Review: White Gold | Staffel 1 (Serie)

Eigentlich wollte ich ja heute über eine ganz andere Serie berichten, doch hätte das auch bedeutet, dass ich meine Meinung zu White Gold ein weiteres Mal nach hinten verschoben hätte und so richtig richtig wäre das ja auch nicht gewesen, achte ich schließlich bei Filmen auch darauf, sie weitestgehend chronologisch zu rezensieren. Daher also heute nun erst einmal ein paar Worte zu:

White Gold
Staffel 1

White Gold, UK 2017-, ca. 29 Min. je Folge

White Gold | © BBC
© BBC

Serienschöpfer:
Damon Beesley
Ausführende Produzenten:
Caroline Leddy
Iain Morris
Gregor Sharp
Simon Wilson

Regisseur:
Damon Beesley
Autoren:
Damon Beesley (1.01-1.06)
Joe Thomas (1.02)
Chris Niel (1.05)

Main-Cast:
Ed Westwick (Vincent Swan)
James Buckley (Brian Fitzpatrick)
Joe Thomas (Martin Lavender)
in weiteren Rollen:
Linzey Cocker (Sam Swan)
Lauren O’Rourke (Carol)
Nigel Lindsay (Tony Walsh)
Lee Ross (Ronnie)
Jack Doolan (Andrew Davies)
Lorraine Bruce (Miss Barnes)
Saffron Hocking (Miss Lyndsey)

Genre:
Komödie

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus White Gold | © BBC
© BBC

Es sind die Mitte der Achtziger, Essex, England: Vincent Swan als gleichermaßen opportunistischer wie skrupelloser Emporkömmling ist über Umwege zum Verkäufer für Doppelverglasungen bei Cachet Windows aufgestiegen und schreckt mit seinen beiden Kollegen Fitzpatrick und dem früheren Musiker Lavender vor kaum einem Trick zurück, um seine maßlos überteuerten Produkte an den Mann oder die Frau zu bringen. Dabei ist Swan ein regelrechter Emporkömmling und will sich mit seiner Stellung in der Firma mitnichten begnügen, glaubt sich selbst zu Höherem berufen und will dereinst in der Oberliga der Verkäufer mitspielen. Das bringt es nicht nur mit sich, dass er es nicht einsieht, auf sein hartverdientes Geld auch noch Steuern zu zahlen, nein, auch ausschweifende Eskapaden mit Drogen und Alkohol sowie das Betrügen seiner Frau mit der Lehrerin des gemeinsamen Sohnes gehören für ihn schon beinahe zum guten Ton…

Rezension:

Seit etwas mehr als zwei Monaten ist die von BBC produzierte Comedy-Serie White Gold auch hierzulande bei Netflix verfügbar und allein aus dem Umstand heraus, dass ich es bis vor kurzer Zeit kaum für möglich gehalten hätte, dass es einmal eine 80er-Jahre-Salesman Serie über den Vertrieb von Doppelverglasungen geben würde, musste ich hier einen Blick riskieren, ganz davon abgesehen, dass schon der Trailer einen bissig-satirischen Blick auf die Branche und Zeit versprach. Hauptdarsteller Ed Westwick, den man vornehmlich aus Gossip Girl kennen könnte oder dürfte, tut hierbei das Übrige, kauft man ihm den schlitzohrigen und gänzlich durchtriebenen, moralisch verkümmerten Verkäufer ohne Skrupel und Gewissen schließlich vom ersten Moment an ab. Dieser Punkt verstärkt sich noch dadurch, dass man sich auch hier – wie immer noch selten der Fall in Serien – des Stilmittels bedient, die vierte Wand zu durchbrechen und Westwicks Figur Vincent Wan zum Publikum sprechen zu lassen. Ein Kniff, der so gesehen dringend nötig war, um eine Verbindung zum Zuschauer zu suggerieren, denn als Sympathiefigur taugt der unumwunden opportunistische Vincent in keiner Weise, so dass einzig die Chance bleibt, sich von seinem aalglatten Gerede einlullen zu lassen.

Szenenbild aus White Gold | © BBC
© BBC

Dennoch dürfte zu keinem Zeitpunkt ein Zweifel darüber aufkommen, dass so ziemlich alles, was Vincent anfängt, zutiefst verkommen ist, was sich nicht nur auf seine berufliche Laufbahn, sondern gleichwohl auf sein Privatleben bezieht, doch ist Zeil der Serie natürlich auch sicher nicht, Vincent Swan den Sympathie-Award gewinnen zu lassen, sondern zu unterhalten und dank spitzbübischem Charme gelingt das insbesondere in der ersten Episode Vertreter sind wie Vampire (1.01) wirklich gut, so dass der Auftakt durchaus als vielversprechend zu bezeichnen ist, doch obwohl die Serie sich White Gold schimpft, als Synonym für den weißen, "wertvollen" Stoff, aus dem die Fensterrahmen bestehen, entfernt sich die Serie bereits ab der zweiten Folge von ihrem vermeintlichen Thema, auch wenn natürlich das Fortkommen der Firma auch immer mal wieder Thema sein mag. So dreht es sich aber vermehrt um Vincents Affären, seine beiden Kollegen Brian Fitzpatrick und Martin Lavender (dargestellt von dem aus The Inbetweeners bekannten Duo James Buckley und Joe Thomas) und deren eigene Eskapaden, was zwar für sich genommen auch meist unterhaltsam sein mag, aber nicht unbedingt dem entsprach, was ich mir von der Serie erwartet habe.

Hinzu kommt, dass manche der vermeintlichen Gags durchaus übers Ziel hinausschießen oder nur leidlich zu zünden wissen, wodurch sich mit Eine sexuelle Achterbahnfahrt (1.02) an den vielversprechenden Beginn prompt der Tiefpunkt der Staffel anschließt, was aber wieder einmal – wir sprechen hier ja schließlich von Humor – vornehmlich Geschmackssache sein dürfte. Mir persönlich war allerdings mit zunehmender Laufzeit von White Gold weit weniger zum Lachen zumute, wenn überhaupt zum Schmunzeln, während mich der Fortgang der Geschichte zwar durchaus interessierte, aber nur leidlich zu fesseln wusste. Insbesondere für eine auf lediglich sechs Episoden ausgelegte erste Staffel hat sich die BBC-Produktion für meinen Geschmack zu schnell zu weit von ihrem eigentlichen Sujet entfernt und im gleichen Atemzug spürbar zu viel Material in diese "kleine" Staffel gepackt, denn einerseits strebt Swan beruflich nach oben, verhebt sich mit seinen Plänen, unterhält eine Affäre, setzt seine Ehe aufs Spiel, überwirft sich sowohl mit seinem Arbeitgeber als auch seinen Kollegen und befindet sich zu allem Überfluss auf der Flucht vor dem Finanzamt. Und inmitten all dieser Eskapaden findet man noch die Zeit, auch Fitzpatrick und Lavender kleinere Handlungsstränge zukommen zu lassen, die durchaus zu unterhalten wissen (bis auf die bewusst überzogenen Storyline in der besagten zweiten Folge). Dennoch wirkt die Staffel mit all diesen Ansätzen eben oft und gerne ein wenig überladen und egal, ob man manche der Geschichten für die zweite Staffel aufbewahrt hätte oder die erste Staffel stattdessen länger gemacht hätte, beides wäre ein besserer Weg gewesen, als anscheinend so wenig Vertrauen in die eigentliche Prämisse der Show zu setzen, dass man so viele Nebenbaustellen eröffnet, dass der eigentliche Kern der Show zunehmend ins Hintertreffen gerät.

Szenenbild aus White Gold | © BBC
© BBC

So waren die Verkaufsgespräche, Vincent Swans an den Zuschauer gerichtetes, arrogantes Sinnieren über die Branche, seine verqueren Ansichten im Allgemeinen und der teils zynische Unterton die eigentlichen Highlights der Staffel, doch gab es davon schlicht zu wenig, womit sich White Gold nach anfänglichem Straucheln im zwar sehenswerten und durchaus unterhaltsamen, aber auch selten wirklich außergewöhnlichen oberen Mittelfeld platziert, was wiederum mehr den eigenwilligen Figuren zu verdanken ist als den mitunter doch sehr konstruiert und gehetzt wirkenden Storylines. Die im kommenden Jahr startende zweite Staffel würde ich mir auf alle Fälle ansehen, doch nur verbunden mit der Hoffnung, dass man dort vielleicht einen etwas homogeneren Erzählton findet, denn so viel Potential die Serie auch bietet, so routiniert sie auch produziert worden ist, wäre hier doch noch einiges an Potential zu schöpfen, das bislang ungenutzt brachliegt. Der nostalgische Blick auf die Eighties immerhin weiß rundweg bei der Stange zu halten und ist ausnehmend gut gelungen, wenn ich allein an die Anschaffung eines Computers in Vincents Firma denke, der mehr Konfusion und Unsicherheit mit sich bringt, als die Arbeit wirklich zu erleichtern. Solche Perlen finden sich inmitten des leider oft ein wenig kruden Humors deutlich zu selten, lohnen aber in Kombination mit den anderen Qualitäten zumindest das probeweise Einschalten.

Fazit & Wertung:

Die BBC-Comedy White Gold startet vielversprechend, flacht aber schnell ab und bedient sich leider häufiger eines doch sehr vulgären und zotigen Humors, statt sich auf die eigentlichen Qualitäten der Serie zu verlassen, wie etwa das opportunistische Verhalten der windigen Vertreter und nicht zuletzt das Durchbrechen der vierten Wand seitens Hauptfigur Vincent Swan. Unterhaltung bietet die erste Staffel ohne Frage, doch ist hier qualitativ noch spürbar Luft nach oben.

6,5 von 10 verkauften Doppelverglasungen

White Gold | Staffel 1

  • Verkaufte Doppelverglasungen - 6.5/10
    6.5/10

Fazit & Wertung:

Die BBC-Comedy White Gold startet vielversprechend, flacht aber schnell ab und bedient sich leider häufiger eines doch sehr vulgären und zotigen Humors, statt sich auf die eigentlichen Qualitäten der Serie zu verlassen, wie etwa das opportunistische Verhalten der windigen Vertreter und nicht zuletzt das Durchbrechen der vierten Wand seitens Hauptfigur Vincent Swan. Unterhaltung bietet die erste Staffel ohne Frage, doch ist hier qualitativ noch spürbar Luft nach oben.

6.5/10
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Episodenübersicht: Staffel 1

01. Vertreter sind wie Vampire (7/10)
02. Eine sexuelle Achterbahnfahrt (6/10)
03. Unheimliche Begegnung (6,5/10)
04. Der Widow Maker (7/10)
05. Der Geruch der Schwäche (6,5/10)
06. Das Geheimnis des Verkaufs (7/10)

 
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White Gold | Staffel 1 ist seit dem 14.09.17 exklusiv bei Netflix verfügbar.

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