Review: Elvis & Nixon (Film)

Den Film, um den es heute gehen soll, hatte ich mir tatsächlich einige Tage, bevor die ersten Vorwürfe in Richtung Kevin Spacey laut wurden, zugelegt und habe nach den vielen und immer neuen Anschuldigungen, dem daraus erwachsenden Skandal, dem fadenscheinigen Statement seitens Spacey und seinem mittlerweile quasi überall geltenden Status als "Persona non grata" lange mit mir gehadert, ob und wie ich mir nun einen Film mit Kevin Spacey überhaupt ansehen, geschweige denn ihn besprechen kann. Letztlich ist es für mich aber die einzig sinnvolle Entscheidung, die jeweiligen Rollen und den Mensch dahinter losgelöst voneinander zu betrachten, aber ich wollte es dann doch einmal kurz thematisiert haben, dass ich mitnichten mit Scheuklappen durchs Leben gehe oder die erhobenen Vorwürfe weniger abscheulich und verurteilenswert finde als irgendjemand sonst, aber es kann – für mich – eben auch kein Weg sein, nun sämtliche Werke zu meiden, an denen eine dergestalt in Verruf geratene Person in irgendeiner Form beteiligt gewesen ist.

Elvis & Nixon

Elvis & Nixon, USA 2016, 86 Min.

Elvis & Nixon | © Universum Film
© Universum Film

Regisseurin:
Liza Johnson
Autoren:
Joey Sagal
Hanala Sagal
Cary Elwes

Main-Cast:
Michael Shannon (Elvis)
Kevin Spacey (Nixon)
in weiteren Rollen:
Alex Pettyfer (Jerry)
Johnny Knoxville (Sonny)
Colin Hanks (Krogh)
Evan Peters (Chapin)
Ashley Benson (Margaret)

Genre:
Komödie | Historie

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Elvis & Nixon | © Universum Film
© Universum Film

Um Weihnachten 1970 setzt sich Elvis Presley in den Kopf, als Bundesagent für seine Regierung tätig werden zu wollen und reist zu diesem Zweck nach Washington, um dem Präsidenten persönlich sein Anliegen zu unterbreiten. Kurzerhand findet sich Elvis gemeinsam mit seinem besten Freund Jerry am Tor des Weißen Hauses ein und überreicht einen handgeschriebenen Brief, in dem er wortreich darlegt, weshalb er sich so gut zum verdeckt ermittelnden Bundesagenten eignen würde. Während Elvis‘ Erscheinen beim Personal des Weißen Hauses prompt für reichlich Aufsehen sorgt, hält Präsident Nixon zunächst nicht viel davon, sich mit dem Entertainer und Schauspieler zu treffen und lässt dankend ablehnen. Sowohl aber Elvis‘ Begleiter als auch die PR-Verantwortlichen des Weißen Hauses sind noch nicht bereit, den Plan des Aufeinandertreffens dieser beiden Größen ihrer Zeit bereits aufzugeben…

Rezension:

Ich muss zugeben, dass ich eventuell mit einer etwas falschen Erwartungshaltung an Elvis & Nixon herangegangen bin, denn was mir im Vorfeld vorschwebte, war wohl eher eine Art Kammerspiel, das zu großen Teilen auf das gleichermaßen denkwürdige wie bizarre Zusammentreffen des Politikers und der Pop-Ikone abstellt. Eine Annahme, die durch die vergleichsweise knapp bemessene Laufzeit von nicht einmal 90 Minuten begünstigt wurde, doch handelt es sich bei dem eigentlichen Treffen tatsächlich sozusagen um das "Finale" des Films, den großen Showdown sozusagen, wobei es sich tatsächlich um das humoristische wie darstellerische Highlight der Chose handelt, die sich anschickt, aus einer geschichtlichen Randnotiz einen Spielfilm zu generieren, was ihr leider in der Summe der Teile nur mäßig überzeugend gelingt.

Szenenbild aus Elvis & Nixon | © Universum Film
© Universum Film

Bis es aber zum eigentlichen Aufeinandertreffen kommt, ist es in Elvis & Nixon ein weiter Weg und der King muss regelrecht um seine Audienz beim Präsidenten betteln, der anfänglich so überhaupt nicht angetan ist, dem Musiker seine Zeit zu widmen. Derweil gestaltet es sich allein schon dahingehend nur leidlich spannend, dass man ja im Vorfeld weiß, dass besagtes Treffen zustande kommen wird, doch immerhin begeistert hier Michael Shannon (Nocturnal Animals) einmal mehr mit seiner Interpretation von Elvis, die einerseits irritierend zurückgenommen wirkt, andererseits aber eine gewisse Spleenigkeit, gepaart mit beinahe schon kindlicher Naivität auszeichnet, an welcher der Darsteller sichtlich Freude hat und die im speziell beim Schlagabtausch mit Nixon noch zugutekommen wird.

Kevin Spacey (Der große Crash) hingegen scheint schon optisch nicht die naheliegendste Wahl für Nixon zu sein und ergeht sich auch ansonsten eher darin, Manierismen zum Leben zu erwecken und eine allgemeine Griesgrämigkeit an den Tag zu legen, als der Figur wirklich Charakter und Profil zu verleihen, so dass er die meiste Zeit wie ein satirisch angehauchtes Abziehbild der historischen Figur wirkt. Dadurch ist seine Darstellung aber tatsächlich auch exemplarisch dafür, dass Regisseurin Liza Johnson die meiste Zeit nicht recht zu wissen scheint, ob sie eine beschwingte Komödie, eine handzahme Satire oder eine Art Drama inszenieren möchte, denn während viele Szenen mit leisem Witz zu punkten verstehen, irritieren die Einsprengsel ernsterer Momente mehr, als dass sie dem Geschehen nützen. So entpuppen sich dann auch Colin Hanks (Dexter) und Evan Peters (American Horror Story) in ihrer Funktion der Berater des Präsidenten als enormer Zugewinn für den komödiantischen Aspekt des Film-Projekts und dienen gleichermaßen als erzählerischer Kitt, um die zunächst parallel verlaufenden Handlungsstränge um Elvis und Nixon zusammenzuhalten.

Szenenbild aus Elvis & Nixon | © Universum Film
© Universum Film

Derweil sorgt Alex Pettyfer (Ich bin Nummer Vier) als Elvis‘ Freund Jerry für eine gewisse Erdung, aber auch Ernsthaftigkeit, die nicht so recht zu dem ansonsten so augenzwinkernd dargebrachten Geschehen passen will, wodurch Elvis & Nixon auf narrativer Ebene eben oft ein wenig ziellos, manchmal geradezu beliebig wirkt, während einzelne Episoden wie Elvis‘ Abstecher in ein nahegelegenes Diner nur dazu zu dienen scheinen, die amüsante Episode auf annähernde Spielfilmlänge auszuwalzen. Immerhin kommt dem Werk aber die grundsätzlich vorhandene Spielfreude seines Ensembles sehr zupass und auch die unangepasste Inszenierung ist nicht immer ohne Reiz, derweil man für vieles entschädigt wird, wenn es dann letztlich zum Aufeinandertreffen der namensgebenden Protagonisten kommt, denn sowohl Shannon als auch Spacey laufen hier noch einmal zu Höchstform auf, aber die Frage bleibt trotzdem, ob man aus dieser historischen Anekdote wirklich einen Film hat machen müssen.

Fazit & Wertung:

Liza Johnsons Elvis & Nixon schickt sich an, aus einer historischen Kuriosität einen Spielfilm zu spinnen, der allerdings in letzter Konsequenz trotz seiner kaum 90 Minuten Länge erschreckend wenig Substanz besitzt und einzig und allein auf das Aufeinandertreffen zwischen dem King und dem Präsidenten abzielt, das allerdings nicht annähernd so viel Raum einnimmt, wie man das meinen würde. So ist die Geschichte zwar grundsätzlich charmant und leichtfüßig inszeniert, lässt aber die Frage offen, was genau jetzt eigentlich erzählt werden sollte.

6 von 10 Spleens des King

Elvis & Nixon

  • Spleens des King - 6/10
    6/10

Fazit & Wertung:

Liza Johnsons Elvis & Nixon schickt sich an, aus einer historischen Kuriosität einen Spielfilm zu spinnen, der allerdings in letzter Konsequenz trotz seiner kaum 90 Minuten Länge erschreckend wenig Substanz besitzt und einzig und allein auf das Aufeinandertreffen zwischen dem King und dem Präsidenten abzielt, das allerdings nicht annähernd so viel Raum einnimmt, wie man das meinen würde. So ist die Geschichte zwar grundsätzlich charmant und leichtfüßig inszeniert, lässt aber die Frage offen, was genau jetzt eigentlich erzählt werden sollte.

6.0/10
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DVD:

Blu-ray:

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