Review: Preacher | Staffel 2 (Serie)

Da wäre ich auch schon wieder an diesem lauschigen Samstag und offeriere die obligatorische Serien-Kritik, über die ich mich diesmal persönlich wieder sehr freue, denn es war mir lange ein Dorn im Auge, nicht früher (wieder) zu dieser großartigen Serie gekommen zu sein.

Preacher
Staffel 2

Preacher, USA 2016-, ca. 50 Min. je Folge

Preacher | © Sony Pictures Home Entertainment Inc.
© Sony Pictures Home Entertainment Inc.

Serienschöpfer:
Sam Catlin
Evan Goldberg
Seth Rogen
Garth Ennis (Comic-Vorlage)
Showrunner:
Sam Catlin

Main-Cast:
Dominic Cooper (Jesse Custer)
Joseph Gilgun (Cassidy)
Ruth Negga (Tulip O’Hare)
Graham McTavish (The Saint of Killers)
Ian Colletti (Arseface)
Pip Torrens (Herr Starr)
Noah Taylor (Adolf Hitler)
Julie Ann Emery (Lara Featherstone)
in weiteren Rollen:
Malcolm Barrett (F.J. Hoover)
Ronald Guttman (Denis)
Paul Ben-Victor (Viktor)
Justin Prentice (Tyler)
Amy Hill (Ms. Mannering)
Gianna LePera (Tracy Loach)
Tom Brooke (Fiore)

Genre:
Fantasy | Mystery | Drama | Western

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Preacher | © Sony Pictures Home Entertainment Inc.
© Sony Pictures Home Entertainment Inc.

Nach der Vernichtung von Annville im Windschatten der dem Ort den Rücken kehrenden Weggefährten begeben sich Jesse Custer, sein vampirischer Kollege Cassidy und Jesses frühere Flamme auf einen Road-Trip der ganz besonderen Art, gilt es schließlich, niemand Geringeren als Gott zu finden. So wenig sie aber zu diesem Zeitpunkt von Annvilles Zerstörung wissen, ahnen sie auch nicht, dass der aus der Hölle emporgekommene Heilige der Killer sich unlängst an ihre Fersen geheftet hat. So verschlägt es die drei ungleichen Gestalten zunächst nach Vegas und später New Orleans, bis eine Konfrontation mit Jesses‘ Nemesis unausweichlich scheint, während die Suche nach Gott im Sande zu verlaufen droht. Eugene derweil – besser bekannt als "Arseface" hat es wortwörtlich in die Hölle verschlagen, wo er ausgerechnet Hitler begegnet, der allerdings so gar nicht wirkt wie der hasserfüllte Diktator aus den Geschichtsbüchern…

Szenenbild aus Preacher | © Sony Pictures Home Entertainment Inc.
© Sony Pictures Home Entertainment Inc.

Rezension:

Es hat zwar diesmal auch wieder ein wenig länger gedauert mit der Sichtung der zweiten Staffel Preacher, doch als ich erst einmal damit begonnen hatte, mich erneut der Serie zu widmen, rauschte ich nur so durch die diesmal erfreulicherweise dreizehn Episoden (statt vorher zehn) umfassende Staffel um den Prediger und dessen unwahrscheinliche Gefährten, die sich nun eben aus dem konsequenterweise komplett zugrunde gerichteten Örtchen Annville aufgemacht haben, die weite Welt zu bereisen und Gott zu suchen. Dabei geht es vom ersten Moment an gewohnt brachial wie brutal zur Sache und die Adaption des gleichnamigen Kult-Comics von Garth Ennis ergötzt sich auch diesmal wieder daran, herrlich politisch unkorrekt zu sein und vor allem einen beißend satirischen Blickwinkel auf den christlichen Glauben zu werfen, womit die Serie natürlich für Strenggläubige schnell ein Dorn im Auge sein dürfte, doch scheint es extrem unwahrscheinlich, dass Selbige es überhaupt bis hierher – also zum Beginn der zweiten Staffel – geschafft haben, wohingegen man als geneigter Freund dieser subversiven Ausrichtung natürlich genau weiß, was einen erwartet und die Serie womöglich für exakt diese Qualitäten zu schätzen weiß.

Szenenbild aus Preacher | © Sony Pictures Home Entertainment Inc.
© Sony Pictures Home Entertainment Inc.

Nun, von der als Road-Trip beginnenden Chose verschlägt es die "drei Freunde", nachdem die erste Folge erzählerisch noch etwas auf der Stelle tritt, zunächst einmal nach Vegas, wo man sich auf ein kurzes, aber umso schöneres Wiedersehen mit dem Engel Fiore freuen darf, der sich in der Glitzermetropole unlängst zum angesagten Magier aufgeschwungen hat, der sich tagein tagaus über den Haufen schießen, köpfen, durchsägen oder auf andere stilvolle Art töten lässt, um schnurstracks erneut hinter dem Vorhang hervorzukommen, denn wir erinnern uns, dass Engel nicht sterben können und allein diese Idee verdient schon größten Applaus und macht Mumbai Sky Tower (2.02) zu einer frühen, extrem unterhaltsamen Episode der Staffel, die ansonsten natürlich zunächst einmal darauf fokussiert, dass unser Prediger vom in der ersten Staffel von langer Hand eingeführten "Heiligen der Killer" gejagt wird, der als Badass-Cowboy mit übermenschlichen Kräften eine wirklich schmucke Figur macht, was natürlich in gleichem Maße Graham McTavish zu verdanken ist, den man ansonsten vielleicht noch als Zwerg Dwalin aus Der Hobbit kennen könnte. Vor allem aber verkommt aus der Hölle Emporgestiegene nicht zum zweidimensionalen Fiesling, sondern bekommt über seine bereits umrissene Vita hinaus hier noch mehrere Rückblenden und dergleichen spendiert, um ihn als Figur stimmig und vielschichtig erscheinen zu lassen.

Szenenbild aus Preacher | © Sony Pictures Home Entertainment Inc.
© Sony Pictures Home Entertainment Inc.

Von Vegas wiederum aber geht es in der darauffolgenden Episode – der Titel Willkommen in New Orleans (2.03) verrät es bereits – schnurstracks nach New Orleans, was eine mehr als dankbare Kulisse für eine Geschichte dieser Art bietet, während die Suche nach Gott hier das erste Mal richtig in Fahrt kommt und Jesse in mehr als zwielichtige Ecken der Stadt verschlägt, was für sich genommen erneut die Grenzen des guten Geschmacks auslotet, aber das ist eben auch eines der Alleinstellungsmerkmale von Preacher, das ich nicht missen möchte. Ansonsten begnügt sich die zweite Staffel mitnichten damit, die Versatzstücke "Suche nach Gott" und "Heiliger der Killer" zu einem diffusen Brei zu verrühren, sondern macht gleich mehrere Nebenhandlungen auf, was einerseits eine Parallelhandlung in der Hölle nach sich zieht, wo wir nicht nur "Arseface" Eugene erneut begegnen, sondern auch niemand Anderem als Adolf Hitler, der in diesem Fall von dem seit jeher großartigen Noah Taylor (Powers) gespielt wird, worüber ich persönlich mich sehr gefreut habe und was ebenfalls wieder unterstreicht, was die Macher sich zu trauen bereit sind, denn eine Person wie Hitler zur handelnden Figur in einer Serie zu machen erfordert schon gehörigen Schneid, derweil man sich als Zuschauer eben nicht allzu schnell auf den Schlips getreten fühlen sollte.

Szenenbild aus Preacher | © Sony Pictures Home Entertainment Inc.
© Sony Pictures Home Entertainment Inc.

So kam es beispielsweise auch, dass ich, nachdem ich die Handlung der Staffel und einige der skurrileren Passagen kurz umrissen hatte, mir die Frage anhören musste, wie ich so etwas denn gut finden könne und ob ich mir da wirklich sicher sei, aber auch das spricht ja im Grunde für die Serie, die sich einerseits für nichts zu schade ist und sich an Absonderlichkeiten ein ums andere Mal selbst zu übertreffen weiß, dabei aber nie stumpf oder zotig zu werden droht, sondern selbstbewusst den gewählten Pfad weitergeht. In diesem Kontext wissen dann auch die Stelldicheins mit dem Papst, Jesus und dessen Enkel in der fünfundzwanzigsten Generation zu gefallen, wobei ich in dem Zusammenhang gar nichts vorwegnehmen möchte, denn all diese Dinge sollte man wirklich selber gesehen haben, auch um sie glauben zu können. Davon abgesehen teilt sich Preacher – wie heutzutage oft und gerne üblich – in zwei große Teile, so dass es bereits in der Episode Sokoasha (2.06) zu einer Art Halbstaffelfinale kommt, an dessen Qualität sich alles Weitere messen lassen muss. Dabei wird zwar schnell deutlich, dass die zweite Staffelhälfte im direkten Vergleich mit spürbar weniger echten Highlights aufzuwarten weiß, doch versöhnt allein die effektvolle Einführung der Figur des Herrn Starr in der Folge Pig (2.07) dafür ein Stück weit, zumal der Charakter seitens Pip Torrens (der bereits in Fleming gemeinsam mit Dominic Cooper gespielt hat) so herrlich trocken und stoisch dargestellt wird, dass es eine wahre Freude ist.

Preacher | Zeichnung von Wulf Bengsch

Weniger Highlights bedeutet nämlich mitnichten, dass Preacher in der zweiten Hälfte schwach oder schlecht werden würde, denn dank der mutigen wie kompromisslosen Inszenierung bewegen wir uns auch hier auf hohem Niveau, auch wenn das auf den ersten Blick das falsche Wort zu sein scheint, um eine Serie wie diese zu umschreiben. Nicht nur aber dank der Figur des Cassidy strotzt im Übrigen auch diese Staffel wieder vor popkulturellen Anspielungen und ist nicht nur in dieser Hinsicht ein wahres Fest, derweil auch der diesmal wieder nicht zu unterschätzende Splatter-Anteil zu gefallen weiß, wenn man so etwas denn mag natürlich nur. Last but not least – ich erwähnte ja die Nebenhandlungen bereits – nutzt man die zur Verfügung stehende Zeit in dieser Staffel, auch ein wenig mehr auf die Hintergründe von Jesse und Tulip einzugehen, was deren gemeinsame Vergangenheit wie auch Jesses‘ Kindheit anbelangt, derweil Cassidy in New Orleans eine mehr als merkwürdige Begegnung macht, die seinen Charakter alsbald ebenfalls in einem ungewohnt neuen Licht erscheinen lässt. So ist es in meinen Augen fernab der absurd-einfallsreichen Handlung, der freudvoll-blutigen Action-Einlagen und des schwarzhumorig-subversiven Charmes eine der größten Stärken der Serie, dass deren drei Hauptfiguren Jesse, Tulip und Cassidy sich nicht nur gegenseitig bedingen und entwickeln, sondern vor allem eine unerwartet emotionale Komponente dem Reigen beimischen, was nicht nur, aber vor allem das Staffelfinale Am Ende des Weges (2.13) regelrecht schockierend geraten lässt, weshalb ich – wieder einmal – mehr als froh bin, dass eine dritte Staffel längst geordert worden ist.

Fazit & Wertung:

In der zweiten Staffel beschreitet Preacher neue Wege und emanzipiert sich vom ersten Moment an von der gediegenen Kleinstadt-Atmosphäre der ersten Staffel, während die begonnene Geschichte konsequent und voller subversiver, beißend-satirischer Ideen fortgeführt und um weitere Facetten und Nuancen ergänzt wird. Fernab der drei Haupt-Charaktere wissen dabei auch die Nebenschauplätze zu gefallen und lassen schon jetzt gespannt der dritten Staffel entgegenfiebern, denn nicht nur das Finale lässt einiges an Fragen offen. Erneut also eine herrlich unkorrekte, kompromisslose und zuweilen mit ein wenig Splatter kokettierende Staffel, die fernab des Mainstream selbstbewusst ihre eigenen Wege geht.

8,5 von 10 durch das "Wort Gottes" manipulierten Menschen

Preacher | Staffel 2

  • Durch das "Wort Gottes" manipulierte Menschen - 8.5/10
    8.5/10

Fazit & Wertung:

In der zweiten Staffel beschreitet Preacher neue Wege und emanzipiert sich vom ersten Moment an von der gediegenen Kleinstadt-Atmosphäre der ersten Staffel, während die begonnene Geschichte konsequent und voller subversiver, beißend-satirischer Ideen fortgeführt und um weitere Facetten und Nuancen ergänzt wird. Fernab der drei Haupt-Charaktere wissen dabei auch die Nebenschauplätze zu gefallen und lassen schon jetzt gespannt der dritten Staffel entgegenfiebern, denn nicht nur das Finale lässt einiges an Fragen offen. Erneut also eine herrlich unkorrekte, kompromisslose und zuweilen mit ein wenig Splatter kokettierende Staffel, die fernab des Mainstream selbstbewusst ihre eigenen Wege geht.

8.5/10
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Episodenübersicht: Staffel 2

01. Auf der Suche nach Gott (8,5/10)
02. Mumbai Sky Tower (9/10)
03. Willkommen in New Orleans (8,5/10)
04. Viktor (8/10)
05. Dallas (8/10)
06. Sokoasha (9/10)
07. Pig (8,5/10)
08. Das Loch im Boden (8/10)
09. Puzzle Piece (8/10)
10. Der Messias (8/10)
11. Die Hintertür (8/10)
12. Auf die Knie (8/10)
13. Am Ende des Weges (8,5/10)

 
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Preacher | Staffel 2 ist seit dem 26.06.17 exklusiv bei Amazon Prime Instant Video verfügbar und erscheint am 23.11.17 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von Sony Pictures. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

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