Review: UnREAL | Staffel 1 (Serie)

Wieder ist Samstag, wieder ist Zeit für eine neue Serien-Besprechung, die es in diesem Fall schon was länger zu gucken gibt, die mir aber erst kürzlich aufgefallen ist. Macht ja aber auch nichts, umso mehr freue ich mich, hier schon ganz bald ohne langes Warten mit der zweiten Staffel fortfahren zu können.

UnREAL
Staffel 1

UnREAL, USA 2015-, ca. 42 Min. je Folge

UnREAL | © Lifetime
© Lifetime

Serienschöpfer:
Marti Noxon
Sarah Gertrude Shapiro
Ausführende Produzenten:
Marti Noxon
Robert M. Sertner
Sarah Gertrude Shapiro
Bill Davenport
Sally DeSipio
Stacy Rukeyser

Main-Cast:
Shiri Appleby (Rachel Goldberg)
Craig Bierko (Chet Wilton)
Freddie Stroma (Adam Cromwell)
Jeffrey Bowyer-Chapman (Jay)
Johanna Braddy (Anna Martin)
Aline Elasmar (Shia)
Nathalie Kelley (Grace)
Josh Kelly (Jeremy Caner)
Ashley Scott (Mary Newhouse)
Breeda Wool (Faith Duluth)
Constance Zimmer (Quinn King)
in weiteren Rollen:
Brennan Elliott (Graham)
Amy Hill (Dr. Wagerstein)
Genevieve Buechner (Madison)
Martin Cummins (Brad)
Arielle Kebbel (Britney)

Genre:
Drama | Komödie

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus UnREAL | © Lifetime
© Lifetime

Nachdem Producerin Rachel Goldberg zum Ende der letzten Staffel Everlasting – einer Reality-TV-Show, in der sich ein gutes Dutzend attraktiver Single-Frauen um einen wohlhabenden Junggesellen zanken – einen regelrechten Nervenzusammenbruch erlitten, das Set verwüstet und einen Wagen geklaut ist, ist sie nun dank der ausführenden Produzentin und ihrer Vorgesetzten Quinn King wieder mit an Bord der Show, liefert sie schließlich mit einzigartigem Gespür die besten O-Töne der Teilnehmerinnen und weiß die Frauen vor allem wie niemand sonst gegeneinander auszuspielen. Schwieriger ist es da für Rachel, am Set ihrem Ex, dem Kameramann Jeremy zu begegnen, der sich mittlerweile verlobt hat, doch auch der neue Junggeselle der Show entpuppt sich als schwieriger Kandidat, so dass Rachel ihre liebe Mühe hat, ihn für Quinn auf Kurs zu halten, während die anderen Producer nicht gerade erfreut sind, dass die noch immer reichlich desolat wirkende Rachel wieder mit an Bord ist. Um eine der gefragten Prämien – für nackte Haut, Zickenterror, Zusammenbrüche und dergleichen – abzugreifen, entbrennt alsbald ein wahrer Wettstreit, doch drohen es die Macher von Everlasting diesmal tatsächlich zu weit zu treiben…

Rezension:

Seit beinahe anderthalb Jahren ist die erste Staffel von UnREAL hierzulande bei Amazon Prime verfügbar, doch aus Gründen bin ich erst jüngst auf sie gestoßen, wobei es kaum eine ganze Folge gebraucht hat, bis mich die von Sarah Gertrude Shapiro ersonnene Serie in ihren Bann gezogen hatte. Im Grunde würde man zwar meinen, eine Serie, die sich dem Dreh einer Reality-TV-Sendung widmet, könne kaum spannender sein als das gemeinhin bekannte und daraus resultierende Trash-TV, doch dank der eingehenden Blicke hinter die Kulissen, dank der jederzeit spürbaren Erfahrung, die Shapiro selbst in dem Business hat (wurde sie schließlich via Knebelvertrag quasi gezwungen, mehrere Staffeln von The Bachelor zu produzieren) und nicht zuletzt dank der (hoffentlich) satirischen Überhöhung des Gezeigten lohnt sich ein Blick hier allemal, zumal die Story rund um Shapiros Alter Ego Rachel Goldberg – dargestellt von der wunderbaren Shiri Appleby – zunehmend den gesamten Medien-Betrieb zu dekonstruieren versteht.

Szenenbild aus UnREAL | © Lifetime
© Lifetime

Dabei beginnt die Geschichte beinahe gemächlich mit dem üblichen Auftakt einer Kuppel-Show, die wie gesagt nicht von ungefähr frappante Ähnlichkeit mit dem Bachelor besitzt, hier aber eben Everlasting heißt, wobei in diesen ersten Minuten und Einstellungen schon sehr schön die Oberflächlichkeit und Falschheit der ach so realen Ereignisse aufgedeckt wird, während sich die Macher im Hintergrund – allen voran die von Constance Zimmer gespielte Produzentin Quinn – bereits Gedanken machen, wen sie zur Bitch der Staffel, wen zum heißen Bikini-Babe aufbauen können. So ist es eben keine abgebildete, sondern eine erfundene Realität, die den TV-Zuschauern präsentiert wird, was jedem halbwegs intelligenten Individuum natürlich schon vor dieser Serie klar gewesen sein dürfte, doch versteht es Shapiro eben wie keine zweite, genau die Mechanismen zu beleuchten, die beispielsweise aus der trauernden Tochter eine wütende Psychopathin machen, aus einer liebenswerten Frau eine ausgemachte Rassistin, aus so ziemlich jeder Kandidatin eine mittelschwere Soziopathin, denn nicht nur Protagonistin Rachel versteht gekonnt die Schrauben zu drehen und Knöpfe zu drücken, um die unbedarften Frauen in die gewünschte Richtung zu schupsen, wobei die Manipulationen selbstredend auch vor dem Bachelor nicht Halt machen, dem man nur zu gerne diktieren würde, welche Damen es bitteschön in die nächste Runde zu schaffen haben. Es mag sicher hilfreich sein, wenn man in seinem Leben zumindest schon einmal eine Folge Der Bachelor oder Artverwandtes gesehen hat, doch vermag UnREAL auch davon völlig losgelöst seinen Reiz zu entfalten, zumindest wenn man mit einer zunehmend garstiger werdenden Medien-Satire grundsätzlich etwas anfangen kann.

Szenenbild aus UnREAL | © Lifetime
© Lifetime

Ein wenig wirkt daher die erste Episode Return (1.01) noch ein wenig wie die Ruhe vor dem Sturm und dient trotz kleinerer Beeinflussungen und Intrigen hauptsächlich dazu, Figuren und Setting zu etablieren und die Reihen der bindungswilligen Damen ein wenig auszudünnen, doch selbst hier schon kann man Rachels beispielloses Talent zur Manipulation erkennen, das sich bereits in der darauffolgenden Episode Relapse (1.02) in voller Pracht zeigt, zumal ihr dauer-deprimierter, sichtbar desillusionierter und übermüdeter Gesichtsausdruck es auch dem Zuschauer nicht leicht macht, zu erahnen, ob sie etwas mit voller Absicht genau so initiiert hat oder ob die Dinge schlichtweg (mal wieder) völlig aus dem Ruder gelaufen sind. Aber natürlich ist Rachel mitnichten die einzige Strippenzieherin im Team von Everlasting und auch wenn ihr die Unschuldsmiene fehlt, ist insbesondere ihre Chefin Quinn noch einmal ein ganz anderes Kaliber und scheint sich kaum noch mit so lästigen Dingen wie Moral und Ethik herumschlagen zu müssen. Während UnREAL dann also langsam an Fahrt aufnimmt und sich das Feld der Kandidatinnen zu lichten beginnt, nimmt derweil nicht nur der satirische Unterton zu, nein, auch der Humor wird zunehmend bösartiger und abgründiger, zumal immer drastischere Anstrengungen unternommen werden müssen, das Verhalten der Damen in die gewünschte Richtung zu lenken und da kann man schon einmal Psychopharmaka mit simplen Placebos vertauschen oder eine Zusammenführung mit dem gewalttätigen Ex-Mann inszenieren, um ein wenig Drama zu erzeugen, was insbesondere in Fly (1.06) auf die natürlich nur vorläufige Spitze getrieben wird.

Szenenbild aus UnREAL | © Lifetime
© Lifetime

Fernab des Ränkeschmiedens der Producer von Everlasting offenbaren aber auch der heißbegehrte Junggeselle, die Kandidatinnen und selbst die vom Sender bereitgestellte Psychologin vermehrt ihre Schattenseiten und lassen ein nach außen hin auf Glamour und Romantik getrimmtes Serienkonzept in einem neuen und zutiefst düsteren Licht erscheinen, was mir als Freund exakt solch garstiger Geschichten voller Zynismus und Abgründigkeit durchaus imponiert hat, auch wenn man schon einmal einen Kloß im Hals haben dürfte bei dem Gedanken, nur die Hälfte dessen, was allein in die erste Staffel UnREAL gepackt worden ist, entspräche der Wahrheit. Letztlich kann man aber auch mit Fug und Recht behaupten, die Charaktere hätten sich allesamt verdient, denn während man die Kandidatinnen der Show noch am ehesten in der Opfer-Rolle wahrnehmen könnte und ihnen abnehmen mag, nicht gewusst zu haben, worauf sie sich einlassen, lügt und betrügt das durchweg von Opportunismus geprägte Team auch untereinander, dass es eine wahre Freude ist. Das lässt zwar wenig Hoffnung für den moralischen Kompass der Figuren aufkommen, ist aber wie schon das innerhalb der Show thematisierte Reality-TV trotz aller ethischen Entgleisungen schlichtweg unterhaltsam, nur eben auf eine bitterböse Weise.

Fazit & Wertung:

Die Medien-Satire UnREAL gewinnt ungemein durch den Umstand, dass Serienschöpferin Sarah Gertrude Shapiro selbst mehrere Jahre durch die Reality-TV-Hölle gegangen ist und wirft einen bitterbösen und zunehmend abgründiger werdenden Blick auf die Schattenseiten des Business, bei dem man nie ganz sicher sein kann, ob man jetzt lachen oder weinen soll, denn Moral und Ethik werden hier so rasch über Bord geworfen, dass man sich unvermittelt in einem Pfuhl aus Zynismus und Opportunismus wiederfindet, der seinesgleichen sucht. Und das – so bitter diese Erkenntnis auch sein mag – ist gleichermaßen anziehend wie kurzweilig.

8 von 10 böswilligen Manipulationen

UnREAL | Staffel 1

  • Böswillige Manipulationen - 8/10
    8/10

Fazit & Wertung:

Die Medien-Satire UnREAL gewinnt ungemein durch den Umstand, dass Serienschöpferin Sarah Gertrude Shapiro selbst mehrere Jahre durch die Reality-TV-Hölle gegangen ist und wirft einen bitterbösen und zunehmend abgründiger werdenden Blick auf die Schattenseiten des Business, bei dem man nie ganz sicher sein kann, ob man jetzt lachen oder weinen soll, denn Moral und Ethik werden hier so rasch über Bord geworfen, dass man sich unvermittelt in einem Pfuhl aus Zynismus und Opportunismus wiederfindet, der seinesgleichen sucht. Und das – so bitter diese Erkenntnis auch sein mag – ist gleichermaßen anziehend wie kurzweilig.

8.0/10
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Sende

Episodenübersicht: Staffel 1

01. Return (7,5/10)
02. Relapse (8/10)
03. Mother (7,5/10)
04. Wife (8/10)
05. Truth (8/10)
06. Fly (8,5/10)
07. Savior (8,5/10)
08. Two (8/10)
09. Princess (8,5/10)
10. Future (8,5/10)

 
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UnREAL | Staffel 1 ist seit dem 10.06.16 exklusiv bei Amazon Prime Instant Video verfügbar.

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