Review: Green Room (Film)

Eifere ich heute mal meinem Kollegen Bullion nach und spreche über einen Film, den wir – natürlich – mal wieder mit exakt gleich vielen Punkten bewertet haben, wohlgemerkt ohne dass ich vorher geschaut hätte.

Green Room

Green Room, USA 2015, 95 Min.

Green Room | © Universum Film
© Universum Film

Regisseur:
Jeremy Saulnier
Autor:
Jeremy Saulnier

Main-Cast:
Anton Yelchin (Pat)
Imogen Poots (Amber)
Patrick Stewart (Darcy)
in weiteren Rollen:
Alia Shawkat (Sam)
Joe Cole (Reece)
Callum Turner (Tiger)

Genre:
Krimi | Horror | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Green Room | © Universum Film
© Universum Film

Nachdem den The Aint‘ Rights ein dringend benötigter Auftritt weggebrochen ist und das Geld knapp zu werden droht, nehmen sie widerstrebend das Gig-Angebot eines vagen Bekannten an, der sie an eine abgelegene Rockerbar in den Wäldern von Oregon vermittelt, auch wenn er bereits andeutet, dass das Publikum doch eher dem rechten Spektrum zuzuordnen sein mag. Wie von den Band-Mitgliedern schon befürchtet, entpuppt sich die Hörerschaft als eine Gruppe Neonazis, was sie allerdings nicht davon abhält, mit dem Opener ihres Sets – "Nazi Punks Fuck Off" von den Dead Kennedys – bewusst zu provozieren. Unerwarteterweise geht der Rest des Auftritts allerdings glatt über die Bühne und die Band schickt sich schon an, mit der sauer verdienten Kohle das Etablissement zu verlassen, als Gitarristin Sam noch einmal in die Garderobe geht, um ihr Handy zu holen, denn dort erblickt sie die Leiche eines niedergestochenen Groupies und prompt sieht sich auch der Rest der Band in dem Raum eingepfercht. Während die Band-Mitglieder darauf insistieren, dass die Polizei gerufen wird, kontaktieren die Clubbetreiber derweil den Barbesitzer Darcy Banker, der wiederum ganz andere Pläne hat, um das Problem aus der Welt zu schaffen…

Rezension:

Lange Zeit dümpelte Green Room auf meinem persönlichen Wunschzettel, bevor es die blaue Scheibe zu mir nach Hause schaffte, doch hat sich das Warten immerhin gelohnt, denn Jeremy Saulnier inszeniert in den gerade einmal anderthalb Stunden Laufzeit einen ungemein effektiven Schocker und verbreitet nach dem noch sehr gefälligen, aber angenehm kurz ausfallendem Intro gehörigen Terror, der ganz in der Tradition der Exploitationfilme steht und in seinen heftigsten Momenten mit schockierenden Gewaltspitzen aufwartet, während es insbesondere der alles überlagernde Fatalismus der Figuren und ihrer Situation ist, der alsbald ein beklemmendes Gefühl erzeugt, denn Hoffnung auf ein unumwundenes Happy-End braucht man sich hier im Grunde ab dem ersten Moment nicht mehr machen, als die Dinge aus dem Ruder zu laufen beginnen. Dabei ist es zunächst einmal eine recht klassische Patt-Situation, als sich die bunt zusammengewürfelte Truppe der Punk-Band The Aint‘ Rights in dem namensgebenden Raum wiederfindet und durch eine Gruppe Neo-Nazis vor der Tür festgesetzt wird, um das Eintreffen ihres Anführers abzuwarten, der die Dinge dann schon zu regeln wissen wird.

Szenenbild aus Green Room | © Universum Film
© Universum Film

Klassische Versatzstücke finden sich hier aber auch sonst zuhauf, wurden aber selten effektiver in einem derart geradlinig konzipierten Film eingesetzt, als es hier der Fall ist, so dass sich die Genre-Perle zunächst zu einer Art grausigem Kammerspiel mausert, um sich zum Katz-und-Maus-Spiel und letztlich zu einer regelrechten Hetzjagd zu wandeln, die wie erwähnt inszenatorisch keine Kompromisse einzugehen bereit ist, womit auch die Altersfreigabe uneingeschränkt gerechtfertigt wäre. Diesbezüglich will ich aber gar nicht ins Detail gehen, auch, um keine Details der Handlung vorwegzunehmen, die natürlich eng verknüpft ist mit den zunehmend drastischer werdenden Methoden der Neo-Nazis, sich ihres "Problems" zu entledigen. Die immerhin werden hier auch nicht als stupide Schläger inszeniert, sondern bekommen gar eine gewisse Befehlshierarchie spendiert und fallen auch nicht auf jeden Bluff zu flüchten ersuchenden Punks herein, derweil natürlich insbesondere Patrick Stewart (X-Men) als im Hintergrund agierender, charismatischer Kopf der Bande mit ungemein intensivem und vor allem furchteinflößenden Schauspiel beeindruckt, denn ähnlich wie die Jungs und Mädels hinter der Türe ist man selbst als Zuschauer zumindest für Millisekunden davon überzeugt, es könnte sich womöglich noch eine friedliche Lösung finden, würden die Protagonisten seinen Worten nur Folge leisten.

Das dem nicht so ist, brauche ich selbstredend niemandem zu erklären und spätestens, wenn sich die Reihen auf beiden Seiten zu lichten beginnen, ist dies natürlich auch den handelnden Figuren mehr als klar, deren Verzweiflung und Ausweglosigkeit ungemein stimmig dargestellt und absolut glaubhaft gemacht wird, so dass es hier kaum Momente gibt, in denen man denken würde "hätten sie doch nur" und "wieso haben sie nicht", was sehr für die Inszenierung spricht, denn oftmals ist es ja doch so, dass die Handlungen der Figuren sich der Handlung der Geschichte zu beugen haben, damit diese nicht ein zu abruptes Ende nimmt und diese Problematik umschifft Saulnier eigentlich jederzeit recht gekonnt. Ähnlich fatalistisch wie das Szenario gestalten sich entsprechend auch die Dialoge der Protagonisten und sind dabei – regelrecht überraschend im Kontext der gerne stilisierten und auf cool getrimmten Gewaltexzesse – von jeglicher ironischen Brechung befreit, was eben auch die eigentlich so simple Handlung ziemlich markerschütternd macht.

Szenenbild aus Green Room | © Universum Film
© Universum Film

Markerschütternd auch in den besten Momenten die Darstellung des leider viel zu jung von uns gegangenen Anton Yelchin (Weg mit der Ex) , der auch hier wieder mit punktgenau akzentuiertem Spiel überzeugt und trotz seiner anfänglich regelrecht zurückgenommenen Art den Film schlussendlich gemeinsam mit Imogen Poots (Drecksau) im Alleingang trägt, wobei Saulnier auch hier nicht den Fehler begeht, den Rest der im Green Room eingeschlossenen Figuren keine Vita und Eigenheiten angedeihen zu lassen und sie zu bloßen Komparsen zu degradieren, denn dann würde ihr Schicksal wohl auch unweigerlich weit weniger erschüttern, als dies hier der Fall ist, was insbesondere auf die von Alia Shawkat (Schmerzensgeld) verkörperte Sam zutrifft. Wer also mal wieder einen regelrechten Schocker erleben will, der fernab des Horror-Genres mit regelrechtem Terror auf der Leinwand in seinen Bann zieht, der sich frei von jeglicher Ironie präsentiert und auf engstem Raum eine durchweg fesselnde Geschichte erzählt, die gerade durch ihre Simplizität besticht, der dürfte sich bei Saulniers Film mehr als gut aufgehoben fühlen.

Fazit & Wertung:

Jeremy Saulnier präsentiert mit Green Room einen ungemein routiniert wie effektiv inszenierten Schocker, der eine im Kern simple und überschaubare Geschichte in einen anderthalbstündigen Reigen der Gewalt und des Terrors verwandelt, dessen Fatalismus und Intensität für die Dauer dieses blutigen Alptraums regelrecht in den Sessel pressen. Die kompromisslose, gänzlich von auflockerndem Humor oder ironischer Brechung befreite Darbietung des Ganzen spricht hierbei für sich.

8 von 10 abgetrennten oder zerfleischten Gliedmaßen

Green Room

  • Abgetrennte oder zerfleischte Gliedmaßen - 8/10
    8/10

Fazit & Wertung:

Jeremy Saulnier präsentiert mit Green Room einen ungemein routiniert wie effektiv inszenierten Schocker, der eine im Kern simple und überschaubare Geschichte in einen anderthalbstündigen Reigen der Gewalt und des Terrors verwandelt, dessen Fatalismus und Intensität für die Dauer dieses blutigen Alptraums regelrecht in den Sessel pressen. Die kompromisslose, gänzlich von auflockerndem Humor oder ironischer Brechung befreite Darbietung des Ganzen spricht hierbei für sich.

8.0/10
Leser-Wertung 7/10 (1 Stimme)
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Meinungen aus der Blogosphäre:
moviescape.blog: 8/10 Punkte

Green Room ist am 07.10.16 auf DVD und Blu-ray bei Universum Film erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

Eine Reaktion

  1. bullion 9. Februar 2018

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