Review: Middle of Nowhere (Film)

Und es wird wieder Zeit für eine Film-Kritik, wobei ich mich diesmal noch ein paar weitere Jahre in der Zeit zurückbewegt habe, denn auch der dem heutigen Artikel zugrundeliegende Film schlummerte lange Jahre ungesehen in der Schublade. Morgen, zum Wochenende hin, wird es dafür dann wieder richtiggehend aktuell, aber das werdet ihr dann ja noch früh genug sehen.

Middle of Nowhere

Middle of Nowhere, USA 2008, 95 Min.

Middle of Nowhere | © Alive
© Alive

Regisseur:
John Stockwell
Autor:
Michelle Morgan

Main-Cast:

Eva Amurri (Grace Berry)
Anton Yelchin (Dorian Spitz)
Justin Chatwin (Ben Pretzler)
Willa Holland (Taylor Elizabeth Berry)
Susan Sarandon (Rhonda Berry)

Genre:
Komödie | Drama | Romantik

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Middle of Nowhere | © Alive
© Alive

Grace arbeitet in den Sommermonaten in einem Wasserpark, um irgendwie das College-Geld zusammenzubekommen, nachdem ihre Mutter das Ersparte verschleudert und im Namen der Tochter einen Schuldenberg angehäuft hat, der die Hoffnung auf jedweden Kredit im Keim erstickt. Ebenfalls in dem Vergnügungsbad tätig ist der privilegierte Dorian, der mehr der Auflehnung wegen einem Nebenverdienst als Drogendealer frönt und obwohl Grace sein Tun verurteilt, bietet er womöglich die einzige Chance, das dringend benötigte Geld zusammenzubekommen und endlich aus dem verschlafenen Kaff zu verschwinden, als er ihr anbietet, mit ihm zusammenzuarbeiten…

Rezension:

In meinem Bestreben, mich peu à peu dem filmischen Schaffen des leider viel zu früh von uns gegangenen Anton Yelchin (Star Trek) zu widmen, habe ich mich jüngst an die seit 2011 in meiner Schublade versauernde Scheibe zu Middle of Nowhere – poetisch für "Am Arsch der Welt" – begeben und muss sagen, dass ich doch recht positiv angetan war von der Coming-of-Age-Dramedy, die mich mit ihrer bestechend ungekünstelten Art für sich einzunehmen wusste. Zu großen Teilen lag das zwar einerseits an Yelchin, andererseits aber auch an der mir bislang lediglich aus Californication bekannten Eva Amurri, die hier die eigentliche Hauptrolle spielt. Und ganz ehrlich, hätte ich den Film zu einem früheren Zeitpunkt gesehen, hätte ich ihr eine vielversprechende Karriere prognostiziert (nicht nur, da es sich um die Tochter von Susan Sarandon handelt), doch lässt sich in der Rückschau ja nun schon sagen, dass daraus wohl eher nichts geworden ist.

Szenenbild aus Middle of Nowhere | © Alive
© Alive

Das wiederum lässt aber natürlich nicht auf die Qualitäten des Films schließen und auch wenn Regisseur John Stockwell sich zuvor mit Filmen wie Blue Crush und Into the Blue vornehmlich darauf verlegt hatte, Bikini-Babes abzulichten – ein Umstand, dem er zumindest dahingehend huldigt, dass im Film ein Wasserpark als Dreh- und Angelpunkt zahlreicher Schlüsselszenen dient – gelingt es im tatsächlich überraschend gut, ein glaubhaftes und vor allem unprätentiöses Teenie-Drama zu inszenieren, dass allenthalben mit leisem Humor und fähigen DarstellerInnen besticht, wobei die oben genannte Susan Sarandon (Jeff, der noch zu Hause lebt), die auch im Film als Mutter von Eva Amurris Charakter in Erscheinung tritt, sich die meiste Zeit angenehm zurückhält und ihrer Tochter die Bühne bereitwillig überlässt. Dabei ist es leider ein wenig irritierend, wie nachdrücklich Middle of Nowhere manchmal als Komödie verkauft zu werden sucht, denn auch wenn es witzige Szenen geben mag, überwiegt doch der dramatische Teil bei weitem, so dass man gut damit beraten ist, sich keinen poppig-bunten Feel-Good-Movie zu erwarten, denn damit würde man einerseits dem Film nicht gerecht, andererseits selbst enttäuscht sein.

So ist der Plot um Yelchins aufmüpfigen "Hobby"-Drogendealer Dorian und der dank ihrer verantwortungslosen Mutter in Geldnot geratenen Grace, die notgedrungen gute Miene zum bösen Spiel macht nun nicht eben neu oder außergewöhnlich, aber mit Charme und Natürlichkeit wissen die Akteure hier einiges zu reißen. Dabei sind es nicht einmal hochintelligente und pointierte Dialoge, die zu begeistern wissen, sondern eher das beinahe schon pseudo-dokumentarische Flair, das dem Geschehen anhaftet, welches sich routiniert durch die einzelnen Plot-Points handelt. Wenn es in Middle of Nowhere dann noch zu einer Art Dreiecks-Konflikt zwischen Dorian, Grace und deren jüngerer Schwester Taylor – dargestellt von der durch O.C., California bekannt gewordenen Willa Holland – kommt, droht das Geschehen zwar zuweilen, extrem generisch zu werden, fängt sich aber recht bald und steuert von dort aus selbstbewusst in Richtung emotionales, aber auch nicht überzogen dramatisches Finale.

Szenenbild aus Middle of Nowhere | © Alive
© Alive

Last but not least habe ich persönlich mich sehr über den aus Shameless bekannten Justin Chatwin gefreut, auch wenn er zum eigentlichen Geschehen kaum etwas Substanzielles beiträgt, doch ist das eben nur ein weiteres Mosaik-Teil eines Films, der mit vielen kleinen Stärken und anrührenden Szenen zu punkten versteht, weshalb ich ihn auch allen Freunden einschlägiger Coming-of-Age-Stories durchaus ans Herz legen kann, denn gerade dem Setting des Wasserparks geschuldet musste ich mehr als einmal an beispielsweise Ganz weit hinten denken, auch wenn Stockwells Film dessen Qualität und Güte zu keinem Zeitpunkt auch nur annähernd erreicht. Dennoch, ein schöner, ein intimer, ein ehrlicher Film über das Erwachsenwerden, über die Suche nach dem eigenen Weg, über Liebe und Freundschaft, der auch den hier ebenfalls ungewohnt zurückhaltend agierenden Anton Yelchin in bester Erinnerung behalten lässt. Und da ich es noch nicht erwähnt zu haben scheine, ist es zuletzt der wunderschöne Indie-Soundtrack, unter anderem mit Yankee Bayonet (I Will Be Home Then) von "The Decemberists", der mich allerspätestens für Middle of Nowhere einzunehmen wusste.

Fazit & Wertung:

Regisseur John Stockwell hat sich 2008 mit Middle of Nowhere erfolgreich am Genre der melancholisch gefärbten Coming-of-Age-Stories versucht und setzt nicht nur seine beiden Protagonisten – dargestellt durch Eva Amurri und Anton Yelchin – trefflich in Szene, sondern punktet auch mit schönem Setting und noch schönerem Soundtrack. Zweifellos nicht der große Wurf des Genres, doch ein rundweg sympathischer kleiner Film, der ruhig ein wenig mehr Aufmerksamkeit verdient hätte.

7 von 10 nächtlichen Drogenkurierfahrten

Middle of Nowhere

  • Nächtliche Drogenkurierfahrten - 7/10
    7/10

Fazit & Wertung:

Regisseur John Stockwell hat sich 2008 mit Middle of Nowhere erfolgreich am Genre der melancholisch gefärbten Coming-of-Age-Stories versucht und setzt nicht nur seine beiden Protagonisten – dargestellt durch Eva Amurri und Anton Yelchin – trefflich in Szene, sondern punktet auch mit schönem Setting und noch schönerem Soundtrack. Zweifellos nicht der große Wurf des Genres, doch ein rundweg sympathischer kleiner Film, der ruhig ein wenig mehr Aufmerksamkeit verdient hätte.

7.0/10
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