Review: The Ides of March – Tage des Verrats (Film)

Nachdem ich die Woche mit einem Film eröffnet habe, wie er aktueller kaum hätte sein können, darf es dann diesmal auch wieder ein Streifen von vor ein paar Jahren sein, den ich dann hiermit nun auch endlich nachgeholt hätte.

The Ides of March
Tage des Verrats

The Ides of March, USA 2011, 101 Min.

The Ides of March - Tage des Verrats | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Regisseur:
George Clooney
Autoren:
George Clooney
Grant Heslov
Beau Willimon

Main-Cast:

Ryan Gosling (Stephen Meyers)
George Clooney (Governor Mike Morris)
Philip Seymour Hoffman (Paul Zara)
Paul Giamatti (Tom Duffy)
Marisa Tomei (Ida Horowicz)
Jeffrey Wright (Senator Thompson)
Evan Rachel Wood (Molly Stearns)

Genre:
Drama

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus The Ides of March - Tage des Verrats | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Während von den Republikanern nicht viel zu erwarten ist, liefern sich die demokratischen Kandidaten, der Gouverneur Mike Morris und der Senator Pullman ein Kopf-an-Kopf-Rennen, während es gilt, speziell in Ohio die Vorentscheide zu gewinnen und in diesem Zusammenhang Senator Thompson auf die eigene Seite zu ziehen. Morris verfügt bei diesem Tauziehen allerdings über eine regelrechte Geheimwaffe, denn sein Wahlkampfmanager Paul Zara hat den ambitionierten wie loyalen Medienexperten Stephen Myers unter seiner Fuchtel, der mit vollem Einsatz für Morris‘ Sache eintritt. Dem "gegnerischen" Wahlkampfleiter Tom Duffy ist Myers verständlicherweise ein Dorn im Auge und bei einem geheimen Treffen versucht er, Myers abzuwerben. Der lehnt zwar nachdrücklich ab, doch alsbald bekommt nicht nur Morris‘ Fassade erste Risse, als Myers von der ungewollten Schwangerschaft der Praktikantin Molly Stearns erfährt, nein, auch die Journalistin Ida Horowicz scheint auf unergründlichen Wegen Wind von dem Treffen zwischen Myers und Duffy bekommen zu haben und setzt den bis dato so integren Wahlkämpfer zunehmend unter Druck…

Rezension:

Auch wenn The Ides of March seinerzeit in einem ganz anderen politischen Kontext entstanden sein mag und man mit einer Spur Zynismus behaupten könnte, die Realität hätte die filmische Handlung längst und mühelos überflügelt, lohnt sich der hochkarätige Ensemble-Film doch auch noch gute sechs Jahre nach seiner (deutschen) Veröffentlichung, auch wenn eben die ach so intriganten und moralisch verwerflichen Machenschaften ein Stück weit ihre Schärfe und Brisanz verloren haben mögen, doch andererseits wirkt vieles – losgelöst von der Bühne der demokratischen Vorwahlen – in Zeiten der #MeToo-Debatte wiederum brandaktuell, wenn es auch einige Zeit braucht, bis die auf dem Stück Farragut North von Beau Willimon basierende Story wirklich in Fahrt kommt, so dass die Stärken der vierten George Clooney-Regiearbeit sicherlich vermehrt in der zweiten Hälfte zu suchen sind.

Szenenbild aus The Ides of March - Tage des Verrats | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Das soll aber mitnichten heißen, dass die erste Hälfte The Ides of March schlecht oder zu vernachlässigen wäre, denn tatsächlich nutzt Clooney die Zeit, um gekonnt seine Akteure in Stellung zu bringen und insbesondere Stephen Myers als Fixpunkt des Geschehens zu etablieren, der von Ryan Gosling (The Big Short) anfänglich als aalglatter Saubermann präsentiert wird, nur um sich binnen der rund einwöchigen Filmhandlung und den daraus resultierenden hundert Minuten Spielzeit zum gleichermaßen abgebrühten wie desillusionierten Charakter zu wandeln, dessen moralische Ambivalenz zweifelsohne das Herzstück des Films ausmacht, denn so hochkarätig der ihn umgebende Cast auch sein mag, spielen sie doch allesamt nur Nebenrollen in dem Polit-Drama, gleichwohl es insbesondere Philip Seymour Hoffman (Tödliche Entscheidung) und Paul Giamatti (Barney’s Version) natürlich spielend gelingt, eigene Akzente zu setzen und als rivalisierende Wahlkampfmanager unterschiedlicher Lager ein spannendes Kräftemessen veranstalten, ohne dafür überhaupt nur gemeinsam im Bild, geschweige denn am selben Ort sein zu müssen.

Leider muss ich aber auch sagen, dass ich mir bei all dem Lob und der Euphorie seinerzeit um den Film vielleicht ein noch vielschichtigeres, kompromissloseres, zynischeres Werk erwartet hätte, denn auch wenn George Clooney (Hail, Caesar!) – insbesondere auch persönlich in seiner Verkörperung des Gouverneurs Morris – sich genüsslich im Sündenpfuhl des Politik-Business suhlt, sind es doch vielerorts beinahe schon generische, wenig überraschende Entwicklungen, denen er auch in The Ides of March nichts Neues hinzuzufügen weiß. So ist die Adaption des Theaterstücks inszenatorisch ein Erfolg auf ganzer Linie und ich wüsste nicht, was ich bei dem Star-Aufgebot, den in Anbetracht der Rollen durchaus vielschichtigen Figuren, der liebevollen und detailverliebten Ausstattung, der souveränen Kameraarbeit und dem Score an dem Film objektiv betrachtet aussetzen könnte, derweil es dramaturgisch leider eben nicht ganz so rosig aussieht, denn während es anfänglich braucht, bis sich überhaupt eine konkrete Marschrichtung abzeichnet, ist das, was an schmutzigen Geheimnissen zutage tritt, eben eigentlich auch nur genau das, was man ab einem bestimmten Moment ohnehin geahnt, ja beinahe gewusst hat.

Szenenbild aus The Ides of March - Tage des Verrats | © Universal Pictures
© Universal Pictures

So kristallisiert sich beispielsweise in einem ohnehin überwiegend von Männern dominierten Film die Rolle der Praktikantin Molly Stearns schneller heraus, als einem lieb sein kann und der weitere Fortgang ihre Figur betreffend entspricht dann ebenso den Erwartungen, dass es einzig Evan Rachel Wood (Into the Forest) zu verdanken ist, dass ihre Figur nicht zum bloßen Plot-Device verkommt. Das mag jetzt aber auch wieder abwertender klingen als es der Film verdient hätte, zumal sich im letzten Drittel dann doch noch einige Twists verbergen, die man so nicht unbedingt hat kommen sehen, derweil der bis dahin nur angedeutete Zynismus sich nun immer merklicher Bahn bricht und die anfänglich gegenüber Myers ausgesprochenen Ratschläge, er möge sich besser einer anderen Branche zuwenden, bevor die Politik ihn verdirbt, nachdrücklich unterstreicht. Dieser Nachdruck bringt es aber auch mit sich, dass The Ides of March in manchen Momenten beinahe ein wenig pathetisch wirkt, was aber auch mit seinen Wurzeln als Theaterstück zusammenhängen könnte, denn obwohl hier zahlreiche Figuren und Handlungsorte bemüht werden, merkt man dem sich zuspitzenden Treiben doch mancherorts deutlich seine Herkunft an. Die große Geste aber steht dem Film tatsächlich auch gut zu Gesicht und insbesondere das Ende weiß in seiner Konsequenz zu gefallen, auch wenn der Weg dorthin nicht immer so überraschend gewesen ist, wie ich mir das erhofft hätte.

Fazit & Wertung:

Mit The Ides of March liefert George Clooney ein durchaus gelungenes Politdrama ab, das von seinem formidablen Ensemble und einer inszenatorischen Souveränität getragen wird, dem es allerdings ein wenig an dramaturgischer Finesse fehlt, denn so sehr die Spitzen gegen das politische System selbst zu gefallen wissen, so absehbar und generisch ist der eigentliche Plot zuweilen geraten.

7 von 10 politischen Fallstricken

The Ides of March

  • Politische Fallstricke - 7/10
    7/10

Fazit & Wertung:

Mit The Ides of March liefert George Clooney ein durchaus gelungenes Politdrama ab, das von seinem formidablen Ensemble und einer inszenatorischen Souveränität getragen wird, dem es allerdings ein wenig an dramaturgischer Finesse fehlt, denn so sehr die Spitzen gegen das politische System selbst zu gefallen wissen, so absehbar und generisch ist der eigentliche Plot zuweilen geraten.

7.0/10
Leser-Wertung 6/10 (1 Stimme)
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DVD:

Blu-ray:

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