Review: The Equalizer (Film)

Wieder naht das Wochenende und wieder einmal habe ich einen Film von Fuqua im Gepäck, den ich schon wieder vergleichsweise lange vor mir hergeschoben habe, von dem ich mir zugegebenermaßen auch ein wenig mehr erwartet hatte. Aber hey, gut ist manchmal auch gut genug und immerhin stehen jetzt ja auch wieder die freien Tage vor der Tür, noch dazu mit Messe SPIEL in Essen, auf die es mich auch in diesem Jahr wieder zieht!

The Equalizer

The Equalizer, USA 2014, 132 Min.

The Equalizer | © Sony Pictures Home Entertainment Inc.
© Sony Pictures Home Entertainment Inc.

Regisseur:
Antoine Fuqua
Autoren:
Richard Wenk (Drehbuch)
Michael Sloan (Serien-Vorlage)
Richard Lindheim (Serien-Vorlage)

Main-Cast:

Denzel Washington (Robert McCall)
Marton Csokas (Teddy)
Chloë Grace Moretz (Teri)
David Harbour (Masters)
Bill Pullman (Brian Plummer)
Melissa Leo (Susan Plummer)

Genre:
Action | Krimi | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus The Equalizer | © Sony Pictures Home Entertainment Inc.
© Sony Pictures Home Entertainment Inc.

Robert McCall führt ein Leben, wie es routinierter und gleichförmiger kaum sein könnte, verfolgt tagtäglich die gleichen Abläufe, befindet sich in einem teils minutiös getakteten Trott, der sich auch auf seine Arbeit in einem Baumarkt erstreckt, ebenso wie der abendliche Besuch eines Diners, wo er zuweilen ein paar Worte mit der jungen Prostituierten Teri wechselt. Als die allerdings eines Abends nicht erscheint und McCall erfährt, dass ihr Zuhälter sie anscheinend krankenhausreif geprügelt hat, macht sich der Mann auf den Weg, um Teri von ihrem Peiniger "freizukaufen". Der zeigt sich davon wenig beeindruckt und weist McCall die Tür, ahnt jedoch nicht, dass in dem unscheinbaren und so besonnen wirkenden Mann weit mehr steckt, als man annehmen würde. Als die Polizei die Leichen der Kriminellen findet, fürchtet die prompt einen neu entfachten Bandenkrieg, während die russische Mafia ihren Top-Killer Teddy schickt, um der Übergriffe Herr zu werden. Der wiederum kommt recht bald auf die Spur von McCall, doch der weiß sich bekanntermaßen zu wehren…

Rezension:

So langsam aber sicher arbeite ich mich durch die zunehmend diversifizierter werdende, filmische Vita von Antoine Fuqua und auch wenn ich mich wirklich nicht mehr gut an Training Day, seine erste Kollaboration mit Denzel Washington erinnere, weiß ich doch noch, dass mir der Film seinerzeit doch ausnehmend gut gefallen hat, was alleine schon Grund sein mag, The Equalizer eine Chance zu geben, nachdem mir doch auch die dritte, sich anschließende Zusammenarbeit für das Quasi-Remake von Die glorreichen Sieben schon so imponiert hat. Hier nun bildet die Basis aber eine Achtziger-Jahre-Serie, zu der ich keinerlei Bezüge habe, was mich aber auch ziemlich unvorbelastet an die Sache hat herangehen lassen. Stilistisch und inszenatorisch gibt sich hier Fuqua auch erneut keine Blöße und es weiß zu gefallen, wie er hier in geradezu ruhiger Sachlichkeit einen zugegebenermaßen etwas zu lang geratenen Rache-Thriller inszeniert, dessen Gewaltspitzen dadurch nur umso deutlicher und prägnanter herausstechen.

Szenenbild aus The Equalizer | © Sony Pictures Home Entertainment Inc.
© Sony Pictures Home Entertainment Inc.

Nichtsdestotrotz muss ich leider aber auch festhalten, dass mir hier für meinen Geschmack zu viel am Wegesrand passiert ist, statt dass man sich auf die eigentliche Story konzentriert, denn so schön es ist, Washingtons "Equalizer" zu sehen, wie er hier in unterschiedlichsten Metiers und Lebensbereichen für Ordnung zu sorgen trachtet, lenkt dass doch mehr vom eigentlichen Geschehen ab, als dass es ihm nutzen würde, zumal diese vereinzelten Auseinandersetzungen eben oftmals nur angerissen und selten erneut aufgegriffen werden, was beispielsweise den Part um seinen Arbeitskollegen, dem er zu helfen und den er zu beschützen sucht, tendenziell eher wie Füllmaterial wirken lässt als wie essentiell notwendige Begebenheiten. Ähnlich verhält es sich unter anderem auch mit der in Bedrängnis geratenen Figur von Chloë Grace Moretz (Kick-Ass), denn nachdem anfänglich viel Aufhebens um sie gemacht wird und ihr Part der eigentliche Grund dafür ist, weshalb sich Denzels Figur des Robert McCall aus der Versenkung bequemt und seinen Feldzug startet, glänzt sie nach einer guten halben Stunde vornehmlich durch Abwesenheit und ward bis zum Ende nicht mehr gesehen, was sie als reichlich hohles Plot-Device enttarnt, um die eigentliche Geschichte in Fahrt zu bringen, womit die zwar atmosphärisch, aber eben auch öfter langatmig erzählte erste halbe Stunde merklich hätte gestrafft werden können.

Legt The Equalizer aber erst einmal los, dann gerne so richtig und während die Action-Szenen überraschend hart und brutal geraten sind, zählen sie auch gleichsam – wen wundert es bei dem Genre – zum überzeugendsten, was der Film zu bieten hat. Dabei lässt sich die meiste Zeit spielend darüber hinwegsehen, dass McCall mit beinahe übermenschlichen Fähigkeiten gesegnet zu sein scheint, denn derartige "Spezialisten" ihres Fachs hat man schon mannigfach zu sehen bekommen, weshalb man hier gerne wohlwollend ein Auge zudrücken kann. Das ändert aber eben nichts an der Tatsache, dass Fuquas Film mit einigen Längen daherkommt, die in Relation zur üppigen Spielzeit von rund 130 Minuten nicht hätten sein müssen, denn sein Action-Reißer hätte ohne Frage sogar besser funktioniert, wäre er vielleicht 20 Minuten kürzer ausgefallen. Nun kann man natürlich argumentieren, dass diese ruhigeren Passagen der Figurenentwicklung und Exposition dienen, doch fällt die so rudimentär und klischeehaft aus, dass man sich die Mühe nicht hätte machen müssen, zumal eine Figur wie Robert McCall in meinen Augen sogar am besten funktioniert, wenn man möglichst wenig über sie weiß und man das Gezeigte für sich sprechen lässt, aber das mag natürlich Geschmackssache sein.

Szenenbild aus The Equalizer | © Sony Pictures Home Entertainment Inc.
© Sony Pictures Home Entertainment Inc.

Nicht nur aber die Action-Einlagen und die damit einhergehende Härte lassen über die vorhandenen Längen hinwegsehen, sondern in diesem Fall – neben Denzel Washington selbstredend – Marton Csokas (Into the Badlands), der als Bösewicht Teddy eine wahnsinnig charismatische, vor allem aber auch brandgefährliche Figur macht und die meiste Zeit als wahrhaft ebenbürtiger Gegner in Erscheinung tritt, was der Inszenierung des Films ungemein gut tut, denn nichts wäre hier verwerflicher und störender gewesen, als wenn sich McCall keiner echten Bedrohung gegenübersehen würde und die Fieslinge allesamt zu Lachnummern und Kanonenfutter verkommen würden. Am Ende bleibt es dabei, dass The Equalizer sich inszenatorisch kaum Ausreißer leistet, abgesehen von so übertriebenen, hier bemühten TV-Tropes wie dem Unflinching Walk ("Cool Guys Don’t Look At Explosions"), die man sich ohne Frage hätte schenken können, dafür aber dramaturgisch reichlich durchwachsen daherkommt, weil sich Drehbuchautor Richard Wenk wohl nicht recht entscheiden konnte, wo genau er hier den Fokus setzen will, was der Story leider einiges von ihrem Druck nimmt, der sich in den souverän inszenierten Auseinandersetzungen immer wieder andeutet.

Fazit & Wertung:

Antoine Fuqua offeriert mit The Equalizer einen routiniert und handwerklich solide realisierten Rache-Thriller mit ein paar wirklich handfesten Action-Sequenzen, die sich nicht zu verstecken brauchen, doch bleibt im Gegenzug die Story meistenteils auf der Strecke, was nicht so tragisch wäre, wenn sie sich nicht für so wichtig und tiefschürfend halten würde, dass durch allerlei Nebenkriegsschauplätze der Film auf über zwei Stunden aufgebläht wird, wo ihm doch eine stringentere, deutlich straffere Inszenierung sicherlich weitaus besser zu Gesicht gestanden hätte.

6,5 von 10 umfunktionierten Heimwerker-Geräten

The Equalizer

  • Umfunktionierte Heimwerker-Geräte - 6.5/10
    6.5/10

Fazit & Wertung:

Antoine Fuqua offeriert mit The Equalizer einen routiniert und handwerklich solide realisierten Rache-Thriller mit ein paar wirklich handfesten Action-Sequenzen, die sich nicht zu verstecken brauchen, doch bleibt im Gegenzug die Story meistenteils auf der Strecke, was nicht so tragisch wäre, wenn sie sich nicht für so wichtig und tiefschürfend halten würde, dass durch allerlei Nebenkriegsschauplätze der Film auf über zwei Stunden aufgebläht wird, wo ihm doch eine stringentere, deutlich straffere Inszenierung sicherlich weitaus besser zu Gesicht gestanden hätte.

6.5/10
Leser-Wertung 7.5/10 (2 Stimmen)
Sende

The Equalizer ist am 19.02.15 auf DVD und Blu-ray bei Sony Pictures Home Entertainment Inc. erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

%d Bloggern gefällt das: