Review: The Punisher | Staffel 1 (Serie)

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Nun endlich habe ich dann auch meine Kritik zu The Punisher vollendet und freue mich, meine Eindrücke an diesem Serien-Samstag mit euch teilen zu können.

The Punisher
Staffel 1

The Punisher, USA 2017-, ca. 54 Min. je Folge

The Punisher | © Netflix
© Netflix

Serienschöpfer:
Steve Lightfoot
Showrunner:
Steve Lightfoot

Main-Cast:
Jon Bernthal (Frank Castle / Punisher)
Ebon Moss-Bachrach (David Lieberman / Micro)
Ben Barnes (Billy Russo)
Amber Rose Revah (Dinah Madani)
Daniel Webber (Lewis Walcott)
Paul Schulze (Rawlins)
Jason R. Moore (Curtis Hoyle)
Michael Nathanson (Sam Stein)
Jaime Ray Newman (Sarah Lieberman)
Deborah Ann Woll (Karen Page)
in weiteren Rollen:
C. Thomas Howell (Carson Wolf)
Shohreh Aghdashloo (Farah Madani)
Delaney Williams (O’Connor)
Kelli Barrett (Maria Castle)
Tony Plana (Rafael Hernandez)
Jordan Mahome (Isaac)
Jeb Kreager (Gunner)
Shez Sardar (Ahmad Zubair)
Geoffrey Cantor (Ellison)

Genre:
Action | Krimi | Drama | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus The Punisher | © Netflix
© Netflix

Frank Castle war der festen Meinung, alle ausgelöscht zu haben, die in irgendeiner Form mit der Ermordung seiner Familie im Zusammenhang gestanden haben, sei es das mexikanische Drogenkartell, Biker-Gangs oder die irische Mafia, so dass er sich in eine Identität geflüchtet und zurückgezogen hat. Dann allerdings wird Frank von dem mysteriösen Micro kontaktiert, der ihm klarzumachen versucht, dass weit mehr hinter dem Tod von Franks Familie steckt als zunächst angekommen und sich das Übel bis in die höchsten Kreise der CIA verfolgen lässt. Homeland Security-Agentin Dinah Madani derweil verfolgt ihre ganz eigene, in Afghanistan beginnende Spur und erfährt prompt von ihren Vorgesetzten gehörigen Gegenwind, der sie allerdings nur noch mehr anspornt, während Frank sich notgedrungen wieder in den aktiven Dienst begibt und es zunächst einmal auf Micro abgesehen hat…

Rezension:

Nachdem in der zweiten Staffel Daredevil ungemein effektvoll und überzeugend – man denke nur an den großartigen Monolog seitens Jon Bernthal als Frank Castle in Penny and Dime (2.04) – der Punisher als Figur eingeführt worden ist, wurde schnell der Ruf laut nach einer eigenen Serie für die Figur, die zwar durchaus ihre Daseinsberechtigung innerhalb der Netflix-Serie hatte, aber insbesondere in der zweiten Hälfte vermehrt ins Hintertreffen geriet. In Anbetracht des Erfolges des stetig wachsenden Marvel Netflix Serien-Kosmos ist es dann auch wenig verwunderlich, dass man sich alsbald an die Konzeption von The Punisher begab, der nun im November seinen eigenständigen Einstand geben durfte. Die Geschichte setzt dabei ein gutes halbes Jahr nach den vorangegangenen Geschehnissen ein und Frank glaubt, seine Mission erfüllt zu haben, alle, die mit der Ermordung seiner Familie in Zusammenhang stehen, "bestraft" zu haben, weshalb er sich unter Pseudonym in einem kargen wie unauffälligen Leben eingerichtet hat und versucht, seine Vergangenheit zu begraben. Die erste Episode 3 Uhr morgens (1.01) widmet sich nun demnach der Geschichte, wie Frank sich gezwungen sieht, in sein altes Leben als Punisher beziehungsweise Frank zurückzukehren und geht diesbezüglich nach einem reißerischen Auftakt beinahe überraschend ruhig zu Werke, wobei das aber der im Hintergrund dräuenden Spannung keinen Abbruch tut.

Szenenbild aus The Punisher | © Netflix
© Netflix

Überhaupt nimmt sich The Punisher ausgiebig Zeit, eine Exposition von Figuren und Setting zu betreiben, die sich über weit mehr als die ersten paar Folgen erstreckt, auch wenn hier die wichtigsten Akteure bereits in Stellung gebracht werden. Manche Handlungsstränge, wie etwa der des Mittzwanzigers Lewis Walcott (Daniel Webber) lassen zwar recht schnell erahnen, in welche Richtung sie sich entwickeln werden, doch fällt das kaum störend ins Gewicht, zumal einige der sich vollziehenden Wendungen mehr als unerwartet daherkommen. Weitaus interessanter – und deutlich mehr Raum einnehmend – ist allerdings das sich langsam anbahnende Team-Up von Frank und dem "Micro" genannten Hacker David Lieberman, der von einem zottelig-sympathischen Ebon Moss-Rachbach verkörpert wird und dessen Familie ihn für tot hält, derweil er in einem Keller vor sich hinvegetiert und in Frank einen schlagkräftigen Verbündeten gefunden zu haben glaubt. Liebermans Frau und Kinder spielen dabei in der Serie eine gar nicht mal unwichtige Rolle, kennen wir Frank bislang schließlich nur als grimmigen Schnitter, der bereitwillig über Leichen geht und fernab von Knurren und Brummen meistens wenig Worte macht, denn dadurch, dass Frank als Pete Castiglione alsbald in das Leben von Sarah Lieberman (Jaime Ray Newman) tritt, erleben wir dessen Figur als einen gänzlich anderen, freundlichen und hilfsbereiten Menschen, wie man ihn ansonsten nur aus den zwar nicht gerade spärlich eingesetzten, aber oft nur schlaglichtartig einzelne Momente beleuchteten Rückblenden mit seiner ermordeten Frau kennt.

Zyniker könnten bezüglich der Rückblenden natürlich attestieren, dass hier auf plumpe Art und Weise auf die Tränendrüse gedrückt werden soll, doch halte ich diese für ein gelungenes Stilmittel, das von Frank erlittene Trauma zu skizzieren, zumal auch Kriegs-Traumata eine nicht untergeordnete Rolle in der Erzählung spielen und wir diesmal weitaus mehr von Franks Vergangenheit erfahren, als dass in der Vergangenheit der Fall gewesen ist. In dieser Beziehung wirkt das Geschehen in The Punisher dann auch wahnsinnig geerdet und ernsthaft und emanzipiert sich nachhaltig von der oft gewollt überzogenen, mit bitterbösem Humor durchzogenen Comic-Vorlage, die sich selten so eindringlich ihrer Hauptfigur gewidmet hat, wie hier geschehen. Humor findet man dementsprechend beinahe überhaupt nicht und wenn, geht er zumeist von Micros Figur oder dessen Zusammenspiel mit Frank aus. Entsprechend macht die von Steve Lightfoot konzipierte Serie aber auch nicht den Fehler, in ein Splatter-Feuerwerk auszuarten, wodurch auch die zugegebenermaßen beinharte Action und die oft blutigen Details sowie beinahe Grenzen sprengende Folter nie zum Selbstzweck verkommt und sich erfolgreich des Vorwurfs verwehren darf, voyeuristische Bedürfnisse zu befriedigen.

Szenenbild aus The Punisher | © Netflix
© Netflix

Aber auch davon abgesehen wirkt The Punisher in vielen Belangen dann auch tatsächlich wie ein echtes Spin-Off, denn nicht damit genug, dass man hier erstmalig auf die von Rosario Dawson verkörperte Claire Temple verzichtet, findet sich abgesehen von Karen (Deborah Ann Woll), die allerdings trotz prominenter Nennung auch nur in insgesamt vier Episoden vertreten ist, kaum jemand von dem bekannten Ensemble in dieser neuesten Marvel Netflix-Serie, die ansonsten gänzlich ohne Superhelden auskommt und diese nicht einmal referenziert. So kommt das Geschehen grimmiger, ernsthafter, bösartiger, aber zuweilen auch weitaus dramatischer daher als man das gewohnt ist, derweil Lightfoot viel aus dem Ansatz macht, dass es sich bei Frank um einen regelrechten Antihelden handelt, dessen Taten man je nach Lesart in eine ähnliche Ecke rücken kann wie die seiner Kontrahenten, wobei die Sympathie – auch wenn man sich damit nicht immer wohl fühlt – natürlich zumeist dennoch bei Frank liegen mag. Nichtsdestotrotz, die moralische Ambivalenz des Gezeigten wird schön herausgearbeitet und verleiht dem Ganzen mit den aufs Trapez gebrachten Kriegs-Traumata, der kritischen, wenn auch beiläufigen Auseinandersetzung mit den fragwürdigen Waffengesetzen in den Vereinigten Staaten und nicht zuletzt Franks Wunsch nach Rache eine ernste, nachdenkliche Ebene, die sehr schön mit der oft rohen Brutalität und dem rigorosen Vorgehen seitens Castle harmoniert.

Szenenbild aus The Punisher | © Netflix
© Netflix

Wie sich hoffentlich herauslesen lässt, hat mich demnach The Punisher rundherum überzeugt und eine stimmige, sich langsam hochschraubende Spannungskurze realisieren können, die natürlich erwartungsgemäß erst in den letzten Episoden so richtig in die Vollen geht, wobei es tatsächlich in meinem Fall nicht einmal die zwei unbestritten bahnbrechenden Finalfolgen Nach Hause (1.12) und Memento Mori (1.13) gewesen sind, sondern Die Tugend der Bösartigen (1.10), die für mich zum absoluten Höhepunkt der Staffel avanciert ist, denn nicht nur geht man hier inszenatorisch neue Wege und beleuchtet in der Rückschau aus verschiedenen Perspektiven einen Attentatsversuch in immer neuem Licht, sondern führt gleich mehrere Paradigmenwechsel herbei, was die Beziehung und das weitere Schicksal gleich mehrerer Figuren betrifft. Apropos Figuren sollen an dieser Stelle natürlich Billy Russo als Ben Barnes sowie Amber Rose Revah in der Rolle der Dinah Madani nicht unerwähnt bleiben, denn während Barnes als CEO einer Sicherheitsfirma und früherer Weggefährte von Frank einen gänzlich anderen Weg einzuschlagen gewusst hat als viele seiner Kriegskameraden (und natürlich einige Geheimnisse mit sich trägt), handelt es sich bei Madani um eine ungemein toughe Agentin der Homeland Security, die sich recht früh an Franks Fersen zu heften beginnt und als wirklich starke Frauenfigur zu begeistern versteht, vor allem aber auch im sich langsam entfaltenden Reigen eine nicht zu unterschätzende Rolle spielt.

Fazit & Wertung:

Mit der ersten Staffel The Punisher liefert Netflix eine weitere, ungemein überzeugend konzipierte Marvel-Serie ab, die zwar erst langsam in Fahrt kommt, sich dafür aber speziell in der zweiten Hälfte in inszenatorisch wie dramaturgisch drastische und mitreißende Höhen schraubt, so dass es kaum verwunderlich ist, dass bereits grünes Licht für eine zweite Staffel gegeben worden ist. Zartbesaitete haben hier in manchen Szenen das eine oder andere Auge zuzukneifen, doch verkommt die oftmals regelrecht eruptive Gewalt nie zum bloßen Selbstzweck und unterstreicht die übergeordneten Themen der Serie, die sich fernab von Franks persönlicher Tragödie auch den Schrecken des Krieges widmet. Entsprechend handelt es sich mitnichten um leichte, dafür aber ungemein lohnenswerte Kost.

8,5 von 10 aufgedeckten Kriegsverbrechen

  • Aufgedeckte Kriegsverbrechen - 8.5/10
    8.5/10

Fazit & Wertung:

Mit der ersten Staffel The Punisher liefert Netflix eine weitere, ungemein überzeugend konzipierte Marvel-Serie ab, die zwar erst langsam in Fahrt kommt, sich dafür aber speziell in der zweiten Hälfte in inszenatorisch wie dramaturgisch drastische und mitreißende Höhen schraubt, so dass es kaum verwunderlich ist, dass bereits grünes Licht für eine zweite Staffel gegeben worden ist. Zartbesaitete haben hier in manchen Szenen das eine oder andere Auge zuzukneifen, doch verkommt die oftmals regelrecht eruptive Gewalt nie zum bloßen Selbstzweck und unterstreicht die übergeordneten Themen der Serie, die sich fernab von Franks persönlicher Tragödie auch den Schrecken des Krieges widmet. Entsprechend handelt es sich mitnichten um leichte, dafür aber ungemein lohnenswerte Kost.

8.5/10
Leser-Wertung 9/10 (1 Stimme)
Sende

Episodenübersicht: Staffel 1

01. 3 Uhr morgens (8,5/10)
02. Zwei tote Männer (8/10)
03. Kandahar (8/10)
04. Nachschub (8/10)
05. Gunner (8,5/10)
06. Die Judas-Ziege (8/10)
07. Im Fadenkreuz (8,5/10)
08. Kalter Stahl (9/10)
09. Front Toward Enemy (9/10)
10. Die Tugend der Bösartigen (10/10)
11. Gefahr (9/10)
12. Nach Hause (9,5/10)
13. Memento Mori (9,5/10)

 
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The Punisher | Staffel 1 ist seit dem 17.11.17 exklusiv bei Netflix verfügbar.

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