Review: Transcendence (Film)

Auf einen ziemlich tollen Film folgt öfter ein leider nicht annähernd so toller Film und das ist mir diese Woche nun auch wieder passiert, denn obwohl der Film ein paar lohnenswerte Schauwerte aufweist, war es natürlich mehr die um die Prämisse gestrickte Geschichte, die mich interessiert hat und die war, nun ja, doch eher eigenwillig. Aber immerhin, ein Gutes hat die Sache natürlich, konnte ich so zumindest eine neue Film-Kritik meinem Fundus hinzufügen.

Transcendence

Transcendence, UK/CN/USA 2014, 119 Min.

Transcendence | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Regisseur:
Wally Pfister
Autor:
Jack Paglen

Main-Cast:
Johnny Depp (Will Caster)
Morgan Freeman (Joseph Tagger)
in weiteren Rollen:
Rebecca Hall (Evelyn Caster)
Kate Mara (Bree)
Cillian Murphy (Agent Buchanan)
Cole Hauser (Colonel Stevens)
Paul Bettany (Max Waters)

Genre:
Drama | Mystery | Romantik | Science-Fiction | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Transcendence | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Dr. Will Caster steht kurz davor, mit einem neuen Durchbruch auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz Erfolge zu feiern, doch während eines Symposiums wird Dr. Caster – ebenso wie viele seiner Wissenschaftler-Kollegen im ganzen Land – Opfer einer breit angelegten Attentats-Reihe der technisierungsfeindlichen Extremisten von R.I.F.T., die seiner Forschung Einhalt gebieten wollen. Caster überlebt, doch bleibt ihm laut ärztlichem Befund nur noch wenig Zeit. Als Casters Ende naht, kommt seiner Frau Evelyn die Idee, den Versuch zu wagen, sein Bewusstsein in eine Maschine zu übertragen. Während sich Wills bester Freund Max abwendet und nicht glaubt, dass es sich bei dem ihm entgegenblickenden digitalen Konterfei um Will handelt, ist Evelyn überglücklich, ihren Mann gerettet zu haben. Der wiederum begibt sich prompt an die Selbstoptimierung und bittet Evelyn, ihm Netzzugang und zusätzliche Rechenleistung zur Verfügung zu stellen…

Rezension:

Lange Zeit habe ich ob der vielen mäßigen bis schlechten Kritiken einen Bogen um Transcendence gemacht, aber da sich die Blu-ray nun einmal seit quasi ebenso langer Zeit bei mir in der Schublade befindet, wurde es allerhöchste Zeit, mir auch hier ein eigenes Bild zu verschaffen, denn wer wäre ich, würde ich mich nur auf die (niederschmetternde) Meinung anderer verlassen!? Nun, Unrecht haben die Kritiken aber leider nicht, denn obwohl Wally Pfisters Regie-Debüt mit einem regelrechten Star-Ensemble aufwartet und sich mit üppigen 100 Millionen US-Dollar Budget austoben durfte, krankt die Geschichte doch an beinahe allen Fronten und es fällt schwer, festzumachen, wo genau der inszenatorische wie dramaturgische Niedergang des Films beginnen mag, der ohne Frage mit ein paar klugen Ideen und Ansätzen daherkommt, damit aber letzten Endes spürbar wenig anzufangen weiß. Nun will ich mich gar nicht mal beim Johnny Depp-Bashing einreihen und attestieren, er allein sei der Grund, weshalb das von Jack Paglen verfasste – und im Vorfeld auf der Blacklist der beliebtesten, unverfilmten Skripte befindliche – Drehbuch nicht funktioniere, denn Depp kann dafür dem Grunde nach herzlich wenig und bekommt kaum eine Chance, sich von den eng gesetzten Parametern seiner künstlichen Entität freizuspielen.

Szenenbild aus Transcendence | © Universal Pictures
© Universal Pictures

So beginnt die in einer nahen Zukunft angesiedelte Geschichte durchaus interessant und auch der Plot um die Forschung rund um eine "echte" künstliche Intelligenz weiß noch zu gefallen, während Johnny Depp (Black Mass) mit seiner eigenbrötlerischen, introvertierten Art von Will Caster einen zwar etwas klischeebehafteten, aber überzeugenden Wissenschaftler abgibt, doch hetzt die Geschichte auch in Windeseile zu ihrem Ausgangspunkt, dass Caster als körperloses Wesen und Bewusstsein zu neuem Leben erwacht. Und wo ich sonst eigentlich Szenenmontagen und Zeitraffer schätze, werden sie hier einfach zu früh eingesetzt, um wirklich zu überzeugen, ist man schließlich kaum mit den Figuren warmgeworden, bevor das Ensemble im weiteren Verlauf ohnehin noch gehörigen Zuwachs erfahren wird. Von dem Moment an aber, als Depp lediglich als Stimme, als Schema zu agieren imstande ist, zerfasert auch die Handlung zusehends und die eigentlich interessanten Grundsatzdiskussionen über das Wesen der Seele und des Seins sowie die Möglichkeit des Transfers in ein künstliches Medium geraten zunehmend ins Hintertreffen, während sich die Story nun einerseits einer Schar Terroristen, andererseits dem FBI-Agenten Buchanan widmet, was aber leider wenig zur eigentlichen Haupthandlung um Caster beiträgt, zumal die meisten der Beteiligten zu dem Zeitpunkt noch längst nicht wissen, dass er "am Leben" ist oder was er plant.

Dabei gibt Cillian Murphy (In Time) den FBI-Mann mit Charme und Schneid, während Kate Mara (Der Marsianer) als resolute Terroristin Bree ebenfalls keine schlechte Figur macht, doch ausgerechnet die interessanteste Figur, der von Paul Bettany (Mortdecai) verkörperte Max Waters und seines Zeichens bester Freund von Caster, wird – dem Skript geschuldet – alsbald zur Untätigkeit verdammt, während Morgan Freeman (Lucy) so lustlos wie lange nicht mehr wirkt, kommt seine Rolle aber auch kaum über einschlägige Stereotypen hinaus. Große und positive Überraschung hingegen war für mich Rebecca Hall (Iron Man 3), die nicht nur sehr schön die widerstreitenden Gefühle einer einerseits trauernden, andererseits hoffnungsvollen Witwe darzustellen versteht und auch im Zusammenspiel mit Computer-Caster zu überzeugen weiß, während ihr nach und nach zu dämmern beginnt, was aus ihrem Mann geworden zu sein scheint. Von da an könnte es im Grunde aufwärts gehen mit Transcendence, doch ist der Umgang mit den Themen Künstliche Intelligenz, Computerisierung und Digitalisierung hier schon so dermaßen hanebüchen, dass diese Hoffnung im Keim erstickt wird und während nach und nach die einzelnen Handlungsfäden zusammenzulaufen beginnen, muss man mit Schrecken feststellen, dass man anscheinend wirklich vorhat, den Film in einem sinnentleertem Effektspektakel und "ordentlich Äktschn" kulminieren zu lassen, was ich bei jedem Superhelden-Unterhaltungsfilm durchaus okay gefunden hätte, einem Werk wie diesem, was sich den Anstrich von Intelligenz und Anspruch verpasst, aber so überhaupt nicht zu Gesicht steht.

Szenenbild aus Transcendence | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Apropos zu Gesicht stehen, sieht Transcendence immerhin ohne Frage großartig aus und dass sich Pfister seine Meriten als Kameramann verdient hat, merkt man manchmal mehr als deutlich, doch macht eben eine versierte Bildkomposition noch längst keinen guten Regisseur und mir persönlich hat es am ehesten an einem emotionalen Bezugspunkt gemangelt, denn während sich der zunehmend entmenschlichende Caster bereits früh disqualifiziert, taugen auch die Terroristen, geschweige denn der FBI-Mann wirklich, um sich an ihre Fersen heften zu wollen, womit neben dem zur Tatenlosigkeit verdammten Max – der einen tollen Protagonisten hätte abgeben können – lediglich noch Casters Frau Evelyn bleibt, deren Beweggründe aber auch nicht immer klar herausgearbeitet werden. So sieht man dem Film zwar sein Budget an, doch täuscht das, selbst in Kombination mit der irritierend namhaften Besetzung nicht darüber hinweg, dass man es im Grunde weit eher mit einem auf Hochglanz polierten B-Movie mit Trash-Appeal zu tun hat, als einem ernstzunehmenden Film, denn dafür bleiben zu viele der auf dem Papier so interessanten Ansätze ungenutzt, während es in Sachen Dramaturgie durchaus gerne den einen oder anderen Höhepunkt hätte geben dürfen, statt lustlos die lose zusammenhängenden Handlungsstränge durchzuexerzieren und dabei erschreckend wenig zu sagen zu haben. Dann lieber noch einmal – um mit einer Empfehlung zu enden – die ungleich lohnenswertere, thematisch ähnlich gelagerte Vision von Andreas Brandhorst in seinem Roman Das Erwachen zu Gemüte führen.

Fazit & Wertung:

Wally Pfister macht mit seinem Regie-Debüt Transcendence zwar seinem Ruf als Kameramann alle Ehre, doch inszenatorisch muss er sich seine Sporen erst noch verdienen und überhebt sich merklich an der grundsätzlich extrem spannenden Prämisse, die leider zunehmend zu einer konfusen und wenig logischen Aneinanderreihung halbgar ausgearbeiteter Handlungsstränge verkommt und in dem auf Bombast und Krawall getrimmten auch noch das letzte bisschen Ernsthaftigkeit fahren lässt. Extrem schade in Anbetracht der vorzüglichen Besetzung, der Ausgangslage, der Optik, der Möglichkeiten, denn selten versammelt sich so viel verschenktes Potential in nur einem Streifen.

5,5 von 10 vernetzten Datenbanken

Transcendence

  • Vernetzte Datenbanken - 5.5/10
    5.5/10

Fazit & Wertung:

Wally Pfister macht mit seinem Regie-Debüt Transcendence zwar seinem Ruf als Kameramann alle Ehre, doch inszenatorisch muss er sich seine Sporen erst noch verdienen und überhebt sich merklich an der grundsätzlich extrem spannenden Prämisse, die leider zunehmend zu einer konfusen und wenig logischen Aneinanderreihung halbgar ausgearbeiteter Handlungsstränge verkommt und in dem auf Bombast und Krawall getrimmten auch noch das letzte bisschen Ernsthaftigkeit fahren lässt. Extrem schade in Anbetracht der vorzüglichen Besetzung, der Ausgangslage, der Optik, der Möglichkeiten, denn selten versammelt sich so viel verschenktes Potential in nur einem Streifen.

5.5/10
Leser-Wertung 5/10 (1 Stimme)
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Transcendence ist am 28.08.14 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von Universal Pictures erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

  • Mir ging es ähnlich. Auch ich empfand vieles an diesem Film als verschenktes Potenzial. Der Film macht genau die Dinge falsch, die ein Jahr später von Alex Garland und seinem EX MACHINA zu einem Bruchteil des Millionenbudgets von Pfister richtig gemacht wurden.

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