rick)
Bill Paxton (Joe Loder)

Genre:
Krimi | Satire | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Nightcrawler - Jede Nacht hat ihren Preis | © Concorde Video
© Concorde Video

Louis Bloom ist im Grunde ein Kleinkrimineller mit Ambitionen und hält sich mit Bagatelldiebstählen über Wasser, doch seit er einen Online-Wirtschaftskurs absolviert hat, sprüht er nur so vor Ambitionen. Eines Abends, als er zufällig ein Kamerateam beobachtet, das an einer Unfallstelle filmt, sieht er eine Karriere-Chance, denn die Bilder erscheinen am nächsten Morgen im Frühstücksfernsehen und kurzerhand besorgt sich Bloom eine Handkamera und geht in der darauffolgenden Nacht selbst auf die Jagd nach schockierenden Bildern. Bald schon landet Bloom einen ersten Glückstreffer und vermag seine amateurhaften Aufnahmen beim Fernsehen unterzubringen, auch wenn man ihm nahelegt, an seiner Technik und seinem Equipment zu arbeiten. Schnell entspinnt sich eine lukrative Geschäftsbeziehung zwischen Bloom und der Nachrichtenproduzentin Nina Romina, doch Bloom will mehr und ist bereit, einiges für den Erfolg seines Ein-Mann-Startups zu tun…

Rezension:

Kommen wir nun nach Southpaw zu Nightcrawler – Jede Nacht hat ihren Preis, einem weiteren Film aus dem Œuvre von Jake Gyllenhaal, das mir bislang entgangen ist, denn auch wenn es sich hierbei um das Regie-Debüt des vornehmlich als Drehbuchautor in Erscheinung tretenden Dan Gilroy handelt, wird der Film doch spürbar von Gyllenhaals manischem, an unterschwelligen Wahnsinn gemahnenden, intensiven Spiel geprägt, wobei man auch sagen muss, dass sich das Skript – hier ebenfalls von Gilroy – genauso sehen lassen kann und beides zusammen ergibt folglich einen nicht nur hochgradig außergewöhnlichen, sondern vor allem sehenswerten Film, bei dem es zugegebenermaßen zuweilen aber auch an der einen oder anderen Ecke hapert, so gerne ich diesen satirisch-durchkonzipierten Thriller auch als Meisterwerk beworben hätte.

Szenenbild aus Nightcrawler - Jede Nacht hat ihren Preis | © Concorde Video
© Concorde Video

Qualitäten hat Nightcrawler dabei ohne Frage zuhauf, allein angefangen mit der auf Hochglanz polierten Optik des nächtlichen Los Angeles, die immer wieder durch verstörenden Unfall- und Überfall-Szenen aufgebrochen und zudem durch den Handheld-Kamera-Blickwinkel unseres Protagonisten Louis Bloom veredelt wird. Bloom ist dabei aber kein Protagonist im eigentlichen Sinne sondern vielmehr opportunistischer Antiheld, der sich eine Art Zerrbild des amerikanischen Traums zusammenzubasteln beginnt und seine One-Man-Show zunehmend zum marktdurchdringenden Unternehmen auszubauen gedenkt. Hierbei gelingt Gilroy im Übrigen ein Bravourstück der richtigen Töne, denn einerseits spürt man deutlich den Ansatz, das Geschehen zu überspitzen, mit dem sich Bloom in immer waghalsigere Aktionen stürzt, um noch mehr Aufmerksamkeit heischende Bilder, noch mehr Blut und Terror auf Film zu bannen, andererseits kann man sich mehr als gut vorstellen, dass die beteiligten Nachrichtensprecher und -vertreter exakt so auf dergestalt brisantes Material reagieren dürften, wie hier gezeigt, wobei sich die skeptischen Stimmen wortwörtlich als zunehmend leises Flüstern im Rauschen von Blooms immer wahnhafter werdenden Gebaren verlieren.

Einen so offenkundig als Soziopathen einzustufenden Charakter wie Bloom zur Hauptfigur seines Films zu machen, versetzt Gilroy allerdings auch in die Lage, der Gesellschaft ihren Spiegel vorzuhalten, wobei sich hier natürlich Gyllenhaal erneut als Glücksgriff erweist, auch wenn man auf den ersten Blick meinen würde, die Rolle würde ihm überhaupt nicht zu Gesicht stehen, doch geht er völlig im egozentrischen Weltbild von Bloom auf, der wie gesagt das Geschehen jederzeit dominiert, so dass nicht nur die von Rene Russo verkörperte Nachrichtenproduzentin Nina Romina und Blooms Assistent Rick, der wiederum von Riz Ahmed (Centurion) gespielt wird, kaum mehr als Randnotizen darstellen, auch wenn an ihnen besonders deutlich wird, wie der zunehmend skrupelloser werdende Bloom fremde Leben zu zerstören imstande ist, um seine eigenen, zweifelhaften Ziele zu erreichen. Da gelingt es noch am ehesten dem versierten, mittlerweile ja leider verstorbenen Bill Paxton (Edge of Tomorrow), sich in der Rolle des Joe Loder noch ein wenig Gehör zu verschaffen, was aber mehr daran liegt, dass Loder demselben Gewerbe nachgeht wie Bloom, dabei aber die gemäßigten Pfade der Menschlichkeit nicht dermaßen ignoriert, wie es Bloom möglich und zweckdienlich ist.

Szenenbild aus Nightcrawler - Jede Nacht hat ihren Preis | © Concorde Video
© Concorde Video

Wie gesagt, Nightcrawler strotzt vor Qualitäten und bedient sich eines intelligenten, wahnsinnig satirischen und bitterbösen Humors, den er sich selbst auf der ungemein konsequenten – und daher so überzeugenden – Zielgerade bewahrt, doch leider muss man im Gegenzug auch sagen, dass die Ereignisse im Film selber doch tendenziell eher wenig Überraschungen bereithalten und bereits nach kurzer Zeit zumindest in Grundzügen klar ist, wohin die Reise geht. Und auch wenn der Wille zum Exzess gegeben scheint, eskaliert Dan Gilroys Debüt doch nie so richtig und bewahrt sich bis zuletzt eine Contenance, die ein wenig so wirkt, als würde man sich nun doch nicht so richtig trauen, auch noch den letzten konsequenten Schritt zu gehen. So sehr mich Nightcrawler also auch inszenatorisch und thematisch zu überzeugen wusste, so sehr Gyllenhaal erneut zu begeistern weiß, krankt die Geschichte doch ausgerechnet zuweilen an der zwar konsequent und stimmig vorangetriebenen Geschichte, die eben manchmal ins Dümpeln gerät und nie so zu schockieren oder überraschen weiß, dass ich mit Fug und Recht behaupten könnte, es nicht genau so oder so ähnlich bereits geahnt zu haben. Nichtsdestotrotz ein filmisches Kleinod, dem man sich durchaus einmal widmen sollte.

Fazit & Wertung:

Dan Gilroy geht in seinem Regie-Debüt Nightcrawler – Jede Nacht hat ihren Preis ein enormes Wagnis ein, einen waschechten Soziopathen als Hauptfigur in Erscheinung treten zu lassen, doch dank verstörend-wahnhafter Interpretation seitens Jake Gyllenhaal gelingt das Kunststück und fügt sich zu einem ungewöhnlich entschleunigten, dennoch packenden Thriller mit spürbar satirischem Einschlag, dessen Konsequenz einerseits gefällt, der aber in dramaturgischer Hinsicht sicherlich noch ein wenig vielschichtiger und abwechslungsreicher hätte ausfallen können.

8 von 10 nächtlichen Trips durch die Stadt

Nightcrawler – Jede Nacht hat ihren Preis

  • Nächtliche Trips durch die Stadt - 8/10
    8/10

Fazit & Wertung:

Dan Gilroy geht in seinem Regie-Debüt Nightcrawler – Jede Nacht hat ihren Preis ein enormes Wagnis ein, einen waschechten Soziopathen als Hauptfigur in Erscheinung treten zu lassen, doch dank verstörend-wahnhafter Interpretation seitens Jake Gyllenhaal gelingt das Kunststück und fügt sich zu einem ungewöhnlich entschleunigten, dennoch packenden Thriller mit spürbar satirischem Einschlag, dessen Konsequenz einerseits gefällt, der aber in dramaturgischer Hinsicht sicherlich noch ein wenig vielschichtiger und abwechslungsreicher hätte ausfallen können.

8.0/10
Leser-Wertung 8.5/10 (2 Stimmen)
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Meinungen aus der Blogosphäre:
moviescape.blog: 8/10 Punkte

Nightcrawler – Jede Nacht hat ihren Preis ist am 26.03.15 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von Concorde Video erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

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