Review: Youth in Revolt (Film)

So ein bisschen Krankheit soll mich natürlich nicht davon abhalten, auch heute wieder eine Film-Kritik zu veröffentlichen – guter Vorausplanung zum Dank – weshalb ich mich freue, euch heute von folgendem Kleinod berichten zu können.

Youth in Revolt

Youth in Revolt, USA 2009, 90 Min.

Youth in Revolt | © Senator Home Entertainment
© Senator Home Entertainment

Regisseur:
Miguel Arteta
Autoren:
Gustin Nash (Drehbuch)
C.D. Payne (Buch-Vorlage)

Main-Cast:

Michael Cera (Nick Twisp / Francois)
Portia Doubleday (Sheeni Saunders)
Jean Smart (Estelle Twisp)
Mary Kay Place (Mrs. Saunders)
Justin Long (Paul Saunders)
Ray Liotta (Lance Wescott)
Steve Buscemi (George Twisp)
Zach Galifianakis (Jerry)
Rooney Mara (Taggarty)

Genre:
Komödie | Drama | Romantik

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Youth in Revolt | © Senator Home Entertainment
© Senator Home Entertainment

Der sechzehnjährige Nick Twisp mag ein verschrobener, etwas merkwürdiger Außenseiter sein, doch ist er auch reflektiert genug, genau zu wissen, warum er noch nie eine Freundin hatte. Das allerdings soll sich ändern, als Nick bei einem Camping-Ausflug nach Ukiah der hübschen Sheeni begegnet. Dumm nur, dass Sheeni einen Freund hat und Nick alsbald mit seiner Mutter und ihrem Lebensgefährten heimkehren muss, doch da kommt Nick die vermeintlich zündende Idee: Er erschafft sich ein Alter Ego namens Francois Dillinger, der es mit seiner rebellischen Attitüde schaffen soll, dass die eigene Mutter Nick vor die Tür setzt, so dass er zu seinem Vater ziehen muss, dem wiederum ein Job in der Nähe des Hauses von Sheenis Eltern zugeschustert werden soll, auf dass die Liebenden alsbald wieder vereint sind. Die Taten von Francois allerdings bringen bald auch die Polizei auf Nicks Spur und obwohl sein Plan zunächst aufzugehen scheint, sieht er sich – zurück in Ukiah – prompt mit neuen Problemen konfrontiert. Immerhin steht ihm Francois auch weiterhin zur Seite und scheint für jede Unwägbarkeit den passenden Plan zu haben, auch wenn diese oft mehr als halblegal sein dürften…

Rezension:

Über Jahre hinweg war Michael Cera (Magic Magic) auf die Rolle des schlaksigen, sympathischen Sonderlings von nebenan abonniert und auch der von Miguel Arteta inszenierte Youth in Revolt macht diesbezüglich keine Ausnahme, doch fernab dessen, dass Cera als Nick Twisp die Hauptrolle in dieser Literaturverfilmung übernimmt und damit im Zentrum einer ungemein spleenigen und gewollt skurril aufgezogenen Coming-of-Age-Story steht, kommt er ebenso als dessen Alter Ego Francois Dillinger zum Einsatz, denn Nick wird alsbald klar, dass er mit seiner Schüchternheit und der zurückhaltenden Attitüde so bald kaum einen Blumentopf gewinnt und schon gar nicht das Herz seiner angebeteten Sheeni gewinnt, die er bei einem Familienausflug kennenlernt. Kurzerhand erfindet sich Nick daher sozusagen neu und wird fortan in den unmöglichsten Momenten von dem Schnurrbart und weiße Splipper tragenden, rauchenden Francois begleitet, der auch gern mal das Zepter übernimmt und gemäß seiner weitaus rebellischeren Attitüde für reichlich Chaos sorgt und damit zur Figur gewordenen Triebfeder der Dramaturgie des Streifens avanciert, denn selbst wenn Nick sich den Einflüsterungen Francois‘ verweigert, setzt der seine Vorhaben kurzerhand selbst in die Tat um und bringt Nick mehr als einmal in arge Bedrängnis.

Szenenbild aus Youth in Revolt | © Senator Home Entertainment
© Senator Home Entertainment

Dabei bewahrt sich Youth in Revolt trotzdem eine bestechende Leichtigkeit und droht niemals in bedeutungsschwangere Betrübnis abzudriften, handelt es sich schließlich bei den Zwiegesprächen zwischen Nick und Francois um nichts weiter als visualisierte Pubertät, die hier wie sonst auch überall ihr Momentum aus dem Willen zieht, mit einer bestimmten Person – in diesem Fall der von Portia Doubleday verkörperten Sheeni – zusammen sein zu wollen. Da stört es dann auch kaum, dass viele der Einfälle von Nick/Francois sich von außen betrachtet schon reichlich dämlich ausnehmen und ein Scheitern vielerorts vorprogrammiert scheint, denn auch dies ist natürlich eines der ungeschriebenen Gesetze des Coming-of-Age-Sujets, dass der Weg das Ziel ist und der gestaltet sich hier angenehm abwechslungsreich, erfrischend und unverbraucht, punktet mit einer oft durchscheinenden tragikomischen Note und ist speziell hinsichtlich der in kleineren Rollen beteiligten Schauspieler nicht zu verachten, so dass allein schon Zach Galifianakis (It’s Kind of a Funny Story) und Ray Liotta (Hauptsache, die Chemie stimmt) als Freunde der von Jean Smart dargestellten Mutter von Nick dabei sind, während niemand Geringeres als Steve Buscemi (Der unglaubliche Burt Wonderstone) Nicks Vater George verkörpern darf, derweil Rooney Mara hier als Freundin von Sheeni in einer ihrer kleinen und frühen Rollen zu sehen ist.

Das Geschehen von Youth in Revolt allerdings wirkt leider zu Teilen reichlich zerfasert und bestenfalls episodisch, was in Anbetracht der rund anderthalbstündigen Inszenierung ein wenig gehetzt wirkt, so als wenn man noch eben schnell einen Handlungsort und einen Subplot abarbeiten müsste. Dadurch wiederum wirkt das Geschehen manches Mal auch ein wenig überladen, denn was im Buch funktioniert haben mag, überfrachtet hier einen doch sehr knapp gehaltenen Film teils merklich, wenn Nick für einen einzigen Ausflug noch einen neuen Freund an die Seite gestellt bekommt, im letzten Drittel urplötzlich der von Justin Long (iLove) gespielte Bruder von Sheeni in Erscheinung tritt, während sich Nicks früherer Nachbar aus Gründen beizeiten bei seinem Vater einquartiert und so weiter und so fort. Schlecht wird der Film dadurch mitnichten und diese die Haupthandlung kaum vorantreibenden Einsprengsel sind durch die Bank sympathisch und unterhaltsam geraten, doch hätte hier ein wenig mehr erzählerischer Fokus auch nicht wirklich geschadet.

Szenenbild aus Youth in Revolt | © Senator Home Entertainment
© Senator Home Entertainment

Dessen ungeachtet ist der Film allerdings mit ordentlich Selbstbewusstsein inszeniert, bewegt sich inszenatorisch des Öfteren fernab ausgetretener Pfade und erzählt seine Coming-of-Age-Story in angenehm reflektierter und kluger Weise. Pointierte Dialoge, sorgfältig in die Handlung eingewobene Animationssequenzen, die die Geschichte vorantreiben sowie nicht zuletzt die Doppelbesetzung von Michael Cera als Nick und Francois machen aus dieser Wallfahrt zur ersten Liebe derweil ein rundherum überzeugendes Vergnügen, dessen dramaturgische Unpässlichkeiten kaum störend ins Gewicht fallen, zumal jede einzelne Begebenheit, jede Station auf Nicks Weg gepflastert ist mit liebevoll-spleenig dargestellten Begegnungen und Figuren, derweil sich der Humor nie in den Vordergrund drängt und trotzdem jederzeit vorhanden ist, gerne auch mal schlüpfrig daherkommen mag, jedoch selten unter die Gürtellinie zielt, obschon es natürlich auch hier im Kern um einen Heranwachsenden geht, dessen Gefühle in Wallung kommen; das allerdings hat man selten einfallsreicher und unverbrauchter dargestellt bekommen als hier, weshalb es sich in meinen Augen um einen rundweg empfehlenswerten Indie-Streifen handelt, der nicht zuletzt mit einem gleichsam überzeugenden Soundtrack – angeführt von Beulahs während des Abspanns laufendem "Popular Mechanics for Lovers" – veredelt wird.

Fazit & Wertung:

Miguel Arteta inszeniert mit Youth in Revolt eine Coming-of-Age-Story der etwas anderen Art und lässt insbesondere Michael Cera in seiner Doppelrolle als schüchterner Nick und draufgängerischem Alter Ego Francois brillieren, derweil der spielfreudige wie prominente Cast um ihn herum eine wendungs- wie abwechslungsreiche Geschichte spürbar veredelt, die einzig dramaturgisch zuweilen ein wenig episodisch wirkt und gerne stringenter hätte erzählt werden können, doch der Kern dieser kuriosen Abenteuerreise überzeugt mit Charme und Warmherzigkeit.

7,5 von 10 Zwiegespräche mit dem imaginierten Alter Ego

Youth in Revolt

  • Zwiegespräche mit dem imaginierten Alter Ego - 7.5/10
    7.5/10

Fazit & Wertung:

Miguel Arteta inszeniert mit Youth in Revolt eine Coming-of-Age-Story der etwas anderen Art und lässt insbesondere Michael Cera in seiner Doppelrolle als schüchterner Nick und draufgängerischem Alter Ego Francois brillieren, derweil der spielfreudige wie prominente Cast um ihn herum eine wendungs- wie abwechslungsreiche Geschichte spürbar veredelt, die einzig dramaturgisch zuweilen ein wenig episodisch wirkt und gerne stringenter hätte erzählt werden können, doch der Kern dieser kuriosen Abenteuerreise überzeugt mit Charme und Warmherzigkeit.

7.5/10
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Youth in Revolt ist am 28.03.13 auf DVD und Blu-ray bei Senator im Vertrieb von Universum Film erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

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