Allerorten spricht alles und jeder über den Deadpool-Kinofilm, aber da ich ja nicht so der passionierte Kinogänger bin, wird das bei mir wohl wieder bis zur Heimkinoauswertung warten müssen. Macht aber nichts, denn wie das Comic-Superhelden ja so an sich haben, hat auch Deadpool eine umtriebige Vergangenheit in den Breitengraden der neunten Kunst vorzuweisen und zumindest mit der Anthologie, über die ich heute sprechen möchte, lässt sich ganz vorzüglich die Zeit vertreiben. Aber lest selbst!

Deadpool: Greatest Hits
Die Deadpool-Anthologie

The New Mutants #98, Deadpool (1997) #11, Deadpool (2001) #54-55
Cable & Deadpool #24, #49-50, X-Men Origins: Deadpool, Prelude to Deadpool Corps #4,
Deadpool #1000, Deadpool (2008) #33.1, A+X #8, Deadpool (2013) #27,
USA 1991/1997/2001/2006/2008/2010/2011/2014, 320 Seiten

Deadpool: Greatest Hits - Die Deadpool-Anthologie | © Panini
© Panini

Autoren:
Rob Liefeld (Der Anfang vom Ende, Teil 1)
Joe Kelly (Mit großer Kraft kommt großer Zufall)
Jimmy Palmiotti (Ende Gelände)
Buddy Scalera (Ende Gelände)
Fabian Niecieza (Klebrige Situationen, Säbelzahn-Serenade, Symbiose Mitose)
Reilly Brown (Säbelzahn-Serenade, Symbiose Mitose)
Duane Swiericzynski (Der große Kinofilm)
Victor Gischler (Headpool)
Rick Remender (Zerstörungslust)
Daniel Way (Der Preis stimmt)
Brian Posehn (Die Hochzeit von Deadpool)
Gerry Duggan (Die Hochzeit von Deadpool)
Zeichner:
Rob Liefeld (Der Anfang vom Ende, Teil 1)
Pete Woods (Mit großer Kraft kommt großer Zufall)
Georges Jeanty (Ende Gelände)
Patrick Zircher (Klebrige Situationen)
Reilly Brown (Säbelzahn-Serenade, Symbiose Mitose)
Leandro Fernandez (Der große Kinofilm)
Paco Medina (Headpool)
Jerome Opeña (Zerstörungslust)
Bong Dazo (Der Preis stimmt)
Mike Hawthorne (Die Hochzeit von Deadpool)

Verlag (D):
Panini Verlag
ISBN:
978-3-957-98631-3

Genre:
Action | Abenteuer | Science-Fiction

 

Inhalt:

Die Deadpool:Greatest Hits Anthologie schildert den ersten Auftritt von Wade Wilson aka Deadpool im Marvel-Universum als Widersacher von Cable, berichtet davon, wie er in die Vergangenheit gereist ist und dort Spider-Man den Tag verhagelt hat, schildert das Aufeinandertreffen mit dem Punisher, eine weitere Auseinandersetzung mit Spider-Man, wie Deadpool ins Wilde Land gereist ist und eine Horde Dinosaurier nach Manhattan teleportiert hat, dokumentiert die Unterredung mit einem Regisseur, um den Deadpools Origin verfilmen zu lassen und vieles mehr – und natürlich Deadpools Hochzeit mit der Succubi Shiklah. Und Headpool ist selbstredend auch mit an Bord in diesem Sammelsurium der besten Deadpool-Geschichten aller Zeiten!

Rezension:

Passend zum Kinostart des Deadpool-Films am 11. Februar hat es sich Panini nicht nehmen lassen, zu dem hierzulande im direkten Vergleich zu anderen Marvel-Helden doch eher unbekannten Söldner mit dem losen Mundwerk und dem Heilfaktor eine prächtig aufgemachte Anthologie zu veröffentlichen, die mit Deadpool: Greatest Hits auch dem eher unbedarften Leser (wie mir) einen umfassenden Einblick in die zwar noch gar nicht so lange währende, dafür ungemein umtriebige Biografie zu gewähren, von Deadpools erstem Auftritt 1991 als Widersacher von Cable bis hin zu dessen Hochzeit mit der Succubi Shiklah. Der als edles Hardcover aufgemachte und weit über 300 Seiten umfassende Band vereint in Summe nicht weniger als elf – teils mehrteilige – Geschichten, doch lässt man es dabei nicht bewenden und sowohl Christian Endres als auch Thomas Witzler ist es zu verdanken, dass jeder einzelnen Storyline ein erklärender und erläuternder Text vorangestellt ist, der die Umstände des Geschehens, die Querverweise und die Verortung des Gezeigten im Gesamtkontext näher erläutert.

Solche Hintergrundinfos wünsche ich mir viel öfter und bin daher schon seit jeher Fan insbesondere der Vorworte von Christian Endres, doch hier machen sie eben auch besonders viel Sinn, denn man springt schon zuweilen von Dekade zu Dekade und ausgerechnet der erste Auftritt in Der Anfang vom Ende, Teil 1ist es auch, der geschichtlich wie optisch kaum zu gefallen weiß, was nicht etwa an dem Alter der Story liegt, sondern daran, dass einem das Verständnis für die damaligen Zustände völlig abgeht und die Rob Liefelds Zeichnungen alles andere als ansprechend wirken, aber natürlich gehört so ein erster Auftritt zwingend in eine Anthologie und ich hätte mich andernfalls wiederum geärgert, sie nicht präsentiert bekommen zu haben, doch geht es danach inhaltlich wie optisch steil bergauf. So begegnet Deadpool dem jungen Peter Parker, liefert sich ein wuchtiges Duell mit Frank Castle, bekämpft gemeinsam mit den Avengers von außerirdischen Symbionten befallene Dinosaurier in den Straßen von Manhattan – wo er sie selbstredend zuvor selbst hin teleportiert hat – und offenbart einem ambitionierten Regisseur seine Herkunftsgeschichte, nur um zu erleben, wie dieser daraus einen herrlich absurden Kinofilm kreiert. Die Deadpool: Greatest Hits sind – abgesehen von der wie gesagt eher mauen Einstiegsgeschichte zweifellos ein Band der Superlativen und präsentieren gekonnt sämtliche Facetten des regenerierenden Degenerierten, ganz so, wie man es sich von einer stimmig zusammengestellten Anthologie erwarten würde.

Natürlich sind einige der Geschichten schon älter und so greifen nicht sämtliche popkulturellen Referenzen unseres scharfzüngigen Anti-Helden, doch verströmen dafür speziell Geschichten wie Mit großer Kraft kommt großer Zufall – die in ihrer Art und Darbietung ja ganz bewusst noch zusätzlich auf alt getrimmt worden ist – dafür gehörig nostalgisches Flair, während sich beispielsweise der Zweiteiler Ende Gelände aus dem Jahr 2001 mit seinem Zusammentreffen von Deadpool und Castle auch vor neueren Comic-Stories nicht zu verstecken braucht und für mich nebst dem sich hieran anschließenden Klebrige Situationen – Deadpool vs. Spider-Man – zu einem der frühen Highlights des Bandes zählte, während speziell die Story Der große Kinofilm allein in Hinblick auf die jüngst erfolgte Hollywood-Aufbereitung des soziopathischen Söldners gehörig Unterhaltung verspricht.

Doch kaum eine der Geschichten braucht sich überhaupt vor den anderen zu verstecken, setzen die unterschiedlichen Autoren und Zeichner schließlich jeweils andere Akzente, überzeugen aber in ihrer Gesamtheit ungemein. Abgerundet wird das ohnehin schon stimmige Gesamtbild von weiteren erläuternden Texten seitens Endres und Witzler, die unter anderem auf die diversen Variationen des „klassischen“ Deadpool verweisen oder sich den zahlreichen parodistischen Covern der Reihe widmen, während mir in den enthaltenen Geschichten einzig das mehrfach betonte Alleinstellungsmerkmal, dass Deadpool zuweilen die vierte Wand durchbricht, sprich sich direkt an den Leser wendet, doch deutlich zu kurz kam, doch hätte man sich zugegebenermaßen kaum eine stimmigere Auswahl an Stories wünschen können, weshalb ich wiederum froh bin, dass man sich hiervon nicht hat beeinflussen lassen. Auch vom Deadpool Corps hätte ich gerne mehr gesehen als einzig und allein den vorlauten Headpool, doch in der Beziehung wissen die zahlreichen Comic-Empfehlungen Abhilfe zu schaffen, welche die Deadpool: Greatest Hits im Nachgang zu der finalen – und ungewohnt actionbefreiten – Geschichte Die Hochzeit von Deadpool zu einem runden Abschluss bringen.

Fazit & Wertung:

Die Deadpool: Greatest Hits Anthologie in edlem Hardcover mit über 300 Seiten irrwitziger Comic-Action ist zweifelsohne ideal, um den soziopathischen Söldner kennenzulernen, doch hat der Band dank der ergänzenden Texte und dem Fakt, dass ein Gros der Hefte heutzutage nicht mehr zu bekommen sein wird, auch für Fans durchaus seinen Reiz und veredelt jede Comic-Sammlung. Zahllose Querverweise und Lese-Tipps runden den idealen Einstieg in die Welt von Deadpool stimmig ab.

10 von 10 wahnwitzigen Abenteuern des regenierenden Degenierten

 

Meinungen aus der Blogosphäre:
Filmherum: 5/5 Punkte

Deadpool: Greatest Hits – Die Deadpool-Anthologie ist am 02.02.16 im Panini Verlag erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über den nachfolgenden Link und unterstützt damit das Medienjournal!

Die Deadpool: Greatest Hits Anthologie in edlem Hardcover mit über 300 Seiten irrwitziger Comic-Action ist zweifelsohne ideal, um den soziopathischen Söldner kennenzulernen, doch hat der Band dank der ergänzenden Texte und dem Fakt, dass ein Gros der Hefte heutzutage nicht mehr zu bekommen sein wird, auch für Fans durchaus seinen Reiz und veredelt jede Comic-Sammlung. Zahllose Querverweise und Lese-Tipps runden den idealen Einstieg in die Welt von Deadpool stimmig ab.
Deadpool: Greatest Hits - Die Deadpool-Anthologie
Date Published: 02/17/2016
10 / 10 stars