Review: The Babysitter (Film)

Heute wird es mal wieder gewollt trashig, aber das ist ja auch ab und an mal eine schöne Abwechslung und wenn hier von Anspruch oder dergleichen schon keine Rede sein kann, hatte ich tatsächlich viel Spaß mit:

The Babysitter

The Babysitter, USA 2017, 85 Min.

The Babysitter | © Netflix
© Netflix

Regisseur:
McG
Autor:
Brian Duffield

Main-Cast:
Judah Lewis (Cole)
Samara Weaving (Bee)
Robbie Amell (Max)
Hana Mae Lee (Sonya)
Bella Thorne (Allison)
Emily Alyn Lind (Melanie)
in weiteren Rollen:
Andrew Bachelor (John)
Doug Haley (Samuel)
Leslie Bibb (Mom)
Ken Marino (Dad)

Genre:
Komödie | Horror

Trailer:

 

Inhalt:

Der zwölf Jahre alte Cole ist ein regelrechter Außenseiter, wird von den Mitschülern gemobbt und hat kaum Freunde, wohingegen einzig seine attraktive Babysitterin – die blonde Bee – einer der wenigen Lichtblicke in seinem Leben ist, denn auch wenn er doch eigentlich zu alt für einen Babysitter ist, lassen es die zwei mitunter gehörig krachen und Bee scheint ihn zu verstehen wie kaum jemand sonst. Als seine Eltern übers Wochenende verreisen, plant Cole, einer Sache auf den Grund zu gehen, denn eine Mitschülerin steckt ihm, dass die Babysitter nachts heimlich ihre Freunde einladen und so stellt Cole sich nur schlafend, um zu erfahren, was Bee so treibt, nachdem er ins Bett gegangen ist. Auf der Treppe kauernd, muss er erkennen, dass sie sich tatsächlich ein paar Freunde eingeladen hat, doch was anfänglich harmlos aussieht, mündet alsbald in einen blutigen Ritualmord, denn Bee scheint mit teuflischen Mächten im Bunde zu sein und für den nächsten Schritt bedarf es des Blutes einer Jungfrau…

Rezension:

Manchmal darf es ja durchaus vom Niveau und vom Humor her etwas flacher sein, doch ausgerechnet bei solch höchst seltenen Anwandlungen habe zumindest ich selten den passenden Film parat und da macht es sich gleich doppelt bezahlt, dass es Netflix gibt, denn ehrlicherweise hätte ich für The Babysitter wohl niemals Geld ausgegeben und habe mir von dem Streifen auch echt nicht viel erhofft, doch da kam die große Überraschung, denn der Film ist tatsächlich selten dämlich, aber verdammt noch mal unterhaltsam! Dabei versprüht der von McG (Das gibt Ärger) ein ziemlich offensichtliches wie offensives 80ies-Retro-Flair, das ihm ausgesprochen gut zu Gesicht steht, wenn man ansonsten schon zugeben muss, dass der Humor wirklich oft aus der untersten Schublade gezogen worden ist.

Szenenbild aus The Babysitter | © Netflix
© Netflix

Nichtsdestotrotz, dank Charme-Offensive und der selbstbewussten Klischeehaftigkeit, den ungemein stereotypen – und im Fall der Bösewichte – auch selten dämlichen Figuren bietet die rund 85minütige Chose gehörig Kurzweil, auch wenn man sich oft nicht wirklich sicher sein kann, ob das Verhalten der Figuren nun als ironische Brechung verstanden werden soll oder schlichtweg das Talent des Drehbuchautors nicht weiter reichte als bis zur eigenen Zimmertür, wobei es sich in diesem Fall um Brian Duffield handelt, der immerhin (unter anderem) für Story und Skript von Jane Got a Gun verantwortlich zeichnete, weshalb ich ihm mal wohlwollend attestieren möchte, er habe die Figuren mit Absicht als durch die Gegend laufende Karikatur gezeichnet. Immerhin gereicht es hier The Babysitter zum Vorteil, mit überwiegend eher unbekannten Gesichtern aufzuwarten (abgesehen vielleicht von Bella Thorne, die mir persönlich vorher aber nichts sagte), denn bekanntere Namen hätten mich womöglich schneller zum Fremdschämen verleitet, wohingegen ich mich hier beinahe kampflos dem munteren Treiben ergeben habe, das gleich vom ersten Moment an deutlich macht, auf niedere Instinkte abzuzielen und als Parodie nun nicht unbedingt zu den raffinierteren, dafür aber umso effektiveren Vertretern dieser Gattung zu gehören.

Vor allem aber – und das ist für einen Film wie The Babysitter von immenser Bedeutung – ist er sich seines eigenen Habitus jederzeit bewusst und steht selbstbewusst dazu, gnadenlos einschlägige Horror-Filme und -Komödien zu zitieren, zu persiflieren und zu verballhornen, denn nichts hätte den Spaß an der Sache schneller im Keim erstickt, als wenn sich der Film – wenn auch nur kurz – ernst genommen hätte. So aber kann man hier nach Herzenslust lachen und schreien und metzeln und jagen, wobei es natürlich in der zweiten Hälfte ungleich blutiger, temporeicher und heftiger zur Sache geht, man über die Grenzen des guten Geschmacks aber schon nach der ersten ausgiebigen und ungemein übertriebenen Blutfontäne sicherlich nicht mehr diskutieren muss. Ansonsten gefällt der schlichte Ansatz, hier den Babysitter zum Bösewicht zu machen, auch wenn der Rest des "Plots" natürlich ausgemachter Blödsinn ist, wie man ihn seit Ash vs Evil Dead nicht mehr spendiert bekommen hat, der Serie übrigens, aus deren erster Staffel ich zumindest Samara Weaving kannte.

Szenenbild aus The Babysitter | © Netflix
© Netflix

Neben Weaving ist es aber natürlich der noch kaum bekannte Judah Lewis, der als Hauptfigur Cole den Film in weiten Teilen bestreitet und eine angenehme Mischung aus Schüchternheit und Tatendrang an den Tag legt, derweil als Dritter im Bunde vielleicht noch Robbie Amell (ARQ) zu nennen wäre, der tatsächlich auch zumindest eine längere, starke Szene für sich verbuchen kann, ansonsten aber immerhin die meiste Zeit mit freiem Oberkörper durch die Gegend rennt, damit auch ja niemand behaupten kann, nur bei der weiblichen Belegschaft würde Fleischbeschau betrieben werden. Ansonsten habe ich persönlich mich sehr über Ken Marino und Leslie Bibb als Coles Eltern gefreut, da ich beide aus Film und Fernsehen kenne und seit Jahren sehr schätze, aber da sie nur am Rande eine Rolle in dem Film spielen, sei das auch nur am Rande erwähnt. Klar ist aber auch, dass The Babysitter das Rad nicht neu erfindet, sicherlich auch nicht einmal annähernd jeder Gag zündet, man vor allem aber auf der richtigen Wellenlänge sein muss, um Spaß an diesem sinnfreien Treiben zu haben, doch an manchen Tagen ist dieser absurde, blutige Blödsinn eben auch genau das richtige, zumal er spätestens mit seinen zahllosen Popkultur-Anspielungen und nicht zuletzt den wunderbaren On-Screen-Texten (Pocket Knife… Bitches!) mein Herz erobert hatte.

Fazit & Wertung:

Anspruch, Sinn und Verstand sucht man in McGs The Babysitter ohne Frage vergebens, aber als kurzweiliger, flach-humoriger Splatter-Streifen mit parodistischem Einschlag und gehörigem Retro-Charme macht der Streifen tatsächlich eine überraschend gute Figur, auch wenn die Charaktere klischeehafter und dämlicher kaum sein könnten und der Plot des Films sich in zwei Sätzen erschöpft, doch ist es in diesem Fall zumindest nicht die Babysitterin, die als Erste das Zeitliche segnet.

6,5 von 10 makabren Morden

The Babysitter

  • Makabre Morde - 6.5/10
    6.5/10

Fazit & Wertung:

Anspruch, Sinn und Verstand sucht man in McGs The Babysitter ohne Frage vergebens, aber als kurzweiliger, flach-humoriger Splatter-Streifen mit parodistischem Einschlag und gehörigem Retro-Charme macht der Streifen tatsächlich eine überraschend gute Figur, auch wenn die Charaktere klischeehafter und dämlicher kaum sein könnten und der Plot des Films sich in zwei Sätzen erschöpft, doch ist es in diesem Fall zumindest nicht die Babysitterin, die als Erste das Zeitliche segnet.

6.5/10
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The Babysitter ist seit dem 13.10.17 exklusiv bei Netflix verfügbar.

Eine Reaktion

  1. Sven Kietzke 21. Dezember 2017

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