Extra für The Avengers habe ich meinen üblichen Veröffentlichungsrhythmus über den Haufen geworfen und dem Film den Vorzug gegeben. Nun aber folgt selbstredend die theoretisch für den gestrigen Tag angedachte Buch-Rezension. Dieses passt im Grunde überhaupt nicht zu meiner sonstigen thematischen Ausrichtung, was aber schlicht daran liegt, dass es ein Geburtstagsgeschenk von meiner Liebsten war, die sich privat wie beruflich dem Thema Ernährung verschrieben hat (und folglicherweise auch die vegetarisch-delikate Kochwelt betreibt) und der daran lag, dass ich dieses Buch auch lesen möge. Das habe ich natürlich getan und über meine Eindrücke möchte ich also nun berichten.

Anständig essen

Anständig essen, DE 2011, 335 Seiten

Anständig essen
© Verlag Galiani Berlin

Autorin:
Karen Duve

Verlag (D):
Verlag Galiani Berlin
ISBN:
978-3-869-71028-0

Genre:
Sachbuch

 

Inhalt:

Es war Dezember 2009, als die Autorin Karen Duve von ihrer von ihr liebevoll Jiminy Grille genannten Freundin ein weiteres Mal in ihrer Freundschaft zur Ordnung gerufen wurde, als sie sich – gleichsam wie so viele Male zuvor – die Hähnchen-Grillpfanne von REWE für 2,99€ gönnen wollte. Ohne auf die genauen Begleitumstände und die daraus erwachsende Diskussion einzugehen lässt sich festhalten, dass der Entschluss geboren war, sich jeweils zwei Monate einer anderen Ernährungsform zu widmen, diese also auszutesten und – quasi der Clou, wenn man schon Schriftstellerin ist – ein Buch darüber zu verfassen.

So war Karen Duves 2010 geprägt von zwei Bio-Monaten, zwei vegetarischen Monaten, vier aufeinander folgenden und immer konsequenter werdenden veganen Monaten und zum guten Schluss zwei frutarischen Monaten geprägt und dass gewisse Überlegungen – ja, ein gewisses Umdenken – bei einer derartig stoischen Beschäftigung mit dem Thema Ernährung nicht ausbleiben steht sicherlich außer Frage. Das Ergebnis ihrer festgehaltenen Erfahrungen hält nun also der geneigte Leser mit vorliegendem Buch in Händen.

Rezension:

Ich ging also – wie ihr euch denken könnt – recht unbedarft an Anständig essen heran, hatte ich mich mit dem Thema doch vorher mehr sporadisch und durch meine vegetarisch lebende Freundin bedingt auseinandergesetzt und das Erste was mir auffiel – war es schließlich auch mein erstes Buch der Autorin – war ihre leichtfüßige Art des Schreibens, teils selbstironisch und augenzwinkernd, manchmal gar spöttisch aber immer herzerwärmend sympathisch. Genau die Art, in der man mir ein solches Thema präsentieren muss, ohne erhobenen Zeigefinger, ohne Predigten und ohne falsches Ehrgefühl, denn Karen Duve begeht genau dieselben Verbrechen, sündigt genau so sehr wie jeder andere auch und ist sich durchaus bewusst, weil ja am eigenen Leib erlebt, dass eine Abkehr von alten Gewohnheiten mehr als nur schwierig sein kann.

Der Einstieg war also gemacht und ich muss sagen, dass ich kaum ein Buch so verschlungen habe wie Anständig essen, weil Duves Ausführungen schlicht und ergreifend zum Weiterlesen animieren, sich quasi wie von selbst lesen und immer Lust machen auf noch eine Seite, noch ein Kapitel, noch ein wenig mehr. Mir hat dabei ausnehmend gut gefallen, wie sie einerseits harte Fakten fundiert hat einfließen lassen, während das Hauptaugenmerk tatsächlich auf ihrem privaten Kampf gegen alte Sünden liegt, andererseits aber auch einschlägige Argumente kritisch hinterfragt, relativiert und zur Diskussion stellt.

Dadurch fühlt man sich als Leser nicht halb so bevormundet und belehrt wie man sich hätte fühlen können, wäre jemand mit weniger Fein- und Fingerspitzengefühl an die Sache herangegangen. Das bringt mich nämlich auch in die glückliche Situation, dieses Buch tatsächlich jedem wärmstens ans Herz legen zu können, der auch nur an ein bisschen Selbstreflektion interessiert ist und dass diese Empfehlung von mir kommt, einem sogenannten Allesfresser, der sich auch nie mit dem Gedanken trug, seine Ernährung umzustellen, das mag in diesem Zusammenhang etwas heißen.

Einzig die Einsprengsel zu Karen Duves zahlreichen Haustieren – wenn sie sich auch thematisch durchaus nahtlos einfügen – hätte ich mir etwas knapper gewünscht, weil sie oftmals nicht wirklich etwas zur Geschichte beisteuern und letztlich nur das Fortkommen hemmen. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau und kostet Anständig essen nur die höchste Ehrenkür, den zehnten Punkt, soll aber nicht in Abrede stellen, dass es tatsächlich eines der lohnenswertesten Bücher zum Thema ist und vollkommen zurecht mit Jonathan Safran Foers Tiere essen in einem Atemzug genannt wird.

Fazit & Wertung:

Anständig essen ist der beste Beweis, dass man auch über Vegetarismus und Veganismus reden kann, ohne dass der vermeintlich überlegene Part den Holzhammer hervorholt und mit Plattitüden um sich wirft. Ein durch und durch empfehlenswertes Buch – auch für Neulinge und unbedarft am Thema Interessierte.

9 von 10 verschiedenen Ernährungsformen

 

Meinungen aus der Blogosphäre:
Tofu Nerdpunk

Weitere Details zum Buch und der Autorin findet ihr auf der Seite des Verlag Galiani Berlin. Dort findet sich übrigens auch eine Leseprobe als PDF.

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