Review: Sturm des Todes | Giles Kristian (Buch)

Klasse, den ersten Tag die Woche arbeiten und schon ist Mittwoch, Bergfest quasi – so lob ich mir das und gehe deshalb auch besonders beschwingt an die heutige Buch-Kritik, obwohl ich es gestern nicht mehr geschafft habe, einen Film zu rezensieren.

Sturm des Todes
Die Sigurd-Saga 3

Rise of Sigurd: Wings of the Storm, UK 2016, 432 Seiten

Sturm des Todes von Giles Kristian | © Heyne
© Heyne

Autor:
Giles Kristian
Übersetzer:
Wolfgang Thon

Verlag (D):
Heyne
ISBN:
978-3-453-43826-2

Genre:
Historie | Action | Abenteuer

 

Inhalt:

Norwegen, Anno Domini 785: Noch immer befindet sich Sigurd Haraldarson in fremden Gestaden und verdingt sich unter dem Banner Alriks, um dessen frisch eroberte Burg gegen Jarl Guthrum zu halten, doch verliert Sigurd darüber zu keinem Zeitpunkt sein eigentliches Ziel – die Rache an König Gorm – aus den Augen, weshalb er schlussendlich ein todesmutiges Manöver wagt, um Guthrum auszuschalten, doch auch wenn Sigurd der Meinung ist, er stünde in der Gunst des Allvaters selbst, scheint mittlerweile auch der listenreiche Loki seinen Einfluss auf die Geschicke des jungen Wikingers zu nehmen, was ihn und seine Kampfgefährten Floki und Valgerd in arge Bedrängnis bringt. Unterdessen müssen die Freyja-Maiden, bei denen sich auch Sigurds Schwester Runa befindet, erkennen, dass es womöglich Zeit wird, in die Welt zu ziehen und ihre Bestimmung zu erfüllen…

Rezension:

Mit dem jüngst erschienenen Sturm des Todes hat Autor Giles Kristian seine Sigurd-Saga im dritten Band zu einem würdigen Abschluss gebracht und weiß sich erneut gekonnt in bekannten Fahrwassern zu bewegen, so dass ich einerseits nichts dagegen gehabt hätte, wenn die Geschichte um Sigurd Haraldarson noch länger gedauert hätte, andererseits froh bin, dass es hier zu einem stimmigen Ende kommt, ohne dass der Reihe vorher die Puste auszugehen droht, was bei noch weiteren Bänden die beinahe sichere Folge gewesen wäre. Dem ist ja aber zum Glück nicht so und entsprechend punktet der dritte und finale Band noch einmal mit gehörig Spannung und Flair, kommt vor allem aber deutlich zügiger in Fahrt als sein direkter Vorgänger Winterblut, was zum Teil auch daran liegen mag, dass ich dort das vergleichsweise offene Ende bemängelt habe, was hier nun aber in die Lage versetzt, quasi direkt dort anzuknüpfen, wo wir unsere tapferen Recken verlassen haben, in diesem Fall inmitten der Fehde zwischen Alrik und Jarl Guthrum, die zunächst einmal das Geschehen des Bandes dominieren wird.

»Du bist jetzt reich, Sigurd«, fuhr Olaf fort. »Du hast genug Silber, um eine ordentliche Mannschaft zusammenzustellen.«
»Aber nicht genug, um es mit dem Eidbrecher aufzunehmen«, gab Solmund zu bedenken. Und das stimmte, auch wenn es niemandem gefiel, dies zu hören.
»Ich finde, wir können auch hier auf diesem Hügel bleiben und noch mehr Silber verdienen, indem wir für Alrik kämpfen.« Bjarni hob eine Braue. »Es gibt schlimmere Orte zum Wohnen.«

So mag es zwar ein wenig konstruiert erscheinen, wenn Sigurd in der ersten Hälfte des Bandes gleich mehrfach Spielball fremder Mächte wird und schon glaubt, der Segen des Allvaters Odin habe ihn verlassen, ebenso wie sein schier kometenhafter Aufstieg – der natürlich unabdingbare Voraussetzung für ein erwartungsgemäß fulminantes wie episches Finale ist – teilweise doch sehr gehetzt scheint, doch lässt sich durch das vielzitierte Seiðr – Pendant unserer Vorstellung von Magie – eben vieles erklären, ohne dass Kristian auch hier je ins echte Fantasy-Genre abdriftet und man sich ebenso gut auf die Lesart pures Aberglaubens stützen kann. Davon aber einmal abgesehen, lässt sich der Autor auch für seinen finalen Sturm des Todes genügend Dinge einfallen, die das Lesevergnügen gewohnt kurzweilig und stimmig ausfallen lassen, zumal sich auch hier wieder die Geschichte auf zwei, allerhöchstens drei parallel verlaufende Erzählstränge verlässt und dadurch erstaunlich übersichtlich bleibt.

Je näher man dem Ende kommt, umso häufiger darf man aber auch einen Blick auf König Gorm werfen, der bislang ja eher ein gesichtsloses Schreckgespenst in der Reihe war und das, obwohl er derjenige ist, der für den Tod von Sigurds Familie verantwortlich zeichnet und folglich ausgewiesenes Ziel des rachsüchtigen Wikingers ist. Ansonsten findet Kristian durchaus Gefallen daran, Sigurd nebst Valgerd und Floki als schlagkräftiges Dreiergespann auftreten zu lassen, was ich nur begrüßen kann, handelt es sich schließlich schon seit längerer Zeit um die mitunter spannendsten Figuren der Wikinger-Reihe, wohingegen Olaf und Konsorten diesmal ein wenig kurz kommen, was aber eher mit Aufbau und Struktur der Geschichte zu tun hat und durchaus zu verschmerzen ist. Einzig nicht ganz glücklich war ich mit dem Nebenkriegsschauplatz um Sigurds Schwester Runa, die im Vorgängerband bei den Freyja-Maiden auf einer abgelegenen Insel untergebracht worden ist, denn während die Geschichte eine zwar unerwartete Wendung nimmt, wird sie infolgedessen zugunsten eines halbgaren und wenig vom Hocker hauenden Überraschungseffekts über lange Zeit ausgespart, was sich sicherlich auch eleganter hätte lösen lassen.

Es war ein grauer, regnerischer Tag, als Jarl Guthrum seine Krieger zum ersten Mal gegen die Festung schickte. Fünfzig Männer griffen den östlichen Teil der Palisade an, weitere fünfzig den westlichen Abschnitt, und einhundert Krieger rannten gegen den südlichen Teil. Die meisten von ihnen drängten sich vor dem Tor. Sie kamen mit Leitern und Seilen, hatten jedoch offensichtlich nicht die Absicht, auf die Palisaden zu klettern. Stattdessen kamen sie so nahe, dass Alriks Männer keine Wahl hatten, als ihre Speere zu schleudern und Steine zu werfen. Die meisten spalteten ein paar Schilde oder versetzten Guthrums Männern Schnitte und Platzwunden.

Davon aber einmal abgesehen, bedient sich Giles Kristian in Sturm des Todes auch weiterhin einer lebendigen, bildhaften und für sich einnehmenden Sprache – wofür im Fall der deutschen Übersetzung Wolfgang Thon ebenso viel Lob verdient – und bringt die in Götter der Rache begonnene Geschichte zielstrebig und befriedigend zu Ende, auch wenn das eigentliche Finale abgesehen von einigen unerwarteten Zweckbündnissen und einem Verrat, auf den ich selbstredend nicht näher eingehen möchte, kaum größere Überraschungen bereithält, für alle Beteiligten aber dennoch nicht ohne Opfer vonstattengeht und trotz der aufeinandertreffenden Haarscharen eine gewisse Übersichtlichkeit wahrt, die auch hier dem Lesegenuss zum Vorteil gereicht. Mit einer Fortsetzung des Ganzen derweil ist trotz der offenkundigen Möglichkeit hierzu wohl vorerst nicht zu rechnen, doch bleibt abzuwarten, ob sich der Heyne Verlag nun eventuell anschickt, auch Kristians Raven-Saga ins Deutsche zu übersetzen, handelt es sich schließlich bei der Sigurd-Saga wohl um so etwas wie die Vorgeschichte zu den drei Raven-Bänden, was also hinsichtlich neuer Wikinger-Lektüre durchaus hoffen lässt, spielt Sigurd dort schließlich ebenfalls eine nicht unwichtige Rolle wie mir scheint.

Fazit & Wertung:

Mit Sturm des Todes beschließt Giles Kristian seine Sigurd-Saga mit einem Paukenschlag und offeriert im letzten Drittel genau die finale Auseinandersetzung, auf die das Geschehen seit dem ersten Band zugesteuert hat. Dabei begeistert er auf dem Weg dorthin mit gehörig Flair und abenteuerlichen Wendungen, die zwar zuweilen ein wenig konstruiert wirken, dennoch aber reichlich Unterhaltung versprechen, ganz davon abgesehen, dass Sigurd und seine Wikinger-Schar hier einem mehr denn je ans Herz wachsen.

8 von 10 Anbetungen nordischer Gottheiten

Sturm des Todes

  • Anbetungen nordischer Gottheiten - 8/10
    8/10

Fazit & Wertung:

Mit Sturm des Todes beschließt Giles Kristian seine Sigurd-Saga mit einem Paukenschlag und offeriert im letzten Drittel genau die finale Auseinandersetzung, auf die das Geschehen seit dem ersten Band zugesteuert hat. Dabei begeistert er auf dem Weg dorthin mit gehörig Flair und abenteuerlichen Wendungen, die zwar zuweilen ein wenig konstruiert wirken, dennoch aber reichlich Unterhaltung versprechen, ganz davon abgesehen, dass Sigurd und seine Wikinger-Schar hier einem mehr denn je ans Herz wachsen.

8.0/10
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Weitere Details zum Buch und dem Autor findet ihr auf der Seite von Heyne. Dort findet sich übrigens auch eine Leseprobe.

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Sturm des Todes ist am 14.08.17 bei Heyne als Taschenbuch erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über den Link und unterstützt damit das Medienjournal!

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