Review: Brüderschlacht: Die Rosenkriege 4 | Conn Iggulden (Buch)

Nachdem ich in den vergangenen zwei Wochen der Aktualität geschuldet gleich zwei Mal Star Wars den Vorzug gegeben habe, widme ich mich diesmal nun endlich dem Abschlussband eines mitreißenden Historien-Epos, das zu lesen ich sehr genossen habe.

Brüderschlacht
Die Rosenkriege 4

Wars of the Roses – Ravenspur, UK 2016, 560 Seiten

Brüderschlacht: Die Rosenkriege 4 von Conn Iggulden | © Heyne
© Heyne

Autor:
Conn Iggulden
Übersetzerin:
Christine Naegele

Verlag (D):
Heyne Verlag
ISBN:
978-3-453-42210-0

Genre:
Historie | Drama

 

Inhalt:

Anno Domini, 1470: Nachdem Earl Warwick sich auf die Seite der nach Frankreich vertriebenen Margaret von Anjou geschlagen hat, kehrt er mit einem Heer nach England heim, um Edward IV. zu stürzen und das Haus Lancaster wieder einzusetzen. Edward wiederum unterschätzt die ihm drohende Gefahr und ist sich der Unterstützung des Volkes sicher, während sein Bruder Richard, der Duke von Gloucester mit Schrecken erkennen muss, dass der einst so stolze Recke und tapfere Krieger sich spürbar hat gehen lassen. Schlussendlich sieht sich Edward zur Flucht gezwungen und sucht in Burgund Zuflucht, während der umnachtete Henry VI. von Warwick wieder auf den Thron gesetzt wird. In Frankreich wähnt sich Margaret schon dem Siege nah, doch auch Edward plant seinerseits eine Rückkehr, um erneut mit Waffengewalt seinen Thronanspruch zu untermauern, derweil andernorts unlängst Henry Tudor, der letzte lebende Thronprätendent des Hauses Lancaster, von seinem Onkel gerettet und in Sicherheit gebracht worden ist…

Rezension:

Mit Brüderschlacht: Die Rosenkriege 4 neigt sich wieder eine Ära dem Ende, denn genauso zuverlässig, wie Conn Iggulden alljährlich einen neuen Band seines nun schlussendlich also auf vier Bände angelegten Epos veröffentlicht hat, habe ich mir alljährlich – diesmal allerdings ausgemacht spät – den jeweils neuesten Teil zu Gemüte geführt und mit nicht nachlassender Begeisterung darüber berichtet. Gemessen daran, dass Iggulden mit Darien den Grundstein für ein nicht minder begeisterungswürdiges Fantasy-Epos gelegt hat, fällt der Abschiedsschmerz immerhin nicht so gravierend aus wie befürchtet, zumal man ehrlicherweise sagen muss, dass ein weiterer Band der Reihe auch nicht gutgetan hätte. So fällt doch öfter deutlich auf, dass der Autor zuweilen regelrecht durch die Geschichte hetzt, was damit zusammenhängt, dass dem ersten großen Teil des Buches, der auf das Jahr 1470 datiert, ein zweiter, weitaus straffer und kürzer ausfallender Teil folgt, der einen letzten Zeitsprung ins Jahr 1483 macht und die eigentlichen Rosenkriege zu ihrem schlussendlichen Ende führt.

»Dies wäre eine Gelegenheit, ein wenig guten Willen zu zeigen, Mylord«, rief er hinauf. »Lasst die Vergangenheit ruhen, unsere Väter sind beide begraben. Ihr steht jetzt da, wo ich einst als Earl stand, und Pembroke gehört Euch. Die Jahre gehen dahin, Mylord, und wir können nicht einen Tag oder auch nur eine Stunde zurückholen, um eine bessere Entscheidung zu treffen.« Das Schweigen des Earls machte ihm Mut, zumindest überhäufte der junge Mann ihn nicht mehr mit Flüchen und Drohungen.

Ohne dahingehend spoilern zu wollen, verrät natürlich allein schon der Wikipedia-Artikel zum Thema, welche Ereignisse sich nach einer langen Periode des trügerischen Friedens noch anschließen, doch punktet Iggulden auch hier schlicht und ergreifend wieder mit einer enorm zugänglichen, mitreißenden Schreibe, die die Schwere des Themas leicht vergessen lässt und selten Konfusion aufkommen lässt, was umso erstaunlicher ist, wenn man bedenkt, dass seinerzeit gefühlt jede zweite Person den Namen Edward oder Richard trug. Speziell aus dem zweiten Teil des Buches hätte man derweil sicherlich auch noch einen eigenständigen Band machen können, doch hätte sich dieser Nachfolger zu Brüderschlacht zugegebenermaßen aller Wahrscheinlichkeit nach künstlich gestreckt und aufgebläht angefühlt, so dass ich es persönlich doch sehr begrüße, dass der Autor zugunsten einer stringenten Erzählung manches Ereignis abgekürzt und gestrafft hat, auch wenn die sich innerhalb der Kapitel vollziehenden Zeitsprünge von oft mehreren Monaten manchmal ein wenig irritieren.

Schade ist es natürlich bei Brüderschlacht auch, dass man von nicht wenigen liebgewonnenen Figuren wird Abschied nehmen müssen, doch ist es in den meisten Fällen hier natürlich die Geschichte, die das teils sehr abrupte und oft wenig ruhmreiche Ableben manches Akteurs diktiert, wobei es auch hier wieder eine der Stärken des Buches darstellt, einerseits dem historischen Kontext gerecht zu werden und andererseits glaubhafte Schilderungen oft unglaublicher Wagnisse zu generieren, die speziell im Fall von Edward (IV.) aufzeigen, dass er eben oft mehr Glück als Verstand gehabt hat, während man bei Unkenntnis der zugrundeliegenden Geschichte sehr schön mit einzelnen Parteien und Interessengemeinschaften mitzufiebern vermag, auch wenn sich deren Handlungsstränge mehr als einmal unerwartet in Wohlgefallen auflösen.

Derry Brewer stand neben Warwick und dem König und sah hinab auf die wogende Menge. Auch der Meisterspion war nicht mehr der Mann, der er einst gewesen war. Er ging am Stock und betrachtete die Welt nur noch mit einem Auge. Die Narben an der Stelle des zweiten Auges waren unter einer weichen Lederbinde verborgen. Diese wiederum hatte dort, wo sie am Kopf anlag, die Haare abgerieben, sodass sie an der nackten Haut scheuerte. Warwick überlief es kalt, als er die beiden betrachtete, was Brewer nicht entging. Er wandte den Kopf und spürte den Abscheu des Jüngeren.

In meinen Augen also ein mehr als würdiger, vor allem unbeirrbar konsequenter Abschluss einer ungemein stimmigen Reihe, die zu lesen mir viele Stunden der Spannung und Freude bereitet hat und die ich gerne jedem ans Herz zu legen bereit bin. Fans der ersten Stunde (wie ich) kommen daher meines Erachtens auch bei Brüderschlacht voll auf ihre Kosten, auch wenn es der Geschichte nicht immer zum Vorteil gereicht, dass nach zwei Dritteln eine anderthalb Dekaden spannende Lücke klafft, doch kann man das wohl kaum Iggulden zum Vorwurf machen. Für Quereinsteiger indes ist der Band ohne Zweifel gänzlich ungeeignet, denn so umfassend und weitgreifend die Schilderungen des Autors mancherorts auch sein mögen, baut er charakterlich doch sehr auf den bereits etablierten Figuren der vorangegangenen Bände auf und ist auch um zahllose Querverweise nicht verlegen, die das Ganze als ungemein homogenes, in sich stimmiges und schlüssiges Gesamtwerk erscheinen lassen, das nunmehr immerhin vierzig Jahre englischer Geschichte umreißt, weshalb zu Brüderschlacht aber auch nur der greifen sollte, der sich bereits die drei Vorgänger zu Gemüte geführt hat.

Fazit & Wertung:

Conn Iggulden liefert mit Brüderschlacht: Die Rosenkriege 4 den fulminanten Abschluss seines Historien-Epos und umreißt in gewohnt eloquenter wie kurzweiliger Manier weitere anderthalb Dekaden in den Kriegswirren der Rosenkriege. Hierbei beweist er ausgeprägtes Gespür für Timing und die Bedeutsamkeit einzelner Ereignisse, so dass die Lektüre des immerhin rund 560 Seiten umfassenden Romans wie im Fluge vergeht.

9 von 10 Intrigen gegen die englische Krone

Brüderschlacht: Die Rosenkriege 4

  • Intrigen gegen die englische Krone - 9/10
    9/10

Fazit & Wertung:

Conn Iggulden liefert mit Brüderschlacht: Die Rosenkriege 4 den fulminanten Abschluss seines Historien-Epos und umreißt in gewohnt eloquenter wie kurzweiliger Manier weitere anderthalb Dekaden in den Kriegswirren der Rosenkriege. Hierbei beweist er ausgeprägtes Gespür für Timing und die Bedeutsamkeit einzelner Ereignisse, so dass die Lektüre des immerhin rund 560 Seiten umfassenden Romans wie im Fluge vergeht.

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Weitere Details zum Buch und dem Autor findet ihr auf der Seite des Heyne Verlag. Dort findet sich übrigens auch eine Leseprobe.

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Brüderschlacht: Die Rosenkriege 4 ist am 11.09.17 als Taschenbuch bei Heyne erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über den Link und unterstützt damit das Medienjournal!

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