Review: Defenders – Ohne Skrupel (Graphic Novel)

Endlich schaffe ich es diese Woche, diesen eigentlich schon lang so gut wie fertiggestellten Artikel auch online zu stellen, was mir in dem Fall schon dahingehend eine große Freude ist, da es sich in meinen Augen um eine echte Empfehlung handelt, die man sich als Superhelden-Fan besser nicht entgehen lassen sollte!

Defenders
Ohne Skrupel

FCBD Guardians of the Galaxy 2017 (II), The Defenders #1-5, USA 2017, 132 Seiten

Defenders - Ohne Skrupel | © Panini
© Panini

Autor:
Brian Michael Bendis
Zeichner:
David Marquez

Verlag (D):
Panini Verlag
ISBN:
978-3-741-60630-4

Genre:
Action | Abenteuer | Science-Fiction

 

Inhalt:

Nachdem Luke Cage, Iron Fist und Daredevil die Ganoven eines zwielichtigen Nachtclubs gehörig aufgemischt haben, scheinen sie einen neuen, mächtigen Widersacher auf den Plan gerufen zu haben, der nicht davor zurückschreckt, bestens abgestimmte und teils verheerende Anschläge am helllichten Tage auf die als "Defenders" bekannten Helden zu verüben. Dabei ist ihr Kontrahent mitnichten ein Unbekannter und es scheint, als wäre der totgeglaubte Diamondback aus dem Jenseits zurückgekehrt, um die Helden heimzusuchen. Damit aber nicht genug, mischt sich alsbald auch der Punisher in die Fehde ein, die ganze Straßenzüge New Yorks mit Chaos überzieht…

Rezension:

Bekanntermaßen bin ich ja ein großer Freund der versammelten Netflix-Marvel-Serien-Produktionen (mal mehr, mal weniger) und entsprechend habe ich mich regelrecht auf Defenders – Ohne Skrupel gestürzt, als der Sammelband, der die ersten fünf Hefte der Serie vereint, bei mir eintrudelte, der sich nicht von ungefähr wie ein Netflix-Tribut anfühlt und liest. Klar, wir befinden uns um Marvel-Comic-Universum und nicht etwa im Metier der TV-Serien, was einige Veränderungen mit sich bringt, doch sind die Geschichten schon ähnlich gelagert und weisen ein recht ähnliches Flair auf, was dem Band wahnsinnig gut zu Gesicht steht, denn wo mich andernorts schnöde Materialschlachten und schier unbesiegbar scheinende Helden anöden, sind hier die versammelten Defenders mitnichten unfehlbar oder unverletzlich, so dass sie ein ums andere Mal bei der "Night Nurse" Zuflucht suchen müssen, um sich von ihren Blessuren zu erholen. Auch sonst weiß der Band aber dramaturgisch zu gefallen und erzählt eine gleichermaßen wendungsreiche wie abwechslungsreiche Geschichte, die eben aus weit mehr besteht als nur plumper Action, wobei die natürlich ohne Frage nicht zu kurz kommt.

Dass ich insbesondere dramaturgisch von Defenders – Ohne Skrupel so angetan bin, kommt derweil sicher nicht von ungefähr, denn als Autor zeichnet hier niemand Geringeres als Brian Michael Bendis verantwortlich, der seinerzeit mit Alias die Figur Jessica Jones überhaupt erst ersonnen und zu einem festen Bestandteil des Marvel-Universe hat werden lassen, wobei sich schon die damaligen Storylines durch enormen Tiefgang und weiterführende Charakterzeichnung ausgezeichnet haben, als man das von einschlägigen Superhelden-Comics gewohnt sein mag. Hier nun ist es natürlich ein wenig schwieriger, gleich vier Titelfiguren gerecht zu werden, doch gelingt ihm selbst dies famos und schon bei der Einführung der Figuren auf den ersten Seiten, vornehmlich in parallel verlaufenden Handlungsabrissen, habe ich den Comic-Band schwer gefeiert, denn atmosphärisch ist das tatsächlich vom ersten Moment an großes Kino. Als Widersacher der Defenders wiederum inszeniert Bendis den ebenfalls aus der TV-Serie bekannten Willis Stryker aka Diamondback, dem der Band im Original – Diamonds Are Forever auch seinen Namen verdankt und der hier weitaus gefährlicher und bedrohlicher in Erscheinung tritt als noch in der Netflix-Serie Luke Cage.

Manches Mal mag Bendis zwar zugegebenermaßen über das Ziel hinausschießen, wenn von Jessica über Luke, Daredevil bis hin zu Iron Fist sämtliche Helden teils schwerste Verletzungen hinnehmen müssen, um so zum Ende des jeweiligen Heftes die Spannung noch einmal nach oben zu treiben, doch hält sich das durchaus noch im Rahmen. Gastauftritte gibt es hier derweil ebenfalls einige zu verzeichnen, wie eben für Marvel-Comics gleichsam durchaus üblich und so mischt auch Frank "The Punisher" Castle mit und selbst der Kingpin darf seinen Auftritt haben, während man sich Blades zweiseitiges Cameo sicherlich auch hätte schenken können. Das einzige, was man hier wohl noch am ehesten wirklich bemängeln könnte, ist, dass Defenders – Ohne Skrupel mit einem ziemlichen Cliffhanger zu Ende geht, denn man wird sich sicherlich einige Zeit gedulden müssen, bis die Fortsetzung (insbesondere hierzulande) aufschlägt, aber bis dahin weiß der fünf Hefte umfassende Sammelband durchweg zu gefallen.

Ausschnitt aus Defenders - Ohne Skrupel | © Panini
© Panini

Nicht zuletzt liegt das aber neben dem gelungenen Storytelling, dem Wortwitz und der bedrohlichen Atmosphäre auch ganz akut an David Marquez, der schon mit Bendis zusammen an Avengers: Age of Ultron gearbeitet hat und der hier sowohl das Zeichnen als auch Tuschen übernommen hat, denn sein Stil ist wahnsinnig detailliert, ausdrucksstark und einfach nur famos, weshalb jedes einzelne Panel, ob nun in den Dialogszenen oder bei groß angelegten Auseinandersetzungen, als einziger Genuss zu bezeichnen ist, so dass ich schwer hoffe, dass er auch in den Folgebänden mit an Bord sein wird, was ja leider nicht immer die Regel darstellt. Für sich genommen und ungeachtet des finalen Cliffhangers ist Defenders – Ohne Skrupel aber sowohl eine Augenweide als auch inszenatorisch ein Genuss, derweil gerade und speziell Quereinsteiger, die die genannten Helden vornehmlich aus den TV-Serien kennen, hier durchaus einen Blick riskieren können, auch wenn natürlich die Gefahr besteht, direkt von der hohen Qualität, die hier geboten wird, verwöhnt zu sein. Ich für meinen Teil hatte mit der Geschichte auf alle Fälle so viel Spaß wie schon lange nicht mehr mit einem Superhelden-Comic und es wird schwer werden, hier adäquaten, ähnlich hochkarätigen Nachschub aufzutreiben, bis die Fortsetzung bei uns eintrudelt. Dummerweise wird es sich bei den fünf nachfolgenden Heften auch um die letzte Arbeit handeln, für die Bendis noch bei Marvel verantwortlich gezeichnet hat, der mittlerweile exklusiv für den Konkurrenten DC tätig ist.

Fazit & Wertung:

Kultautor Brian Michael Bendis liefert mit Defenders – Ohne Skrupel einen kultverdächtigen Trade zum gleichnamigen Superhelden-Team-Up, das in diesem speziellen Fall unverkennbar von der gleichnamigen Netflix-Produktion inspiriert ist, sich aber trotzdem seine Comic-Wurzeln bewahrt und mit Abwechslungsreichtum, Spannung und detaillierter Charakterzeichnung punktet. Detailliert sind derweil auch die wunderschön anzuschauenden Zeichnungen seitens David Marquez, der den Band auch optisch im besten Licht erscheinen lässt.

9 von 10 brutalen Auseinandersetzungen

Defenders - Ohne Skrupel

  • Brutale Auseinandersetzungen - 9/10
    9/10

Fazit & Wertung:

Kultautor Brian Michael Bendis liefert mit Defenders – Ohne Skrupel einen kultverdächtigen Trade zum gleichnamigen Superhelden-Team-Up, das in diesem speziellen Fall unverkennbar von der gleichnamigen Netflix-Produktion inspiriert ist, sich aber trotzdem seine Comic-Wurzeln bewahrt und mit Abwechslungsreichtum, Spannung und detaillierter Charakterzeichnung punktet. Detailliert sind derweil auch die wunderschön anzuschauenden Zeichnungen seitens David Marquez, der den Band auch optisch im besten Licht erscheinen lässt.

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Defenders – Ohne Skrupel ist am 03.04.18 im Panini Verlag erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über den nachfolgenden Link und unterstützt damit das Medienjournal!

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